Zum Inhalt

Epidemiologie, Hintergründe, Zahlen und Fakten zum nichttraumatologischen Schockraummanagement kritisch kranker Patienten

Erschienen in:

Zusammenfassung

Die Versorgung kritisch kranker Patienten an der Nahtstelle zwischen präklinischer Versorgung durch den Rettungs‑/Notarztdienst und dem Krankenhaus stellt eine große Herausforderung für Notaufnahmen dar. In den letzten Jahren hat sich das nichttraumatologische Schockraummanagement zunehmend professionalisiert. Erste Untersuchungen an Patientenkollektiven aus deutschen Notaufnahmen zeigen die Patientencharakteristika und Kennzahlen in der Versorgung: Rund 0,2–1,6 % aller Notaufnahmekontakte entfallen auf nichttraumatologisch kritisch kranke Schockraumpatienten. Diese Patienten sind im Durchschnitt 66 ± 16 Jahre alt und zu 52–60 % männlichen Geschlechts. Etwa 93 % der Patienten werden über den Rettungs- und Notarztdienst zugeführt. In absteigender Reihenfolge werden die Patienten aufgrund folgender Probleme zugeführt: D‑Probleme 32–41 %, C‑Probleme 31–35 %, B‑Probleme 25–29 %, A‑Probleme 2–4 % und E‑Probleme 0,4–1,1 % (ABCDE „airway“/Atemweg, „breathing“/Atmung, „circulation“/Kreislauf, „disability“/neurologisches Defizit, „exposure“/Exploration). Das Krankheitsspektrum beinhaltet in 29 % der Fälle neurovaskuläre Notfälle, in 28 % kardiovaskuläre Probleme, in 20 % respiratorische Notfälle, in 7 % akute abdominelle Probleme und in jeweils rund 5 % Intoxikationen, Urosepsis und sonstige Notfälle. Bei einem hohen Anteil der Patienten sind invasive Maßnahmen erforderlich, beispielsweise Atemwegssicherung, nichtinvasive und invasive Beatmung, Instrumentierung von intraarteriellen Druckmessungen und zentralen Venenkathetern oder Reanimationsmaßnahmen. Aufgrund unterschiedlich definierter Dokumentationszeitpunkte variiert die Verweildauer im Schockraum zwischen 30 und 148 min. Ein relevanter Anteil der Patienten wird anschließend intensivmedizinisch weiterbehandelt (76–85 %). Die 30-Tage-Mortalität liegt zwischen 19 und 40 %. Komplexe Situationen brauchen Struktur: Die Empfehlungen des Weißbuchs zur „Versorgung kritisch kranker, nicht-traumatologischer Patienten im Schockraum“ der Deutschen Gesellschaft Interdisziplinäre Notfall- und Akutmedizin e. V. (DGINA) geben klare infrastrukturelle Vorgaben zur räumlichen Struktur, Ausstattung und personellen Besetzung. Zukünftige Datenerhebungen müssen auch im multizentrischen Ansatz geeignete klinikindividuelle Versorgungsstrukturen und Alarmierungskriterien, behandelte Patientenkollektive und den Einfluss von Versorgungsalgorithmen untersuchen.
Titel
Epidemiologie, Hintergründe, Zahlen und Fakten zum nichttraumatologischen Schockraummanagement kritisch kranker Patienten
Verfasst von
Prof. Dr. Michael Bernhard, MHBA
Bernhard Kumle
Christoph Wasser
Sebastian Bergrath
Martin Pin
Philipp Kümpers
Mark Michael
Publikationsdatum
01.09.2023
Verlag
Springer Medizin
Erschienen in
Notfall + Rettungsmedizin / Ausgabe 7/2023
Print ISSN: 1434-6222
Elektronische ISSN: 1436-0578
DOI
https://doi.org/10.1007/s10049-023-01195-0
Dieser Inhalt ist nur sichtbar, wenn du eingeloggt bist und die entsprechende Berechtigung hast.

Neu im Fachgebiet AINS

Zahl der Schocks sagt nichts über KHK-Last

Die Annahme, dass beim außerklinischen Kreislaufstillstand (OHCA) die Zahl der notwendigen Defibrillationen den Schweregrad einer zugrunde liegenden KHK widerspiegelt, trifft wohl nicht zu. Als Selektionskriterium für eine Koronarangiografie taugt sie daher nicht.

Metaanalyse spricht für Nutzen von Kortikosteroiden bei schwerer CAP

Geht es nach einer aktuellen Metaanalyse, ist die kurzzeitige Verabreichung von niedrigdosierten systemischen Kortikosteroiden bei schweren Nicht-COVID-19-Pneumonien bzw. ARDS (Akutes Atemnotsyndrom) mit Blick auf das Überleben eher vorteilhaft. Die Sicherheit der Evidenz ist allerdings ausbaufähig.

Unspezifischer und später Beginn einer Autoimmunerkrankung

Hinter Gelenkschmerzen, Gewichtsverlust und intermittierendem Fieber bei einer über 70-Jährigen steht eine schwere Erkrankung, die eigentlich eher mit einem Beginn in jüngeren Jahren und anderen Symptomen in Verbindung gebracht wird.


Was bringt Bikarbonat bei Azidämie und akutem Nierenversagen?

Ein zu niedriger pH-Wert von Intensivpatientinnen und -patienten im akuten Nierenversagen lässt sich durch die Gabe von Bikarbonat zwar anheben. Doch welchen Nutzen hat diese Maßnahme? Die BICARICU-Forschungsgruppe hat nach Antworten gesucht.

Update AINS

Bestellen Sie unseren Fach-Newsletter und bleiben Sie gut informiert.

Bildnachweise
Defibrillation Herzkreislaufstillstand/© Pixel_away / Getty Images / iStock (Symbolbild mit Fotomodellen), Acute Respiratory Distress Syndrome (ARDS)/© Thomas Staudinger / all rights reserved Springer Medizin Verlag GmbH, Ältere Frau mit schmerzender Hand/© Evrymmnt / stock.adobe.com (Symbolbild mit Fotomodell), Infusionen/© sudok1 / stock.adobe.com