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17.08.2022 | Mammakarzinom | Nachrichten

Option bei frühen Brustkrebsstadien

Seltener Verhärtungen nach partieller Brustbestrahlung

verfasst von: Thomas Müller

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Bei Brustkrebs mit geringem Rezidivrisiko genügt nach der brusterhaltenden Op. eine partielle Bestrahlung: Damit treten Verhärtungen später seltener auf als bei einer Radiatio der gesamten Brust, ohne dass die Rezidivrate nennenswert steigt.

Das Wichtigste in Kürze zu dieser Studie finden Sie am Ende des Artikels.

Nach einer brusterhaltenden Op. wird die verbliebene Brust in der Regel komplett bestrahlt, in Einzelfällen, etwa bei älteren lymphknotennegativen Frauen ohne besondere Risikokonstellationen verzichten Ärzte mitunter auch auf die adjuvante Radiatio. Ein Kompromiss könnte eine partielle Bestrahlung im Bereich des Tumorbetts sein – dort entwickeln sich am ehesten Rezidive. Eine solche partielle Bestrahlung sollte daher zu weniger Nebenwirkungen bei vergleichbarer Wirksamkeit führen, so Onkologinnen und Onkologen um Dr. Birgitte Offersen von der Uniklinik in Aarhus in Dänemark.

Dies scheint tatsächlich der Fall zu sein: In der „Danish Breast Cancer Group Partial Breast Irradiation Trial“ (DBCG-PBI) war die partielle Brustbestrahlung einer Komplettradiatio nicht unterlegen, vielmehr kam es deutlich seltener zu Brustverhärtungen.

Risiko für Brustverhärtungen halbiert

Beteiligen konnten sich mindestens 60 Jahre alte Frauen mit einem nichtlobulären Tumor von Grad 1 oder 2, dieser musste zudem hormonrezeptorpositiv und HER2-negativ sein sowie im Durchmesser unter 21 mm liegen. Begleitende endokrine Therapien waren erlaubt, sonst aber keine weiteren systemischen Behandlungen.

Insgesamt nahmen 865 Frauen an der Studie teil. Sie waren im Median 66 Jahre alt, 96% zeigten keinen Lymphknotenbefall, die übrigen wiesen isolierte Tumorzellen in Lymphknoten auf, rund die Hälfte unterzog sich einer begleitenden endokrinen Therapie. 434 von ihnen wurden nach dem Zufallsprinzip einer kompletten, 431 einer partiellen Radiatio zugeordnet, diese bestand in beiden Gruppen aus 15 Fraktionen mit zusammen 40 Gy.

Primärer Endpunkt war die Verhärtungsrate (Grad 2–3) drei Jahre nach der Bestrahlung. Eine solche Verhärtung zeigten 9,7% mit der Komplett- und 5,1% mit der Partialbestrahlung. Der Unterschied war statistisch signifikant und erfüllte die Kriterien für eine Nichtunterlegenheit der partiellen Bestrahlung. Auch nach fünf Jahren ergab sich noch ein Vorteil für die partielle Radiatio mit einer Verhärtungsrate von 8% versus 12% (41% Risikoreduktion).

Bei großem Brustvolumen traten in beiden Gruppen häufiger Verhärtungen auf als bei kleinen Volumina, bei großen Brüsten ergab sich jedoch eine stärkere Risikoreduktion mit der partiellen Bestrahlung. Frauen mit Letrozol und Raucherinnen profitierten in ähnlichem Maße von der partiellen Radiatio, letztlich gab es keine Subgruppe mit einer höheren Rate an Verhärtungen bei einer partiellen Bestrahlung. Frauen mit partieller Bestrahlung waren auch etwas stärker mit dem kosmetischen Ergebnis zufrieden (89% versus 85%).

Nach fünf Jahren hatten 0,7% mit der kompletten und 1,2% mit der partiellen Radiatio Rezidive entwickelt, nach neun Jahren jeweils 1,7% und 3,1%, die Unterschiede waren statistisch jedoch nicht signifikant. Die Rezidive traten zudem fast ausschließlich bei Frauen ohne endokrine Therapie auf.

Einen kontralateralen Tumor bildeten sieben Frauen mit kompletter und 13 mit partieller Bestrahlung, jeweils rund 8% entwickelten im Nachbeobachtungszeitraum von median 7,4 Jahren einen weiteren Tumor außerhalb der Brust. Nach neun Jahren lebten noch 89% mit kompletter und 87% mit partieller Bestrahlung – auch dies kein signifikanter Unterschied.

Das Team um Offersen erkennt daher eine „robuste Evidenz“ für den Vorteil einer adjuvanten moderat intensiven und partiellen Radiatio bei Brusttumoren mit günstigem Risikoprofil.

Das Wichtigste in Kürze

Frage: Lässt sich bei Brusttumoren mit günstigem Risikoprofil eine adjuvante komplette Radiatio durch eine partielle Bestrahlung ersetzen, ohne dass es häufiger zu Verhärtungen und Rezidiven kommt?

Antwort: Mit der partiellen Bestrahlung entwickeln Frauen nur etwa halb so oft Verhärtungen in den Folgejahren, allerdings ist die Rezidivrate tendenziell etwas höher. In Kombination mit einer endokrinen Therapie treten aber auch mit partieller Radiatio praktisch keine Rezidive auf.

Bedeutung: Die partielle Bestrahlung weist ein günstiges Risiko-Nutzen-Profil auf.

Einschränkung: Keine Verblindung.

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Literatur

Offersen BV et al. Partial Breast Irradiation Versus Whole Breast Irradiation for Early Breast Cancer Patients in a Randomized Phase III Trial: The Danish Breast Cancer Group Partial Breast Irradiation Trial; J Clin Oncol 2022; https://doi.org/10.1200/JCO.22.00451

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