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03.08.2017 | Sonderbericht | Onlineartikel | Bionorica SE

Evidenzbasierte Phytotherapie

Leitliniengerechte Therapie von Husten und Bronchitis

Autor:
Dr. Beate Fessler

Antibiotika sind bei Bronchitiden zumeist nicht indiziert. Dagegen profitiert der Patient von einer evidenzbasierten Phytotherapie, die die Beschwerden wirksam und gut verträglich lindert.

Husten ist ein häufiges Symptom und der zweithäufigste Grund, weshalb Patienten einen Arzt konsultieren. Die Hustenursachen können vielfältig sein und erfordern eine sorgfältige Abklärung. Häufig liegt dem Husten eine Infektion der unteren Atemwege zugrunde. Der Husten kann für den Patienten und sein Umfeld belastend sein und den Wunsch nach einem Antibiotikum fördern.

Häufig nicht indizierte Antibiotikaverordnungen

Häufig kommen Ärzte dieser Forderung nach, auch wenn eine Antibiose laut Leitlinie nicht indiziert ist. Das zeigte eine Analyse von Routinedaten zur Versorgungsrealität bei der Verordnung von Antibiotika bei akuten Infektionen der unteren Atemwege [1]. Für die Analyse wurden zwischen 2009 und 2013 die Daten von fast 13.000 Patienten mit Husten, akuter Bronchitis oder CAP (ambulant erworbene Pneumonie) ausgewertet und die Antibiotikaverordnung mit den Empfehlungen der S3-Leitlinie Husten der DEGAM (Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin) [2] verglichen. Es zeigte sich: Bei 41 % der Patienten wurde ein Antibiotikum rezeptiert. Laut Leitline waren jedoch nur 53 % dieser Antibiotikaverordnungen indiziert. Insbesondere bei der Indikation Husten kam es zu vielen Fehlverordnungen, bei der Diagnose Pneumonie wurde in allen Fällen zurecht ein Antibiotikum gegeben (Abb. 1). Bei nur 51 % der indizierten Verordnungen wurde das richtige Antibiotikum gewählt. Letztlich wurden damit nur 25 % der Patienten korrekt therapiert.

Leitlinien empfehlen symptomorientierte Phytotherapie

Angesichts der zunehmenden Resistenzentwicklung sollten Antibiotika nur eingesetzt werden, wenn sie sinnvoll und notwendig sind. Bei viralen Infekten, etwa 90 % der Bronchitiden, ist das nicht der Fall (Interview). Adäquat behandelt sind diese Patienten mit einer evidenzbasierten symptomorientierten Therapie. 

Hier sind nach Einschätzung der Mediziner Phytopharmaka besser geeignet als chemischsynthetische Sekretolytika: In einer Umfrage unter 873 Hausärzten bewertete die Mehrheit der Teilnehmer die klinischen Studiendaten zu pflanzlichen Arzneimitteln für die Therapie von Atemwegsinfektionen als überzeugend. Bei chemisch-synthetischen Sekretolytika lag die Quote lediglich bei 40 % [3]. Auch in den Leitlinien wird die Behandlung der akuten Bronchitis mit pflanzlichen Arzneimitteln empfohlen: In der DEGAM-Leitlinie Husten werden Phytopharmaka zur Symptomlinderung positiv erwähnt. Die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie spricht sich bei akutem Husten explizit für eine Kombination aus Thymian und Efeu (Bronchipret®, zum Fachpflichttext) aus [4]. Basis für diese Empfehlung bildet die klinisch belegte Wirksamkeit des Phytopharmakons gegen die Beschwerden einer akuten Bronchitis. „Auch Phytopharmaka müssen sich in Studien bewiesen haben. Ihre Anwendung muss evidenzbasiert sein“, betonte Dr. Katja Linke, Viernheim.

Thymian-Efeu-Kombination: klinisch relevante Wirkeigenschaften

Mit der Kombination aus Thymian- und Efeuextrakt ist somit ein wirksames Phytotherapeutikum für die leitliniengerechte, symptomorientierte Therapie akuter Atemwegsinfektionen verfügbar. Das Phytopharmakon greift über mehrere Mechanismen in die Genese des Hustens ein:

  • Es reguliert die Produktion von zähem Bronchialsekret und sorgt dafür, dass es leichter aus den Atemwegen entfernt werden kann.
  • Gleichzeitig wirkt es entzündungshemmend und wirkt damit der Ursache der vermehrten Sekretproduktion entgegen.
  • Zudem beruhigt die Extraktkombination den Husten direkt.

Indikationsnahe, präklinische Studien belegen diese Wirkeigenschaften. Beispielsweise erwies sich die Pflanzenkombination als effektiver Inhibitor von Zitronensäure-induziertem Husten (Abb. 2) [5]. Ebenso wurde eine Normalisierung des Mukosa-Remodelings unter dem Phytopharmakon festgestellt. Es reduzierte die Zunahme schleimproduzierender Becherzellen im bronchoalveolären Epithel [6]. Gleichzeitig wurden weniger derjenigen Entzündungsmediatoren freigesetzt, die mit einer herabgesetzten Reizschwelle von Hustenrezeptoren in der Atemwegsschleimhaut assoziiert werden. Dazu gehören neben Prostaglandin E2 auch Interleukin-6 und Interleukin-1β [6].

Linderung von Hustenanfällen

Der therapeutische Effekt der Thymian-Efeu-Kombination ist klinisch belegt. In einer randomisierten placebokontrollierten, multizentrischen Doppelblindstudie wurden erwachsene Patienten mit akuter Bronchitis und produktivem Husten mit dem Thymian-Efeu-Extrakt (Bronchipret® Saft TE, zum Fachpflichttext) über zehn Tage behandelt [7]. Die Zahl der Hustenanfälle reduzierte sich unter dreimal täglicher Gabe rascher als unter Placebo. Ab dem vierten Tag war der Unterschied signifikant (p<0,05). Im Mittel nahmen die Hustenanfälle unter Verum um 68,7 % ab (Tag 1 versus Tag 7–9) gegenüber 47,6 % unter Placebo. Auch das Gesamtbild der Bronchitis, gemessen am Bronchitis Symptom Score (BSS), besserte sich unter der Phytotherapie schneller und effektiver. Die Verträglichkeit lag auf Placeboniveau. Neben dem Saft steht eine weitere flüssige Form (Bronchipret® Tropfen, zum Fachpflichttext) zur Verfügung, die aufgrund ihrer höheren Konzentration an Thymian- und Efeuextrakten besonders gut für Erwachsene geeignet ist. 

Sollte aufgrund von Warnhinweisen eine Therapieeskalation indiziert sein, können Phytotherapeutika weiterhin ergänzend eingesetzt werden.


Interview

Atemwegsinfektionen in der Praxis

Interview mit Dr. Peter Kardos, Internist, Lungenpraxis am Maingau, Frankfurt

Was empfehlen Sie zur Vorbeugung von Atemwegsinfektionen?

Kardos: Vorbeugung ist schwierig. Mit der Grippeimpfung lässt sich das Risiko einer Influenza-Erkrankung reduzieren. Ansonsten ist es wichtig, von Menschen mit einem Atemwegsinfekt Abstand zu halten und sich häufig die Hände zu waschen. Dies gilt insbesondere für Patienten mit chronischen Atemwegsinfekten.

Wie unterscheiden Sie zwischen einer viralen und einer bakteriellen Infektion?

Kardos: Ein ansonsten gesunder Mensch in den mittleren Lebensjahren, der erkältet ist, hat zu 90 % eine Virusinfektion. Hier sollte die Produktion von zähem Sekret innerhalb einer Woche abklingen. Ein Antibiotikum ist nicht indiziert. Besteht nach einer Woche noch immer verfärbter Auswurf und starkes Unwohlsein, kann eine bakterielle Infektion angenommen werden. Dann ist eine Antibiose notwendig. Primäre bakterielle Infektionen sind dagegen selten.

Wie behandeln Sie, wenn keine Antibiose notwendig ist?

Kardos: Wir behandeln symptomorientiert. Akuter Husten ist zu Beginn meist trocken. Ab dem zweiten Tag beginnt der produktive Husten, der 2–3 Tage später in einen unproduktiven Husten übergeht. Husten behandeln wir mit Phytotherapeutika, deren Wirksamkeit in klinischen Studien belegt wurde, und welche die Symptomdauer verkürzen. Auch unter einer Antibiose empfehlen wir unterstützend eine Phytotherapie, die sekretnormalisierend und antientzündlich und dadurch hustenstillend wirkt.

Nach welchen Kriterien wählen Sie im Bedarfsfall das Antibiotikum aus?

Kardos: Bei ansonsten gesunden Patienten wählen wir eine kalkulierte Antibiose. Amoxicillin ist die Therapie der ersten Wahl. Im Weiteren sollte man sich an der lokalen Resistenzlage orientieren. In Frankfurt lassen sich danach auch Makrolide einsetzen. Auch Doxycyclin ist inzwischen wieder eine gute Wahl.


Impressum

Mit freundlicher Unterstützung der Bionorica SE, Neumarkt
Broschüre „Atemwegsinfektionen – Strategien zur Antibiotikaminimierung“ aufgelegt auf CME 10/2017.
Corporate Publishing (verantwortl. i. S. v. § 55 Abs. 2 RStV):
Ulrike Hafner
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Redaktion: Ann Köbler

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Literatur

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