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01.12.2021 | Mumps | Nachrichten

Schwindende Immunität

Mumps immer öfter auch bei vollständig Geimpften

Autor:
Dr. Elke Oberhofer

Von den Mumps-Fällen, die zwischen 2007 und 2019 in den USA aufgetreten sind, betraf ein Drittel Kinder und Jugendliche unter 18. Die Mehrheit war vollständig mit der MMR-Vakzine geimpft. Experten der CDC warnen vor einer schwindenden Immunität, die vor allem ab dem Jugendalter relevant wird.

Das Wichtigste in Kürze zu dieser Studie finden Sie am Ende des Artikels.

Immer wieder erkranken Menschen an Mumps, obwohl sie empfehlungsgemäß geimpft sind. Wie verbreitet solche Impfdurchbrüche bei Kindern und Jugendlichen sind, hat ein Team der US-amerikanischen CDC (Centers for Disease Control and Prevention) für den Zeitraum zwischen 2007 und 2019 untersucht.

86% der älteren Kinder vollständig geimpft

Das Ergebnis überrascht: Insgesamt wurden in diesem Zeitraum 9172 Fälle bei unter 18-Jährigen gemeldet, von 79% konnte der Impfstatus erfasst werden. Von diesen wiederum hatten 89% zuvor mindestens eine MMR-Impfdosis erhalten. Bei den Fünf- bis 17-Jährigen war die Impfung in 86% der Fälle zum Zeitpunkt der Erkrankung vollständig. 

In den USA empfiehlt das zuständige Impfkomitee, die erste Dosis im Alter zwischen 12 und 15 Monaten und die zweite den Vier- bis Sechsjährigen zu verabreichen. Abweichend hiervon sieht das von der STIKO empfohlene Impfschema die erste Dosis zwischen dem 11. und 14. Lebensmonat und die zweite zwischen dem 15. und 23. Lebensmonat vor. Das RKI rät, wie auch die CDC, versäumte Impfungen bis zum 18. Geburtstag nachzuholen.

Zusammenhang mit lokalen Ausbrüchen

Laut Leah Shepersky vom CDC-Büro in Atlanta und ihrem Team waren die meisten Fälle (64%) in den USA im Zusammenhang mit lokalen Mumps-Ausbrüchen aufgetreten. Bei den Kindern und Jugendlichen hatte es vor allem zwei deutliche Infektionsgipfel gegeben, in der Saison 2009/2010 sowie 2016/2017. Dabei war der zweite Gipfel noch einmal wesentlich höher als der erste.

Nach Shepersky et al. ließ sich ein eindeutiger Zusammenhang mit dem Alter der Patienten erkennen: Je älter sie waren, desto höher lag die Inzidenz. Mit Abstand am höchsten war sie bei den 11- bis 17-Jährigen.

Studien hätten gezeigt, dass die Mumps-Antikörper schon ein Jahr nach Verabreichung der zweiten Impfdosis beginnen abzunehmen, berichten die Forscher. Etwa zehn Jahre später seien sie bei den meisten auf das Niveau vor der zweiten Impfung gefallen. Es gebe aber noch einen anderen Grund für die Häufung der Impfdurchbrüche, nämlich das „Mismatch“ zwischen dem in der Vakzine enthaltenen und dem tatsächlich kursierenden Mumps-Genotyp. Hinzu komme noch ein weiteres Phänomen: Große Ausbrüche ereigneten sich häufig nach Abschlussfeiern oder großen Sportereignissen, bei denen zahlreiche Jugendliche und junge Erwachsene zusammenkämen. Dies leiste der Virusübertragung Vorschub.

Tatsächlich war die Inzidenz bei den Kindern und Jugendlichen mit median 4,7 Fällen pro 1 Mio. noch überschaubar. In der Gruppe der 18- bis 22-Jährigen war sie im Beobachtungszeitraum jedoch auf 16,1 pro 1 Mio. gestiegen.

Komplikationen auch bei Geimpften

Von den erkrankten Kindern und Jugendlichen hatten 97% eine Parotitis entwickelt. Zu den häufigsten Komplikationen zählte die Mumps-Orchitis, an der 2% der männlichen Patienten erkrankt waren. Taubheit infolge der Mumps-Infektion war bei weniger als 1% der Fälle aufgetreten. Drei Patientinnen hatten eine Meningitis entwickelt, zwei eine Enzephalitis; von diesen fünf waren alle außer einer vollständig mit der MMR-Vakzine geimpft. 

Alles in allem also ein deutlicher Hinweis darauf, dass „Geimpfte noch vor Erreichen des jungen Erwachsenenalters für eine Mumps-Infektion empfänglich werden können“, so Shepersky und Kollegen. Ihr dringender Rat an Ärzte: Bei Vorliegen einer Parotitis oder einer typischen Komplikation auch dann an Mumps denken, wenn die Patientin oder der Patient vollständig geimpft ist.

Auch ein negatives Laborergebnis könne eine Mumpsinfektion nicht unbedingt ausschließen, betonen die CDC-Experten. So könnten bei ungünstigem Timing sowohl Tests auf virusspezifische IgM-Antikörper als auch eine RT-PCR falsch negativ ausfallen. Um die Genauigkeit der Tests zu verbessern, raten die Wissenschaftler, die Parotis vor dem Abstrich zunächst 30 Sekunden zu massieren. Für die RT-PCR solle der Abstrich innerhalb von drei Tagen nach Beginn der Parotitis entnommen werden, für den IgM-Nachweis mehr als drei Tage nach Beginn.

Das Wichtigste in Kürze

Frage: Inzidenz von Mumps bei Kindern und Jugendlichen in den USA in Abhängigkeit von Alter und Impfstatus.

Antwort: Zwischen 2007 und 2019 wurden insgesamt gut 9000 Fälle bei unter 18-Jährigen registriert, sie machten etwa ein Drittel der Gesamtzahl aus. Die Mehrheit der Betroffenen war vollständig mit der MMR-Vakzine geimpft.

Bedeutung: Die Tatsache, dass die Inzidenz mit dem Alter steigt, könnte für eine allmählich schwächer werdende Immunität sprechen. Die Mehrheit der Fälle in den USA stand in Zusammenhang mit Ausbruchsituationen.

Einschränkung: Die Fallzahlen sind wahrscheinlich zu niedrig gegriffen, weil nicht alle Fälle gemeldet wurden.

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