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29.11.2016 | Kardiopulmonale Reanimation | Nachrichten

Akute Erstickungsgefahr

Erfolgreiche Koniotomie mit Kuli und Messer

Autor:
Julia Rustemeier

Eine Koniotomie ist die Ultima Ratio bei akuter Erstickungsgefahr. Laut einer aktuellen Studie können auch medizinische Laien mit Alltagsgegenständen diese medizinische Notfallmaßnahme durchführen.

In TV-Serien wie Dr. House oder Tatort sieht man es immer häufiger: In Notfallsituationen, in denen ein Mensch zu ersticken droht, greifen medizinische Laien zu Alltagsgegenständen wie Kugelschreibern, um einen lebensrettenden „Luftröhrenschnitt“ durchzuführen. Ob dieses Szenario auch fernab des TV-Sets Menschenleben retten kann, untersuchte nun das Team um Dr. Christian Braun von der Ludwig-Maximilians-Universität München.

Hierfür sollten zehn Probanden mit Hilfe von Taschenmessern und Kugelschreibern eine Koniotomie an Leichen durchführen. Zuvor wurde den Teilnehmern in einer zweiminütigen Unterweisung folgendes Szenario erläutert: Eine Notfallsituation mit akuter Atemnot bei der eine Mund-zu-Mund-Beatmung nicht möglich ist. Die Probanden konnten aus fünf Taschenmessern und zwei Kugelschreibern wählen und sollten mit Orientierung am Schilddrüsenknorpel schnellstmöglich eine „Mund-zu-Kugelschreiber-Beatmung“ einleiten. Vier der Teilnehmer waren Medizin- bzw. Zahnmedizin-Studenten in der vorklinischen Phase. Folglich verfügten sie über ein stärker ausgeprägtes anatomisches Wissen als die restlichen Probanden, allerdings hatten auch sie zuvor noch keine Operationen durchgeführt.

80% erfolgreich

Acht der zehn Teilnehmer konnten eine erfolgreiche Koniotomie durchführen. Als erfolgreich galt der Versuch, wenn sich der Thorax der Leiche bei der „Mund-zu-Kugelschreiber-Beatmung“ anhob. Fünf führten eine Koniotomie, drei der Teilnehmer unbeabsichtigt sogar eine Tracheotomie durch, allerdings nur eine mit Erfolg. Die meisten der Probanden machten zuerst einen Schnitt mit Hilfe eines der Messer, bevor sie einen Kugelschreiber gebrauchten. Zwei Teilnehmer versuchten hingegen, nur mittels des Stifts die Beatmung zu ermöglichen. Durch die zu starke Gewalteinwirkung kam es dabei zur Fraktur des Ringknorpels. Verletzungen an anatomischen Strukturen, besonders an Muskeln wie dem Musculus sternohyoideus, waren häufig. Die vaskulären Schäden waren meist gering und es kam bei keiner der Versuche zu einer Verletzung des Ösophagus. Allerdings benötigten die erfolgreichen „Ersthelfer“ im Schnitt etwa vier Minuten. Das wäre in einer Notfallsituation deutlich zu lange.

Ideale Bedingungen

Auch die sonstigen Studienverhältnisse waren kaum mit einem Ernstfall vergleichbar: freier Zugang zum Hals, perfektes Licht und eine ruhige Atmosphäre. Neben dem fehlenden Blutfluss erleichterte vermutlich auch die Zeit zum Überdenken ihrer Handlung während der Unterweisung den Probanden den Luftröhrenschnitt. Vor allem anatomische Kenntnisse scheinen den Erfolg des Luftröhrenschnitts durch Laien zu beeinflussen. So konnten in dieser Studie alle Medizinstudenten, trotz fehlender operativer Erfahrung, einen erfolgreichen Luftröhrenschnitt mit Taschenmesser und Kugelschreiber durchführen. Hingegen scheiterte die Hälfte der Teilnehmer ohne medizinische Vorkenntnisse.

Das Fazit der Studienautoren lautet deshalb: Um den Erfolg von Koniotomien durch Laien zu verbessern, sollten in Erste-Hilfe-Kursen die anatomischen Merkpunkte des Halses und Einschnitttechniken vermittelt werden.

Literatur

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