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QRS-Komplex

Intensivkurs EKG (PD Dr. Carsten Israel)

Standard

Fortgeschritten

Anspruchsvoll



Der QRS-Komplex


Schenkelblockierungen werden in einem gesonderten Abschnitt besprochen. Die Achse des schmalen QRS-Komplexes sagt viel über das Vorliegen von Herz-Kreislauf- oder Lungenerkrankungen aus. Ein Linkslagetyp kann auf das Vorliegen einer linksventrikulären Belastung (z. B. Hypertonie), ein Steil- oder Rechtslagetyp auf das Vorliegen einer rechtsventrikulären Belastung hindeuten. Ein SIQIII-Lagetyp ist ebenso wie ein SI-III-Typ (Sagittaltyp) typisch für eine akute oder chronische Rechtsherzbelastung, z. B. bei Lungenerkrankungen oder Vitien mit Links-Rechts-Shunt. Eine Niedervoltage kann auf einen Perikarderguss hinweisen, eine hohe Voltage in links- und rechtskardialen Ableitungen auf einen asthenischen Habitus sowie eine Trichterbrust. Seltsame Lagetypen, z. B. mit QRS-Achse >120° oder <−90°, können durch einen Situs inversus oder ein verpoltes EKG bedingt sein.

Q-Zacken deuten auf einen abgelaufenen Myokardinfarkt hin. Diese Pardee-Q-Zacken sind Hinweis für eine Myokardnarbe und verschwinden daher auch bei tiefer Inspiration nicht, im Gegensatz zu den Q-Zacken beim SIQIII-Lagetyp, bei dem die Q-Zacken während der tiefen Inspiration zumindest deutlich kleiner werden.

Spezielle Indizes für die QRS-Amplitude deuten auf eine links- oder rechtsventrikuläre Hypertrophie hin. Sie gelten nur in Abwesenheit von Schenkelblockierungen. Der Sokolow-Index für rechtsventrikuläre Hypertrophie (R in V1 + S in V5 >1,05 mV) ist sehr spezifisch, aber wenig sensitiv. Besonders bei kongenitalen Vitien mit Rechtsherzbelastung wird er positiv. Der Sokolow-Index für Linksherzhypertrophie (S in V1 oder V2 + R in V5 oder V6 >3,5 mV) ist in der angegebenen Form ausreichend spezifisch und etwas sensitiver für linksventrikuläre Hypertrophie als der traditionelle Index (S in V1 + R in V5). Insbesondere beim linksanterioren Hemiblock ist der Sokolow-Index oft falsch-negativ. Daher sind alternative Indizes oft hilfreich: der Lewis-Index aus den Extremitätenableitungen: (R − S in I) + (S − R in III), positiv ab 1,7 mV; ebenso der Sokolow-Lyon-II-Index: R in aVL >1,1 mV. Der Cornell-Index mischt Extremitäten und Brustwandableitungen: R in aVL plus S in V3 (positiv ab 2,8 mV für Männer und ab 2,0 mV für Frauen). Auch der präkordiale Index (S in V2 + V3, positiv ab 3,5 mV) kann hilfreich sein.

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