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Endometriose geht mit Zunahme von Schlaganfällen einher

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Frauen mit Endometriose haben ein erhöhtes kardiovaskuläres Risiko. Auch Schlaganfälle treten bei ihnen häufiger auf, zeigt jetzt erstmals eine große Studie. Absolut betrachtet ist die Risikozunahme aber sehr gering.

Bei Endometriose ist das Risiko für Koronarerkrankungen, Hypertonie und Hypercholesterinämie erhöht, haben bereits frühere Analysen von Daten der in den USA laufenden Nurses Health Studie II (NHSII) gezeigt. Da liegt es nahe, dass auch eine Assoziation mit einer Zunahme von Schlaganfällen bestehen könnte, dachte sich eine Gruppe von US-Forscherinnen und Forschern um die Epidemiologin Prof. Leslie Farland, University of Arizona in Tucson, und die Gynäkologin Prof. Stacey Ann Missmer, Michigan State University College of Human Medicine in Grand Rapids. Ihre aktuell im Fachjournal „Stroke“ der American Stroke Association (ASA) publizierte Analyse, die ebenfalls auf Daten des NHSII-Projekts gründet, bestätigt nun diese Vermutung.

Die Kenntnis eines möglichen Zusammenhangs zwischen Endometriose und Schlaganfall sei wichtig, äußert sich Studienleiterin Missmer in einer ASA-Pressemitteilung zur Studienpublikation. Sie stellt darin aber auch klar, dass das absolute Lebenszeitrisiko eines Individuums für einen Schlaganfall sehr niedrig sei.

Schlaganfallrisiko relativ um 34% höher

Für die neue Analyse hat die Gruppe Daten von 112.056 am NHSII-Projekt beteiligten Frauen ausgewertet. Sie waren zu Beginn der Studie im Jahr 1989 zwischen 25 und 42 Jahre alt und im Gesundheitswesen tätig. Darunter waren 5.244 Frauen, bei denen zu Studienbeginn eine laparoskopisch gesicherte Endometriose dokumentiert war. Bis 2017 waren bei den Studiensteilnehmerinnen alle zwei Jahre per Fragebogen Informationen zum Gesundheitszustand eingeholt worden. Die Follow-up-Dauer betrug 28 Jahre.

In einem Gesamtzeitraum von 2.770.152 Personenjahren waren 893 Schlaganfälle aufgetreten. Bei Frauen ohne Endometriose waren innerhalb von 2.517.730 Personenjahren 765 Fälle, bei Frauen mit Endometriose innerhalb von 252.422 Personenjahren 128 Fälle zu verzeichnen.

Hysterektomien und/oder Ovarektomien als Einflussfaktoren identifiziert

In einem für diverse Störfaktoren adjustierten Analysemodell war eine bestehende Endometriose mit einem relativ um 34% höheren Schlaganfallrisiko assoziiert, so das Hauptergebnis der Studie (Hazard Ratio, HR: 1,34; 95%-KI: 1,10–1,62). Als wichtigste Faktoren, deren Einfluss partiell zu dieser Assoziation beigetragen hatte, erwiesen sich in der Kalkulation der Studienautoren insbesondere vorgenommene Hysterektomien und/oder Ovarektomien (zu 39%), aber auch eine postmenopausale Hormontherapie (zu 15,5%), ein Menopausen-Beginn im Alter unter 45 Jahren (zu 12,3%) sowie Hypertonie (zu 8,4%) und Hypercholesterinämie (zu 4,2%) in der Vorgeschichte.

Ein Schwachpunkt der Studie ist nach Auffassung ihrer Autorinnen und Autoren, dass nicht zwischen Schlagabfall-Subtypen (ischämisch versus hämorrhagisch) differenziert werden konnte. Auch darüber, wie lange die Endometriose bei den betroffenen Frauen schon bestanden hatte, waren keine Informationen verfügbar.

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Leslie V. Farland et al. Laparoscopically Confirmed Endometriosis and Risk of Incident Stroke: A Prospective Cohort Study. Stroke 2022; https://doi.org/10.1161/STROKEAHA.122.039250

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Frau geht Spazieren/© HODEI / stock.adobe.com (Symbolbild mit Fotomodell), Ältere Person sortiert Medikamente/© Przemek Klos / stock.adobe.com (Symbolbild mit Fotomodell), EKG befunden mit System - EKG Essential/© Springer Medizin Verlag GmbH