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15.09.2016 | Kardiologie | Nachrichten

Früher Herzinfarkt wird oft gut weggesteckt

Autor:
Thomas Müller

Überleben junge Infarktpatienten die ersten 365 Tage, sind die Chancen mittlerweile ganz gut, das Rentenalter noch zu erreichen.

Patienten mit einem Herzinfarkt haben heute weit bessere Überlebenschancen als noch vor drei Dekaden. Seit den 1980er-Jahren ist die 30-Tages-Mortalität nach einem Infarkt im Schnitt um mehr als 50 Prozent gesunken.

Wenig aktuelle Daten gibt es jedoch zu den langfristigen Überlebenschancen bei jungen Infarktpatienten, wenn sie das erste Jahr nach einem Infarkt überleben.

Gerade sie befürchten oft, dass sie weiterhin an der Schwelle zum Tod stehen. So ganz unbegründet sind diese Sorgen nicht, schreiben dänische Forscher.

Zwar haben sich auch die langfristigen Perspektiven für Herzinfarktpatienten in den vergangenen Jahrzehnten deutlich verbessert, noch immer ist das Sterberisiko aber doppelt so hoch wie in der gleichalten Allgemeinbevölkerung. Dies liegt offenbar weniger an den Folgen des Infarkts als an den Faktoren, die zu diesem geführt haben, etwa Rauchen und ein ungesunder Lebensstil.

Überlebenschancen junger Infarktpatienten drastisch verbessert

Wissenschaftler um Dr. Morten Schmidt von der Aarhus-Universitätsklinik in Skejby konnten dank der ausführlichen dänischen Patienten-, Klinik- und Sterberegister das Schicksal sämtlicher Patienten mit einem ersten Herzinfarkt in den Jahren 1980 bis 2010 nachvollziehen (Circ Cardiovasc Qual Outcomes 2016, online 30. August).

In dieser Zeit erlitten knapp 27.700 in Dänemark geborene Personen im Alter von weniger als 50 Jahren ein solches Ereignis. Jedem der Patienten ordnete das Team um Schmidt zehn dänische Bürger im selben Alter und mit demselben Geschlecht, aber ohne Herzinfarkt zu. Dann verglichen sie die Sterberaten und -ursachen in beiden Gruppen.

Im Median betrug das Alter beim Infarkt 45 Jahre, ein Siebtel war jünger als 30 Jahre, vier von fünf Patienten waren Männer. Kardiometabolische Risikofaktoren und Erkrankungen fanden sich bei den Infarktpatienten fünf- bis zehnfach häufiger als in der Kontrollgruppe.

Geordnet nach Dekaden traten die meisten der Infarkte (38 Prozent) in den 80er-Jahren auf, am wenigsten in den 2000er-Jahren (31 Prozent).

In den 80er-Jahren lag die 30-Tagesmortalität noch bei 12,5 Prozent, dagegen starben in den Nullerjahren nur noch 3,2 Prozent im ersten Monate nach dem Infarkt – die Sterberate war in dieser Altersgruppe folglich sogar um drei Viertel gesunken.

Ein ähnliches Bild ergab sich bei der mittelfristigen Sterberate zwischen dem ersten Monat und dem ersten Jahr. Sie drittelte sich von rund 5,1 auf 1,6 Prozent – in der Allgemeinbevölkerungs-Kontrollgruppe blieb sie über die drei Dekaden hinweg konstant bei 0,3 Prozent.

Von den Patienten, die das erste Jahr überlebt hatten, starb in den folgenden zehn Jahren ein Viertel, sofern sich der Infarkt in den 80er-Jahren ereignet hatte, in den Nullerjahren ist dieser Anteil um knapp zwei Drittel auf 8,9 Prozent zurückgegangen.

In der Kontrollgruppe sank der Anteil in vergleichbaren Zeiträumen von 4,7 auf 3,6 Prozent. War in den 80-er Jahren die langfristige Sterberate bei den Infarktpatienten also noch um den Faktor fünf erhöht, so lag sie in den 2000er-Jahren nur noch etwas über dem Doppelten der alters- und geschlechtsadjustierten Allgemeinbevölkerung.

Sowohl absolut als auch relativ haben sich die Überlebenschancen für junge Infarktpatienten im Laufe von drei Dekaden also drastisch verbessert.

Erneute Herzinfarkte und Lungenkrankheiten als Todesursachen

Wurden neben Alter und Geschlecht noch diverse Begleiterkrankungen berücksichtigt, so trugen junge Infarktpatienten in den 80er-Jahren ein rund 4,5-fach erhöhtes Langzeitsterberisiko (Jahr 1 -10), in den Nullerjahren war die Mortalität nur noch 1,9-fach gesteigert.

Trotz der verbesserten Prognosen nach einem Infarkt bleibt folglich auch langfristig ein deutlich erhöhtes Sterberisiko bestehen.

Schauten sich die Forscher um Schmidt die Gründe dafür an, dann fanden sie wenig überraschend eine verdoppelte Sterberate für ischämische Herzkrankheiten allgemein und eine zweieinhalbfach höhere Herzinfarktmortalität. Aber auch an venösen Thrombembolien, chronischen Lungenerkrankungen und Tumoren starben die Infarktpatienten 25 - 100 Prozent häufiger als Personen in der Kontrollgruppe.

Da viele dieser Erkrankungen mit einem hohen Tabakkonsum einhergehen, vermuten die Wissenschaftler um Schmidt darin eine Hauptursache für die verkürzte Lebenserwartung der Infarktpatienten. Dies lässt immerhin die Hoffnung zu, dass ein gesunder Lebenswandel nach einem frühen Infarkt die Lebenserwartung normalisieren könnte, was aber in Studien noch zu belegen wäre.

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