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Sterbebegleitung im Notfallzentrum – Aufnahmeindikation und Versorgungsspektrum – eine Bestandsaufnahme

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Zusammenfassung

Hintergrund

Zentrale Notaufnahmen (ZNA) versorgen das gesamte medizinische Spektrum, inklusive palliativer und kurzfristig sterbender PatientInnen. Inzidenz und Spektrum dieser Patientengruppe sind jedoch weitestgehend unbekannt. Vor diesem Hintergrund wurde eine retrospektive, explorative Analyse dieser Patientengruppe durchgeführt, mit dem Ziel einer Bestandsaufnahme und möglicher Handlungsempfehlungen.

Methode

In der ZNA oder Beobachtungsstation verstorbene PatientInnen unseres 754-Betten-Lehrkrankenhauses im Zeitraum vom 01.07.2018 bis 30.06.2023 wurden nach der Ethikkommissionsfreigabe eingeschlossen. Aufnahmeindikationen, Zuweisungsart, Leitsymptome, ärztliche und pflegerische Versorgung, Verweildauer und Entlassungsdiagnosen als auch eine bereits ambulant eingeleitete palliativmedizinische Versorgung sollten analysiert werden. Merkmalsunterschiede zwischen onkologischen und nicht-onkologischen als auch reanimierten und nicht-reanimierten PatientInnen sollten evaluiert werden.

Ergebnisse

Im Studienzeitraum wurden 168.328 PatientInnen in der ZNA versorgt (43 % stationär, 57 % ambulant). Davon verstarben in der ZNA oder Beobachtungsstation 262 PatientInnen. Hauptzuweiser war der Rettungsdienst mit 234 Patienten (89 %). Häufigste Leitsymptome waren Bewusstseinsstörungen (n = 198; 76 %) und Dyspnoe (n = 83; 32 %) neben einer großen Bandbreite sonstiger Symptome. Im Vergleich von nicht-onkologischen (n = 214) zu onkologischen PatientInnen (n = 48) waren Bewusstseinsstörungen (174/214 vs. 24/48; p = 0,0001) häufiger bei nicht-onkologischen und Dyspnoe (57/214 vs. 26/48; p = 0,0002) bei onkologischen PatientInnen. Bei reanimierten vs. nicht-reanimierten PatientInnen zeigte sich ein Gruppenunterschied bei Bewusstseinsstörungen nicht, bei Dyspnoe hingegen schon: 31/147 vs. 52/115; p = 0,0001. In 88 Fällen (34 %) lag ein bereits dokumentierter palliativer Status vor, bei nur 58 (21 %) war hingegen (irgend)eine palliative Versorgung bereits eingeleitet. Bei 3 PatientInnen (1 %) war bereits eine spezialisierte ambulante Palliativversorgung eingeleitet. Häufigste Maßnahmen waren die invasive Beatmung (n = 160; 61 %), die Opiatgabe (n = 145; 55 %), die Reanimation (n = 143; 55 %). Angehörigengespräche wurde in 188 (72 %) Fällen dokumentiert.

Diskussion

Sterbebegleitung und akutpalliativmedizinische Versorgung kamen ca. einmal je Woche in einem Notfallzentrum und damit regelmäßig vor. Leitsymptome waren typische klinische Szenarien kritisch kranker PatientInnen. Die ambulante palliativmedizinische Versorgung scheint zu funktionieren, da nur 1 % der verstorbenen PatientInnen zu dieser Gruppe gehörten. Durch abschließende Akutversorgung im Notfallzentrum können Intensivstationen entlastet werden. Palliativmedizinische Akutversorgung und Angehörigenbetreuung müssen daher Weiterbildungsinhalte sein. Zudem sollten entsprechende prozessuale Standards festgelegt werden.
Titel
Sterbebegleitung im Notfallzentrum – Aufnahmeindikation und Versorgungsspektrum – eine Bestandsaufnahme
Verfasst von
Jaspar Rose
Jana Vienna Rödler
Christiane Munsch
Burkhard Kroh
Prof. Dr. med. Sebastian Bergrath
Publikationsdatum
03.01.2024
Verlag
Springer Medizin
Erschienen in
Die Anaesthesiologie / Ausgabe 1/2024
Print ISSN: 2731-6858
Elektronische ISSN: 2731-6866
DOI
https://doi.org/10.1007/s00101-023-01367-0
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