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Erschienen in: Operative Orthopädie und Traumatologie 4-5/2012

01.09.2012 | Operative Techniken

Minimal-invasive Osteosynthesen von Pilonfrakturen

verfasst von: Prof. Dr. K. Dresing

Erschienen in: Operative Orthopädie und Traumatologie | Ausgabe 4-5/2012

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Zusammenfassung

Operationsziel

Primäres Ziel ist die anatomische Wiederherstellung der tibialen Gelenkfläche und damit Wiederherstellung der Gelenkkongruenz unter Schonung der Weichteile und nachfolgend die frühfunktionelle Nachbehandlung. Hiermit soll die Voraussetzung einer raschen Knochenbruchheilung und einer arthrosefreien Ausheilung geschaffen werden.

Indikationen

Frakturen vom Typ Rüedi I + II oder AO 43-B1, -B2, AO 43-C1, -C2, seltene und relative Indikation sind AO 43-B3- und -C3-Frakturen ohne IIb und III° geschlossenen und offenen Weichteilschaden oder als additive Maßnahme bei Fixateur externe Osteosynthesen

Kontraindikationen

Trümmerfrakturen des Pilon tibial mit geschlossenen und offenen IIb- und III°-Weichteilschäden, ausgedehnter Weichteilschaden (III°)

Operationstechnik

Nach ausgiebiger präoperativer Analyse der konventionellen Röntgen- und Schnittbilder erfolgt intraoperativ die Reposition des oder der Hauptfragmente durch manuellen Zug. Sämtliche Manipulationen am Knochen oder Osteosynthesen werden über kleine Inzisionen erbracht. Hierzu werden nach Inzision der Kutis und alle tiefer gelegenen Weichteilschichten mit der Schere bis zum Periost gespreizt. In die geöffnete Schere werden die Bohrdrähte, Bohrhülsen etc. bis auf den Knochen geführt, um alle Weichteilstrukturen, inklusive Nerven und Gefäße vor Schädigung zu schützen. Mit minimal-invasiv eingebrachten Kirschner-Draht-Joysticks oder mit ebenfalls minimal-invasiv eingebrachten Repositionszangen werden Fragmente reponiert und retiniert. Selten ist die Distraktion mit Distraktor oder Fixateur externe erforderlich.
Entscheidend ist die intraoperative Kontrolle der stufenfreien Wiederherstellung der Gelenkfläche mit dem Bildverstärker in verschiedenen Ebenen, noch effektiver die intraoperative 3-D-Röntgenkontrolle. Alternativ kann die Kontrolle arthroskopisch erfolgen. Nach Zugschraubenosteosynthese mit 3,5-mm- oder 4,5-mm-Schrauben wird der Gelenkblock mit minimal-invasiv eingeschobenen Platten mit dem Schaft verbunden. Unter Röntgenkontrollen werden die Platten am Knochen ausgerichtet und über Inzisionen minimal-invasiv konventionelle oder winkelstabile Schrauben eingebracht.

Weiterbehandlung

Postoperativ ist nach 2- bis 3-tägiger Ruhigstellung des Beins in Orthese oder Cast, aber bereits Mobilisation an Unterarmgehstützen vom 1. postoperativen Tag an, die frühfunktionelle Behandlung indiziert. Thromboseprophylaxe mit niedermolekularem Heparin bis zur vollständigen Mobilisation. Beginnende Entlastung mit Sohlenkontakt für 4–6 Wochen. Danach Auflastung bis zur Schmerzgrenze bis zur Vollbelastung nach spätestens 8 Wochen.

Ergebnisse

Patienten mit minimal-invasiver Osteosynthese am Pilon haben als Vorteil gegenüber konventionellen Techniken die weitere Schonung der Weichteile, keine weitere Beeinträchtigung der Durchblutung und damit bessere Voraussetzungen für eine ungestörte Frakturheilung. Die minimalen Zugänge gestatten ein besseres kosmetisches Ergebnis. Reoperationen und Infekte wurden im Kollektiv von 129 Patienten mit Pilonfraktur nach minimaler Osteosynthese nicht beobachtet. Nach dem Olerud/Molander-Score zeigt sich in der MIO-Gruppe eine deutlich bessere Punktzahl mit 95 Punkten gegenüber 58,91 Punkten bei konventionell versorgten Patienten. MIO als Additiv zum Fixateur externe liegt bei 50 Punkten. In der Untersuchung nach dem Ankle-Hindfoot-Score beträgt der mittlere Wert 64,9 Punkte, für MIO 87,5 Punkte und für MIO plus Fixateur externe 58 Punkte.
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Metadaten
Titel
Minimal-invasive Osteosynthesen von Pilonfrakturen
verfasst von
Prof. Dr. K. Dresing
Publikationsdatum
01.09.2012
Verlag
Springer-Verlag
Erschienen in
Operative Orthopädie und Traumatologie / Ausgabe 4-5/2012
Print ISSN: 0934-6694
Elektronische ISSN: 1439-0981
DOI
https://doi.org/10.1007/s00064-012-0170-y

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