Skip to main content
main-content

01.03.2011 | Originalarbeit | Ausgabe 1/2011

Forum der Psychoanalyse 1/2011

Mona Lisa hinter Glas

Die Herausforderung ästhetischer Erfahrungen

Zeitschrift:
Forum der Psychoanalyse > Ausgabe 1/2011
Autor:
Dr. med. Diana Pflichthofer
Wichtige Hinweise
„Ach wenn sie geweint hätte, nur einen einzigen Tropfen, eine einzige Träne der Reue“
(Georg Heym 1962, Der Dieb)

Zusammenfassung

Betritt man heute ein Museum, so sieht man sich relativ bald einer Glasbarriere gegenüber. Die Mona Lisa verbirgt sich im Louvre hinter Panzerglas, Nofretete hat im Neuen Museum in Berlin gar in einem ganzen Glaskasten auf gefedertem Fundament ihren neuen Aufenthaltsort gefunden. Es handelt sich um Kunstwerke, Objekte, die verehrt, bewundert, geliebt, gehasst und zerstört werden. Wir können uns von ihnen berühren lassen, sie allerdings sind für uns in der Regel nicht (mehr) berührbar. Aber: Der zunehmenden Entrückung der Kunstwerke stehen die Kunstattentate gegenüber.
Haben der Besuch in einem Museum und eine psychoanalytische Stunde etwas gemeinsam? Gibt es aus Kunstattentaten etwas für uns zu lernen, oder können wir diese einfach als das unverständliche Werk schwer gestörter Persönlichkeiten abstempeln?
Kunstwerke haben ebenso wie die Psychoanalytiker die Macht, ästhetische, das heißt sinnliche Erfahrungen zu ermöglichen, die verwandeln können. Im Gegensatz zu dem immer wieder mit der Ästhetik in Verbindung gebrachten Begriff des „Schönen“ können diese Verwandlungen jedoch auch verstörend sein.
Der Eintritt in die psychoanalytische Praxis schafft – ebenso wie der Eintritt ins Museum – einen Spannungszustand zwischen der sinnlichen Präsenz der Objekte, ihrer Verführungskraft, ihrer Aufforderung, sie sinnlich aufzunehmen, auf der einen und dem gleichzeitigen sinnlichen Entzug, dem Gebot des Abstandhaltens und dem Berührungsverbot auf der anderen Seite.
Unter diesem Aspekt betrachtet, liest man eher selten von Angriffen auf Psychoanalytiker oder auf ihr Praxisinventar. Aber es kommt vor. Margaret Little lässt uns von solchen – geschehen während ihrer Analyse bei Winnicott – wissen.
Was wird zerstört, wenn ein Bild zerstört wird? Sollten Attentate vielleicht den Versuch darstellen, eine sinnliche Antwort zu provozieren, die die Existenz und Wirksamkeit des Subjekts bestätigen soll? Diese Suche nach Antwort wäre auch eine mögliche Begründung für die nicht enden wollenden neuen Theorien, über das „wirkliche Vorbild“ der Mona Lisa. Dieser Ansatz neigt dazu, das Gemälde als reines Zeichen zu sehen, das auf ein Signifikat verweist, vielleicht, um sich vor der sinnlichen Präsenz des Gemäldes zu schützen.
Entsprechend könnten auch psychoanalytische Theorien, so sie über das ethisch notwendige Gebot der anhaltenden Reflexion scheinbar erhaben sein sollen, als Glasscheibe dienen, hinter der sich die Analytikerin in Sicherheit bringen kann, die aber auch ungeheure Verzweiflung und Zerstörungswut aufseiten des Patienten auszulösen imstande ist.

Bitte loggen Sie sich ein, um Zugang zu diesem Inhalt zu erhalten

★ PREMIUM-INHALT
e.Med Interdisziplinär

Für Ihren Erfolg in Klinik und Praxis - Die beste Hilfe in Ihrem Arbeitsalltag als Mediziner

Mit e.Med Interdisziplinär erhalten Sie Zugang zu allen CME-Fortbildungen und Fachzeitschriften auf SpringerMedizin.de.

Weitere Produktempfehlungen anzeigen
Literatur
Über diesen Artikel

Weitere Artikel der Ausgabe 1/2011

Forum der Psychoanalyse 1/2011 Zur Ausgabe
  1. Sie können e.Med Neurologie & Psychiatrie 14 Tage kostenlos testen (keine Print-Zeitschrift enthalten). Der Test läuft automatisch und formlos aus. Es kann nur einmal getestet werden.

  2. Sie können e.Med Psychiatrie 14 Tage kostenlos testen (keine Print-Zeitschrift enthalten). Der Test läuft automatisch und formlos aus. Es kann nur einmal getestet werden.

  3. Ich möchte die nächsten 2 Hefte kostenlos testen.

    Wenn mir die Zeitschrift gefällt, beziehe ich nach Erhalt der Probeausgaben Forum der Psychoanalyse 4x pro Jahr für insgesamt 229,00 € im Inland (Abonnementpreis 206,00 € plus Versandkosten 23,00 €) bzw. 239,00 € im Ausland (Abonnementpreis 206,00 € plus Versandkosten 33,00 €).
    Dies entspricht einem Gesamtmonatspreis von 19,08 € im Inland bzw. 19,92 € im Ausland.

    Sollte ich von dieser Zeitschrift nicht überzeugt sein, informiere ich den Leserservice bis spätestens 14 Tage nach Erhalt des 2. Probeheftes.

    Alle genannten Preise verstehen sich inklusive dt. gesetzl. MwSt. In EU-Ländern gilt die jeweilige gesetzliche Mehrwertsteuer. Dadurch kann es ggf. zu Preisabweichungen bei Bestellungen aus dem Ausland kommen.

    Die Abrechnung erfolgt einmal jährlich zu Beginn des Bezugszeitraumes per Rechnung.

    Die Mindestlaufzeit dieses Abonnements beträgt ein Jahr. Das Abonnement verlängert sich automatisch jährlich um jeweils ein weiteres Jahr, wenn es nicht bis spätestens 30 Tage vor Ablauf der Vertragslaufzeit gekündigt wird. Die Kündigung muss in Textform an den Leserservice erfolgen. Es gilt das gesetzliche Mängelhaftungsrecht.
     

    Leserservice
    Springer Nature Customer Service Center
    Tiergartenstr. 15
    69121 Heidelberg
    Tel. 06221 345-4303/Fax: 06221 345-4229
    E-Mail: leserservice@springernature.com
     

Neu in den Fachgebieten Neurologie und Psychiatrie