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Kohle, Koks und Klapperschlangen

Evidenzbasierte Behandlung von Vergiftungen

  • 01.10.2013
  • Notfallmedizin
Erschienen in:

Zusammenfassung

Hintergrund

Seit dem Altertum werden Vergiftungen medizinisch behandelt. Die klinische Toxikologie im engeren Sinne entwickelte sich mit dem Entstehen spezialisierter medizinischer Behandlungseinheiten für Vergiftungen und der Bildung der ersten Giftinformationszentren (GIZ) in der 2. Hälfte des 20. Jh.s. Historisch gewachsen, waren die ersten Giftnotrufzentren oft an Kinderkliniken oder internistischen Abteilungen lokalisiert. Zunehmend wurde offensichtlich, dass diese Bündelung der Kompetenz sinnvoll ist.

Ziel der Arbeit

Die vorliegende Arbeit gibt eine allgemeine Einführung in die klinische Toxikologie und stellt die Aufgaben und Tätigkeitsschwerpunkte von GIZ vor.

Material und Methode

Dargestellt werden Organisation und Tätigkeit eines Giftnotrufs beispielhaft anhand der Daten aus dem Jahresbericht 2011 des GIZ-Nord. In einer Übersicht werden die 3 Grundpfeiler (das „Dreisäulenmodell“) der klinischen Toxikologie beschrieben: primäre Giftentfernung (Magenspülung und Aktivkohlegabe), sekundäre Giftentfernung [Hämodialyse, Hämoperfusion, verspätete und repetitive Gabe von Aktivkohle, „molecular adsorbent recirculating system“ (MARS)] und die Indikation zur Gabe spezifischer Antidote oder Antivenine (Antiseren bei Intoxikationen durch Gifttiere).

Ergebnisse

Die Magenspülung ist indiziert innerhalb 1 h nach Ingestion einer potenziell letalen Dosis einer Noxe; bei Intoxikationen mit zentralnervensystemgängigen Substanzen in der Regel unter Intubationsschutz. Herausgestellt wird das präklinische Management von Vergiftungen mit den besonderen Implikationen für den Rettungsdienst. Vorgestellt wird die „Bremer Liste“ – eine aus 5 Medikamenten bestehende Minimalliste von Antidoten für den Notarztwagen [Atropin, 4-Dimethylaminophenol (4-DMAP), Toloniumchlorid, Naloxon und Aktivkohle].

Schlussfolgerung

Bei jedem, auch nur fraglichen, Vergiftungsfall wird die Konsultation eines GIZ empfohlen. Eine ausführliche Liste aller deutschsprachigen Giftinformationszentren ist auf der Homepage des GIZ-Nord (http://www.giz-nord.de) hinterlegt.
Titel
Kohle, Koks und Klapperschlangen
Evidenzbasierte Behandlung von Vergiftungen
Verfasst von
PD Dr. A. Schaper
Publikationsdatum
01.10.2013
Verlag
Springer Berlin Heidelberg
Erschienen in
Die Anaesthesiologie / Ausgabe 10/2013
Print ISSN: 2731-6858
Elektronische ISSN: 2731-6866
DOI
https://doi.org/10.1007/s00101-013-2229-z
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