Ein Vorfall der Beckenorgane ist ein sehr häufiges Problem bei Frauen. Da konservative Ansätze die Beschwerden meist nur im Frühstadium lindern, wurden chirurgische Verfahren entwickelt. Prolapsoperationen mit autologem nativem Gewebe aus dem Beckenbodenbereich führten nicht zu überzeugenden Ergebnissen [
10]. Als Alternative wurden Ansätze mit biologischen Transplantaten wie der Fascia lata oder der Faszie des M. rectus abdominis entwickelt. Die Entnahme dieses Gewebes ist jedoch zu invasiv, um sie in die klinische Routine zu integrieren [
11]. Daher wurden die aus der Hernienchirurgie bekannten synthetischen Netze Ende der 1990er-Jahre in die Beckenbodenchirurgie eingeführt [
12]. Im Laufe der Zeit zeigten sich damit neue, zum Teil schwerwiegende Komplikationen. Die Rate postoperativer Schmerzen im Beckenbereich beträgt dabei bis zu 30 % [
13]. Dazu kommt, dass synthetische Netze schon kurz nach Implantation mit dem umliegenden Gewebe verwachsen und dann oftmals nicht mehr vollständig entfernt werden können [
14]. Möglicherweise haben die verwendeten Kunststoffe selbst auch einen ungünstigen Einfluss auf die Gesundheit. Rheumatologen konnten zeigen, dass es einen Zusammenhang zwischen der Implantation von Kunststoffnetzen und der Entstehung von Gelenkrheuma gibt [
15]. Diese Ergebnisse führten zu vielen Kontroversen darüber, ob synthetische Netze in der Prolapschirurgie weiter eingesetzt werden sollten. Warnungen der FDA in den Jahren 2008 und 2011 und Publikationen des National Health Service (NHS) veranlassten einige Hersteller, die Produktion von Vaginalnetzen einzustellen. Die Verwendung von synthetischen Netzen für diese Indikation ist mittlerweile in mehreren Ländern (z. B. Großbritannien, Australien und Neuseeland) nicht mehr erlaubt, und zuverlässige chirurgische Alternativen werden dringend benötigt. Entsprechend fragen Patientinnen zunehmend nach alternativen Operationsmethoden.
Seit 2018 werden Patienten mit Genitalprolaps mit Gewebe der Semitendinosus-Sehne operiert [
16,
17]. Obwohl die Fallzahlen bislang gering sind und es noch keine Langzeiterfahrung in diesem Bereich gibt, überzeugen die bisherigen Ergebnisse. Außerdem ist die Morbidität an der Spenderstelle, wie aus der Kniechirurgie bekannt, äußerst gering.