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Wettkampfsport mit Long-QT-Syndrom – wirklich ausgeschlossen?

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Wenn bei einem Wettkampfsportler ein Long-QT-Syndrom diagnostiziert wird, wird ihm üblicherweise zum Beendigung der Sportlaufbahn geraten. Die Leitlinien äußern sich hierzu restriktiv. Kardiologen aus Rochester gehen einen anderen Weg – und zeigen jetzt, dass dieser funktionieren könnte.

Für junge Menschen mit angeborenen Herzerkrankungen ist Wettkampfsport weiter möglich, wenn bestimmte Vorkehrungen getroffen werden. Diese Einstellung vertreten jedenfalls US-Mediziner um Dr. Kathryn Tobert.

Die Ärzte argumentierten mit ihrem Erfahrungsschatz – der sich tatsächlich sehen lassen kann: In ihrer Klinik, der Mayo Clinic’s Windland Smith Rice Genetic Heart Rhythm Clinic, haben sie über einen Zeitraum von 20 Jahren insgesamt 672 Athleten betreut, bei denen die Diagnose einer genetischen Herzerkrankung gestellt worden war. Dabei handelte es sich alles um Erkrankungen, die ein erhöhtes Risiko für einen plötzlichen Herztod bergen. Mit Abstand am häufigsten war das Long-QT-Syndrom (LQTS), davon waren 494 Athleten betroffen. 11,7% aller Sportler hatten einen Kardioverter-Defibrillator (ICD) implantiert bekommen. 

Leitlinien raten von intensivem Sport ab

In den Leitlinien wird bei Vorliegen solcher Konstellationen oder anderer genetischer Rhythmusstörungen üblicherweise von einer intensiven sportlichen Betätigung abgeraten. So ist Wettkampfsport laut der ESC-Leitlinien von 2020 für Menschen mit einem Phänotyp-positiven LQTS ausgeschlossen. „Athleten wird deshalb oft immer noch empfohlen, ihre Aktivitäten einzustellen, sobald die Diagnose einer genetischen Herzerkrankung gestellt wird“, erläutern Tobert und Kollegen das übliche Vorgehen.

US-Kardiologen weichen davon ab

In der Mayo Clinic in Rochester geht man seit vielen Jahren einen anderen Weg. Dort wird die Philosophie eines „Shared Decision Making“ gelebt. Bedeutet, gemeinsam mit dem Patienten und der Familie wird über eine mögliche Fortführung der sportlichen Aktivität gesprochen und entschieden. Zuvor erfolgt eine umfassende Risikostratifizierung des Patienten in einem spezialisierten Zentrum. 

Entscheidet man sich für die Rückkehr zum Wettkampfsport, wird ein Return-to-Play-Plan ausgearbeitet, dazu gehört u.a. ein Behandlungsplan, regelmäßige Kontrolltermine und bestimmte Sicherheitsvorkehrungen während der sportlichen Aktivität. Alle Beteiligten, inklusiver der Trainer und des Verbandes, sind dabei einbezogen. Gegebenenfalls wird dem Patienten ein ICD implantiert, falls bisher noch nicht geschehen.

Kein tödliches Ereignis

Dieses Vorgehen scheint sich ausgezahlt zu haben. Die retrospektiv ausgewerteten Follow-up-Daten aller Sportler haben die US-Kardiologen aktuell beim Kongress der Heart Rhythm Society (HRS) vorgestellt und zeitgleich im JACC publiziert. 

Von den insgesamt 672 Sportlern, denen in den letzten zwei Jahrzehnten eine Rückkehr zum Sport ermöglicht wurde, ist keiner in den nachfolgenden Jahren an einem Ereignis verstorben, das mit ihrer Herzerkrankung in Verbindung stand.

29 Patienten (5,9%) erlitten während des durchschnittlichen Follow-up von 4,2 Jahren eine oder mehrere nicht-tödliche LQTS-assoziierte Komplikationen. Dazu zählten arrythmogene Synkopen oder Krämpfe, symptomatische, nicht anhaltende ventrikuläre Tachykardien, Kammerflimmern, welches durch einen ICD terminiert wurde, und der überlebte plötzliche Herztod. Gerade mal 15 von diesen Athleten übten zum Zeitpunkt des Vorfalls aktiven Wettkampfsport aus. Und nur bei drei Personen (0,3%) passierte das Ereignis während des Sports. Dabei machte es bzgl. der Ereignisrate keinen offensichtlichen Unterschied, welche Sportart die Patienten ausübten, also ob Ausdauer oder Kraftsport oder Sportarten mit geringer kardiopulmonaler Belastung wie Golf.

Die Kardiologen um Tobert schließen daraus, dass eine Rückkehr zum Sport trotz einer LQTS-Diagnose sicher möglich ist, wenn der Sportler optimal behandelt ist und eine gründliche Evaluation und Risikostratifizierung vorgenommen wurde. Die kardiale Ereignisrate sei zwar nicht Null, betonen sie, aber das Gesamtrisiko gering gewesen.

So lag das jährliche Risiko für eine nicht tödliche Komplikation unter 2%. Oder anders ausgedrückt: Während der insgesamt 1.287 Follow-up-Jahre, in denen die Patienten aktiv Wettkampfsport betrieben haben, lag die Ereignisrate für die Sportler mit einem LQTS bei 1,6 Fällen pro 100 Athletenjahre. Am meisten passiert ist bei Athleten mit einem LQTS vom Typ 3 (LQT3), bei ihnen lag die Ereignisrate bei 3,07 Fällen pro 100 Athletenjahre.  

„Rückkehr zum Sport nicht ausgeschlossen“

Als Reaktion auf ihre neusten Daten stellen Tobert und Kollegen die bisherige restriktive Praxis infrage und plädieren für ein mehr zeitgemäßes Vorgehen im Sinne eines „Shared-Decision-Making“. „Das Risiko für ein kardiales Ereignis bei Patienten mit LQTS oder anderer angeborener arrhythmogener Kanalopathien muss eine Teilnahme beim Sport nicht ausschließen“, lautet ihre Devise. Dabei argumentieren sie auch mit dem Umstand, dass es ihrer Kohorte in der Zeit vor oder nach der aktiven Wettkampfzeit genauso häufig zu Komplikationen gekommen ist als in aktive Zeiten. Die Ereignisse seien also unabhängig vom Aktivitätslevel aufgetreten. 

Darüber hinaus verweisen die US-Kardiologen auf die psychologischen Auswirkungen eines Sportverbots. „Einen Sportler mit LQTS von jeglichem Wettkampfsport auszuschließen, kann nicht nur die physische Gesundheit, sondern auch die psychologische Gesundheit des Athleten beeinflussen“, bemerken sie.

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Tobert K et al. Return-to-Play for AthletesWith Long QT Syndrome or Genetic Heart Diseases Predisposing to Sudden Death. J Am Coll Cardiol 2021. DOI: https://doi.org/10.1016/j.jacc.2021.04.026

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Menschen bei einer Laufveranstaltung/© TeamDaf / stock.adobe.com (Symbolbild mit Fotomodellen), Ärztin spricht mit Patienten/© Robert Kneschke / stock.adobe.com (Symbolbild mit Fotomodellen), EKG befunden mit System - EKG Essential/© Springer Medizin Verlag GmbH