Ziel der hier vorgelegten Umfrage war eine Erhebung des Status quo der Arztbriefschreibung bei der Versorgung neurologischer Patienten in Deutschland. Zwei wesentliche Ergebnisse sind der Wunsch nach einer Vereinheitlichung der Struktur und einer stärkeren Repräsentation des Thema Arztbriefs innerhalb der ärztlichen Weiterbildung. Strukturelle
Spielregeln für die Erstellung von Arztbriefen wurden bereits mehrfach vorgeschlagen [
6‐
8], um die
Klarheit in der interprofessionellen Kommunikation zu unterstützen [
1, S. 25 ff]. Die parallele Erstellung eines
Patientenbriefs, der im Verständnis und der Umsetzung ärztlicher Empfehlung hilfreich sein kann [
9], und die Entwicklung
allgemeinverständlicher Arztbriefe für Fachärzte anderer Disziplinen, die nicht über Spezialwissen verfügen, kann mit großer Wahrscheinlichkeit durch die zielgerichtete Verwendung von KI im Zuge einer fortschreitenden Digitalisierung erfolgen [
10]. Dieser Prozess hat das Potenzial, Ärztinnen und Ärzte unter Einhaltung administrativer und formaler Spielregeln bei der Generierung von Arztbriefen zu entlasten. KI wird im klinischen Alltag zunehmend die ärztliche Tätigkeit unterstützen und dabei insbesondere den individuellen Dokumentationsaufwand verringern [
11,
12]. Was KI jedoch nicht zu leisten vermag, ist eine auf einer Metaebene stattfindende und verschriftlichte individuelle patientenspezifische Auseinandersetzung mit der vorliegenden Erkrankung, den möglichen Differenzialdiagnosen und der individualisierten Therapieempfehlung. Sowohl der Referentenentwurf einer neuen Approbationsordnung als auch die im Nationalen Lernzielkatalog formulierten Inhalte bleiben bezüglich einer gezielten Weiterbildung im Bereich der Arztbriefschreibung inhaltlich vage [
13,
14]. Allerdings sollte das im Fach der Neurologie gegebene Engagement der Weiterbildenden themenspezifisch weiter genutzt und gefördert werden [
15]. Der Wunsch vieler Studierender nach mehr praktischer Ausbildung in der neurologischen Arztbriefschreibung kann an dieser Stelle konkret aufgegriffen werden; in Frage kämen sog. Schreibwerkstätten oder ähnliche Formate im Rahmen praktischer Fortbildungen [
16]. Medizinische Fachgesellschaften könnten unter Miteinbeziehung von digitalen Techniken einen strukturellen Rahmen für die Arztbriefschreibung schaffen und kontinuierlich weiterentwickeln.