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18.08.2017 | Übersicht | Sonderheft 3/2017

Trauma und Berufskrankheit 3/2017

Low-Grade-Infekt

Muss jede Pseudarthrose biopsiert werden?

Zeitschrift:
Trauma und Berufskrankheit > Sonderheft 3/2017
Autor:
Dr. E. Steinhausen

Zusammenfassung

Low-Grade-Infekte bzw. Infektpseudarthrosen sind eine medizinische Herausforderung, da sie schwer zu diagnostizieren und komplex zu therapieren sind. Die tatsächliche Inzidenz ist nicht bekannt. Jedoch finden sich in der aktuellen Literatur zunehmend Hinweise, dass Infektpseudarthrosen wesentlich häufiger sind als bisher angenommen. Voraussetzung für eine erfolgreiche Therapie sind eine korrekte Diagnosestellung sowie die Erregeridentifikation, um eine gezielte antibiotische Therapie zu ermöglichen. Goldstandard in der Diagnostik ist die Biopsie, wobei diese bei fehlenden Infektzeichen und fehlenden Risikofaktoren auch einzeitig erfolgen kann. Eine alleinige Punktion ist nicht ausreichend. Neben den kulturellen Standardverfahren gibt es neuere Diagnostikverfahren wie die Sonikation und die „polymerase chain reaction“ (PCR), denen in aktuellen Studien eine höhere Sensitivität, insbesondere bei Biofilm-bildenden Bakterien oder vorheriger antibiotischer Behandlung, zugesprochen wird. Auch durch die Histologie kann eine Osteomyelitis bewiesen werden, selbst bei fehlendem Keimnachweis. Nachteil ist hier die fehlende Erregeridentifikation. Welche klinische Bedeutung die teilweise sehr hohe Rate positiver Keimnachweise mittels PCR oder auch mittels Sonikation im Einzelfall hat, muss noch abschließend untersucht werden. Zusammenfassend scheinen Low-Grade-Infekte wesentlich häufiger bei Pseudarthrosen vorzuliegen als bisher angenommen. Daher sollte jede Pseudarthrose, die operiert wird, auch biopsiert werden. Insbesondere bei fehlenden Infektzeichen und dem Verdacht auf Low-Grade-Infekt bieten sich neben den kulturellen Standardverfahren zusätzliche Verfahren wie die Sonikation an.

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