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01.06.2014 | Leitthema | Ausgabe 3/2014

Rechtsmedizin 3/2014

Inkrementelle Strukturen im Schmelz der Milchzähne

Bestimmung der postnatalen Lebensspanne auch bei skelettierten Überresten

Zeitschrift:
Rechtsmedizin > Ausgabe 3/2014
Autor:
Dr. rer. nat. C. Witzel

Zusammenfassung

Die Neonatallinie (NNL) ist eine besondere Inkrementmarkierung im Zahnschmelz vornehmlich der Milchzähne. Sie ist im Ablauf der Zahnentwicklung als eine akzentuierte, irreguläre Markierung der Lage der Schmelzbildungsfront bei der Geburt an den Zähnen, die zu diesem Zeitpunkt bereits Hartsubstanz bilden, auszufassen. Wird die Geburt für einen gewissen Zeitraum überlebt, erfolgt die Auflagerung von weiterem Schmelzmaterial auf die NNL. Inkrementelle Strukturen an Zähnen stellen wegen deren besonderen Eigenschaften – Widerstandfähigkeit, fehlender intravitaler Umbau und bekannte Chronologie der Inkremente – eine wichtige Quelle für die retrospektive Analyse von Lebensdaten dar. Die Auszählung von Inkrementmarken mit zirkadianer Periodizität im nachgeburtlichen Schmelz ermöglicht die Bestimmung der Dauer der postnatalen Lebensspanne. Das Fehlen einer NNL verweist auf ein Absterben der Frucht in utero. Damit kann die Strukturanalyse an Zähnen zur Klärung wichtiger Fragen bei Funden von in Dekomposition befindlichen Fetus-/Säuglingsüberresten beitragen.

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