Zerebroprotektive Wirkung von Ticagrelor nach Schlaganfall oder TIA
- 28.01.2020
- Kardiologie
- Nachrichten
Ticagrelor in Kombination mit ASS scheint Patienten mit akutem Schlaganfall oder TIA vor erneuten Schlaganfällen schützen zu können. Darauf lässt eine „Top-Line“-Ankündigung des Sponsors der THALES-Studie schließen. Allerdings ist ein erhöhtes Blutungsrisiko in Rechnung zu stellen.
In der randomisierten placebokontrollierten THALES-Studie konnte mit Ticagrelor additiv zu ASS eine „statistisch signifikante und klinisch bedeutsame Reduktion” des Risiko für den primären Endpunkt erzielt werden, informiert das Unternehmen AstraZeneca als Studiensponsor in einer aktuellen Pressemitteilung. Wie bei der Ankündigung sogenannter „Top-Line“-Ergebnisse üblich werden noch keine detaillierten Informationen zum Studienausgang geliefert. Die kompletten Ergebnisse der multinationalen Studie sollen in nächster Zeit bei einem noch nicht genannten medizinischen Kongress vorgestellt werden.
THALES ist aufgrund der Erfahrung konzipiert worden, dass bei Patienten mit ischämischem Schlaganfall oder transitorischer ischämischer Attacke (TIA) das Risiko für ein ischämisches Rezidivereignis in den ersten Tagen und Wochen nach dem Akutereignis sehr hoch ist. Schon einmal ist in einer großen Studie der Versuch unternommen worden, in dieser kritischen Phase die medikamentöse Sekundärprävention durch Thrombozytenhemmung mit Ticagrelor zu verbessern.
Erfahrungen aus der SOCRATES-Studie
In der SOCRATES-Studie sind bei mehr als 13.000 Patienten mit Symptomen einer zerebralen Ischämie zwei plättchenhemmende Monotherapien – nämlich Ticagrelor versus ASS – bezüglich ihrer präventiven Wirkung auf ischämische Rezidivereignisse (Schlaganfall, Herzinfarkt, Tod) im Zeitraum der ersten 90 Tage verglichen worden. Für den kombinierten Studienendpunkt konnte in der 2016 publizierten Studie allerdings nur eine nicht signifikante Risikoreduktion (p=0,07) durch Ticagrelor im Vergleich zu ASS nachgewiesen werden. Sekundäre Analysen brachten bei alleiniger Betrachtung von Schlaganfall-Rezidiven (fast 90% aller primären Endpunktereignisse) dann aber eine signifikante Risikoreduktion durch Ticagrelor zum Vorschein.
Das war der Ausgangspunkt für einen neuen Vergleich in der THALES-Studie - jedoch unter veränderten Vorzeichen. Diesmal sollte nicht Ticagrelor mit ASS, sondern eine duale Ticagrelor/ASS-Kombination mit einer ASS-Monotherapie verglichen werden. Dafür sind mehr als 11.000 Patienten mit weniger schwerem ischämischem Schlaganfall (minor ischemic stroke) oder „Hochrisiko“-TIA in die Studie aufgenommen worden.
Nutzen/Risiko-Profil noch unklar
Primärer Studienendpunkt war diesmal - bei Nicht-Berücksichtigung von Herzinfarkten - die Kombination der Ereignisse Schlaganfall und Tod in den ersten 30 Tagen nach dem Indexereignis. Hier hat es laut „Top-Line“-Ankündigung eine signifikante Reduktion durch duale Plättchenhemmung mit Ticagrelor/ASS versus ASS allein gegeben, für die - so lässt sich vermuten - wohl die Abnahme von Schlaganfall-Rezidiven ausschlaggebend war.
Dass eine duale Plättchenhemmung (DAPT) mit einem erhöhten Blutungsrisiko assoziiert ist, ist aus Studien bei Patienten mit Koronarerkrankung bestens bekannt. Auch in der THALES-Studie sei in der Gruppe mit Ticagrelor/ASS-Therapie eine erwartete Zunahme von Blutungskomplikationen beobachtet worden, teilt AstraZeneca in der Presseinformation mit. Primärer Sicherheitsendpunkt der Studie sind schwere Blutungen gemäß GUSTO-Definition.
Ungeachtet des positiven Ergebnisses bezüglich der Wirksamkeit lässt sich derzeit somit nicht absehen, welches Nutzen/Risiko-Profil für Ticagrelor am Ende aus der Reduktion ischämischer Ereignisse einerseits und der Zunahme von Blutungskomplikationen andererseits in THALES resultiert und ob dieses Profil günstig genug ist, um eine Übernahme in die Routinepraxis zu rechtfertigen. Aufschluss darüber wird erst bei Kenntnis der kompletten Ergebnisse zu erhalten sein.