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Erschienen in: Der Ophthalmologe 10/2009

01.10.2009 | Originalien

Information oder Verwirrung

Eine formal-quantitative Analyse augenärztlicher Visitengespräche

verfasst von: I. Papsdorf, H. Hannich, Prof. Dr. F. Tost

Erschienen in: Die Ophthalmologie | Ausgabe 10/2009

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Zusammenfassung

Hintergrund

Während eines Krankenhausaufenthalts gilt die Visite als Hauptkontaktmöglichkeit zwischen Arzt und Patient. Inwieweit sie den Bedürfnissen der Patienten nach Zuwendung und Unterstützung und auch deren Anspruch auf Informationen gerecht wird, sollte am Beispiel der ophthalmologischen Station eines Universitätsklinikums untersucht werden.

Material und Methoden

Über 4 Monate wurden im Jahr 2006 die Visitengespräche einer augenärztlichen Station mit Hilfe eines Tonbandgeräts aufgezeichnet. Insgesamt flossen 50 Arzt-Patienten-Gespräche von 50 Patienten und 5 unterschiedlichen Ärzten in die Untersuchung ein. Die Visitengespräche wurden einer formal-quantitativen Analyse unterzogen. Die subjektive Einschätzung des Visitengeschehens durch den Patienten überprüften wir mittels eines standardisierten Fragebogens.

Ergebnisse

Die Gesprächsdauer betrug knapp 4 min (minimal 1 min 12 s, maximal 6 min, 49 s). 73% der gesprochenen Wörter (Χ 245,48 Wörter) entfielen auf den visitierenden Arzt. Der Patient nahm mit durchschnittlich 37 Wörtern pro Visitengespräch (11%) eine vorwiegend passive Rolle im Kommunikationsverlauf ein. Der Visitierende bestimmte mit 83% initiativen Wortmeldungen den Verlauf des Gesprächs, wobei er sich überwiegend mit untersuchungsbezogenen Verhaltensanweisungen an den Kranken richtete. Dem Arzt-Patienten-Gespräch standen mehrheitlich 2 personalinterne Dialoge gegenüber. 46% des Visitengesprächs verliefen ohne aktive Beteiligung des Patienten. Auch die Informationsvermittlung erfolgte mit 56% impliziten Informationen vielfach über den Kranken statt mit dem Kranken. In der subjektiven Befragung gaben die Patienten dennoch eine hohe (22%) bis sehr hohe (66%) Zufriedenheit mit der erlebten Visitenführung an.

Schlussfolgerungen

Das augenärztliche Visitengespräch sollte den patientenspezifischen Bedürfnissen zukünftig besser gerecht und der Informationswert der Visite für den Patienten erhöht werden. Organisatorische und strukturelle Veränderungen des Visitenablaufs sind notwendig, um das direkte Arzt-Patienten-Gespräch zu fördern. Die Einrichtung einer Vor- und Nachbesprechung würde den team- und patientenbezogenen Interessen einen eigenen Raum innerhalb des Visitenverlaufs bieten.
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Metadaten
Titel
Information oder Verwirrung
Eine formal-quantitative Analyse augenärztlicher Visitengespräche
verfasst von
I. Papsdorf
H. Hannich
Prof. Dr. F. Tost
Publikationsdatum
01.10.2009
Verlag
Springer-Verlag
Erschienen in
Die Ophthalmologie / Ausgabe 10/2009
Print ISSN: 2731-720X
Elektronische ISSN: 2731-7218
DOI
https://doi.org/10.1007/s00347-008-1873-1