Zum Inhalt

Unklarer Hautdefekt im Bereich des Damms

Ein seltenes Krankheitsbild – häufiger als wir denken?

Redaktion

Ariane Germeyer, Heidelberg
Ricardo Felberbaum, Kempten
QR-Code scannen & Beitrag online lesen

Hinweis des Verlags

Der Verlag bleibt in Hinblick auf geografische Zuordnungen und Gebietsbezeichnungen in veröffentlichten Karten und Institutsadressen neutral.

Anamnese und Diagnostik

Ein vier Monate altes Mädchen wurde der kindergynäkologischen Sprechstunde mit einem ein Zentimeter langen Hautdefekt im Bereich des Damms zugewiesen. Der Befund fiel erstmals im Rahmen der Neugeborenenerstuntersuchung auf. Anamnestisch bestand ein unauffälliger Schwangerschaftsverlauf mit problemloser Spontangeburt am Termin in einem Peripheriespital. Miktion und Defäkation waren problemlos möglich. Gemäß der Mutter der Patientin fielen im Verhalten und in der Entwicklung des Mädchens keine Auffälligkeiten auf und es schien keine Schmerzen zu haben. Die bisher erfolgten kinderärztlichen Untersuchungen zeigten bis auf den vorbekannten Befund ebenfalls keine Auffälligkeiten.
In der körperlichen Untersuchung stellte sich ein geröteter, nicht epithelialisierter Sulcus zwischen Fossa navicularis und Anus (siehe Abb. 1a, b) dar. Das äußere Genitale war ansonsten unauffällig. In der transabdominalen Sonographie zeigten sich keine pathologischen Veränderungen.
Abb. 1
Vulvabefund bei einem 4 Monate altem Mädchen
Bild vergrößern

Diagnose

Die Diagnose einer fehlenden Dammfusion („perineal groove“) konnte anhand der klinischen Kriterien gestellt werden.
Bei einer fehlenden Dammfusion handelt es sich um eine embryonale Fehlbildung, bei welcher die Raphe perinei nicht verschlossen wird. Die Pathogenese ist noch nicht vollständig geklärt. Man geht davon aus, dass es sich um eine Entwicklungsstörung des urorektalen Septums und eine abnorme Fusion der medialen Genitalfalte handelt. Sowohl genetische Komponenten als auch eine fehlende Folsäuresubstitution oder metabolische Störungen, wie ein Gestationsdiabetes, werden als mögliche Ursachen diskutiert. Es besteht keine Assoziation zu anderen Bauch- oder Beckenanomalien [14].
Die Prävalenz ist unklar. In der Literatur werden bisher nur ca. 62 Fälle [3] beschrieben, überwiegend Mädchen betreffend. Vermutlich ist eine fehlende Dammfusion unterdiagnostiziert, da der Befund häufig als Analfissur, Windeldermatitis, Trauma oder sogar sexueller Missbrauch fehlinterpretiert wird. Es wurde ein erhöhtes Risiko für rezidivierende urogenitale Infektionen beschrieben, meist ist der Verlauf jedoch asymptomatisch und selbstlimitierend. In der Regel kommt es bis zum zweiten Lebensjahr zu einer spontanen Epithelialisierung des Defekts ohne weiterführende Komplikationen. Daher ist eine Therapie primär nicht notwendig. Eine chirurgische Korrektur kann bei größerem Defekt, fehlender Epithelialisierung über das zweite Lebensjahr hinaus oder bei rezidivierenden Infektionen erwogen werden [14].
Bei Beschwerdefreiheit konnte bisher auch bei der vorgestellten Patientin auf weitere Interventionen verzichtet werden. Im Rahmen der ersten Verlaufskontrolle nach sechs Monaten war der Befund unverändert. Weitere Verlaufskontrollen wurden im Abstand von sechs Monaten vereinbart.

Fazit

Dieser Fall veranschaulicht das seltene Vorkommen einer fehlenden Dammfusion und die verzögerte Diagnosestellung. Hierdurch kommt es zu großen Sorgen bei den Eltern, welche bei frühzeitiger Diagnosestellung ebenso wie zahlreiche Arztbesuche vermeidbar wären.

Förderung

Keine Förderungen erhalten.

Einhaltung ethischer Richtlinien

Interessenkonflikt

C. Eftekharian, K. Feil, B. Brunner, B. Böttcher, B. Seeber und B. Toth geben an, dass kein Interessenkonflikt besteht.
Für diesen Beitrag wurden von den Autor/-innen keine Studien an Menschen oder Tieren durchgeführt. Für die aufgeführten Studien gelten die jeweils dort angegebenen ethischen Richtlinien. Für Bildmaterial oder anderweitige Angaben innerhalb des Manuskripts, über die Patient/-innen zu identifizieren sind, liegt von ihnen und/oder ihren gesetzlichen Vertretern/Vertreterinnen eine schriftliche Einwilligung vor.
Open Access Dieser Artikel wird unter der Creative Commons Namensnennung 4.0 International Lizenz veröffentlicht, welche die Nutzung, Vervielfältigung, Bearbeitung, Verbreitung und Wiedergabe in jeglichem Medium und Format erlaubt, sofern Sie den/die ursprünglichen Autor(en) und die Quelle ordnungsgemäß nennen, einen Link zur Creative Commons Lizenz beifügen und angeben, ob Änderungen vorgenommen wurden. Die in diesem Artikel enthaltenen Bilder und sonstiges Drittmaterial unterliegen ebenfalls der genannten Creative Commons Lizenz, sofern sich aus der Abbildungslegende nichts anderes ergibt. Sofern das betreffende Material nicht unter der genannten Creative Commons Lizenz steht und die betreffende Handlung nicht nach gesetzlichen Vorschriften erlaubt ist, ist für die oben aufgeführten Weiterverwendungen des Materials die Einwilligung des jeweiligen Rechteinhabers einzuholen. Weitere Details zur Lizenz entnehmen Sie bitte der Lizenzinformation auf http://creativecommons.org/licenses/by/4.0/deed.de.

Hinweis des Verlags

Der Verlag bleibt in Hinblick auf geografische Zuordnungen und Gebietsbezeichnungen in veröffentlichten Karten und Institutsadressen neutral.
Download
Titel
Unklarer Hautdefekt im Bereich des Damms
Ein seltenes Krankheitsbild – häufiger als wir denken?
Verfasst von
Christabel Eftekharian
Katharina Feil
Bettina Brunner
PD Dr. med. Bettina Böttcher, MA
Beata Seeber
Bettina Toth
Publikationsdatum
04.03.2026
Verlag
Springer Medizin
Erschienen in
Gynäkologische Endokrinologie
Print ISSN: 1610-2894
Elektronische ISSN: 1610-2908
DOI
https://doi.org/10.1007/s10304-026-00672-2
1.
Zurück zum Zitat Harsono M, Pourcyrous M (2016) Perineal Groove: A Rare Congenital Midline Defect of Perineum. Int J Angiol 6(1):e30–e32. https://doi.org/10.1055/s-0035-1566311CrossRefPubMed
2.
Zurück zum Zitat Hürlimann R. Gynäkologische Fragestellungen beim neugeborenen Mädchen. Pädiatr 0412 [Internet]. Verfügbar unter: https://www.rosenfluh.ch/media/paediatrie/2012/04/Gynaekologische_Fragestellung_beim_neugeborenen_Maedchen.pdf?file Zugegriffen: 18.09.2025
3.
Zurück zum Zitat Moreno-Alfonso JC et al (2024) Perineal groove: more than a rare anomaly, review of the literature. Pregnancy & Child Birth 10(2):57–59. https://doi.org/10.15406/ipcb.2024.10.00310CrossRef
4.
Zurück zum Zitat Naji H, R AH (2021) Perineal Groove: Is It More Common Than We Think? Clinical Characteristics of Four Cases and Review of Literature. Pediatr Rep 13(3):490–494. https://doi.org/10.3390/pediatric13030056CrossRefPubMedPubMedCentral

Passend zum Thema

ANZEIGE

Phytotherapie statt Antibiotikum

Viel zu oft werden akute unkomplizierte Harnwegsinfekte mit Antibiotika behandelt, obschon es Alternativen gibt. Doch nun bringen gleich 2 aktuelle Leitlinien Bewegung in das Management unkomplizierter Zystitiden, indem sie sich klar für den Einsatz evidenzbasierter Phytotherapeutika wie der pflanzlichen Dreierkombination BNO 1045 aussprechen, um den Antibiotikaeinsatz zu reduzieren.

ANZEIGE

Starke Evidenz für nicht-antibiotische Therapie

Harnwegsinfektionen (HWIs) gehören weltweit zu den häufigsten bakteriellen Infektionen. Jährlich erkranken etwa 150 Millionen Menschen an einer HWI, wobei Frauen deutlich öfter betroffen sind als Männer. Meist handelt es sich um akute unkomplizierte Zystitiden, bei denen eine Antibiotikagabe häufig nicht erforderlich ist. Hier steht die Linderung der Symptome im Vordergrund.

Mönchspfefferextrakt: zuverlässig statt zufällig wirksam

  • Sonderbericht

Etwa 30–40 % der menstruierenden Frauen leiden an Symptomen eines prämenstruellen Syndroms (PMS). Dazu zählen unterschiedliche physische und psychische Beschwerden, die während der Lutealphase des Menstruationszyklus auftreten und in der Regel mit Einsetzen der Blutung abklingen. Phytopharmaka können in dieser Situation eine wichtige Behandlungsalternative bieten. Entscheidend für ihren Einsatz ist, dass sie eine zuverlässige, klinisch nachgewiesene Wirksamkeit besitzen.

ANZEIGE

Evidenzbasierte Phytotherapie in der Frauenheilkunde

  • Content Hub

Ein Drittel aller menstruierender Frauen hat mit prämenstruellen Beschwerden zu kämpfen. Um Symptome, wie sie beim PMS auftreten, nicht nur symptomatisch zu therapieren, können pflanzliche Präparate mit Mönchspfefferextrakt nachhaltig helfen. Erfahren Sie mehr zur Studienlage und dem Wirkmechanismus.

Bionorica SE
Bildnachweise
Petrischalte mit Bakterienkultur/© Arif Biswas | AdobeStock, Arzt hält Schild mit Aufschrift "Aktualisierte HWI-Leitlinie"/© Bionorica SE, Schild mit Phytotherapie neben Blumen/© Sonja Birkelbach / stock.adobe.com und 大出正一 / stock.adobe.com, Pflanzenzweige in Reagenzgläsern/© chokniti | Adobe Stock