Skip to main content
main-content

Schrittmacher

Intensivkurs EKG (PD Dr. Carsten Israel)

Standard

Fortgeschritten

Anspruchsvoll


Das Schrittmacher-EKG


Das EKG bei Patienten mit Herzschrittmacher sollte systematisch wie jedes EKG ohne Herzschrittmacher betrachtet werden. Zunächst sollten Ventrikelfrequenz und Grundrhythmus bestimmt werden, der in einer atrialen Stimulation mit Eigenüberleitung (AAI-Modus), einer ventrikulären Stimulation ohne Beziehung zum Vorhofrhythmus (VVI-Modus), einer ventrikulären Stimulation in konstantem Intervall nach der P-Welle (AV-synchrone Ventrikelstimulation, VAT-Modus) oder einer atrialen Stimulation in konstantem Intervall, gefolgt von einer ventrikulären Stimulation (AV-sequenzielle Stimulation, DDI-Modus), bestehen kann.

Danach sollte die QRS-Achse, die bei ventrikulärer Stimulation Aufschluss über die Lage der Ventrikelelektrode gibt, betrachtet werden. Bei Stimulation im rechten Ventrikel ergibt sich eine Linksschenkelblock(LSB)-Morphologie, d. h. eine dominante S-Zacke in V1. Bei biventrikulärer Ventrikelstimulation liegt meist ein LSB vor, erkennbar an einer dominanten R-Zacke in V1. Eine akzidentelle Lage der Ventrikelelektrode im linken Ventrikel, z. B. durch unbemerktes Vorschieben über ein offenes Foramen ovale, ist an einem Rechtsschenkelblock(RSB)-Bild bei ventrikulärer Stimulation erkennbar.

Pathologische EKGs trotz regelrechter Schrittmacherfunktion können sich ergeben, wenn z. B. eine VVI-Stimulation im Sinusrhythmus erfolgt und retrograde P-Wellen verursacht, die ein Schrittmachersyndrom auslösen können. Daneben kann eine atriale Stimulation mit extrem langer Eigenüberleitung vorliegen (AAI-Modus, DDI-Modus mit sehr lang programmierter AV-Zeit), die symptomatisch sein kann. Fehlfunktionen des Schrittmachers sind an Schrittmacherstimuli zu erkennen, die nicht durch eine P-Welle oder einen QRS-Komplex beantwortet werden (ineffektive Stimulation). 

Daneben kann eine Fehlwahrnehmung (Oversensing) dazu führen, dass eine Stimulation trotz Bradykardie ausbleibt, dass eine Überleitung von etwas anderem als einer P-Welle erfolgt (atriales Oversensing bei Zweikammerschrittmacher) oder dass eine Stimulation erfolgt, obwohl zuvor eine eigene P-Welle oder ein eigener QRS-Komplex zu sehen ist (Undersensing). Eine unipolare Stimulation ist im EKG gut zu erkennen (>5 mm), eine bipolare Stimulation zeigt einen Stimulus von meist nur 1–2 mm, am ehesten in V1 und V2 (atrialer Stimulus) und V3–V6 (ventrikulärer Stimulus) zu erkennen, in den Extremitätenableitungen oft nicht. Verschiedene Schrittmacheralgorithmen (Frequenzadaptation, automatischer Mode-Switch, AV-Zeit-Management, Capture-Management, Sicherheitsstimulation etc.) können die Interpretation des Schrittmacher-EKGs schwierig und ohne Kenntnis des Schrittmachermodells und der Programmierung manchmal unmöglich machen.

weitere Gebiete

Bildnachweise