CSE beeinflusst zahlreiche Gesundheits- und weitere Bereiche
Früher wurde die Wirksamkeit von CSE in Studien primär durch Indikatoren für die öffentliche Gesundheit gemessen – insbesondere für die sexuelle und reproduktive Gesundheit. Dazu gehörten die Senkung der Teenagerschwangerschaftsrate sowie von HIV und anderen sexuell übertragbaren Infektionen (STIs; [
4,
5]). Dementsprechend eigneten sich die Inhalte von CSE gut dazu, Risiken zu verringern. CSE wird in vielen Kontexten in Westeuropa und weltweit als Reaktion des Staates auf neue Phänomene im Bereich der öffentlichen Gesundheit und der Gesellschaft verstanden, darunter das Auftreten und die Verbreitung von HIV, die Verfügbarkeit der Antibabypille und die Entkriminalisierung von Schwangerschaftsabbrüchen [
2,
6,
7].
In den letzten 10 bis 15 Jahren wurden jedoch die Forderungen lauter, die Forschung zu erweitern [
4,
5,
8‐
10]. Im Jahr 2016 wies die Expertengruppe darauf hin, dass „die aktuelle Literatur zeigt, dass sich die Bewertungskriterien überwiegend auf die Auswirkungen auf die öffentliche Gesundheit konzentrieren“ – jedoch häufig zulasten positiverer Indikatoren für Sexualität sowie für die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen [
11].
Als Reaktion auf die lückenhafte Evidenz und die Forderungen nach Anerkennung des breiteren Potenzials von CSE hat die Wissenschaft in den letzten 10 Jahren damit begonnen, die Forschung zu erweitern [
4,
8,
12]. Bei der Suche nach Studien, die andere CSE-Ergebnisse als ausschließlich die Verringerung von STIs oder Schwangerschaften gemessen haben, identifizierten Goldfarb und Lieberman [
8] in ihrer systematischen Übersicht 48 Artikel, davon 39 aus den USA. Sie gruppierten diese Studien je nach den verwendeten Messungen in mehrere Kategorien:
-
Wertschätzung von Vielfalt,
-
Prävention von Gewalt in Beziehungen und beim Dating,
-
gesunde Beziehungen,
-
Prävention von Kindesmissbrauch und
-
sozialemotionales Lernen und digitale Kompetenz [
8].
Neben der Erweiterung der Messmethoden haben manche Studien auch versucht, sich von einem „Risikoansatz“ zu lösen und sich stattdessen auf die positiven Auswirkungen der CSE auf das Leben junger Menschen zu konzentrieren. So gab beispielsweise die UNESCO 2022 eine Studie in Auftrag, deren Ergebnisse in Kürze veröffentlicht werden und das Potenzial schulischer CSE zur Verbesserung der Beziehungen von Lernenden zu ihren Eltern erkunden sollen; es wurden Jugendliche und ihre Beziehungspartnerinnen und -partner in 6 Ländern untersucht.
Expertinnen und Experten forderten außerdem ganzheitlichere Messmethoden, die sich von randomisierten Kontrollstudien (RCTs) als Goldstandard entfernen und stattdessen die Bedeutung qualitativer Belege sowie der Perspektiven junger Menschen stärker in den Blick nehmen:
„Mixed methods-Forschung – unter Einbeziehung von RCTs und damit verbundenen qualitativen Untersuchungen – ist unerlässlich, um die vielen Facetten der Wirksamkeit zu verstehen, wie sie in Bildungsumgebungen und im Leben junger Menschen zum Tragen kommen. Ebenso lässt sich der Begriff ‚Wirksamkeit‘ je nach den Zielen eines bestimmten Programms oder einer bestimmten Maßnahme unterschiedlich auslegen. Beispielsweise gibt es im Bildungsbereich übergeordnete Ziele, die weit über die Bewertung eines einzelnen Programms über einen kurzen Zeitraum (z. B. ein Schuljahr) hinausgehen“ [
4].
Die kritischen Entwicklungsphasen bieten Chancen für CSE
Seit 2010 hat die Forschung ein zunehmendes Interesse daran gezeigt, wie sexuelle und reproduktive Gesundheit und Rechte (SRHR) und insbesondere CSE-Programme für jüngere Altersgruppen differenziert untersucht werden sollten. Verschiedene Studien haben sich mit den sich überschneidenden Kategorien „sehr junge Jugendliche“ im Alter von 10 bis 14 Jahren [
13‐
16] und „Grundschulkinder“ im Alter von 5 bis 12 Jahren befasst [
17‐
19]. Wenige Studien widmeten sich Kindern im Vorschul- oder Kindergartenalter, obwohl Untersuchungen in Finnland mit Kindern im Vorschulalter (1–6 Jahre) zeigen, dass Sexualität schon in den frühen Jahren Teil des lebenslangen Entwicklungsprozesses ist (siehe Infobox; [
20,
21]).
Um die Bedeutung der entwicklungsgerechten CSE für Kinder und Jugendliche aller Altersgruppen zu betonen und das Potenzial jedes einzelnen Entwicklungszeitraums für bestimmte Ergebnisse zu veranschaulichen, stützt sich die Forschung auf Studien zur Entwicklung von Kindern und Jugendlichen. In ihrer Vorschul- und Grundschulzeit durchlaufen Kinder eine Reihe kognitiver, neurologischer, sozialer, emotionaler und körperlicher Entwicklungen, von einer gesteigerten Fähigkeit zum abstrakten Denken bis hin zu einem besseren Verständnis von Stereotypen, Geschlechterrollen und Selbstidentifikation [
17,
20]. All das trägt zur sexuellen Entwicklung bei. Diese rasch aufeinanderfolgenden Entwicklungsphasen bieten Möglichkeiten, die Gesundheit und das Wohlbefinden sowohl in der Kindheit und Jugend als auch über den gesamten Lebensweg zu verbessern, unter anderem in Bezug auf [
8,
17,
22‐
25]:
-
die Förderung von Fähigkeiten, die das lebenslange Lernen stützen;
-
die Vermittlung von Wissen und zur Prävention von Missbrauch und zum Umgang mit (sexualisierter) Gewalt;
-
die Verringerung von Mobbing in Schulen und im Internet;
-
die Senkung des Stressniveaus und die Steigerung der Selbstwirksamkeit;
-
die Verbesserung der Bewältigungsfähigkeiten sowie anderer sozialer und emotionaler Fähigkeiten;
-
die Verbesserung der sexuellen und reproduktiven Gesundheit im späteren Leben;
-
die Förderung der Gleichstellung der Geschlechter;
-
den Beitrag zu aktivem sozialen Engagement.
Besonderes Augenmerk erhielt das Potenzial von CSE-Programmen, zur Bildung gerechter Geschlechternormen beizutragen, die sich bereits ab dem Alter von 5 Jahren entwickeln [
17,
26]. Es gibt Hinweise darauf, dass die frühen Schuljahre der beste Zeitpunkt sind, sexualitätsbezogene Themen einzuführen, und dass die Auseinandersetzung in der CSE mit Geschlechter- und Machtdynamiken bei einer Reihe anderer Gesundheits- und Wohlbefindensindikatoren zu besseren Ergebnissen führt [
8,
9].
„Diese Untersuchung legt nahe, dass jüngere Kinder nicht nur in der Lage sind, über sexualitätsbezogene Themen zu diskutieren, sondern dass die frühen Schuljahre tatsächlich der beste Zeitpunkt sein könnten, um Themen im Zusammenhang mit sexueller Orientierung, Geschlechtsidentität, Geschlechtsausdruck, Geschlechtergleichstellung und sozialer Gerechtigkeit in Bezug auf die LGBTQ-Gemeinschaft einzuführen, noch ehe hetero- und cisnormative Werte und Annahmen tiefer verwurzelt und weniger veränderbar werden. Kinder lernen geschlechtsspezifisches Rollenverhalten in jungen Jahren vor allem durch die Beobachtung ihrer Familienmitglieder“ [
8].
Die Forschung weist darauf hin, dass sich mit CSE in der frühen Adoleszenz weitere positive Ergebnisse erzielen lassen, darunter eine geringere Akzeptanz von Vergewaltigungsmythen
1 im späteren Leben [
27], einen Rückgang sexueller Gewalt [
8,
19], die Entwicklung und Aufrechterhaltung gesunder Beziehungen während des gesamten Lebens (UNESCO, in Vorbereitung), prosoziales Verhalten wie Freundlichkeit, bereitwilliges Teilen und Empathie und damit verbundene höhere Bildungsabschlüsse [
28,
29] sowie sexuelles Wohlbefinden [
30].
CSE sollte auf die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen abgestimmt sein
Die Literatur zur Entwicklung von Kindern und Jugendlichen erkennt die Notwendigkeit an, sich von einem ausschließlich auf den Koitus konzentrierten Verständnis von Sexualität zu lösen und ein Verständnis dafür zu entwickeln, Sexualität in jeder Lebensphase als etwas Eigenständiges zu betrachten. Cacciatore und Kollegen [
31] haben „Stufen der Sexualität“ formuliert, die einen Rahmen für die sexuelle Entwicklung von der Geburt bis zur Adoleszenz bieten. Die Stufen reichen von „Ich bin wunderbar“ (Entdeckung des eigenen Körpers und Interesse an den Unterschieden zwischen den Geschlechtern: Säuglings- und Kleinkindalter) bis hin zu „Reife für die Liebe“ (Bereitschaft für die erste sexuelle Erfahrung: mittlere bis späte Adoleszenz). Die Autorenschaft vertritt zwar die Auffassung, dass die Entwicklung über die einzelnen Stufen nicht unbedingt linear verläuft, doch müssen die „Ziele“ jeder Stufe erreicht werden, um zur nächsten übergehen zu können. Wichtig ist, dass Kinder und Jugendliche im Vorhinein Informationen über jede Stufe erhalten.
Obwohl die empirischen Forschungen zu sexueller Entwicklung und CSE überschaubar sind, zeigen einige Studien aus dem europäischen Kontext, dass grundlegende, im Säuglingsalter entwickelte sexualitätsbezogene Kompetenzen in der Kindheit und Jugend weiter ausgebaut werden. Eine Studie mit finnischen Erzieherinnen und Erziehern ergab, dass die emotionalen und körperlichen Grundlagen einer gesunden Sexualität bereits im Alter von einem Jahr entstehen [
21]. Für die sexuelle Entwicklung von Jugendlichen ist eine Studie aus den Niederlanden [
32] relevant, die die weitverbreitete Annahme infrage stellt, dass Teenager schnell vom Küssen zum penetrativen Sex übergehen. Sie zeigt stattdessen eine schrittweise Entwicklung der sexuellen Kompetenzen auf. Jugendliche, die sich die Zeit nehmen, diese Kompetenzen in jeder Phase aufzubauen, neigen weniger zu risikoreichem Verhalten.
Mit dem zunehmenden Konsens über die Notwendigkeit, die emotionalen, körperlichen und kognitiven Aspekte der sexuellen Entwicklung von Geburt an zu unterstützen, werden Forderungen nach mehr kind- und jugendzentrierten CSE-Inhalten laut. Einige Forschende [
31,
33] kritisieren, dass der Fokus der CSE nach wie vor nicht auf grundlegenden Kompetenzen, Fähigkeiten und Erfahrungen liegt, die für die frühe sexuelle Entwicklung von zentraler Bedeutung sind.
Lust und Verlangen bleiben Lücken in der CSE
Bereits 1988 wies die Wissenschaftlerin Michelle Fine auf das „Lustdefizit“ in der Sexualerziehung hin [
34]. Seitdem haben zahlreiche Forschungsarbeiten den fehlenden Diskurs über das Verlangen hervorgehoben [
35‐
37] – trotz eindeutiger Studien, die zeigen, dass junge Menschen nicht nur durch die fehlende Thematisierung von Leidenschaft in der CSE „abgeschreckt“ werden [
38], sondern dass dieses Defizit sie dazu bringt, erotische Informationen in Quellen zu suchen, deren Qualität und Genauigkeit weniger sicher sind [
35,
37,
39].
Das stärkste Argument für die Einbeziehung von Lust in die CSE ist unter Umständen ganz einfach: Sie ist in jedem Alter eine wichtige Triebfeder für Intimität und sexuelle Aktivität [
40‐
42]. Mit anderen Worten: Ohne einen Diskurs über Lust wird die CSE für das Leben von Jugendlichen nicht so einen hohen Stellenwert haben. Was jedoch vielleicht noch besorgniserregender ist: Es wird eine Gelegenheit verpasst, vorhandenen Mythen und den „vorherrschenden Diskursen“ entgegenzuwirken, die „weibliche Sexualität als passiv und an der Rolle als Objekt und Opfer orientiert“ darstellen [
35]. Darüber hinaus zeigen die Erkenntnisse aus dem breiteren Bereich der sexuellen und reproduktiven Gesundheit und Rechte (SRHR), dass lustbejahende Ansätze zu besseren Gesundheitsergebnissen führen können. Mindestens eine systematische Analyse, die sich mit den Auswirkungen der Einbeziehung von Lust in SRHR-Interventionen befasste, kam zu dem Ergebnis, dass sich die Resultate im Bereich der sexuellen Gesundheit verbesserten [
42].
Die Offenheit gegenüber sexueller Lust als wichtigen „Bestandteil“ von CSE- und SRHR-Programmen im weiteren Sinne ist angesichts des gleichzeitigen Anstiegs des politischen und ideologischen Widerstands gegen SRHR besonders wichtig [
41]. Auch bietet die Offenheit hinsichtlich sexueller Lust als Thema von CSE und SRHR neue Wertvorstellungen für die Einbeziehung sexualitätsbejahender Ansätze, die sich auf Lust als wesentlichen Bestandteil von Gesundheit und Wohlbefinden konzentrieren und eng mit der Verwirklichung von Menschenrechten verbunden sind [
43‐
45].
Der rechtsbasierten CSE einen Sinn verleihen
Seit vielen Jahren sprechen Befürwortende und Interessensvertretende von einer „rechtsbasierten“ umfassenden Sexualaufklärung (CSE). Sexualaufklärung ist als Recht in mehreren internationalen Menschenrechtsdokumenten verankert.
2 Ergänzend bekräftigen UNESCO- und WHO-Standards, dass umfassende Sexualaufklärung ein zentraler Bestandteil menschenrechtsbasierter Bildung ist. Auch die Europäische Menschenrechtskonvention schützt Sexualaufklärung indirekt: Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte bestätigte wiederholt, dass staatliche Sexualerziehung zulässig und notwendig ist, solange sie sachlich und pluralistisch bleibt (Art. 2, 1. Zusatzprotokoll). Die UN-Nachhaltigkeitsziele (SDGs) stärken diesen Anspruch, da sexual- und reproduktive Gesundheitsinformationen explizit in den Zielen zu Gesundheit (SDG 3), Bildung (SDG 4) und Geschlechtergleichstellung (SDG 5) verankert sind. Mit der fortschreitenden Forschung in den Bereichen Menschenrechte und CSE haben Studien weitere Erkenntnisse erbracht. Insgesamt ergibt sich aus der Literatur zur Anwendung von Rechten bei CSE-Programmen Folgendes [
9,
46]:
1.
die Notwendigkeit, die Stimmen von Kindern und Jugendlichen in den Mittelpunkt zu stellen, und die Forderung, ihr Recht auf Beteiligung an allen Entscheidungen, die ihre Bildung, Gesundheit und ihr Wohlbefinden betreffen, zu garantieren;
2.
die Beachtung der Art und Weise, wie marginalisierte Kinder und Jugendliche CSE erhalten, um ihr Recht auf Freiheit von Diskriminierung zu gewährleisten. Gleichzeitig haben wichtige Studien die Themen Rechte, Macht und Geschlecht mit einem größeren Potenzial für die Beeinflussung von Gesundheitsergebnissen verknüpft.
Zunehmend berücksichtigen Studien die Stimmen von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen bei der Beurteilung der inhaltlichen Gestaltung und Vermittlung von CSE-Programmen. In England untersuchte eine Studie [
47] die Erfahrungen von 10- und 11-jährigen Kindern mit der sexuellen Bildung, die dort seit 2020 verpflichtend ist. Die Ergebnisse konzentrieren sich speziell auf Themen im Zusammenhang mit sexuellem Kindesmissbrauch und zeigen eine breite und auch starke Unterstützung für den Lehrplan unter den Kindern, bei gleichzeitiger Betonung der Relevanz von CSE für ihr Leben. In Neuseeland und den USA zeigen Untersuchungen [
38], wie wichtig die Zusammenarbeit mit Teenagern ist, um Lücken im Lehrplan zu identifizieren – insbesondere in Bezug auf Lust –, indem bewertet wird, was sie sich von der CSE wünschen. Eine in der Schweiz durchgeführte Umfrage unter mehr als 4500 jungen Erwachsenen [
48] verglich ihre Informationsquellen über Sexualität während der Adoleszenz mit Indikatoren für sexuelles Verhalten. Die Ergebnisse zeigen, dass die Schülerschaft, die ihre Informationen hauptsächlich von Bekannten, aus dem Internet, aus anderen Quellen oder gar von niemandem erhielten, eher über
ungewollte sexuelle Erfahrungen berichteten als diejenigen, die ihre Informationen in der Schule erhielten.
Die Forschung mit Kindern und Jugendlichen ist nur eine Möglichkeit, deren Recht auf Mitbestimmung hinsichtlich Entscheidungen zu fördern, welche sie selbst betreffen. Trotzdem birgt sie großes Potenzial, wenn es darum geht, sicherzustellen, dass die Lebensrealität von Kindern und Jugendlichen mit politischen Maßnahmen und Programmen, die sich auf ihre Gesundheit und ihr Wohlbefinden auswirken sollen, im Einklang steht [
49].
Das Recht auf eine nichtdiskriminierende Umgebung wurde im Zusammenhang mit CSE so ausgelegt, dass sie die Vielfalt der Erfahrungen berücksichtigen muss, einschließlich der Erfahrungen von Kindern und Jugendlichen mit Beeinträchtigungen sowie Menschen mit Migrations- oder Fluchthintergrund, anderer Hautfarbe und Menschen, die sich als LGBTQIA+ identifizieren. Die Literatur zeigt die Stärken von CSE auf, weist aber auch auf bestehende Lücken und Hindernisse hin. Eine Übersichtsarbeit im europäischen Kontext [
50] zeigte, dass CSE zwar das Potenzial hat, junge Menschen mit Beeinträchtigung zu unterstützen, dass aber nach wie vor eine Reihe von Hindernissen besteht, darunter der Mythos, sie seien asexuell, und die Übertragung der Informationspflicht für diese Gruppe auf Dritte. Mehrere Studien adressieren die Barrieren, die transgeschlechtliche junge Menschen bei der Beschaffung von für sie relevanten Informationen in CSE-Programmen erleben. Nach der Analyse von YouTube-Videos, die beschreiben, wie transgeschlechtliche junge Menschen über ihren eigenen Körper sprechen, plädieren Riggs und Bartholomew [
51] dafür, den Fokus eher auf die „Funktionalitäten“ von Körperteilen zu legen als auf das geschlechtsspezifische Verständnis, das oft in der CSE verankert ist.
Auch die Einstellung der verantwortlichen Lehrkräfte kann bei der Validierung der Erfahrungen von Jugendlichen eine große Rolle spielen. Untersuchungen aus Australien [
52] zeigen, dass die positive Einstellung der Lehrkräfte gegenüber Geschlechtervielfalt für das Wohlbefinden transgeschlechtlicher Lernender in weiterführenden Schulen entscheidend ist.
Insgesamt lenken die neuen Forschungsergebnisse die Aufmerksamkeit auf das große Potenzial inklusiver und vielfaltsbezogener Ansätze, die das Recht aller Kinder und Jugendlichen auf ein diskriminierungsfreies Leben fördern, auch wenn praktische Lösungen in der Literatur noch fehlen. Eine Studie aus Schweden [
53] befasst sich mit diesem Thema und weist auf die Bedeutung „normkritischer“ Ansätze für die CSE hin. Sie liefert sehr praktische, im Rahmen der Studie beobachtete Strategien zur Gewährleistung von Inklusion, darunter die sensible Verwendung von Sprache, die Organisation und Einbeziehung „sensibler“ Inhalte, um Stigmatisierung entgegenzuwirken, sowie die Verwendung verschiedener Modalitäten zur Schaffung einer spezifischen Wissensordnung.