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Adipositas bei Kindern und Jugendlichen ist ein globales Gesundheitsproblem. Bei weltweit steigender Prävalenz besteht ein dringender Bedarf an einer wirksamen und langfristigen Behandlung für Kinder und Jugendliche mit Adipositas. Eine multimodale Lebensstiltherapie ist die Behandlung der ersten Wahl. Eine neue Generation von kürzlich zugelassenen Medikamenten gegen Adipositas (Adipositasmedikation, AM) hat das Potenzial, die Lücke zwischen der nur begrenzt wirksamen Lebensstiltherapie und der invasiven, wenngleich sehr effektiven, metabolischen und bariatrischen Chirurgie bei Jugendlichen mit Adipositas ab 12 Jahren zu schließen.
Während die Wirksamkeit der in Deutschland und Österreich zugelassenen Glukagon-like-Peptid-1-Rezeptor-Analoga (GLP1-RA) Liraglutid und Semaglutid bei leichten bis mäßigen Nebenwirkungen beträchtlich ist, fehlt es noch an Studien zu Langzeiteffekten und -sicherheit. Wenn die AM in die nationalen Gesundheitssysteme integriert wird, sollte sie als Teil eines umfassenden, patientenzentrierten Ansatzes angeboten werden. Dieser Beitrag fasst die jüngsten Entwicklungen der AM und ihre Integration in die pädiatrische Adipositasbehandlung zusammen.
Der Verlag bleibt in Hinblick auf geografische Zuordnungen und Gebietsbezeichnungen in veröffentlichten Karten und Institutsadressen neutral.
Adipositas ist eine chronisch-rezidivierende Krankheit, die bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen weltweit eine steigende Prävalenz zeigt [1]. Adipositas prädisponiert für die frühzeitige Entwicklung verschiedener kardiometabolischer, orthopädischer und psychosozialer Begleiterkrankungen, was eine große Belastung für die Gesundheitssysteme darstellt [2, 3]. Die Ätiologie der Adipositas ist in den meisten Fällen multifaktoriell und umfasst eine komplexe Interaktion zwischen biologischer Veranlagung und einem komplexen adipogenen Umfeld [2]. Das Verständnis der zugrunde liegenden Pathophysiologie der Adipositas umfasst die Erkennung von Dysregulationen bei Hunger und Sättigung, Appetit und hedonischen Belohnungswegen, was die Grundlage für neue pharmakologische Therapien bildet (Adipositasmedikation, AM; [4]).
Hintergrund
Im Februar 2023 veröffentlichte die American Academy of Pediatrics (AAP) eine evidenzbasierte Leitlinie für die Diagnostik und Therapie von Kindern und Jugendlichen mit Adipositas [3].
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Statt die Behandlung als einen schrittweisen Prozess zu betrachten, sollte auf das gesamte Spektrum der multidisziplinären Behandlungsmöglichkeiten, einschließlich Pharmakotherapie sowie metabolischer und bariatrischer Chirurgie (MBC), zurückgegriffen werden [3]. Die Lebensstiltherapie, mit den Grundpfeilern der Ernährungs‑, Bewegungs- und Verhaltenstherapie, wird als Erstlinien- und Basisbehandlung empfohlen; diese erzielt aber nur eine begrenzte Reduktion des Body-Mass-Index (BMI; −1,18 kg/m2; 95 %-Konfidenzintervall [95 %-KI] −1,67 bis −0,69, [5]). Die MBC ist hinsichtlich der BMI-Reduktion sehr wirksam (z. B. −13,09 kg/m2, 95 %-KI: −11,75 bis −14,43 für die Sleeve-Gastrektomie), allerdings ist die Evidenz aus randomisierten kontrollierten Studien (RCT) begrenzt [6]. Die Indikationsstellung und die langfristigen Sicherheitsaspekte müssen aufgrund der Irreversibilität und Invasivität sorgfältig geprüft werden [7]. Trotz dieser Einschränkungen empfiehlt die AAP-Leitlinie, dass Jugendlichen ab 13 Jahren mit extremer Adipositas unter Berücksichtigung weiterer individueller biopsychosozialer Faktoren eine MBC angeboten werden sollte [3]. Die neue Generation der AM, die kürzlich von der US-amerikanischen Food and Drug Administration (FDA) und der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) für nichtsyndromale Adipositas zugelassen wurde, könnte diese Lücke zwischen den Effekten der Lebensstiltherapie und der MBC auf bestimmte Behandlungsendpunkte, wie z. B. den BMI, schließen [8‐10].
Eine Adipositastherapie muss so früh und intensiv wie möglich erfolgen
Bei der Behandlung chronischer Krankheiten wie der Adipositas ist die Adhärenz für den Therapieerfolg entscheidend [11]. Das Engagement der einzelnen PatientInnen und der Familien sowie die kontinuierliche Unterstützung spielen eine zentrale Rolle [12]. Zu den Schlüsselaspekten gehören gemeinsame Entscheidungsfindung, motivierende Kommunikationsstrategien, Abbau von Stigmatisierung und Gewichtsvorurteilen, Festlegung realistischer Erwartungen, ein offenes Ansprechen von Hindernissen in der Behandlung sowie die Bewertung individueller, struktureller und kontextbezogener Risikofaktoren, um eine patientenzentrierte Behandlung anbieten zu können [3, 11]. Es wird empfohlen, die Therapie der Adipositas so früh und intensiv wie möglich durchzuführen [3, 4].
Wirksamkeit und Sicherheit
Die Wirksamkeit bis 2020 zugelassener oder auch im Off-Label-Einsatz verwendeter Medikamente für Kinder und Jugendliche mit Adipositas war begrenzt [13]. Eine gepoolte Metaanalyse im Rahmen einer systematischen Übersichtsarbeit (35 RCT mit 4331 Teilnehmern, Durchschnittsalter: 8,8 bis 16,3 Jahre; mittlerer BMI: 26,2–41,7 kg/m2), publiziert 2024, zeigte, dass AM plus Lebensstiltherapie den BMI bei Jugendlichen im Vergleich zur Lebensstiltherapie mit oder ohne Placebo um 1,71 kg/m2 (95 % KI: −2,27 bis −1,14, mäßige Evidenz) reduzierte [17]. Die BMI-Reduktion reichte von −0,8 bis −5,9 kg/m2 zwischen den einzelnen Medikamenten, wobei Semaglutid den größten Effekt, auch auf die Verbesserung der Lebensqualität, hatte (Abb. 1; [14]). Außerdem erreichten 45 % der Teilnehmer unter Semaglutid einen BMI im normalgewichtigen Bereich [15]. Das Risiko für schwerwiegende unerwünschte Ereignisse war gering (relatives Risiko [RR] 1,22; 95 %-KI 0,70–2,10). Durch unerwünschte Ereignisse kam es häufiger zur Dosisreduktion, aber nicht zum Studienabbruch (RR 3,74; 95 %-KI 1,51–9,26). Die häufigsten Nebenwirkungen waren gastrointestinal. Langzeitdaten zu Effekten und Nebenwirkungen bei Jugendlichen fehlen. Um standardisierte Verlaufsdaten zu sammeln, ist die Dokumentation von AM-Daten in Registern für Kinder und Jugendliche mit Adipositas auf nationaler und internationaler Ebene von zentraler Bedeutung [16].
Abb. 1
Ergebnisse aus der STEP-TEENS-Studie: Effekt von Semaglutid auf Gewicht und Body-Mass-Index (BMI) bei Jugendlichen mit Adipositas. a Veränderung des BMI vom Ausgangswert; b Gewichtsverlust, Grenzwerte nach 68 Wochen; c Veränderung des BMI nach 68 Wochen in der Semaglutidgruppe, d Veränderung des BMI nach 68 Wochen in der Placebogruppe, e Veränderung des BMI, differenziert nach Wochen seit der Randomisierung, f Veränderung des Körpergewichts, differenziert nach Wochen seit Randomisierung. (Adaptiert nach Weghuber et al. [14]) (STEP) TEENS Semaglutide Treatment Effect in People with Obesity (STEP) TEENS
In Europa hat die EMA Liraglutid und Semaglutid für die Behandlung von Adipositas bei Kindern ab 12 Jahren zugelassen; in den USA sind zusätzlich Orlistat und Phentermin+Topiramat [17]. Zur Verordnung müssen laut EMA folgende Voraussetzungen erfüllt sein: Alter >12 Jahre und Adipositas (BMI entsprechend einem Erwachsenen-BMI von mindestens 30 kg/m2; > 97. BMI-Perzentile) bei einem Körpergewicht über 60 kg [20, 21]. Es gibt jedoch zunehmend Kritik an der Definition von Adipositas allein über den BMI [18]. Es wird argumentiert, dass die AM-Behandlung nicht nur auf eine Verringerung des BMI abzielen sollte, sondern auch Veränderungen der Körperzusammensetzung, Verringerung von Komorbiditäten und patientenrelevante Outcomes sowie positive Auswirkungen auf das allgemeine Wohlbefinden beachten sollte [3, 4]. Derzeit ist unklar, welches Ausmaß der Gewichtsabnahme relevant ist, um zwischen einem Behandlungserfolg und suboptimalem Ansprechen innerhalb der Normalverteilung der Gewichtsabnahme bei AM zu unterscheiden. Eine BMI-z-Score-Reduktion im Bereich von 0,20 bis 0,25 (entspricht einem Gewichtsverlust von etwa 5 %) scheint ein geeigneter Schwellenwert für eine klinisch relevante Veränderung zu sein, da sie mit Verbesserungen bei kardiovaskulären und metabolischen Risikofaktoren einhergeht [3, 4].
Das Ansprechen auf AM in Form von prozentualem Gewichtsverlust oder BMI-Reduktion hat sich als sehr heterogen erwiesen [14, 19]. Bei Jugendlichen mit schwerer Adipositas aus 3 Zentren in den Vereinigten Staaten, die auf Lebensstiltherapie, Pharmakotherapie oder MBC ansprachen, betrug die Veränderung des BMI nach der Intervention zwischen −50,2 % und +12,9 %, wobei jede Intervention eine große individuelle Schwankungsbreite aufwies. Außerdem wurde postuliert, dass eine genetische Variabilität für das heterogene Ansprechen verantwortlich sein könnte. Weitere Forschungsarbeiten sind erforderlich, um die biologischen Aspekte des Ansprechens auf die Behandlung weiterzubeleuchten, und könnten (sekundäre) Analysen von Genom‑, Metabolom- und Mikrobiomdaten früherer und künftiger Studien umfassen.
Über die Gewichtsabnahme hinaus muss jedoch jeder Behandlungsplan die Präferenzen, Ziele und Barrieren einer patientenzentrierten Versorgung berücksichtigen [20], z. B. durch den Einsatz von Motivationsgesprächen, um die Akzeptanz der vorgeschlagenen Behandlungsstrategie zu erhöhen [3].
Darüber hinaus gab es in den letzten Jahren Schwierigkeiten, die Nachfrage nach Glukagon-like-Peptid-1-Rezeptor-Analoga (GLP1-RA) zu befriedigen [21]. Unter der Bedingung des begrenzten Zugangs und der Verfügbarkeit könnten Gesundheitsdienstleister gezwungen sein, PatientInnen mit einem höheren Risiko für adipositasbedingte Erkrankungen gegenüber PatientInnen mit einem günstigen Risikoprofil zu bevorzugen.
Nach anfänglicher zügiger BMI-Reduktion wird nach einigen Monaten ein niedrigeres stabiles BMI-Niveau erreicht
Der Einsatz von AM als Ergänzung zur Lebensstiltherapie kann konzeptionell als eine unbefristete Behandlungsstrategie angesehen werden [4], obwohl es derzeit keine klaren Leitlinien gibt [3]. Es gibt auch Hinweise darauf, dass das Gewicht nach Absetzen der AM mit GLP1-RA wieder zunimmt (Abb. 1). Im Allgemeinen folgt das Ansprechen auf die Behandlung mit AM einem Muster: In der ersten Phase wird der BMI rasch gesenkt; nach etwa 6 bis 12 Monaten flacht die Wirkung allmählich ab und erreicht dann eine Plateauphase [4, 22, 23]. Unter diesen Umständen sollte die AM fortgesetzt und die PatientInnen sollten über mögliche BMI-Verläufe beraten werden. Darüber hinaus zeigten die Ergebnisse von 2 RCT zu den Auswirkungen von GLP-1-RA bei Jugendlichen mit Adipositas, dass die PatientInnen nach dem Ende der Intervention wieder zunahmen [14, 22].
Derzeitige Studien und Ausblick auf Medikamente gegen Adipositas für Erwachsene
Neben den zugelassenen AM wurde rezent gezeigt, dass Liraglutid auch bei Kindern (6 bis <12 Jahre) mit Adipositas sicher und effektiv ist, mit einer placebokontrollierten BMI-Reduktion von −7,4 %. Gastrointestinale Nebenwirkungen waren mit 80 % häufig, großteils mild und selbstlimitierend. [24]. Damit waren gastrointestinale Nebenwirkungen etwas häufiger als bei Jugendlichen mit 65 % [25]. Eine Zulassung erscheint auch für diese Altersgruppe absehbar. Kürzlich registrierte und derzeit durchgeführte RCT werden auch weitere Daten zu Wirksamkeit und Sicherheit des dualen Inkretinmimetikums Tirzepatid, das agonistisch sowohl an den Rezeptoren für GLP‑1 als auch für das glucoseabhängige insulinotrope Peptid (GIP) bindet, bei Kindern und Jugendlichen liefern [4, 26]. Tirzepatid (5, 10 und 15 mg tgl.) erzielte im Vergleich zu anderen GLP1-RA, wie Semaglutid, eine stärkere Gewichtsabnahme bei einem ähnlichen Sicherheitsprofil bei Erwachsenen [27, 28]. Ein weiteres AM, das in einer Phase-II-RCT untersucht wird, Retatrutid, ein glucoseabhängiges insulinotropes Polypeptid, GLP-1- und Glukagon-RA, bewirkte dosisabhängig eine beträchtliche Verringerung des Körpergewichts; bei der höchsten Anfangsdosis (12 mg s.c. wöchentlich), die 48 Wochen lang Erwachsenen verabreicht wurde, betrug sie fast 25 % [25].
Die Erweiterung des Therapiespektrums der AM in naher Zukunft ist absehbar
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In Anbetracht der Tatsache, dass die Wirksamkeits- und Sicherheitsprofile von Liraglutid und Semaglutid mit denen für Erwachsene vergleichbar sind [27], ist absehbar, dass die jüngsten Entwicklungen in der AM-Forschung bei Erwachsenen auch den Therapiehorizont bei Jugendlichen und jüngeren Altersgruppen, die auf eine Lebensstiltherapie nicht ansprechen, erweitern werden.
Integration in nationale Gesundheitssysteme und Kostenwirksamkeit
Die neueren AM sind kostspielig, wobei die Preise, z. B. für eine 30-Tage-Behandlung mit Semaglutid, in verschiedenen Ländern zwischen 804 USD und 95 USD betragen [29]. Derzeit wird vorgegeben, AM als Ergänzung zu Lebensstiltherapie zu verschreiben [3]. Ein AM sollte nicht ohne angemessene Diagnostik, Bewertung und weitere Unterstützung bei der Verhaltensänderung verschrieben werden [30]. PrimärversorgerInnen müssen über Adipositas als chronische Krankheit und den Einsatz von AM in verschiedenen Versorgungsstrukturen aufgeklärt werden; gleichzeitig müssen die Hindernisse für die Verschreibung von AM abgebaut werden [31]. Daher besteht der Bedarf einer angemessenen Integration der AM-Verschreibung in die Gesundheitssysteme; diese muss in Anbetracht der rasanten Entwicklungen im Bereich der Pharmakotherapie rasch erfolgen und ausgebaut werden.
In Österreich erstatten die Krankenkassen seit Ende 2024 die Kosten einer Liraglutidbehandlung
Auf Basis des nationalen Versorgungskonzepts [32] wird die Adipositasbehandlung von Jugendlichen mit Liraglutid in Österreich seit Ende 2024 von den Krankenkassen, geknüpft an klare Vorgaben (Tab. 1) und eine standardisierte Dokumentation, erstattet.
Tab. 1
Rahmenbedingungen für die Verordnung von Liraglutid an Jugendliche ab 12 Jahren in Österreich
Kriterien für die Erstverordnung von Liraglutid für Jugendliche ab 12 Jahren
– Durch ein auf die multimodale Adipositastherapie spezialisiertes Zentrum (pädiatrisches Adipositaszentrum)
– Als Ergänzung zur dokumentierten Lebensstilintervention
– Nachgewiesene ausgeschöpfte und zumutbare multimodale Behandlung gemäß dem Behandlungspfad (dokumentierte Lebensstilintervention durch Bewegung, Ernährungsumstellung und Maßnahmen der Mental Health), in der nach 6 Monaten keine ausreichende Gewichtreduktion erreicht werden kann und
– Vorhandensein mindestens einer gewichtsbedingten Begleiterkrankung: metabolisch, psychisch und/oder orthopädisch (individuelle Risikobeurteilung) und
Rahmenbedingungen für die Fortsetzung der Behandlung mit Liraglutid
– Regelmäßige Kontrollen alle 3 Monate durch entsprechende Fachabteilung bzw. Zentrum durch einen/eine in der Therapie von Adipositas erfahrenen/erfahrene Facharzt/Fachärztin
– Nach 12-wöchiger Behandlung mit der maximalen (3,0 mg/Tag) oder maximal tolerierten Dosis Reevaluierung: keine weitere Kostenübernahme, wenn die Equi-BMI-Reduktion weniger als 4 % beträgt
– Primäre Therapiedauer max. 2 Jahre, danach Absetzversuch über 3 Monate. Sollte es wiederum zu einem Gewichtsanstieg kommen und der Equi-BMI 30 kg/m² übersteigen, weitere Kostenübernahme für ein Jahr möglich, maximal bis Ende des 20. Lebensjahres
Anm.: Eine chefärztliche Langzeitbewilligung für 3 Monate ist möglich
1Der Equi-BMI drückt den BMI-Wert eines Kindes oder Jugendlichen als Referenzwert für Erwachsene dar. Ein BMI-Wert von X eines Kindes entspricht damit einem Equi-BMI von Y eines Erwachsenen
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Da die AM die Kalorienzufuhr u. a. durch eine Verringerung des Hungergefühls kontrolliert, scheint dies die Notwendigkeit einiger traditioneller, auf die Ernährung ausgerichteter Strategien zur Verhaltensänderung (z. B. Überwachung der Nahrungsaufnahme, Entwicklung von Strategien zur Verringerung der Portionsgröße) zu verändern. Während der Behandlung mit AM sollten die PatientInnen begleitet werden, um eine unzureichende Nährstoffzufuhr auszugleichen oder pathologische Verhaltensweisen zu erkennen. Außerdem kann möglicherweise die AM-Verträglichkeit durch gezielte Beratung gesteigert oder Fähigkeiten und Strategien des Selbstmanagements können verbessert werden [33].
Es ist derzeit unklar, ob eine Entwöhnung von der AM-Behandlung oder „On-off“-Strategien im Rahmen einer (lebens‑)langen Behandlungsstrategie möglich sind. Im Sinne eines umfassenden Gesundheitsansatzes ist es von entscheidender Bedeutung, die psychosozialen Faktoren, die zur Adipositas beitragen, in den Prozess einzubeziehen [3]. Die Unterstützung der Familie und der Kinder in dieser Hinsicht muss unabhängig von der AM angeboten werden und kann sogar die Nachhaltigkeit der AM-Behandlung verbessern [34, 35]. Mögliche Vorteile der AM bei psychisch bedingten Störungen des Essverhaltens z. B. emotionalem oder stressbedingtem zwanghaftem Essen sind Gegenstand künftiger Studien [35].
Langfristige Auswirkungen
Zu der Auswirkung von AM auf psychosoziale Aspekte, zur Nachhaltigkeit des Effekts und der Wirkung in Subgruppen, z. B. jüngere Kinder und ethnische Minderheiten [14], sowie zu potenziellen künftigen Gesundheitsrisiken, z. B. psychische Störungen [4], ist bislang wenig bekannt. Darüber hinaus wird das Spektrum seltener unerwünschter Wirkungen von den bisher verfügbaren Erkenntnissen oft nicht abgedeckt. Diese sind fast ausschließlich Resultate aus RCT, die aufgrund zu geringer Stichprobengrößen und kurzen Nachbeobachtungszeit zu starke Einschränkungen aufweisen, um ausreichende Daten zur langfristigen Sicherheit zu liefern.
Über die Prädiktoren für das Ansprechen auf eine AM-Behandlung bei Jugendlichen gibt es ebenfalls bislang nur wenige Erkenntnisse. Des Weiteren könnte ein besseres Verständnis soziodemografischer Faktoren dazu beitragen, finanzielle, kulturelle und umweltbedingte Behandlungsbarrieren, mit denen Familien mit unterschiedlichem Hintergrund konfrontiert sind, abzubauen [14].
Jede Behandlungsoption für PatientInnen mit Adipositas, einschließlich der Adipositasmedikation (AM), muss Teil einer patientenzentrierten Versorgung sein.
Bei Jugendlichen erzielen AM vielversprechende Wirkung bei der Body-Mass-Index(BMI)-Senkung. Dennoch müssen unerwünschte Ereignisse und Langzeitwirkungen berücksichtigt werden.
Bei der Einführung einer AM in die Praxis müssen die Auswirkungen weiterer Umweltfaktoren berücksichtigt sowie die Adhärenz und Sicherheit im Blick behalten werden.
Es besteht ein Mangel an Daten im klinischen Einsatz.
Gastrointestinale Nebenwirkungen zu Therapiebeginn sind häufig; eine individuelle Beratung könnte die Therapieadhärenz steigern.
Bei der Integration der AM-Behandlung in die nationalen Gesundheitssysteme ist ein alle Stakeholder einbeziehendes, patientenzentriertes Therapiekonzept, das dem chronischen Krankheitscharakter der Adipositas gerecht wird, erforderlich.
Einhaltung ethischer Richtlinien
Interessenkonflikt
Die Angaben zum Interessenkonflikt orientieren sich am Formular des International Committee of Medical Journal Editors (ICMJE). J. Lischka gibt folgende Interessenerklärung ab: Sie hat keinerlei Unterstützung für das vorliegende Manuskript erhalten. In den letzten 36 Monaten: Führungs- oder Treuhandrolle in einem anderen Vorstand, einer Gesellschaft, einem Ausschuss oder einer Interessengruppe, bezahlt oder unbezahlt: Österreichische Adipositas Allianz; ehrenamtliches und aktives Mitglied der Arbeitsgemeinschaft Adipositas der Europäischen Gesellschaft für Endokrinologie, der Österreichischen Adipositas-Gesellschaft (ÖAG) und der Österreichischen Adipositas Allianz. G. Torbahn gibt folgende Interessenerklärung ab: Er hat keinerlei Unterstützung für das vorliegende Manuskript erhalten. In den letzten 36 Monaten: Bezahlung oder Honorare für Vorträge, Präsentationen, Referentenbüros, Manuskripterstellung oder Bildungsveranstaltungen: Deutsche Akademie für Ernährungsmedizin e. V. (Vortragshonorar), Bundesverband der Kinder- und Jugendärzt*innen (Vortragshonorar, Übernahme von Reise‑, Übernachtungskosten); Unterstützung bei der Teilnahme an Meetings und/oder Reisen: Österreichische Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde (Übernahme von Reise‑, Übernachtungs- und Kongresskosten), Deutsche Adipositas-Gesellschaft (Übernahme von Reise‑, Übernachtungs- und Kongresskosten), European Association for the Study of Obesity (Reisestipendium); Mitarbeit in einem Data Safety Monitoring Board oder Beirat: Arbeitsgemeinschaft Adipositas im Kindes- und Jugendalter der Deutschen Adipositas-Gesellschaft (Vorstandsmitglied), European Childhood Obesity Group (co-opted board member); Konsensusgruppe Adipositasschulung für Kinder- und Jugendliche (2. Vorsitzender 2021–2023); ehrenamtliches und aktives Mitglied der Arbeitsgemeinschaft Adipositas im Kindes- und Jugendalter (AGA) der Deutschen Adipositas-Gesellschaft (DAG) und der Konsensusgruppe Adipositasschulung für Kinder und Jugendliche (KgAS). K. Mörwald gibt folgende Interessenerklärung ab: zeitlich unbegrenzt: jegliche Unterstützung für das vorliegende Manuskript (z. B. Finanzierung, Bereitstellung von Studienmaterialien, medizinisches Schreiben, Artikelbearbeitungsgebühren usw.): Teilnahme am Projekt „Beta JUDO“ (EU FP 7, Grant Agreement ID: 279153) von 2012–2016 – Kooperation mit AstraZeneca. In den letzten 36 Monaten: Bezahlung oder Honorare für Vorträge, Präsentationen, Referentenbüros, Manuskripterstellung oder Bildungsveranstaltungen: Honorar für Vorträge in der Pädagogischen Hochschule in Salzburg 2023 und 2024 und für einen Vortrag bei der ÖGD Tagung 2022 durch Novo Nordisk. J. Gomahr gibt folgende Interessenerklärung ab: Er hat keinerlei Unterstützung für das vorliegende Manuskript erhalten. Er erklärt, dass für die letzten 36 Monate keinerlei Beziehungen, Tätigkeiten und Interessen, die mit dem Inhalt des Manuskripts im Zusammenhang stehen, offenzulegen sind. J. Jabbour gibt folgende Interessenerklärung ab: Sie hat keinerlei Unterstützung für das vorliegende Manuskript erhalten. Sie erklärt, dass für die letzten 36 Monate keinerlei Beziehungen, Tätigkeiten und Interessen, die mit dem Inhalt des Manuskripts im Zusammenhang stehen, offenzulegen sind. S. Geiersberger gibt folgende Interessenerklärung ab: Sie hat keinerlei Unterstützung für das vorliegende Manuskript erhalten. Sie erklärt, dass für die letzten 36 Monate keinerlei Beziehungen, Tätigkeiten und Interessen, die mit dem Inhalt des Manuskripts im Zusammenhang stehen, offenzulegen sind. D. Weghuber gibt folgende Interessenerklärung ab: Er hat keinerlei Unterstützung für das vorliegende Manuskript erhalten. In den letzten 36 Monaten: Beratungshonorare: Novo Nordisk A/S, Eli Lilly, Rhythm; Bezahlung oder Honorare für Vorträge, Präsentationen, Referentenbüros, Manuskripterstellung oder Bildungsveranstaltungen: Novo Nordisk A/S, Eli Lilly, Rhythm; Unterstützung bei der Teilnahme an Meetings und/oder Reisen: Novo Nordisk A/S; Führungs- oder Treuhandrolle in einem anderen Vorstand, einer Gesellschaft, einem Ausschuss oder einer Interessengruppe, bezahlt oder unbezahlt: European Childhood Obesity Group; ehrenamtliches und aktives Mitglied der ÖAG.
Für diesen Beitrag wurden von den Autor/-innen keine Studien an Menschen oder Tieren durchgeführt. Für die aufgeführten Studien gelten die jeweils dort angegebenen ethischen Richtlinien.
Open Access Dieser Artikel wird unter der Creative Commons Namensnennung 4.0 International Lizenz veröffentlicht, welche die Nutzung, Vervielfältigung, Bearbeitung, Verbreitung und Wiedergabe in jeglichem Medium und Format erlaubt, sofern Sie den/die ursprünglichen Autor(en) und die Quelle ordnungsgemäß nennen, einen Link zur Creative Commons Lizenz beifügen und angeben, ob Änderungen vorgenommen wurden. Die in diesem Artikel enthaltenen Bilder und sonstiges Drittmaterial unterliegen ebenfalls der genannten Creative Commons Lizenz, sofern sich aus der Abbildungslegende nichts anderes ergibt. Sofern das betreffende Material nicht unter der genannten Creative Commons Lizenz steht und die betreffende Handlung nicht nach gesetzlichen Vorschriften erlaubt ist, ist für die oben aufgeführten Weiterverwendungen des Materials die Einwilligung des jeweiligen Rechteinhabers einzuholen. Weitere Details zur Lizenz entnehmen Sie bitte der Lizenzinformation auf http://creativecommons.org/licenses/by/4.0/deed.de.
Hinweis des Verlags
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