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12.07.2017 | Internistische Arzneimitteltherapie | Arzneimitteltherapie | Ausgabe 10/2017

Der Internist 10/2017

Placebo und Nocebo

Wie einsetzen bzw. vermeiden?

Zeitschrift:
Der Internist > Ausgabe 10/2017
Autoren:
Prof. Dr. med. Dr. rer. nat. E. Hansen, N. Zech, K. Meissner
Wichtige Hinweise

Redaktion

M. Wehling, Mannheim

Zusammenfassung

Erwartungen des Patienten erhöhen die Wahrscheinlichkeit ihres Eintretens und sind so Hauptauslöser von Placebo- und Noceboeffekten. Starke Placeboeffekte sind nicht nur regelmäßig bei medikamentöser oder nichtmedikamentöser Scheinbehandlung in placebokontrollierten Studien nachweisbar, sondern tragen zu jeder echten Behandlung wesentlich bei. Für die maximale Wirksamkeit von Medikamenten und anderen Behandlungen sind daher begleitende Worte notwendig, mit positiven Ausdrücken und nicht mit Negationen. Diese Verstärkung durch Placeboeffekte ist wichtiger als die durchaus verbreitete Anwendung von Placebos, die wegen der Aufklärungs- und Therapiepflicht und der ebenfalls inhärent induzierten Nebenwirkungen problematisch bleibt. Jedes falsche Sprechen über Symptome oder Nebenwirkungen kann diese verstärken oder auslösen. Noceboeffekte sind nicht eingebildet, sondern echte Symptome, die durchaus gefährlich sein können und einen beträchtlichen Teil behandelter Nebenwirkungen ausmachen. Sie sollten durch mehr Bewusstsein und Kenntnisse darüber vermieden oder neutralisiert werden. Dies gelingt bei der Risikoaufklärung durch Kombination mit Positivem, wie dem erwarteten Nutzen der Behandlung oder der Prophylaxe und Therapierbarkeit von Nebenwirkungen. Vorhandene Negativerwartungen werden durchbrochen, indem andere Möglichkeiten wieder in das Blickfeld gerückt und Negativerfahrungen in der Vergangenheit belassen werden. Placebo- und Noceboeffekte wirken im Kontext, das heißt in Abhängigkeit von den individuellen Patientenerfahrungen und -vorstellungen sowie der Arzt-Patienten-Beziehung, die den besten Schutz vor Aufklärungsschäden darstellen kann. Die Erwartung und ihre Effekte werden außerdem stark von der Erwartung des Arztes und von Mitpatienten, Medien und Gesellschaft beeinflusst.

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