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10.01.2017 | Intensivmedizin | Nachrichten

Kritische Ereignisse auf Station

Herzstillstand gefährdet auch Bettnachbarn

Autor:
Moritz Borchers

Verschlechtert sich der Gesundheitszustand eines Patienten auf Station massiv, kann das auch Patienten in Gefahr bringen, die nicht unmittelbar selbst betroffen sind.

Sterben Patienten, erleiden einen Herzstillstand oder müssen auf die Intensivstation verlegt werden, so hat das auch negative Folgen für die Verfassung von anderen Patienten auf derselben Station. Zu diesem Schluss kommen Forscher um Samuel Volchenboum, Pädiater am Universitätsklinikum von Chicago, IL/USA. Die Wissenschaftler waren der Frage nachgegangen, ob sich das Risiko eines Patienten für einen Herzstillstand oder eine Verlegung auf die Intensivstation verändert, wenn es in den sechs Stunden zuvor andere kritische Ereignisse auf derselben Station gegeben hat.

Risiko für andere steigt signifikant

War es zuvor zu einem kritischen Ereignis gekommen, erhöhte sich das Risiko für einen Herzstillstand oder die Verlegung auf die Intensivstation bei Patienten derselben Station um etwa 18% (Odds Ratio [OR] 1,18, 95%-Konfidenzintervall [95%-KI] 1,07–1,31), bei mehr als zwei Ereignissen um etwa 53% (OR 1,53, 95%-KI 1,03–2,18). Auch verringerte sich die Wahrscheinlichkeit für Patienten, entlassen zu werden, wenn sich der Zustand anderer Patienten zuvor kritisch verändert hatte (1 Ereignis: OR 0,94, 95%-KI 0,92–0,96; >1 Ereignis: OR 0,95, 95%-KI 0,87–1,04).

Verminderte Ressourcen

Zwar falle das erhöhte Risiko für einen Herzstillstand oder eine intensivmedizinische Verlegung in absoluten Zahlen klein aus; die kritischen Ereignisse seien jedoch mit hoher Morbidität und Mortalität assoziiert, so Volchenboum und Kollegen. Als Grund für die beobachteten Effekte vermuten die Forscher, dass das Stationsteam anderen Patienten weniger Aufmerksamkeit zuwenden könnte, sobald kritisch Erkrankte durch entsprechende Ereignisse im Fokus stehen.

Für die monozentrische, retrospektive Studie hatte das Team um Volchenboum Daten von 13 Stationen mit jeweils ca. 20 Betten des Universitätsklinikums in Chicago ausgewertet. Herangezogen wurden die Daten von insgesamt 83.723 erwachsenen Patienten, die in den Jahren 2009–2013 aufgenommen worden waren. 

Literatur

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