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Nackenschmerzen sind ein häufiger Beratungsanlass in der hausärztlichen Versorgung. Meist finden sich in der Anamnese und körperlichen Untersuchung keine Hinweise auf eine strukturelle Ursache. Eine weiterführende Diagnostik ist dann in aller Regel verzichtbar, die Nackenschmerzen können als nichtspezifisch klassifiziert werden. Therapeutisch steht eine Aktivierung der Patient*innen im Vordergrund. Um die Aufrechterhaltung von Bewegung zu ermöglichen und selbstständige körperliche Aktivität zu fördern, können nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) und die Selbstanwendung von Wärme empfohlen werden. Wirksam ist zudem eine Patientenedukation, u. a. zur Aufklärung über die positiven Effekte und mangelnden Risiken von Bewegung hinsichtlich Schmerz und Funktionseinschränkung. Passive Therapieformen sollten nur in Kombination mit aktivierenden Maßnahmen eingesetzt werden.
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Lernziele
Nach Lektüre dieses Beitrags …
können Sie nichtspezifische und spezifische Nackenschmerzen klinisch differenzieren,
sind Sie in der Lage, sicher die Indikation für weitere Diagnostik beim Beratungsanlass Nackenschmerzen zu stellen,
können Sie Zeichen für abwendbar gefährliche Verläufe bei Nackenschmerzen erkennen,
sind Sie in der Lage, Patient*innen mit nichtspezifischen Nackenschmerzen zum Selbstmanagement anzuleiten,
können Sie wirksame medikamentöse und nichtmedikamentöse Therapieverfahren bei nichtspezifischen Nackenschmerzen aufzählen.
Hausärztliche Rolle
Nackenschmerzen sind nach Kreuzschmerzen der zweithäufigste muskuloskeletale Beratungsanlass und der dritthäufigste Beratungsanlass insgesamt in hausärztlichen Praxen in Deutschland [1]. Fast die Hälfte aller Erwachsenen in Deutschland ist jährlich betroffen [2]. Nichtspezifische Nackenschmerzen ohne strukturelle Ursache stellen dabei den mit Abstand häufigsten Subtyp dar. Die hausärztliche Rolle besteht v. a. in der differenzierten Einschätzung, strukturierten Beratung sowie der Vermeidung von Überdiagnostik, beispielsweise in Form von unnötiger Bildgebung.
Merke
Die hausärztliche Rolle besteht v. a. in der differenzierten Einschätzung, strukturierten Beratung sowie der Vermeidung von Überdiagnostik.
Fallbeispiel
Ein 45-jähriger Patient stellt sich mit akuten Nackenschmerzen vor, die seit dem Aufwachen bestehen. Die Schmerzen seien ziehend und einseitig, ohne Ausstrahlung in die Arme. Der Patient hat keine Vorerkrankungen, war bisher nur sporadisch mit Infekten und anlässlich von Früherkennungsuntersuchungen in Ihrer Praxis. Es fällt eine (schmerzbedingte) Schonhaltung des Kopfes ins Auge auf.
Definition von Nackenschmerzen
Nackenschmerzen werden als Schmerzen in einem Bereich definiert, der nach oben durch die obere Nackenlinie (Linea nuchalis superior), nach unten durch den ersten Brustwirbel und seitlich durch die schultergelenknahen Ansätze des M. trapezius (Kapuzenmuskel) begrenzt wird [3]. In der Fachliteratur finden sich zur zeitlichen Einteilung von Nackenschmerzen häufig folgende Kategorien:
Diese Einteilung ist in der Praxis allerdings nur eingeschränkt anwendbar, da meist unklar bleibt, ob die Zeitspanne ab Konsultation oder ab Auftreten der Schmerzen berechnet werden soll. Die Trennung zwischen akuten und chronischen Nackenschmerzen ist daher nicht immer eindeutig möglich [5].
Die Ursache von Nackenschmerzen bleibt häufig unklar. Können behandlungs- oder abklärungsbedürftige Ursachen ausgeschlossen werden, spricht man von nichtspezifischen bzw. unspezifischen Nackenschmerzen. In weniger als 1 % der Fälle liegt den Beschwerden eine ernsthafte Grunderkrankung zugrunde, wie etwa maligne Neoplasien, Infektionen, Blutungen oder Gefäßverletzungen (sog. genannter abwendbar gefährlicher Verlauf [AGV]).
Merke
In weniger als 1 % der Fälle liegt den Beschwerden eine ernsthafte Grunderkrankung zugrunde.
Insbesondere chronische nichtspezifische Nackenschmerzen erfordern eine effektive interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Hausärzt*innen, Teilgebietsspezialist*innen und weiteren Gesundheitsfachkräften, insbesondere Physiotherapeut*innen. Eine solche koordinierte Versorgung trägt dazu bei, unnötige bildgebende Verfahren, ineffektive Therapien sowie das Übersehen von Warnhinweisen auf einen potenziell abwendbar gefährlichen Verlauf bei diesem meist benignen Beschwerdebild zu vermeiden.
Hierfür liegt seit 07/2025 ein interdisziplinär und interprofessionell entwickeltes Update und Upgrade der Leitlinie Nackenschmerzen der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM) auf S3-Niveau vor (Links zu den unterschiedlichen Leitlinienfassungen s. Abb. 1 und 2).
Abb. 1
Link zur Leitlinie Nicht-spezifische Nackenschmerzen (Langfassung, Kurzfassung, Patienteninformation, Leitlinienreport) der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM) (https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/053-007)
Link zur Leitlinie Nicht-spezifische Nackenschmerzen der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM) in der MAGICapp (https://app.magicapp.org/#/guideline/j1QDVj)
Die Diagnostik bei Nackenschmerzen verfolgt mehrere Ziele: Zum einen sollen potenziell abwendbar gefährliche Verläufe bereits im Erstkontakt mit ausreichender Sicherheit ausgeschlossen werden. Zum anderen soll eine Grundlage für evidenzbasierte Therapieempfehlungen geschaffen und der/die Patient*in im Sinne einer quartären Prävention vor übermäßiger, möglicherweise schädlicher Diagnostik geschützt werden [6]. Ergibt die Anamnese und körperliche Untersuchung beim Erstkontakt bei neu aufgetretenen Nackenschmerzen keine Hinweise auf strukturelle Ursachen, sollen zunächst keine weiteren diagnostischen Maßnahmen erfolgen.
Psychosoziale und arbeitsplatzbezogene Faktoren sollen bereits im Erstkontakt und während des Therapieverlaufs erfasst und berücksichtigt werden, da sie das Risiko für eine Chronifizierung maßgeblich erhöhen. Hierzu gehören insbesondere:
Depressivität bzw. emotionaler Distress,
subjektive Einstellungen hinsichtlich der Beschwerden (z. B. passive Grundhaltung, Angst [Vermeidungsverhalten], Hoffnungslosigkeit),
arbeitsplatzbezogene Faktoren wie Art und Zufriedenheit mit der Tätigkeit sowie ggf. Angst vor Arbeitsplatzverlust.
Der Umfang der körperlichen Untersuchung richtet sich nach den anamnestisch gewonnenen Erkenntnissen. Bestehen Hinweise auf strukturelle Ursachen oder auf akut behandlungsbedürftige Erkrankungen, ist deren Abklärung vorrangig. Sind solche Hinweise nicht gegeben, sollte die körperliche Untersuchung in jedem Fall folgende Basisbestandteile umfassen:
Allgemein- und Ernährungszustand, Bewusstseinslage,
Inspektion: Hautbild, Deformitäten, Verletzungszeichen, Haltung und Mobilität,
Palpation: Dorn- und Querfortsätze, muskuläre Verspannungen, Hauttemperatur,
Beweglichkeitsprüfung: Anteflexion, Retroflexion, Rotation und Seitneigung.
Bei anamnestischen Hinweisen auf neurologische Defizite wird empfohlen, die Basisuntersuchung um folgende klinische Tests zu ergänzen:
Kraftprüfung nach Janda (manuelle Beurteilung der Kraft einzelner Muskeln oder Muskelgruppen nach standardisierten Kraftgraden)
Prüfung der Feinmotorik der Hände (z. B. Finger-Nase-Versuch, Diadochokinese)
Prüfung der Sensibilität
Überprüfung von Gleichgewicht und Gangbild
Reflexprüfung auf Seitendifferenzen (Bizeps‑, Brachioradialis- und Trizepssehnenreflex)
Beispiele für Funktionstests: Spurling-Test und Upper-Limb-Tension-Tests
Funktionstest
Durchführung
Spurling-Test
Test zur Einschätzung radikulärer Schmerzen: Axialer Druck und eine Beugung des Kopfs zur symptomatischen Seite. Hierdurch Kompression der Foramina intervertebralia. (Video unter: Spurling-Test | Zervikales Radikulärsyndrom – YouTube, https://www.youtube.com/watch?v=3ZSNdv0o0yk)
Upper-Limb-Tension-Tests (ULTT)
Tests der neurologischen Strukturen der oberen Extremität: ULTT zielen darauf ab, die Symptome des Patienten hervorzurufen. Dies geschieht, indem Schulter, Ellbogen, Unterarm, Handgelenk und Finger in bestimmten Positionen gehalten werden, um einen bestimmten Nerv zu belasten.
Hautrötung, Deformitäten, Verletzungszeichen, deutliche Fehlhaltung mit stark eingeschränkter Mobilität,
erhöhte Hauttemperatur,
ausgeprägte Bewegungseinschränkung.
Bildgebende Untersuchungen
Bei akuten und rezidivierenden Nackenschmerzen soll ohne relevante Hinweise auf strukturelle Ursachen in Anamnese und körperlicher Untersuchung auf bildgebende Diagnostik verzichtet werden. Persistieren die Beschwerden trotz leitliniengerechter Therapie länger als 4 Wochen, kann dies ein Hinweis auf eine initial nicht erkannte strukturelle Ursache sein. Bei andauernden, aktivitätseinschränkenden oder progredienten Nackenschmerzen empfiehlt sich eine Überprüfung der Indikation zur bildgebenden Diagnostik nach 4–6 Wochen. Bei ausgeprägter Schmerzprogredienz oder neu aufgetretenen neurologischen Ausfällen sollte eine Reevaluation der Indikation ggf. auch bereits vor Ablauf von 4 Wochen erfolgen. Eine Röntgendiagnostik ist aufgrund der geringen Sensitivität zur Erkennung struktureller Ursachen ungeeignet und sollte nicht zur primären Abklärung eingesetzt werden. Ist eine Bildgebung indiziert, sollte daher je nach Fragestellung bevorzugt eine Schnittbildgebung mittels Computertomographie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT) erfolgen.
Merke
Anamnese und körperliche Untersuchung sind Grundpfeiler der Diagnostik bei Nackenschmerzen, Bildgebung ist selten erforderlich.
Therapieansätze
Selbstmanagement
Bei nichtspezifischen Nackenschmerzen soll körperliche Aktivität ausdrücklich empfohlen werden. Aufgrund der Heterogenität der in Studien untersuchten Interventionen kann keine Empfehlung für eine spezifische Übungsform im Rahmen des Selbstmanagements ausgesprochen werden. Die Auswahl sollte daher an den Präferenzen und Möglichkeiten der Patient*innen orientiert sein.
Eine Ruhigstellung soll bei nichtspezifischen Nackenschmerzen hingegen nicht empfohlen werden. Zwar existieren keine spezifischen Studien zur Ruhigstellung bei nichtspezifischen Nackenschmerzen, jedoch besteht ein erhebliches Risiko für negative Auswirkungen wie Medikalisierung und Muskelatrophie.
Merke
Körperliche Aktivität soll ausdrücklich empfohlen werden.
Eine ärztliche Verordnung von thermotherapeutischen Maßnahmen zulasten der Solidargemeinschaft (z. B. Bäder, Fango, Rotlicht) ist aufgrund der nur geringen Evidenz für deren Wirksamkeit nicht gerechtfertigt. Einfach umzusetzende Wärmeanwendungen, wie beispielsweise die Nutzung von Wärmekissen, können selbstständig durchgeführt werden. Wenn Betroffene es als angenehm oder schmerzlindernd empfinden, kann auch Kälte angewendet werden.
Merke
Keine Verordnung von thermotherapeutischen Maßnahmen zulasten der Solidargemeinschaft. Wärme und ggf. auch Kälte können ein wirksamer Bestandteil des Selbstmanagements sein.
Medikamentöse Therapie
Im Rahmen der medikamentösen Therapie kann die kurzfristige Einnahme nichtsteroidaler Antirheumatika (NSAR) bei akuten nichtspezifischen Nackenschmerzen empfohlen werden. Die in Studien beobachtete Effektstärke ist jedoch als gering zu bewerten (weniger als 10 Punkte auf einer visuellen Analogskala von 0 bis 100) [7]. Für Patient*innen mit chronischen nichtspezifischen Nackenschmerzen sollten NSAR nicht eingesetzt werden, insbesondere aufgrund des Risikos unerwünschter Nebenwirkungen, wie gastrointestinale Beschwerden (bis hin zu Magen- und Darmulzera), sowie einer Erhöhung des kardiovaskulären Risikos bei längerfristiger Anwendung. Außerdem sollen NSAR nicht parenteral verabreicht werden.
Merke
NSAR stellen – kurzfristig und enteral angewendet – eine Option zur medikamentösen Therapie bei akuten nichtspezifischen Nackenschmerzen dar.
Als Alternative kann in begründeten Einzelfällen Metamizol in der niedrigsten wirksamen Dosierung und für den kürzest möglichen Zeitraum in Erwägung gezogen werden. Dies gilt insbesondere bei Kontraindikationen gegen NSAR, etwa im Fall erhöhter nephrologischer, gastrointestinaler oder kardialer Risiken. Auch bei geriatrischen Patient*innen kann Metamizol eine verträgliche Option darstellen. Aufgrund der, wenn auch seltenen, aber potenziell schweren Nebenwirkung der Agranulozytose empfiehlt die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft den Einsatz von Metamizol nur im Rahmen der Zulassung (Behandlung akuter und chronischer starker Schmerzen, wenn andere Analgetika kontraindiziert sind) sowie nach ausführlicher Aufklärung der Patient*innen – insbesondere über Symptome wie Fieber, Halsschmerzen und Schleimhautläsionen im Mundraum. Bei Verdacht auf Agranulozytose oder bei längerer Anwendung sind Blutbildkontrollen angezeigt. Andere Analgetika sowie Muskelrelaxanzien werden weder für die Therapie akuter noch chronischer Nackenschmerzen empfohlen. Für die Wirksamkeit einer subkutanen oder intrakutanen Injektion von Lokalanästhetika bei Nackenschmerzen („Quaddeln“) liegt kein sicherer wissenschaftlicher Nachweis vor. Aufgrund des Risikos für unerwünschte Wirkungen, u. a. allergischer Reaktionen, sollten solche Injektionen nicht durchgeführt werden. Auch für pflanzliche Präparate wie Weidenrinde (Salix alba), Teufelskralle (Harpagophytum procumbens) sowie in der japanischen Kampo-Medizin verwendete Wirkstoffe liegen bislang keine überzeugenden Wirksamkeitsnachweise vor. Entsprechend sollte die Anwendung pflanzlicher Medikamente bei Nackenschmerzen nicht empfohlen werden.
Merke
Die Wirksamkeit von NSAR sollte nicht überschätzt werden.
Nichtmedikamentöse Therapie
Im Bereich der nichtmedikamentösen Therapie sind insbesondere die Bewegungstherapie bei chronischen Nackenschmerzen und die Patientenedukation sowohl bei akuten als auch bei chronischen Nackenschmerzen hervorzuheben. Für die Patientenedukation findet sich die – meist von Physiotherapeut*innen angebotene – „Pain Neuroscience Education“ (PNE) als besonders gut untersuchte Methode. PNE ist eine Strategie zur anschaulichen Vermittlung schmerzphysiologischer Prozesse mit dem Ziel, die Wahrnehmung und das Verständnis des eigenen Schmerzes zu verändern. Hierdurch gewinnen Patient*innen ein fundierteres Verständnis ihrer Erkrankung und werden motiviert, sich aktiv an der Behandlung zu beteiligen [8]. Ergebnisse einer systematischen Übersichtsarbeit, die 7 randomisierte kontrollierte Studien einschließt, zeigen für PNE positive Effekte auf Schmerz sowie auf Kinesiophobie, also die angstbedingte Vermeidung von Bewegung [9].
Merke
Die nichtmedikamentöse Therapie bei unspezifischen Nackenschmerzen hat das Ziel, die Betroffenen zu aktivieren.
Folgende weitere nichtmedikamentöse Therapieoptionen können ebenfalls in Erwägung gezogen werden:
Manipulation/Mobilisation
Akupunktur (zur Behandlung chronischer nichtspezifischer Nackenschmerzen in Kombination mit aktivierenden Maßnahmen; bei akuten nichtspezifischen Nackenschmerzen soll Akupunktur nicht angewendet werden; Akupunktur kann zur Behandlung von Nackenschmerzen nicht zulasten der gesetzlichen Krankenversicherung abgerechnet werden)
Weichteilbehandlungen, z. B. „klassische“ Massage, Schröpfmassage, Faszientherapie, Triggerpunktbehandlung (bei chronischen nichtspezifischen Nackenschmerzen in Kombination mit aktivierenden Maßnahmen)
Kognitive Verhaltenstherapie (bei chronischen nichtspezifischen Nackenschmerzen im Rahmen multimodaler Behandlungskonzepte)
Digitale Gesundheitsanwendungen (z. B. Apps, Stand 09/2025 nur auf dem „freien Markt“ erhältlich und nicht durch Auflistung im Verzeichnis des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte zulasten der gesetzlichen Krankenversicherung verordnungsfähig)
Folgende nichtmedikamentöse Maßnahmen sollen nicht verordnet/angewendet werden:
Mechanische Traktion
Physikalische Maßnahmen wie Lasertherapie, Elektrotherapie oder Ultraschall
Weichteilbehandlungen wie Massagen zur Behandlung akuter nichtspezifischer Nackenschmerzen
Kinesiotaping
Diese letztgenannten Maßnahmen bergen bei nicht ausreichender Evidenz für ihre Wirksamkeit das Risiko, eine passive Haltung der Patient*innen zu fördern. Dies widerspricht dem Ziel der Behandlung, die körperliche Aktivität und Eigeninitiative der Betroffenen zu stärken.
Merke
Passive Therapiemethoden sollten nur in Kombination mit aktivierenden Maßnahmen angewendet werden.
Fallbeispiel (Fortsetzung)
Nach Anamnese und körperlicher Basisuntersuchung stellen Sie bei Abwesenheit von Hinweisen auf eine strukturelle Ursache die Diagnose nichtspezifische Nackenschmerzen. Sie klären den Patienten über die Gutartigkeit seiner Beschwerden auf, raten ihm, in Bewegung zu bleiben, und zeigen ihm kurze Übungen zur Selbstmobilisation der Halswirbelsäule. Um eine möglichst schmerzarme Bewegung zu ermöglichen und den Teufelskreis aus Schmerz, Verspannung und Schonhaltung zu durchbrechen, empfehlen Sie dem Patienten die kurzfristige Einnahme von Ibuprofen. Sie weisen ihn auf die zusätzliche lindernde Wirkung von Wärmeanwendung (z. B. mittels Körnerkissen) und die Möglichkeit einer Wiedervorstellung bei Beschwerdepersistenz/-verschlechterung hin.
Fazit für die Praxis
Nackenschmerzen sind in der hausärztlichen Praxis ein häufiger Beratungsanlass.
Anamnese und körperliche Untersuchung dienen der Identifikation von Hinweisen auf strukturelle Ursachen bzw. deren Ausschluss.
Meist findet sich in Anamnese und körperlicher Untersuchung keine strukturelle Ursache, es handelt sich dann um nichtspezifische Nackenschmerzen.
Bei fehlenden Hinweisen auf strukturelle Ursachen sollte keine weiterführende Diagnostik, auch keine Bildgebung erfolgen.
Eine patientenzentrierte Beratung kann helfen, eine algophobe Schonhaltung zu verlassen und in die Aktivität zu kommen.
Zusätzlich können kurzfristig nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) und die Selbstanwendung von Wärme empfohlen werden.
Passive Therapieansätze sollten nur in Kombination mit aktivierenden Maßnahmen angewendet werden.
Bei chronischen Nackenschmerzen kann Verhaltenstherapie als Teil eines aufeinander abgestimmten, multimodalen Behandlungskonzepts sinnvoll sein.
Einhaltung ethischer Richtlinien
Interessenkonflikt
Gemäß den Richtlinien des Springer Medizin Verlags werden Autorinnen und Autoren sowie die Wissenschaftliche Leitung im Rahmen der Manuskripterstellung und Manuskriptfreigabe aufgefordert, eine vollständige Erklärung zu ihren finanziellen und nichtfinanziellen Interessen abzugeben.
Autoren
T. Kötter: A. Finanzielle Interessen: Das dieser Veröffentlichung zugrunde liegende Projekt wurde mit Mitteln des Innovationsausschusses beim Gemeinsamen Bundesausschuss unter dem Förderkennzeichen 01VSF22005 gefördert. Ich war Hauptantragsteller und Projektleiter. – Vorstellung der Leitlinie in einem ärztlichen Qualitätszirkel gegen eine Aufwandsentschädigung (GUAD e. V., Kirchberg im Wald). – B. Nichtfinanzielle Interessen: Professur für Lehre in der Allgemeinmedizin am Institut für Allgemeinmedizin, Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Lübeck; Angestellter Facharzt für Allgemeinmedizin mit der Zusatzbezeichnung Manuelle Medizin/Chirotherapie, Hausärztliche Praxis vor dem Mühlentor, Lübeck | Mitgliedschaften: Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin, EbM-Netzwerk. N. Hecht: A. Finanzielle Interessen: Reisekostenerstattung Januar 2023 konstituierende Sitzung S3-Leitliniengruppe „Nackenschmerz“ in Lübeck (G-BA). – B. Nichtfinanzielle Interessen: Stellvertretender Klinikdirektor, Neurochirurgische Klinik, Charité – Universitätsmedizin Berlin | | Mitgliedschaften: DGNC und Mandatsträger S3-Leitlinie Nackenschmerz der Deutschen Gesellschaft für Neurochirurgie (DGNC), Deutsche Wirbelsäulengesellschaft (DWG) und Mitglied in der Registerkommission und Weiterbildungskommission der DWG, Eurospine, European Association of Neurosurgical Societies. K. Luedtke: A. Finanzielle Interessen: Mittel des Innovationsausschusses beim G-BA an die Deutsche Gesellschaft für Physiotherapiewissenschaft für die Erstellung der S3-Leitlinie Nackenschmerzen. – B. Nichtfinanzielle Interessen: Professorin für Physiotherapie an der Universität zu Lübeck | Vorstandsmitglied Deutsche Gesellschaft für Physiotherapiewissenschaft. N. Weidner: A. Finanzielle Interessen: N Weidner gibt an, dass kein finanzieller Interessenkonflikt besteht. – B. Nichtfinanzielle Interessen: Ärztlicher Direktor, Klinik für Paraplegiologie, Universitätsklinikum Heidelberg | Mitgliedschaften: DGN, DMGP | Past-Präsident DMGP. A. El-Allawy: A. Finanzielle Interessen: Förderung Innovationsfond (Förderkennzeichen: 01VSF22005) für neue S3-Leitlinie Nicht-spezifische Nackenschmerzen. – B. Nichtfinanzielle Interessen: Angestellter Arzt in Hausarztpraxis in Norderstedt.
Wissenschaftliche Leitung
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Der Verlag
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von der Lippe E, Krause L, Porst M, Wengler A, Leddin J, Müller A et al (2020) Prävalenz von Rücken- und Nackenschmerzen in Deutschland. Ergebnisse der Krankheitslast-Studie BURDEN. JoHM 6(S3) (2021)
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Casser HR, Hasenbring M, Becker A, Baron R (2016) Rückenschmerzen und Nackenschmerzen: Interdisziplinäre Diagnostik und Therapie, Versorgungspfade, Patientenedukation, Begutachtung, Langzeitbetreuung. Springer, HeidelbergCrossRef
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