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23.02.2024 | Ischämischer Schlaganfall | Nachrichten

Phase-3-Studie mit Edaravon-Dexborneol

Sublinguale Therapie verbessert Prognose nach Schlaganfall

verfasst von: Thomas Müller

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In einer Phase-3-Studie erreichten Schlaganfallpatienten, die für eine interventionelle Therapie nicht infrage kamen, mit sublingual verabreichtem Edaravon-Dexborneol ein deutlich besseres funktionelles Ergebnis als mit Placebo.

Das Wichtigste in Kürze zu dieser Studie finden Sie am Ende des Artikels.

Noch immer gibt es keine zugelassenen neuroprotektiven Therapien, welche die Folgen einer Ischämie bei Schlaganfallpatienten wirksam abmildern. Dies ist gerade für Betroffene ein Problem, die nicht für eine Reperfusion per Lyse oder Thrombektomie infrage kommen – ihnen haben Ärztinnen und Ärzte bislang wenig anzubieten. Studien mit potenziell neuroprotektiven Arzneien gibt es zwar reichlich, überzeugende Ergebnisse lieferte bislang jedoch kaum eine. Vor diesem Hintergrund lassen die Resultate der Phase-3-Studie TASTE-SL mit den beiden Wirkstoffen Edaravon und Dexborneol aufhorchen: Mit der sublingualen Kombitherapie erreichten nach 90 Tagen zwei Drittel ein gutes funktionelles Ergebnis, unter Placebo nur etwas mehr als die Hälfte.

Der Radikalfänger Edaravon ist bereits seit 2010 in Japan als ergänzende Schlaganfalltherapie zugelassen und wird in den USA zur ALS-Behandlung eingesetzt, muss jedoch infundiert werden. Dexborneol hat entzündungshemmende Eigenschaften und kann die Blut-Hirn-Schranke gut überwinden. In Tierexperimenten ließ sich damit der Verlust von dendritschen Spines während einer Ischämie vermeiden. Ein Team um Dr. Yu Fu von der Dritten Klinik der Universität Peking hat beide Wirkstoffe in einer Sublingualtablette vereint – dies erleichtert die Behandlung und reduziert die Kosten erheblich.

Für TASTE-SL (Treatment of Acute Ischemic Stroke with Edaravone Dexborneol) wurden 914 Personen mit einem ischämischen Schlaganfall in 33 Zentren in China behandelt. Teilnehmen durften 608 Männer und 306 Frauen mit einem NIHSS-Score zwischen 6 und 20 Punkten, die für eine interventionelle Behandlung nicht infrage kamen. Zudem musste der Beginn der Therapie innerhalb von 48 Stunden nach Symptombeginn erfolgen.

Die meisten Teilnehmenden hatten zu Beginn einen leichten bis mäßigen Schlaganfall (NIHSS-Mittelwert: 7 Punkte), das mittlere Alter betrug 65 Jahre. Über 90% zeigten vor dem Schlaganfall noch keinerlei funktionelle Einschränkungen (mRS-Wert: 0). Rund die Hälfte bekam zwei Wochen lang eine Behandlung mit zweimal täglich Edaravon (36 mg) plus Dexborneol (6 mg), die übrigen erhielten ähnlich schmeckende Placebos. Etwas mehr als die Hälfte in beiden Gruppen begann die Therapie 24 Stunden nach Beginn der Symptome.

Keine deutlichen Unterschiede beim NIHSS-Score

Primärer Endpunkt war der Anteil von Patienten ohne große funktionelle Beeinträchtigungen 90 Tagen nach dem Schlaganfall (mRS = 0–1). Dieses Ziel erreichten 64,4% mit der Sublingualtherapie, aber nur 54,7% unter Placebo. Die absolute Differenz von 9,7 Prozentpunkten erwies sich als statistisch signifikant. Nach drei Monaten hatten 57% mit Edaravon-Dexborneol einen NIHSS-Score unter 1, in der Placebogruppe waren es 52% – kein signifikanter Unterschied.

Therapiebezogene Nebenwirkungen traten mit der Kombitherapie etwas häufiger auf als unter Placebo (bei 14% versus 11%). Vor allem eine Hypokaliämie und Verstopfung wurden unter den beiden Wirkstoffen öfter beobachtet.

Das Team um Fu sieht durch die Medikation einen deutlichen Schutz für das Gehirn nach einem Schlaganfall. Forschende um Dr. Craig Anderson vom George Institute for Global Health in Sydney betrachten die Zahlen in einem Editorial jedoch mit einer gewissen Skepsis: Die Effektstärke beim mRS liegt im Bereich des Werts für die Thrombolyse, gleichzeitig seien beim NIHSS nach 90 Tagen keine größeren Unterschiede erkennbar gewesen. Unklar ist zudem, ob sich unter den Versorgungsstrukturen westlicher Industrieländer ähnliche Effekte ergeben. So geht aus der Studie nicht hervor, ob überhaupt jemand eine Thrombolyse bekommen hat und ob der Anteil der Lysepatienten zwischen beiden Gruppen variierte.

Das Wichtigste in Kürze

Frage: Was bewirkt eine sublinguale Therapie mit Edaravon-Dexborneol bei Schlaganfallpatienten, die für eine Revaskularisierung nicht infrage kommen?

Antwort: In der Phase-3-Studie TASTE-SL erreichten mit einer zwei Wochen dauernden Edaravon-Dexborneol-Therapie rund 64%, mit Placebo 55% nach 90 Tagen ein gutes funktionelles Ergebnis.

Bedeutung: Edaravon-Dexborneol wirkt möglicherweise neuroprotektiv.

Einschränkung: Unklar, ob sich die Ergebnisse auf westliche Industrieländer mit anderen Versorgungsstrukturen übertragen lassen. Es wird nicht erwähnt, ob und wie viele Patienten eine Lyse bekommen haben.

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Literatur

Fu Y et al. Sublingual Edaravone Dexborneol for the Treatment of Acute Ischemic Stroke. The TASTE-SL Randomized Clinical Trial. JAMA Neurol 2024; https://doi.org/10.1001/jamaneurol.2023.5716

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