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Was sagt Unfruchtbarkeit über das Herzinsuffizienz-Risiko aus?

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Mögliche Zusammenhänge zwischen Infertilität und Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind noch wenig erforscht. Eine prospektive Langzeitstudie weist jetzt auf ein erhöhtes Herzinsuffizienzrisiko unfruchtbarer Frauen hin.

Studien legen nahe, dass bestimmte reproduktive Faktoren mit einem erhöhten kardiovaskulären Risiko einhergehen, etwa eine frühe Menarche, eine frühe Menopause oder eine Geburt in jungem Alter. Über den Zusammenhang zwischen Unfruchtbarkeit und Herz-Kreislauf-Erkrankungen fehlen jedoch bislang belastbare Daten. Eine neue Studie hat jetzt ergeben, dass Infertilität ein Prädiktor für die Entwicklung einer Herzinsuffizienz im späteren Leben sein kann.

Für die prospektive Analyse nutzten Dr. Emily Lau vom Massachusetts General Hospital in Boston und ihr Team Daten der Women's Health Initiative. Sie berücksichtigten knapp 39.000 postmenopausale Frauen, von denen 14% zu Studienbeginn angegeben hatten, unfruchtbar zu sein. Es wurde untersucht, ob sich dies auf das Herzinsuffizienzrisiko auswirkt.

Infertilität mit gesteigertem HFpPF-Risiko assoziiert

Im Laufe der Nachbeobachtungszeit erkrankten rund 2.400 Frauen an Herzinsuffizienz. Infertilität ging gegenüber normaler Fruchtbarkeit mit einem um 16% erhöhten Risiko dafür einher. Eine Analyse der Subtypen von Herzinsuffizienz ergab, dass Unfruchtbarkeit mit einem um 27% gesteigerten Risiko für HFpEF korrelierte, aber nicht mit der Entstehung einer HFrEF assoziiert war.

Die Befunde schienen unabhängig von traditionellen kardiovaskulären Risikofaktoren und von mit Infertilität assoziierten Faktoren zu sein. Auch wenn aktuelles und früheres Rauchen mit einem höheren Risiko für Unfruchtbarkeit einherging, gab es keine solchen Assoziationen mit Bluthochdruck, Diabetes oder Hyperlipidämie. Eine Analyse des Zehn-Jahres-Scores für atherosklerotische kardiovaskuläre Erkrankungen (ASCVD) ergab ebenfalls keinen Zusammenhang. Unregelmäßige Menstruation, Schilddrüsenerkrankungen, Taillenumfang und frühe Menopause waren zwar mit Unfruchtbarkeit, aber nicht mit Herzinsuffizienz assoziiert.

Experten raten, reproduktive Vorgeschichte zu erfragen

Zukünftige Studien sollten weiter die Mechanismen untersuchen, die der Assoziation zwischen Infertilität und HFpEF zugrunde liegen, raten Lau und Kollegen. Es werde erst langsam erkannt, wie wichtig die reproduktive Vorgeschichte einer Frau für ihr zukünftiges kardiovaskuläres Risiko sei. An der Unfruchtbarkeit selbst könne man zwar nichts ändern, sei diese jedoch bekannt, könnten Patientinnen intensiver über andere modifizierbare, kardiovaskuläre Risikofaktoren aufgeklärt werden, ergänzen die Mediziner.

Dr. Ersilia DeFilippis vom University Irving Medical Center in New York plädiert in einem begleitenden Kommentar dafür, die Anamneseerhebung und frühe Risikobewertung bei Frauen im gebärfähigen Alter zu verbessern. „Dabei sollten traditionelle, kardiovaskuläre Risikofaktoren erfasst werden, aber auch nach dem Alter bei der Menarche, Schwierigkeiten bei der Empfängnis, der Anzahl der Schwangerschaften, unerwünschten Schwangerschaftsereignissen, Stillverhalten und dem Zeitpunkt der Menopause gefragt werden“, empfiehlt die Kardiologin.

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Lau E et al. Infertility and Risk of Heart Failure in the Women’s Health Initiative. Journal of the American College of Cardiology 2022. https://doi.org/10.1016/j.jacc.2022.02.020

DeFilippis E. Infertility: A Fertile Ground for Heart Failure? Journal of the American College of Cardiology 2022. https://doi.org/10.1016/j.jacc.2022.02.019

Pressemitteilung des Massachusetts General Hospital: Study finds infertility history linked with increased risk of heart failure. 18.04.2022.

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