Systematisches Review zur Effektivität von Lokalanästhetika bei der Therapie von neuropathischen Schmerzen oder Phantomschmerzen
- Open Access
- 24.02.2025
- Mononeuropathie
- Originalien
Zusammenfassung
Hintergrund
Material und Methoden
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„Patients“: Patient:innen mit neuropathischen Schmerzen oder Phantomschmerzen
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„Intervention“: lokale Infiltration mittels Katheterverfahren oder Infiltrationsserien mittels Lokalanästhetika
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„Control“: Placebo oder Standardbehandlung
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„Outcomes“: Schmerzreduktion (visuelle Analogskala, VAS), Phantomschmerzinzidenz
Studiendesign und Untersuchungsmethoden
Auswahl von Studien
Bewertung der methodischen Qualität/Datenanalyse
Ergebnisse
Endpunkt | Ergebnisse und Messwerte | Absolute Effektschätzer | Gewissheit der Evidenz (Vertrauenswürdigkeit der Evidenz) | Zusammenfassung | |
|---|---|---|---|---|---|
Zeitrahmen | Placebo oder Standard | Lokale Infiltration | |||
Phantomschmerz, NRS absolut | Gemessen mit: NRS-Skala: 0–10 – niedriger ist besser Basierend auf Daten von 144 Patienten und einer Studie [21] | 4,5 Mittelwert | 3,0 Mittelwert | Moderat Aufgrund von schwerwiegender unzureichender Präzision1 | Die Studie von Ilfeld et al. 2021 zeigt 4 Wochen nach kontinuierlicher perineuraler Infusion mit einem Lokalanästhetikum über 6 Tage eine Abnahme des absoluten Phantomschmerzes im Vergleich zur Placebogruppe. Der Beobachtungszeitraum erscheint recht kurz. |
Beobachtungszeit 4 Wochen | Differenz: MD 1,5 kleiner (95 %-KI 2,76 kleiner – 0 kleiner) | ||||
Phantomschmerz, NRS Delta | Gemessen mit: NRS-Skala: 0–10 niedriger ist besser Basierend auf Daten von 144 Patienten und einer Studie [21] | −0,9 Mittelwert | −2,4 Mittelwert | Moderat Aufgrund von schwerwiegender unzureichender Präzision1 | Die Studie von Ilfeld et al. 2021 zeigt 4 Wochen nach kontinuierlicher perineuraler Infusion mit einem Lokalanästhetikum über 6 Tage eine ausgeprägtere Abnahme des Phantomschmerzes im Vergleich zur Placebogruppe. Der Beobachtungszeitraum erscheint recht kurz. |
Beobachtungszeit 4 Wochen | Differenz: MD 1,5 kleiner (95 %-KI 2,68 kleiner – 0 kleiner) | ||||
Bewertung von Bias
Randomisierungsprozess | Niedrig |
|---|---|
Abweichungen von den vorgesehenen Interventionen | Niedrig |
Fehlende Ergebnisdaten | Niedrig |
Ergebnismessung | Niedrig |
Selektion des berichteten Ergebnisses | Moderat |
Insgesamt | Moderat |
Quantitative Synthese
Studie | Methodik und Patientenkollektiv | Ergebnis |
|---|---|---|
Clendenen et al. [7] | Retrospektive Fallserie, chronischer postoperativer Schmerz nach Knieendoprothese, n = 16, Lokalanästhesie mit Bupivacain (Mercain + Steroid) und konsekutive Radiofrequenzablation des Ramus infrapatellaris | Ansprechrate 9/16 (56 %) |
Casale et al. [6] | Randomisierte kontrollierte Pilotstudie, Patienten mit Phantomschmerz, n = 8, Cross-over-Design. Lokalanästhetikaapplikation kontralateral zur Amputation (Bupivacain 0,25 % vs. NaCl 0,9 %) | Nach 1 h höhere Schmerzreduktion unter Lokalanästhetika (−5,3) als unter Placebo (−1,5). Aufgrund des Cross-over-Designs keine längeren Daten |
Boelens et al. [4] | Randomisierte kontrollierte Studie zum „anterior cutaneous nerve entrapment syndrome“ (ACNES) | Einmalige Injektion mit Lidocain 1 % als abdomineller Faszienblock, Bericht einer unmittelbaren > 50 %igen Schmerzreduktion: Placebo: 16 %, Lidocain: 54 % |
Lidocain (n = 24) | ||
NaCl 0,9 % (n = 24) | ||
Labat et al. [24] | Randomisierte kontrollierte Studie zur Pudendusneuralgie, n = 201, CT-gestützte Infiltration: | Schmerzresponse nach 3 Monaten: 11,8 % der LA-Gruppe, verglichen mit 14,3 % LA-Gruppe mit Kortikoid (nicht signifikant) |
n = 68 Lokalanästhetika (LA) | ||
n = 66 Lokalanästhetika + Kortison | ||
n = 67 Lokalanästhetika + Kortison + Kochsalz | ||
Miclescu et al. [26] | Randomisierte kontrollierte Studie im Cross-over-Design bei n = 16 Patient:innen mit schmerzhaften Neuromen nach Nerventrauma Lokale Injektion von | Reduktion spontaner Schmerzen durch Lidocaininfiltration am Neurom, unmittelbar nach Injektion deutlich in beiden Gruppen |
Gruppe A: 0,5 % Lidocain | ||
Gruppe B: 0,1 % Lidocain |
Diskussion
Weitere Studien
Fazit für die Praxis
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Invasive Verfahren können eine diagnostische Maßnahme sein, um den Einfluss von peripherem sensorischem Input und die Schmerzlokalisation zu sichern.
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Als therapeutische Intervention kann eine perineurale Lokalanästhetikainfiltration durchgeführt werden. Eine schwache Empfehlung für die Intervention ist neu in die Leitlinie aufgenommen worden.
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Zu Zeitdauer der Wirksamkeit und Frequenz von therapeutischen Blockaden liegen aktuell keine Studien vor, um ein spezifisches Vorgehen abzuleiten.