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03.08.2017 | Sonderbericht | Onlineartikel | Bionorica SE

Prävention von Atemwegsinfektionen

Infektionserregern bewusst entgegenwirken

Autor:
Ute Ayazpoor

Viren und Bakterien können sich schnell verbreiten. Dabei genügen oft bereits einfache Hygienemaßnahmen, um weitere Ansteckungen zu verhindern und die Verbreitung von Erregern einzudämmen. Voraussetzung ist, dass diese Hygienemaßnahmen bekannt sind und auch angewendet werden. Bei der Primärprävention gelten Impfungen als wichtigste und wirksamste Maßnahmen der Medizin. Sie schützen vom Säuglings- bis ins hohe Erwachsenenalter vor Virusinfektionen.

Ein rationales Management bakterieller und viraler Infektionen beginnt natürlich mit der Prävention, sagte Dr. Katja Linke, Viernheim. Sie legt großen Wert darauf, alle Patienten, die sie aufgrund einer Infektion konsultieren, gründlich über mögliche Hygienemaßnahmen aufzuklären. In ihrer Praxis hat sie gute Erfahrungen mit speziellen Hygieneboards gemacht, die die Patienten bei der Umsetzung verschiedener Maßnahmen anleiten.

» Hygienemaßnahmen

Auf die Hände als Hauptüberträger von Krankheitserregern kann nicht oft genug hingewiesenwerden. Dabei muss kommuniziert werden, dass dieser Übertragungsweg durch häufiges, gründliches und vor allem richtiges Händewaschen unterbrochen werden kann. Letzteres heißt, auch Handrücken, Daumen, Fingerspitzen und Fingernägel lange einzuseifen, mindesten 20–30 Sekunden zu reinigen und dann unter fließendem Wasser abzuspülen. „Das Händedesinfizieren ist die effektivere und zugleich hautschonende Alternative“, ergänzte Dr. Berthold Musselmann, Wiesloch.

Patienten mit Atemwegsinfektionen sollten zu korrektem Verhalten bei Husten und Niesen angeleitet werden. Fälschlicherweise halten viele Patienten hier nach wie vor die Hand vor den Mund. Damit Menschen in der Umgebung vor Speichel oder Nasensekret mit Infektionserregern geschützt werden, rät Linke, möglichst in ein Taschentuch oder in die Armbeuge zu niesen. Nach Niesen und Husten bzw. nach dem Naseputzen sei wieder Händewaschen oder alternativ eine Händedesinfektion angezeigt.

Um Krankheitserreger nicht weiter zu verbreiten, sollten Menschen mit Infektionskrankheiten enge Kontakte in der Öffentlichkeit vermeiden. In dieser Situation sollte nicht nur auf Umarmungen und den Begrüßungskuss, sondern am besten auch auf das Händeschütteln verzichtet werden.

Ordnungstherapeutische Maßnahmen

Zur Vorbeugung von Atemwegsinfektionen kann jeder Einzelne viel beitragen, so Musselmann. Auch wenn es im modernen Arbeitsleben manchmal schwer umsetzbar sei, empfiehlt er vor allem sogenannte Ordnungstherapeutische Maßnahmen. Dazu zählen ausreichend Schlaf, viel Bewegung an der frischen Luft und ein Körpergewicht im Normbereich, d. h. einen Body-Mass-Index unter 25 kg/m2. Diese Ziele seien durchaus erreichbar. Darüber hinaus rät Musselmann seinen Patienten, ihr Gefäßsystem zu trainieren. Hier bieten sich vor allem Saunagänge, Kneipp’sche Güsse und Kneipp’sches Treten auf feuchtem Rasen am Morgen an. Sie trainieren die Venenpumpe und härten ab, sagte Musselmann. 

Dr. Heinz-Jürgen Träger, niedergelassener Allgemeinmediziner aus Bad Mergentheim, empfiehlt eine gesunde Ernährung, die viel Obst und Gemüse enthält, denn Vitamine und Spurenelemente sind geeignet, die Immunabwehrkräfte zu optimieren. „Wenn sich eine Infektion ankündigt, helfen ganz frühzeitig auch Phytotherapeutika, die antiviral aktiv sind“, erklärte Linke.

» Das Immunsystem stärken

„Natürlich kann es aber trotz richtigem Händewaschen und trotz einer Grippeimpfung insbesondere in der Winterzeit zu einem grippalen Infekt kommen. Bereits bei den ersten Anzeichen einer Atemwegsinfektion setze ich gerne Imupret® N (zum Fachpflichttext) ein, damit die Infektion gar nicht erst voll ausbricht oder deutlich milder verläuft“, erklärte Träger. Die Kombination aus sieben heimischen Pflanzen – enthalten sind Kamille, Eibisch, Schachtelhalm, Schafgarbe, Walnuss, Löwenzahn und Eiche – sei ideal auf die Therapieziele bei beginnenden und auch bei bereits ausgereiften Atemwegsinfektionen abgestimmt. Indem es das Immunsystem stärkt und die Erkältungserreger direkt bekämpft, wirkt das Phytotherapeutikum zweifach gegen Erkältung. Dabei stehen die immunmodulierenden und antiviralen Eigenschaften des Präparates im Vordergrund.

Die 7-Pflanzen-Kombination wirkt immunmodulierend und antiviral

Die 7-Pflanzen-Kombination stärkt insbesondere die unspezifische Immunabwehr: Zum einen erhöht sie die Aktivität der Natürlichen Killerzellen (NK-Zellen) und unterstützt diese dabei, speziell bei Virusinfektionen geschädigte und virusinfizierte Zellen aufzuspüren und zu zerstören, bevor sich die Viren vermehren können (Abb. 1) [1]. 

Zum anderen ist schon länger bekannt, dass die 7-Pflanzen-Kombination mit der Phagozytose einen weiteren wichtigen Mechanismus der unspezifischen Immunabwehr beeinflusst: Es konnte gezeigt werden, dass die Inhaltsstoffe Kamille und Eibisch die Phagozytoseleistung auf der Ebene der Ingestion (Aufnahme von Erregern durch Fresszellen) um mehr als das Doppelte steigern kann [2]. Auf der Ebene der Digestion (Abbau von Erregern durch Fresszellen) stimuliert das Phytotherapeutikum den oxidativen Burst (Freisetzung von Sauerstoffradikalen) in Makrophagen [3]. Pathogene Bakterien bzw. Viren werden somit zu Beginn einer Erkältung wirkungsvoll und konsequent eliminiert.

Des Weiteren wirkt das Phytopharmakon direkt antiviral: In wissenschaftlichen Untersuchungen hemmte die Pflanzenkombination die Vermehrung des humanpathogenen Atemwegsvirus RSV (Respiratorisches Syncytial-Virus) dosisabhängig und effektiv (Abb. 2) [3]. Zusammengenommen tragen die immunmodulierenden und antiviralen Effekte dazu bei, eine beginnende Erkältung zu verhindern bzw. eine bereits ausgereifte Infektion zu limitieren. Dabei ist das Phytotherapeutikum gut verträglich – die Tropfen sind für Kinder ab zwei Jahren zugelassen.

» Primärprävention durch Impfungen

Linke empfiehlt bestimmten Risikopatienten generell Schutzimpfungen, z. B. die Grippe- oder Pneumokokkenimpfung. Impfungen induzieren gegenüber einem bestimmten Infektionserreger eine humorale sowie eine zelluläre Immunität. Bei Atemwegserkrankungen haben Impfungen gegen Grippe- und Pneumokokkenerkrankungen einen hohen Stellenwert – wenn auch für unterschiedliche Indikationsgruppen, erklärte Prof. Dr. Thomas Mertens, Ärztlicher Direktor der Abteilung für Virologie am Universitätsklinikum Ulm. Eine Impfung ist bei diesen Erkrankungen auch deshalb so wichtig, da beide ggf. auch lebensbedrohlich werden können.

Impfung gegen Influenza

Die Ständige Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut (RKI) empfiehlt die jährliche Grippeimpfung im Herbst mit jeweils aktueller, von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfohlener Antigenkombination:

  • für alle Personen ab 60 Jahren,
  • für alle schwangeren Frauen ab dem zweiten Trimenon,
  • für Risikogruppen, d. h. Personen mit erhöhter Gefährdung infolge eines Grundleidens, wie beispielsweise einer chronischen Erkrankung der Atemwegsorgane, Diabetes mellitus oder HIV,
  • für Personengruppen mit erhöhtem beruflichem Risiko; laut STIKO-Empfehlung Grippeimpfung für medizinisches Personal, Personen in Einrichtungen mit umfangreichem Publikumsverkehr sowie für Personen,
  • die eine Infektionsquelle für betreute Risikopersonen darstellen können [4].

Trotz dieser Empfehlung wurden die für einen ausreichenden Schutz erforderlichen Impfquoten in den zurückliegenden Jahren bei Weitem nicht erreicht. Offenbar werde das Risiko einer Influenza-Erkrankung nicht ernst genommen, so die Experten. Impfgegner berufen sich zudem u. a. auf das bekannte Problem, dass sich die Viren jedes Jahr verändern. Der jeweilige Anteil der zirkulierenden Grippevirustypen und -subtypen ist sehr unterschiedlich und wird mit der Impfung unter Umständen nicht optimal getroffen, erklärte Mertens.

Verträglichkeit spricht für Impfstoff

Dieser Veränderung versuche man Jahr für Jahr mit einem modifizierten Grippeimpfstoff zu begegnen.
„Auch wenn das nicht immer gelingt, muss solange an der Grippeimpfung festgehalten werden, bis etwas Besseres zur Verfügung steht“, erklärte Mertens. Immerhin wurde in der Saison 2016/17 nach vorläufigen Ergebnissen aus Sachsen-Anhalt eine gepoolte Impfeffektivität bei zwei bis 17-jährigen Kindern und Jugendlichen von 60 % erzielt (95 %-Konfidenzintervall 36,3–74,9) [5]. Wenngleich es bislang keinen idealen Grippeimpfstoff gibt, spreche auch die sehr gute Verträglichkeit der Vakzinen für die Grippeimpfung, betonten die Experten.

Impfung gegen Pneumokokken

Die Pneumokokkenimpfung hat das primäre Ziel, besonders gefährdete Personen vor Infektionen der unteren Atemwege wie z. B. Pneumokokken-Pneumonie oder besonders schwer verlaufenden sogenannten invasiven Pneumokokkenerkrankungen (invasive pneumococcal disease, IPD) zu schützen und die daraus entstehenden Folgen wie Hospitalisierung, Behinderung und Tod zu reduzieren. „Dass IPD manchmal lebensbedrohlicher sind als z. B. ein Herzinfarkt, wird zu selten bedacht“, sagte Prof. Dr. Dr. André Gessner, Direktor des Instituts für Medizinische Mikrobiologie und Hygiene, Universität Regensburg. Schätzungen des RKI zufolge sterben in Deutschland jährlich mehr als 5.000 Menschen an einer Pneumokokkenerkrankung [6]. Schuleingangsuntersuchungen aus dem Jahr 2015 zeigen aber, dass die Pneumokokkenimpfung in Deutschland mit einer Impfquote von durchschnittlich 86 % bei Erstklässlern gut angenommen wird [7].

Kinder und ältere Menschen besonders gefährdet

Das Risiko für eine schwer verlaufende Pneumokokkenerkrankung ist altersabhängig: Kinder in den ersten beiden Lebensjahren und ältere Menschen sind besonders gefährdet und stehen daher auch im Fokus der STIKO-Impfempfehlungen. Die verfügbaren Impfstoffe unterscheiden sich zum einen darin, dass die Polysaccharid-Antigene, die die Immunantwort induzieren, entweder in reiner Form oder proteingebunden (Konjugat) darin enthalten sind. Ein weiterer Unterschied ist die Zahl der im Impfstoff enthaltenen Pneumokokken-Serotypen. Den Impfempfehlungen zufolge sollten:

  • alle Säuglinge ab dem Alter von zwei Monaten gegen Pneumokokken grundimmunisiert werden – und zwar ausschließlich mit Konjugat-Impfstoffen (dem 10-valenten Konjugat-Impfstoff PCV10 oder dem 13-valenten Konjugat-Impfstoff PCV13).
  • Des Weiteren wird für alle Menschen ab dem Alter von 60 Jahren die Vakzinierung mit Pneumokokken-Polysaccharidimpfstoffen (PPSV) empfohlen. Sie erzielte in vier kontrollierten Studien eine Wirksamkeit gegen IPD von 73 %, sagte Mertens.

Zwei starke Argumente sprechen aus Sicht der Experten für Impfungen: erstens der Selbstschutz bzw. der individuelle Patientenschutz und zweitens eine nicht zu unterschätzende Herdenimmunität.

Kaum "Resistenzen" gegen Impfstoffe

Dabei behalten Impfungen anders als z. B. manche antibiotischen Therapien ihre Wirksamkeit, hob Gessner hervor. Eine aktuelle Erhebung zeige, dass Infektionserreger gegen fast alle Antibiotika Resistenzen entwickeln, und das bereits relativ kurz nach ihrer Einführung. Ein Problem, das laut Gessner bei Impfungen in dieser Form nicht auftreten kann (Abb. 3) [8].

Impressum

Mit freundlicher Unterstützung der Bionorica SE, Neumarkt
Broschüre „Atemwegsinfektionen – Strategien zur Antibiotikaminimierung“ aufgelegt auf CME 10/2017.
Corporate Publishing (verantwortl. i. S. v. § 55 Abs. 2 RStV):
Ulrike Hafner
Tiergartenstraße 17
69121 Heidelberg
Redaktion: Ann Köbler

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Literatur

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