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Vorhofflimmern: Frührezidive nach Ablation – kein Grund zur Sorge?

Frühe Arrhythmie-Rezidive nach Katheterablation von Vorhofflimmern seien meist nur ein unspezifisches Phänomen, das noch nichts über den Langzeit-Erfolg der Intervention aussagt, so die vorherrschende Meinung. Eine neue Studie kratzt jedoch an dieser Sichtweise.

In den ersten Wochen nach einer Katheterablation wegen Vorhofflimmern auftretende Arrhythmie-Rezidive gelten unter Kardiologen nicht unbedingt als Ausdruck eines Scheiterns der interventionellen antiarrhythmischen Therapie. Gemeinhin wird davon ausgegangen, dass solche Frührezidive – anders als Spätrezidive – auf vorübergehende lokale Entzündungsreaktionen im Vorhof infolge des Eingriffs zurückzuführen sind und im Zuge einer „Abheilung“ von selbst wieder verschwinden.

Der Sinn der „Blanking-Periode“

Aus diesem Grund ist auch die sogenannte „Blanking-Periode“ eingeführt worden, die in der Regel die ersten drei Monate nach dem abladierenden Kathetereingriff umfasst. Allgemeine Praxis ist, dass in dieser postprozeduralen Phase aufgetretene Arrhythmie-Rezidive zum Beispiel in klinischen Studien zur rezidivprophylaktischen Wirksamkeit etwa der Katheterablation als vermeintlich unspezifische Ereignisse aus der Wirksamkeitsanalyse ausgeklammert werden.

Aber sind Frührezidive wirklich so unmaßgeblich, wie es das Konzept der „Blanking-Periode“ suggeriert? Eine Gruppe koreanischer Kardiologen sieht jedenfalls Gründe dafür, die klinische Bedeutung dieses Konzepts in den Leitlinien zu überdenken. Denn nach von dieser Gruppe jetzt vorgelegten Studiendaten sind in die „Blanking-Periode“ fallende Frührezidive sehr wohl ein zuverlässiger Prädiktor für spätere Arrhythmie-Rezidive.

Die Autoren um Dr. Jong-Il Choi von der kardiologischen Abteilung am Korea University Medicine Anam Hospital in Seoul haben für ihre Studie Daten von 3120 Patienten mit paroxysmalem wie auch nicht-paroxysmalem Vorhofflimmern analysiert, die zwischen 1998 und 2019 erstmals einer Radiofrequenzstrom-Ablation unterzogen worden waren. Davon hatten 751 Patienten (24,1%) frühe Arrhythmie-Rezidive entwickelt, die sich bei 372 Patienten als atriale Tachykardien und bei 379 als erneutes Vorhofflimmern manifestiert hatten.

Auf Frührezidive folgten in knapp 70% auch Spätrezidive

Bei 69,6% aller Patienten mit frühen Arrhythmie-Rezidiven traten irgendwann im Verlauf der nächsten fünf Jahre auch Spätrezidive auf.  Bei den 2.369 Patienten ohne Frührezidive betrug die Rate an Spätrezidiven hingegen nur 27,7%. Der Anteil an Patienten, die nach zwei respektive fünf Jahren Follow-up frei von Spätrezidiven geblieben waren, betrug in der Subgruppe ohne Frührezidive 76,1% respektive 62,0%, in der Subgruppe mit Frührezidiven dagegen nur 29,5% respektive 18,9%.

Eine multiple Adjustierungen beinhaltende Analyse der Gruppe um Jong-Il Choi kommt zu dem Ergebnis, dass Frührezidive ein unabhängiger Risikofaktor für künftige Arrhythmie-Rezidive waren, der mit einem um den Faktor 3,6 (nach singulärer Ablation) und 2,8 (nach multiplen Ablationsprozeduren) höheren Risiko für Spätrezidive assoziiert war.

Als Faktoren, die mit einer erhöhten Inzidenz von Frührezidiven einhergingen, erwiesen sich eine Dilatation des Vorhofs, eine eingeschränkte Hämodynamik des linken Vorhofohrs (gemessen am spontanen Echo-Kontrast), eine höhere Prävalenz von nicht-paroxysmalem Vorhofflimmern und eine bestehende Herzinsuffizienz.

Patienten, bei denen Frührezidive als atriale Tachykardien in Erscheinung getreten waren, hatten im Vergleich zu denjenigen Patienten, bei denen sich sehr früh ein Vorhofflimmern-Rezidiv manifestiert hatte, ein niedrigeres Risiko für Spätrezidive.

Frührezidive sind möglicherweis kein passageres Phänomen

Die Ergebnisse ihrer Studie stellten die klinische Basis für das derzeitige Konzept der „Blanking Periode“ infrage, schlussfolgern die koreanischen Studienautoren. Frührezidive nach Katheterablation seien entgegen der herrschenden Auffassung möglicherweise kein zu vernachlässigendes und nur vorübergehendes Phänomen als Folge inflammatorischer Prozesse.

Solche Rezidive könnten auch Resultat einer „Rekonnektion“ von Pulmonalvenen sein, was in künftigen Studien genauer zu untersuchen wäre. Die Risikofaktoren für Frührezidive seien jedenfalls die gleichen gewesen wie für Spätrezidive. Dies lege nahe, dass frühe Arrhythmie-Rezidive nur Ausdruck eines „frühen Auftretens“ von Spätrezidiven sein könnten.

Ob es klinisch von Vorteil ist, in solchen Fällen frühzeitig eine erneute Katheterablation vorzunehmen, ist derzeit unklar. Hier sind weitere Studien erforderlich.

Yun Gi Kim et al.: Early Recurrence Is Reliable Predictor of Late Recurrence After Radiofrequency Catheter Ablation of Atrial Fibrillation. JACC: Cinical Electrophysiology 2021.

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Ärztin misst Blutdruck bei adipöser Frau/© DG PhotoStock / stock.adobe.com (Symbolbild mit Fotomodellen), Blutprobe wird bei Patient abgenommen/© Tashi-Delek / Getty Images / iStock (Symbolbild mit Fotomodellen), EKG befunden mit System - EKG Essential/© Springer Medizin Verlag GmbH