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17.03.2017 | Infektionen in der Intensivmedizin | Leitthema | Ausgabe 3/2017

Medizinische Klinik - Intensivmedizin und Notfallmedizin 3/2017

Neue Antibiotika – Stillstand oder Fortschritt

Zeitschrift:
Medizinische Klinik - Intensivmedizin und Notfallmedizin > Ausgabe 3/2017
Autoren:
Dr. J. Rademacher, T. Welte
Wichtige Hinweise

Redaktion

T. Welte, Hannover
K.-F. Bodmann, Eberswalde

Zusammenfassung

Nachdem das Problem der Resistenzentwicklung lange ignoriert wurde, ist die Zunahme von Resistenzen von Infektionserregern gegenüber den wichtigsten Antibiotika jetzt ein wichtiges Thema geworden. Dadurch, dass ein Jahrzehnt lang die Antibiotikaforschung still stand, die Resistenzlage jedoch zugenommen hat, ist eine Lücke entstanden, die nicht so schnell wieder geschlossen werden kann. In dieser Arbeit werden 6 neue Antibiotika (Ceftarolin, Ceftobiprol, Solithromycin, Tedizolid, Ceftolozan/Tazobactam, Ceftazidim/Avibactam) vorgestellt. Aufgrund noch ausstehender Studienergebnisse wird z. T. nur die Expertenmeinung angegeben.
Die beiden Cephalosporine der 5. Generation Ceftarolin und Ceftobiprol haben neben ihrem dem Ceftriaxon (Ceftarolin) oder dem Cefipim (Ceftobiprol) äquivalenten Wirkungsspektrum und Effektivität auch Aktivität gegen den methicillinresistenten Staphylococcus (S.) aureus. Das Ketolidantibiotikum Solithromycin könnte Abhilfe bei makrolidresistenten Erregern schaffen und zeigte eine Nichtunterlegenheit zu Fluorochinolonen. Das Oxazolidinon Tedizolid wirkt aufgrund seiner Bindungseigenschaften auch beim linezolidresistenten S. aureus und ist deutlich bakterizider als Linezolid. Die beiden neuen Cephalosporine Ceftolozan/Tazobactam und Ceftazidim/Avibactam erfassen nicht nur resistente gramnegative Erreger, sondern haben insgesamt ein breites Wirkungsspektrum. Durch ihre Wirksamkeit gegen Extended-spectrum-β-Laktamasen können sie den Selektionsdruck von den Carbapenemen nehmen.
Jedes neue Antibiotikum stellt einen Gewinn dar, wenn es den Selektionsdruck von den häufig benutzten Antibiotika nimmt. Die weltweite Zunahme der Resistenz von gramnegativen Erregern ist beängstigend. Der Fokus auf die Entwicklung neuer Antibiotika sollte unbedingt bestehen bleiben.

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