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Risiko Traumkörper Warum stolpert bei dem „Muskelmann“ das Herz?

Männer, die ihr Erscheinungsbild mithilfe von anabolen Steroiden optimieren wollen, gehen damit ein hohes kardiovaskuläres Risiko ein, wie der Fall eines 46-jährigen Australiers zeigt. Dieser hatte sich zehn Jahre lang Testosteron gespritzt und daraufhin eine ausgeprägte Kardiomyopathie entwickelt.

In der Notaufnahme einer Klinik im australischen Melbourne erscheint ein Mann, der über Atemnot und Herzstolpern klagt. Der extrem kräftig wirkende 46-Jährige berichtet, er sei Minenarbeiter, seinen Arbeitstag verbringe er bei tropischen Temperaturen in einem Schutzanzug unter Tage. Auf diese schweren Arbeitsbedingungen führt er seine Symptome zurück. Diese hätten sich jedoch in den letzten 14 Tagen deutlich verschlimmert.

Der Blutdruck liegt bei 130/70 mmHg, der Puls ist unregelmäßig, die Lunge beim Abhören unauffällig. Was den Autoren des Fallberichts ins Auge springt, sind die Muskelberge an Brust und Oberarmen des Patienten. Auf Nachfrage berichtet dieser, er habe Bodybuilding betrieben, damit aber mittlerweile aufgehört. Der Mann ist mit einem BMI von 28,7 kg/m2 leicht übergewichtig. In die Patientenakte tragen die Mediziner den Vermerk „plethorisch“ ein.

Polyzythämie und hochgradig eingeschränkte Pumpfunktion

Im 12-Kanal-EKG zeigt sich Vorhofflimmern mit einer Frequenz von 114/min. Im Blutbild sind Hämoglobin und Hämatokrit erhöht, es besteht eine Eosinophilie. Das ärztliche Team verschreibt Metoprolol und schickt den Patienten nach Hause, nicht ohne einen Termin für ein Herzecho zu arrangieren.

Bei dieser Untersuchung kommt eine schwere biventrikuläre systolische Dysfunktion zutage, mit einem linksventrikulären enddiastolischen Durchmesser von 64 mm und einer massiv reduzierten LVEF von 12%. Die linksventrikuläre Masse ist mit 126 g/m2 deutlich erhöht. Zu sehen ist ferner eine mäßig ausgeprägte Regurgitation an der Mitralklappe.

Zehn Jahre lang Testosteron gespritzt

Um herauszufinden, womit die offenkundig vorliegende Kardiomyopathie zusammenhängt, bohren die Untersuchenden noch einmal anamnestisch nach. Dabei kommt heraus, dass sich der Patient zehn Jahre lang verschiedene Testosteronpräparate gespritzt hat (Testosteron isocaproat, cypionat, propionat). Die letzte Injektion liegt beim Arztbesuch bereits zehn Tage zurück, dennoch zeigt das Labor einen Testosteronwert von 46,4 nmol/l (normal wären maximal 30,0 nmol/l). Außerdem sind follikelstimulierendes Hormon (FSH) und luteinisierendes Hormon (LH) massiv unterdrückt.

Eine V617F-Mutation im JAK-2-Gen liegt nicht vor; damit lässt sich die bestehende Polyzythämie also nicht erklären. Das kardiologische Team vermutet, dass die Ursache hierfür, wie auch für die Schädigung des Herzmuskels, in den zugeführten Steroiden liegt.

Den Leitlinienempfehlungen für Herzinsuffizienz folgend wird eine Therapie mit Bisoprolol, Perindopril und Spironolacton begonnen. Außerdem erhält der Patient Rivaroxaban zur Behandlung des Vorhofflimmerns. Eine elektrische Kardioversion führt zur Wiederherstellung des Sinusrhythmus.

Das Absetzen des Testosterons wird vom endokrinologischen Team des Klinikums begleitet. Da ein symptomatischer Hypogonadismus vorliegt, entschließt man sich für eine physiologische Supplementierung.

Nach drei Monaten hat sich die Funktion des Herzmuskels deutlich gebessert, die LVEF liegt jetzt bei 52,4%. Die Myokardmasse ist zwar noch etwas erhöht, es gibt jedoch keine Hinweise auf eine Entzündung oder Vernarbung. Nach insgesamt sechs Monaten ist der Patient komplett wiederhergestellt, mit einer LVEF von mittlerweile 61% und normaler Ventrikelgröße. Auch Hämoglobin und Hämatokrit sind wieder im physiologischen Bereich.

Risikogruppen Bodybuilder und Security-Personal

Mit ihrem Fallbericht wollen Dr. Stefan Milevski vom St. Vincent’s Hospital in Melbourne und sein Team darauf hinweisen, welche Gefahren, vor allem für das Herz, mit der Anwendung sogenannter AAS (anabol androgene Steroidhormone) verbunden sind. „Es ist wichtig, dass Ärztinnen und Ärzte an die Möglichkeit einer AAS-Kardiomyopathie denken“, so Milevski und Kollegen. Anabole Substanzen seien bei Männern in jungen und mittleren Jahren sehr verbreitet. Erfahrungsgemäß sollte man vor allem dann hellhörig werden, wenn die Patienten Bodybuilding betreiben oder einer Tätigkeit im Security-Bereich nachgehen.

Milevski SV et al. Anabolic steroid misuse is an important reversible cause of cardiomyopathy: a case report. Eur Heart J - Case Reports 2022; https://doi.org/10.1093/ehjcr/ytac271

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