Skip to main content
main-content

09.09.2020 | Infektionen in der Schwangerschaft | CME Zertifizierte Fortbildung | Ausgabe 10/2020 Open Access

Der Gynäkologe 10/2020

Infektionsscreening in der Geburtshilfe

Zeitschrift:
Der Gynäkologe > Ausgabe 10/2020
Autor:
Dr. med. Michèle Stahel
zum Fragebogen im Kurs
Wichtige Hinweise

Wissenschaftliche Leitung

T. Dimpfl, Kassel
W. Janni, Ulm
R. Kreienberg, Mainz
N. Maass, Kiel
N. Ochsenbein-Kölble, Zürich
O. Ortmann, Regensburg
B. Sonntag, Hamburg
K. Vetter, Berlin
R. Zimmermann, Zürich
Abkürzungen
BAG
Bundesamt für Gesundheit (Schweiz)
CDC
Centers for Disease Control and Prevention (USA)
HIV
Humanes Immundefizienzvirus
IUFT
Intrauteriner Fruchttod
IUGR
„Intrauterine growth retardation“, fetale Wachstumsretardierung
ZNS
Zentralnervensystem

Lernziele

Nach Lektüre dieses Beitrags ...
  • kennen Sie die wichtigsten Infektionskrankheiten, auf die sinnvollerweise in der Schwangerschaft gescreent wird.
  • sind Sie vertraut mit den Infektionskrankheiten, die aktuell den Anforderungen an ein Screeningprogramm nicht erfüllen.
  • Kennen Sie die Kriterien, welche die WHO (World Health Organization) allgemein für ein medizinisches Screeningprogramm fordert.

Einleitung

Röteln, Lues, Hepatitis, HIV und Streptokokken der Gruppe B sind nur ein paar Beispiele für Infektionskrankheiten, welche sowohl für die Mutter als auch für das Kind in der Schwangerschaft bedrohlich sein können.
Infekte in der Schwangerschaft betreffen immer 2 Individuen: einerseits die Mutter und andererseits den Feten bzw. das Neugeborene. Sie können den Feten oder das Kind in unterschiedlicher Weise beeinträchtigen. So kann es zum Beispiel zu Fehlbildungen kommen, wenn der Infekt Einfluss auf die Organogenese hat oder aber eine Infektion kann beim Neugeborenen eine lebensbedrohliche Sepsis hervorrufen, wie das zum Beispiel bei der Streptokokkeninfektion der Fall ist. Ob ein systematisches Screening sinnvoll ist, hängt von einer Reihe verschiedener Faktoren ab, welche Wilson et al. 1968 in einem Grundsatzartikel der WHO (World Health Organization) beschrieben haben und die nach wie vor Bestand haben [ 3]. Die Kriterien beinhalten folgende Punkte:
  • Es handelt sich um ein ernstes Gesundheitsproblem.
  • Die „natural history“ des Problems ist verstanden.
  • Es gibt eine erfassbare Latenzphase.
  • Ein guter und akzeptierter Screeningtest ist vorhanden.
  • Eine nützliche Therapie ist vorhanden.
  • Ein früher Therapiebeginn ist vorteilhaft.
  • Ein Abklärungsort ist vorhanden.
  • Es existiert eine Guideline für die Therapie.
  • Die Screening- und Therapiekosten sind wirtschaftlich vertretbar.
  • Das Screening wird kontinuierlich reevaluiert.
In den deutschsprachigen Ländern sind Screeningprogramme auf Infektionen während der Schwangerschaft unterschiedlich definiert. Während in Deutschland der Gemeinsame Bundesausschuss (GBA) die Infektionen im Detail definiert und in Österreich die Verordnung des Bundesministers für soziale Sicherheit und Generationen über die Festlegung eines Mutter-Kind-Pass-Untersuchungsprogrammes entscheidet, gibt es in der Schweiz keine verbindliche Liste an Infektionen. In der Schweiz richten sich viele nach den Empfehlungen im „Handbuch Geburtshilfe“, 3. Aufl., erschienen 2018 [ 4].
Eine Übersicht über alle schwangerschaftsrelevanten Infektionen gibt Tab.  1 und versucht zu beantworten, ob ein generelles Screening den Wilson-Kriterien genügt und gibt Auskunft, ob ein Screening auch nach den länderspezifischen Vorgaben kassenpflichtig ist. Im Nachfolgenden sollen die Details zu den wichtigsten Infektionen zusammengefasst werden.
Tab. 1
Infektionen in der Schwangerschaft und Screening
Infektion
Schädigung/Komplikation
Expositionszeit
Risiko
Screening
Chlamydien
Amnionitis
Augeninfekte
Neugeborenenpneumonie
Urogenitalinfekte
Perinatal
Im ersten Trimenon, bei Risiko Wiederholung
Hepatitis B
Keine Embryopathie
Keine Fetopathie
Erhöhte Frühgeburtlichkeit?
Transplazentar, v. a. im 3. Trimenon
HBsAg in der ersten Schwangerschaftskontrolle
HIV
Keine Embryopathie, keine Fetopathie
Erhöhte Frühgeburtsrate
Konnatale HIV-Infektion
Aids
Ohne Therapie
 
Bei der ersten Kontrolle
 Während der SS
10–15 %
 Subpartal
40–60 %
 Beim Stillen
30–40 %
Mit Therapie
<2 %
Röteln
Hörstörungen
Erblindung
Geistige Behinderung
IUGR
Herzfehler
Intrauteriner Fruchttod
Präkonzeptionell
<3,5 %
Präkonzeptionell, ansonsten in der Frühschwangerschaft. Postpartale Impfung bei fehlender Immunität
8–10 SSW
90 %
11–15 SSW
Sinkt
Ab 16. SSW
10–20 %
Streptokokken B
Early-onset-Sepsis
Peripartal
Screening kurz vor der Geburt
Syphillis
Fetopathie
Frühgeburt, Hydrops fetalis
Lues connata
Persistierende Rhinitis
Hautveränderungen
Hepatosplenomegalie
Ikterus
Anämie
Generalisierte Schwellung
1.–3. Trimenon
In der Frühschwangerschaft
Toxoplasmose
Aborte
Fetopathie
Enzephalitis
Intrauterine Mangelentwicklung
Mikrozephalie
Hydrozephalus
Chorioretinitis, u. U. spät
Intrakranielle Verkalkungen
Epilepsie
Hepatosplenomegalie
Thrombozytopenie
1. Trimenon
15 %
Kein Screening in Deutschland und in der Schweiz, in Österreich ja
2. Trimenon
45 %
3. Trimenon
68 %
Varizellen
Narbenbildungen
Gliedmaßenverkürzungen
Geringes Geburtsgewicht
ZNS-Fehlbildungen
Katarakt u. a. Augenfehlbildungen
<21. SSW
Anamnese oder Impfstatus überprüfen
Zytomegalie (CMV)
Hepatosplenomegalie
Thrombozytopenie
Petechien
Hyperbilirubinämie,
Hämolytische Anämie,
Mikrozephalie,
Chorioretinitis
Enzephalitis
Krämpfe
Intrakranielle Verkalkungen
Transmissionsrisiko bei mütterlicher Infektion: Prä- bzw perikonzeptionell 5–16 %, im III. Trimenon 65 %. Das heißt, das Transmissionsrisiko steigt mit zunehmendem Gestationsalter. Hingegen sinkt das Risiko für eine Schädigung mit zunehmendem Gestationsalter
Aktuell kein Screening
SS Schwangerschaft, HBsAg Hepatitis-B-Virus-Oberflächenantigen, IUGR „intrauterine growth retardation“, ZNS Zentralnervensystem, HIV humanes Immundefizienzvirus

Röteln

Eine Rötelninfektion der Mutter kann über die Plazenta auf den Embryo bzw. Feten übertragen werden und zu schweren Organschäden führen. Bei einer Transmission in der ersten Schwangerschaftshälfte stehen Schäden am Hirn und am Herz im Vordergrund. Je nach Infektionszeitpunkt resultieren ein schwerer Entwicklungsrückstand, eine Mikrozephalie, Blindheit, Gehörlosigkeit und Herzfehler. Eine späte Transmission ist mit einer Innenohrschwerhörigkeit verbunden [ 5]. Die konsequente Impfung hat weltweit zu einem deutlichen Rückgang der Rötelnembryo/-fetopathien geführt. In Europa sind ca. 90 % der Erwachsenen immun.
Eine Kontrolle des Impfstatus oder allenfalls eine serologische Überprüfung der Immunität sollte idealerweise bereits präkonzeptionell durchgeführt werden, damit bei einer fehlenden Immunität eine Impfung vor Eintritt einer Schwangerschaft durchgeführt werden könnte. Eine Überprüfung der Immunität in der Frühschwangerschaft wird empfohlen, weil durch eine Expositionsprophylaxe eine Ansteckung der Schwangeren vermindert werden kann. Eine Nachimpfung im Wochenbett ist zwingend.
Wichtig ist, dass viele Staaten in Afrika, im indischen Subkontinent und in Südostasien kein Rötelnimpfprogramm kennen.

Windpocken

Windpocken ist eine hochinfektiöse Viruserkrankung. Es kommt nebst grippalen Symptomen zu den typischen Hauteffloreszenzen. Ein Varizelleninfekt im Erwachsenenalter ist mit einem schwereren Verlauf vergesellschaftet, und insbesondere in der Schwangerschaft ist eine maternale Varizellenpneumonie gefürchtet. Ein Varizelleninfekt in der ersten Hälfte der Schwangerschaft kann jedoch auch zu einer Varizellenembryo/-fetopathie führen [ 6]. Ähnlich wie bei den Röteln kommt es zu Mikrozephalie, Entwicklungsrückstand, Mikrophthalmie und Katarakt sowie teilweise zu Extremitätenschäden. Das Risiko für eine Fetopathie bei maternalem Erstinfekt beträgt ca. 1 %. Eine perinatale maternale Varizelleninfektion kann zur neonatalen Sepsis mit hoher Mortalität führen.
Eine Überprüfung der Immunität in der Frühschwangerschaft wird empfohlen, weil durch eine Expositionsprophylaxe eine Ansteckung der Schwangeren vermindert werden kann.
Dabei reicht häufig die Anamnese, da Windpocken die einzige Kinderkrankheit ist, welche mit Bläschen und häufig Narben einhergeht. Im Zweifelsfall oder bei stummer Anamnese kann der Impfstatus überprüft werden. Bei fehlender Immunität wird eine Impfung im Wochenbett empfohlen.

Hepatitis B

Hepatitis B ist eine Infektionskrankheit, die von der Mutter v. a. peripartal, selten auch intrauterin auf das Kind übertragen werden kann. Auch durch Stillen kann eine Übertragung stattfinden. Eine akute Hepatitis-B-Erkrankung gegen Ende der Schwangerschaft führt in 60–70 % der Fälle zu einer Übertragung [ 7]. Selten kommt es bei den Neugeborenen zu akuten Symptomen. Gefürchtet werden jedoch die chronischen Verläufe bis und mit Zirrhose und Leberzellkarzinom. Ein generelles Screening in der Schwangerschaft ist sinnvoll, da durch eine aktive und passive Immunisierung des Neugeborenen (Anti-Hepatitis-Hyperimmunglobulin 200 IE i.m. als passive Immunisierung und gleichzeitig Hepatitis-B-Vakzine 5–10 μg i.m. als aktive Impfung) kurz nach Geburt eine Transmission in den meisten Fällen verhindert werden kann. Hat die Mutter eine sehr hohe Viruslast, kann durch eine antivirale Therapie mit Tenofovir während der Schwangerschaft das Transmissionsrisiko signifikant gesenkt werden.
Als Screeningtest wird das Hepatitis-B-Virus-Oberflächenantigen (HBsAg) im 1. Trimenon empfohlen. Der Nachweis von Hepatitis-B-Oberflächen-Antigen spricht immer für eine bestehende akute oder chronische HBV-Infektion und eine potenzielle Infektiosität. Bei Risikoverhalten der Schwangeren soll eine Wiederholung in der 32. SSW durchgeführt werden. Bei Nachweis von HBsAg wird zusätzlich die HBV-DNA-Konzentration bestimmt. Eine Konzentration >200.000 IE/ml stellt eine Indikation für Tenofovir dar [ 8]. Dieses Medikament wird auch bei einer fortgeschrittenen Fibrose/Zirrhose verabreicht.
Merke
Eine begonnene aktive Immunisierung sollte auf jeden Fall durch eine 2. und 3. Impfung vervollständigt und anschließend die Impfantwort kontrolliert werden [ 9].

Syphilis

Syphilis ist eine sexuell übertragbare, bakterielle Krankheit durch Treponema pallidum. Das Erscheinungsbild der Syphilis kann sehr vielfältig sein. Initial kommt es zu einer lokalen Manifestation, dem sogenannten Ulcus durum. Später entwickelt sich unter anderem ein generalisiertes polymorphes Exanthem und viel später können sich charakteristische Granulome bilden zudem alle Formen der Spätsyphilis wie zum Beispiel Neurosyphilis. Die Zahl der gemeldeten Syphilisdiagnosen hat in der Schweiz wie in zahlreichen europäischen Ländern seit dem neuen Millennium kontinuierlich zugenommen [ 10]. Die Übertragungsrate während einer Schwangerschaft auf das ungeborene Kind beträgt durchschnittlich 60–70 %, sie ist jedoch stark abhängig vom Krankheitsstadium. Eine Frühsyphilis führt in bis zu 100 % zur Infektion des Feten, hingegen eine spätlatente Syphilis der Mutter wird nur noch in etwa 10 % auf das Ungeborene übertragen. Neben der erhöhten Abort- und IUFT-Raten sind auch Frühgeburten und IUGR vermehrt, und eine intrauterine Übertragung führt zu einer Lues connata.
In der Schweiz und in Deutschland wird ein generelles Screening der Schwangeren im ersten Trimenon empfohlen, da es sich um eine therapierbare Erkrankung handelt und bei Nachweis die Mutter, ihr Kind sowie der/die Sexualpartner behandelt werden können. Bei einer Risikosituation sollte zudem der Test im Verlauf wiederholt werden.

Therapie

Die parenterale Therapie mit Benzathin-Benzylpenicillin ist die Therapie der Wahl in der Schwangerschaft [ 11], da die Alternative Doxycyclin in der Schwangerschaft kontraindiziert ist. Im Falle einer Penicillinallergie kann eventuell nach Rücksprache mit einem Allergologen Ceftriaxon eingesetzt werden.
Wichtig
Der Partner sollte ebenfalls getestet und allenfalls behandelt werden.
Merke
Ein Screening auf Syphilis in der Schwangerschaft ist trotz Seltenheit der Krankheit sinnvoll, da die Therapie sehr einfach ist und sowohl Mutter als auch Kind behandelt werden können.

HIV

HIV ist ein bekannter Virus, der die T4-Helfer-Zellen infiziert und dadurch zu einer Schwächung des zellulären Immunsystems führt.
HIV kann während der Schwangerschaft, bei der Geburt oder durch die Muttermilch auf das Kind übertragen werden. Ohne Maßnahmen ist in rund 20–30 % mit einer Transmission zur rechnen [ 12]. In den 1990er-Jahren konnte durch eine primäre Sectio und durch Abstillen das Transmissionsrisiko auf ca. 8 % gesenkt werden. Seit der Einführung einer dreifachen antiretroviralen Therapie hat sich nicht nur die Lebenserwartung einer HIV-infizierten Person jener der Gesamtbevölkerung angeglichen, es konnte dadurch auch das Risiko einer Transmission von Mutter auf Kind auf unter 1 % gesenkt werden [ 13].

Screening

Das serologische Screening auf eine HIV-Infektion wird systematisch im Rahmen der ersten Schwangerschaftskontrolle durchgeführt, damit möglichst schnell mit einer Therapie begonnen werden kann. In Risikosituationen kann das Screening im 3. Trimenon wiederholt werden.

Therapie

Die Betreuung und Therapie HIV-positiver Schwangerer erfolgt interdisziplinär. Die antiretrovirale Therapie hat zum Ziel, eine nichtnachweisbare Viruslast (<50 Kopien/ml) zu erreichen. Die Therapie muss nach Diagnosestellung sofort eingeleitet werden und während der gesamten Schwangerschaft beibehalten werden [ 12]. Unterdessen ist das Risiko für eine Transmission bei Schwangeren mit einer Viruslast unter 50 Kopien/ml unabhängig vom Geburtsmodus, weshalb eine Sectio nur noch bei unbekannter oder hoher Viruslast indiziert ist. Bei Frauen unter retroviraler Therapie und niedriger Viruslast ist keine zusätzliche Therapie unter der Geburt nötig. Eine antiretrovirale Therapie und eine Sectio sind nur bei hoher Viruslast oder einer unbehandelten HIV-Infektion bzw. bei Erstdiagnose am Tage der Geburt indiziert.
Eine neonatale Postexpositionsprophylaxe wird für Neugeborene von Müttern mit einer nachgewiesenen Viruslast von >50 Kopien/ml grundsätzlich empfohlen.
Stillen wird momentan kontrovers diskutiert und gehandhabt. Es kann gut sein, dass in naher Zukunft Abstillen nicht mehr flächendeckend zwingend ist, sofern ein negativer „viral load“ währen des Stillens aufrechterhalten werden kann.
Merke
Ein Screening für HIV in jeder Schwangerschaft gehört zum Standard.

Streptokokken B

Streptococcus agalacticae (Streptokokken der serologischen Gruppe B [GBS]) sind Bakterien, die bei etwa 6,5–36 % der schwangeren Frauen im Anogenital- und Gastrointestinalbereich vorkommen und die bei gesunden Frauen in der Regel keinen Krankheitswert haben [ 14]. Bei einer Kolonisation der Mutter kommt es bei vaginalen Geburten subpartal jedoch zu einer Besiedelung des Kindes. In ca. 1–2 % der Neugeborenen führt dies zu einer Early-onset-Sepsis (in den ersten 6 Lebenstagen) mit einem hohen Mortalitätsrisiko [ 1]. Frühgeburten haben ein deutlich höheres Risiko für einen schweren Verlauf als Termingeburten.
Eine subpartale Antibiotikaprophylaxe kann die vertikale Transmission verhindern[ 15].

Screening

Das Screening ist international umstritten. Das ACOG (American College of Obstetricians and Gynecologists) empfiehlt einen Abstrich rund 4 Wochen vor der Geburt [ 1]. In Deutschland gibt es aktuell kein Screening im Rahmen der Vorsorgeuntersuchungen gemäß Mutterschaftsrichtlinien. Stattdessen wird eine Risikoabschätzung durchgeführt. Als Hauptargument gegen ein generelles Screening werden die zu häufige, unnötige Antibiotikagabe sowie die fehlende Ausschlusssicherheit eines negativen Testergebnisses genannt. Durch die nur kurzzeitig eingesetzte Prophylaxe ist jedoch das Risiko für Resistenzentwicklungen gering.
In der Schweiz wird ein generelles Screening empfohlen. Am UniversitätsSpital Zürich (USZ) haben wir vor 6 Jahren ein PCR(Polymerasekettenreaktion)-basiertes Screening sub partu eingeführt. Bei jeder Frau mit Eintritt zur Geburt sowie bei allen Frauen mit drohender Frühgeburt wird ein PCR-Schnelltest kurz nach Aufnahme durchgeführt sofern noch kein aktueller Streptokokken-B-Status vorliegt. Während in den Jahren vor Einführung dieses subpartalen Screenings jährlich 3–4 Sepsisfälle beobachtet wurden, ist die Zahl an GBS-Sepsis mit PCR-Screening auf null abgesunken.
Merke
Da im klinischen Alltag Gebärende oft ohne gültigen Streptokokkenabstrich zur Geburt eintreten, ist der PCR-Schnelltest, der innerhalb von 30–40 min ein Ergebnis liefert, ein vielversprechender zukunftsorientierter Test.

Chlamydien

Chlamydia trachomatis ist ein Bakterium, das sexuell übertragbar ist. Weltweit ist es die häufigste sexuell übertragbare bakterielle Erkrankung. Frauen mit unbehandelter Chlamydieninfektion in der Schwangerschaft haben ein erhöhtes Risiko für eine Wachstumsretardierung des Feten. Auch das Risiko für einen PPROM („preterm premature rupture of the membranes“) ist erhöht. Bei der Übertragung intrapartal kann es zu einer Neugeborenenkonjunktivitis oder einer Chlamydienpneumonie kommen.
In den USA empfehlen die CDC seit 1993 das Screening. Seither ist die Rate von C. - trachomatis-Infektionen bei Kindern, inklusive Konjunktivitis und Pneumonien zurückgegangen [ 16].
Die Prävalenz in Westeuropa bei schwangeren Frauen ist relativ niedrig, andererseits gibt es eine relativ einfache antibiotische Therapie (Azithromycin 500 mg, 1 × 2 p.o. als Einmaldosis inklusive Partnertherapie), weshalb ein Screening im ersten Trimester durchaus Sinn macht.
Merke
Chlamydieninfektionen bei Schwangeren sind relativ selten, jedoch sind die Folgen einer unbehandelten Infektion für die Mutter und das Neugeborene schwerwiegend und die Therapie ist einfach, weshalb ein Screening sinnvoll erscheint.

Toxoplasmose

Eine Infektion in der Schwangerschaft mit Toxoplasmose kann zu einer schweren Schädigung des Feten führen. Zu den Folgen gehören Spätaborte, Totgeburten, Chorioretinitis, Hydromikrozephalie und vieles mehr. Die vertikale Übertragung nimmt mit steigendem Gestationsalter zu, der Schweregrad einer fetalen Schädigung jedoch ab. Infektionsquellen sind nebst rohem Fleisch und ungewaschenem Obst/Salat der Kontakt mit Katzenkot.
Das Screening ist international sehr umstritten. In der Schweiz und in Deutschland wird es nicht (mehr) empfohlen, da eine Transmission, wenn überhaupt, nur in Einzelfällen und bei sehr früher Entdeckung der maternalen Infektion verhindert werden kann [ 2]. In Österreich gehört es nach wie vor zur Routine, die Schwangeren auf Toxoplasmose zu testen, bei negativem Befund in der Frühschwangerschaft muss das Screening im Abstand von 8 Wochen wiederholt werden.

Primärprophylaxe

Insgesamt wird allen Schwangeren empfohlen Obst und Salat gut zu waschen, Fleisch genügend durchzubraten und den Kontakt mit Katzenkot zu meiden.

Therapieoptionen

Trotz mangelnder Evidenz eines eindeutigen Benefits einer medikamentösen Therapie wird sie häufig angeboten, diese und auch die entsprechende Beratung gehören aber in die Hände von spezialisierten Ärzten an einem Perinatalzentrum.

Cytomegalievirus

Die kongenitale CMV(Cytomegalievirus)-Infektion ist die häufigste Ursache nicht genetischer angeborener Fehlbildungen sowie Entwicklungsstörungen (v. a. Taubheit und psychomotorische Retardierung) und zurzeit ein schwieriges Thema in der Beratung von Schwangeren. Die mütterliche Seroprävalenz in Westeuropa beträgt ca. 50 %[ 17]. Nebst angeborenen Fehlbildungen und Entwicklungsstörungen kann eine CMV-Infektion zu Frühgeburten und intrauterinen Todesfällen führen.
Die Primärinfektion in der Schwangerschaft verläuft in 80 % der Fälle klinisch stumm. Bei einer mütterlichen Erstinfektion hängt das Risiko der Transmission vom Gestationsalter ab. Ein Primärinfektion prä- oder perikonzeptionell der Mutter kann bereits zu einer Transmission und Schädigung des Feten führen, jedoch steigt das Risiko einer Transmission mit zunehmendem Gestationsalter. Falls es zu einer Transmission vor 20 SSW kommt besteht ein hohes Risiko für eine symptomatische kongenitale CMV-Infektion. Bei einer Transmission nach 20 SSW ist das Risiko niedriger für eine symptomatische kongenitale CMV-Infektion. Auch Reaktivierungen und Reinfektionen können intrauterine Infektionen verursachen. Die Schwere kongenitaler Schädigungen ist bei Infektionen früh in der Schwangerschaft am größten, wohingegen Schädigungen im 3. Trimenon kaum mehr beschrieben sind. Die Transmission führt also nicht immer zu einer Schädigung. Andererseits können Kinder nach der Geburt betroffen sein, bei welchen intrauterin keine Auffälligkeiten gefunden worden sind.
Wichtigster Risikofaktor für eine mütterliche Infektion ist der Kontakt zu Kleinkindern. Aktuell gibt es keine Empfehlung für ein generelles CMV-Screening. Es soll aber eine Aufklärung jeder Schwangeren über die Risiken einer CMV-Infektion und eine Empfehlung zur Expositionsprophylaxe beziehungsweise einer Prävention durch Hygienemaßnahmen. erfolgen.
Es konnte gezeigt werden, dass eine gute Hygieneaufklärung eine wichtige Maßnahme in der Prävention der primären CMV-Infektionen ist [ 18]. Als Prävention der Transmission gibt es den Ansatz mit der Therapie von Immunglobulinen. Diese Option muss mit der Schwangeren sorgfältig evaluiert werden.

Fazit für die Praxis

  • Ein Screening für HIV, Hepatits B aufgrund der heutigen Datenlage ist zu empfehlen. Die Transmissionsraten können durch eine adäquate Behandlung auf ein Minimum reduziert werden.
  • Sowohl Chlamydien als auch Syphilis zählen zu den STDs („sexually transmitted diseases“). Insgesamt sind wenige Schwangere betroffen und doch macht ein Screening Sinn, denn die Therapie ist einfach und die Konsequenzen einer nichttherapierten Infektion beträchtlich.
  • Ein Toxoplasmosescreening wird in Deutschland und in der Schweiz nicht mehr durchgeführt, in Österreich hingegen gehört es nach wie vor zum Standard.
  • Das schwierigste Thema in der Schwangerschaftsberatung stellt die CMV-Infektion dar. Sie ist neben genetischen Ursachen am häufigsten verantwortlich für Fehlbildungen und Entwicklungsstörungen. Die Infektion verläuft oft stumm. Eine konsequente Beratung zur Hygiene hat sich als wirksam erwiesen. Immunglobuline werden vielenorts zur Verhinderung einer Transmission verabreicht.

Einhaltung ethischer Richtlinien

Interessenkonflikt

Gemäß den Richtlinien des Springer Medizin Verlags werden Autoren und Wissenschaftliche Leitung im Rahmen der Manuskripterstellung und Manuskriptfreigabe aufgefordert, eine vollständige Erklärung zu ihren finanziellen und nichtfinanziellen Interessen abzugeben.

Autoren

M. Stahel: Finanzielle Interessen: Patente, Geschäftsanteile, Aktien o. ä. an einer im Medizinbereich aktiven Firma: Ehepartner Prof. Dr. med. Hendrik Tevaearai, Gründer und Aktionär, Patent bei Swiss Cardio Technologies AG, aktiv im Bereich Herzchirurgie. Nichtfinanzielle Interessen: Angestellte Oberärztin an der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe USZ Zürich.

Wissenschaftliche Leitung

Die vollständige Erklärung zum Interessenkonflikt der Wissenschaftlichen Leitung finden Sie am Kurs der zertifizierten Fortbildung auf www.​springermedizin.​de/​cme.

Der Verlag

erklärt, dass für die Publikation dieser CME-Fortbildung keine Sponsorengelder an den Verlag fließen.
Für diesen Beitrag wurden von den Autoren keine Studien an Menschen oder Tieren durchgeführt. Für die aufgeführten Studien gelten die jeweils dort angegebenen ethischen Richtlinien.
Open Access. Dieser Artikel wird unter der Creative Commons Namensnennung 4.0 International Lizenz veröffentlicht, welche die Nutzung, Vervielfältigung, Bearbeitung, Verbreitung und Wiedergabe in jeglichem Medium und Format erlaubt, sofern Sie den/die ursprünglichen Autor(en) und die Quelle ordnungsgemäß nennen, einen Link zur Creative Commons Lizenz beifügen und angeben, ob Änderungen vorgenommen wurden.
Die in diesem Artikel enthaltenen Bilder und sonstiges Drittmaterial unterliegen ebenfalls der genannten Creative Commons Lizenz, sofern sich aus der Abbildungslegende nichts anderes ergibt. Sofern das betreffende Material nicht unter der genannten Creative Commons Lizenz steht und die betreffende Handlung nicht nach gesetzlichen Vorschriften erlaubt ist, ist für die oben aufgeführten Weiterverwendungen des Materials die Einwilligung des jeweiligen Rechteinhabers einzuholen.
Weitere Details zur Lizenz entnehmen Sie bitte der Lizenzinformation auf http://​creativecommons.​org/​licenses/​by/​4.​0/​deed.​de.
zum Fragebogen im Kurs

Unsere Produktempfehlungen

Der Gynäkologe

Print-Titel

Praxisrelevante und fundierte Fortbildung
Das Fortbildungsorgan der DGGG
Vom Wissen angrenzender Fachgebiete profitieren
Mit spannenden Falldarstellungen lernen

e.Med Interdisziplinär

Kombi-Abonnement

Für Ihren Erfolg in Klinik und Praxis - Die beste Hilfe in Ihrem Arbeitsalltag als Mediziner

Mit e.Med Interdisziplinär erhalten Sie Zugang zu allen CME-Fortbildungen und Fachzeitschriften auf SpringerMedizin.de.

e.Med Gynäkologie & Urologie

Kombi-Abonnement

Mit e.Med Gynäkologie & Urologie erhalten Sie Zugang zu CME-Fortbildungen der beiden Fachgebiete, den Premium-Inhalten der Fachzeitschriften, inklusive einer gedruckten gynäkologischen oder urologischen Zeitschrift Ihrer Wahl.

Literatur
Über diesen Artikel

Weitere Artikel der Ausgabe 10/2020

Der Gynäkologe 10/2020 Zur Ausgabe

Medizinrecht

Medizinrecht

Neu im Fachgebiet Gynäkologie und Geburtshilfe

Mail Icon II Newsletter

Bestellen Sie unseren kostenlosen Newsletter Update Gynäkologie und bleiben Sie gut informiert – ganz bequem per eMail.

Bildnachweise