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26.04.2019 | Nahrungsmittelallergien | Nachrichten

Lebensmittelallergie

Erdnuss-Immuntherapie löst häufiger Anaphylaxie aus

Autor:
Ingrid Kreutz

Schlechte Nachrichten für Patienten mit Erdnuss-Allergie: Einer aktuellen Meta-Analyse zufolge traten unter einer oralen Immuntherapie bei Kindern deutlich mehr allergische Reaktionen auf als mit Allergenkarenz oder Placebo.

Die Dringlichkeit, bessere Maßnahmen als Karenz oder Notfallmedikation gegen Nahrungsmittel-Allergien wie die Erdnuss-Allergie zu haben, liegt auf der Hand: Die Erdnuss-Allergie wächst sich nicht aus, sondern bleibt bei 80 bis 85 Prozent der Betroffenen lebenslang bestehen. Und sie kann bei heftigen anaphylaktischen Reaktionen bekanntlich zum Tode führen.

Die Erdnuss-Allergie betrifft etwa zwei Prozent der Kinder und ein Prozent der Erwachsenen in wohlhabenden Ländern und ist die Hauptursache für Nahrungsmittel-bedingte allergische Reaktionen bis hin zum anaphylaktischen Schock, stellen Dr. Derek Chu von der McMaster University in Hamilton, Kanada, und seine Arbeitsgruppe fest.

Meta-Analyse von zwölf Studien

Ein neuer Hoffnungsträger, die Erdnuss-Allergie besser in den Griff zu bekommen, ist die orale Immuntherapie. Hierbei werden den Probanden bekanntlich kleinere Erdnussmengen in aufsteigender Dosierung oral verabreicht, um sie gegen das Nahrungsmittel zu desensibilisieren. Die Ergebnisse aus Studien hierzu waren widersprüchlich.

Um mehr Licht ins Dunkel zu bringen, haben die Forscher um Chu nun zwölf randomisierte, kontrollierte Studien hierzu analysiert (Lancet 2019; online 25. April). Die Teilnehmer waren 1041 Kinder mit Erdnuss-Allergie im Alter von durchschnittlich neun Jahren, die entweder eine orale Immuntherapie mit Erdnuss erhalten hatten oder lediglich Placebo oder sich in Allergenkarenz übten (Kontrollgruppe).

Die Forscher haben jedoch nicht – wie in den Studien üblich – den Erfolg der Therapie danach beurteilt, ob die Kinder die ärztliche überwachte Provokation mit Erdnuss überstanden hatten, sondern sie haben dazu andere Kriterien gewählt wie das Risiko und die Häufigkeit von Anaphylaxie oder den Bedarf an Notfallmedikation während eines Jahres.

Das Ergebnis war enttäuschend: Die orale Immuntherapie mit Erdnuss erhöhte das Risiko und die Häufigkeit der Anaphylaxie um etwa das Dreifache im Vergleich zum Verzicht auf diese Therapie (22, 2 vs. 7,1 Prozent). Außerdem benötigten die Kinder mit oraler Immuntherapie etwa doppelt so häufig Adrenalin als Notfallmedikation wie die Kinder aus der Kontrollgruppe (8,2 vs. 3,7 Prozent).

Auch schwere Nebenwirkungen, etwa lebensbedrohliche oder solche, die eine Klinikeinweisung notwendig machten, traten mit der Immuntherapie häufiger auf (11,9 vs. 6,2 Prozent), und zwar in ähnlichem Ausmaß während der Aufdosierungs- und Erhaltungstherapie-Phase. Und: Die Lebensqualität war bei Kindern, die eine orale Immuntherapie erhalten hatten, nicht besser als bei Kontrollkindern.

Desensibilisierung funktioniert

In einem Punkt schnitten die Kinder mit Immuntherapie jedoch besser ab: Sie bestanden die ärztlich überwachte Provokation mit Erdnuss in der Klinik, die üblicherweise in Studien als Surrogate-Parameter für die Verringerung der allergischen Reaktionen außerhalb der Klinik verwendet wird, häufiger als Kinder ohne orale Immuntherapie.

Daraus schlussfolgern die kanadischen Wissenschaftler: Die Desensibilisierung mit oraler Immuntherapie in der Klinik funktioniert offenbar recht gut, dieser Erfolg lässt sich aber offenbar nicht auf das Alltagsleben übertragen. Auch wenn ein Kind bei der Provokation in der Klinik eine bestimmte Erdnussmenge toleriert, muss das noch lange nicht bedeuten, dass es diese auch später außerhalb der Klinik noch toleriert.

Für die Autoren bedeuten die neuen Erkenntnisse aber nicht das Ende der oralen Immuntherapie bei Erdnuss-Allergie. Sie fordern größere randomisierte Studien, in denen die Therapie nach Patienten-relevanten Kriterien beurteilt wird, etwa nach der Häufigkeit allergischer und anaphylaktischer Reaktionen im weiteren Verlauf.

Kanadische Studie zu Erdnuss-Allergie

  • Das Risiko und die Häufigkeit der Anaphylaxie waren mit oraler Immuntherapie um etwa das Dreifache erhöht im Vergleich zum Verzicht auf eine solche Behandlung.
  • Kinder mit oraler Immuntherapie benötigten etwa doppelt so häufig Adrenalin als Notfallmedikation wie die Kinder aus der Kontrollgruppe ohne die orale Immuntherapie.

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05.12.2018 | Link

Ärzte Zeitung

Dieser Beitrag stammt aus der Feder unserer Kollegen der Ärzte Zeitung. Noch mehr Beiträge zu Gesundheits- und Berufspolitik, aber auch zu Praxisthemen wie Abrechnung und Recht finden Sie bei Ärzte Zeitung Online.


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