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Erschienen in:

14.06.2024 | Nebenwirkungen der Krebstherapie | Schwerpunkt: Endokrine Onkologie

Endokrine Nebenwirkungen von Tumortherapien

verfasst von: Dr. med. Johanna Braegelmann, Prof. Dr. Dr. med. Dagmar Führer, Prof. Dr. med. Susanne Tan

Erschienen in: Die Innere Medizin | Ausgabe 7/2024

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Zusammenfassung

Zielgerichtete und immunbasierte Therapien stellen wesentliche Innovationen in der Onkologie dar und verbessern eindrücklich die Prognose vieler Tumorerkrankungen. Ihr inzwischen weit verbreiteter Einsatz erfordert zunehmend Kenntnisse im Umgang auch außerhalb von Zentren und im Praxisalltag [12, 13]. So bedingt die Blockade spezifischer Kontrollpunkte des inhibierenden Immunsystems durch Immuncheckpointinhibitoren (ICI) den Verlust der Immuntoleranz gegenüber körpereigenem Gewebe mit Auftreten endokriner immunvermittelter unerwünschter Ereignisse („immune-related adverse events“ [irAE]) bei etwa 10 % der mit ICI behandelten Patienten. Unter zielgerichteten Therapien beispielsweise mit Tyrosinkinaseinhibitoren (TKI), Mammalian-target-of-rapamycin(mTOR)- und Phosphoinositid-3-Kinase(PI3K)-Inhibitoren treten häufig Störungen des Glukosestoffwechsels sowie der Schilddrüsenfunktion auf [3, 11]. Die Herausforderungen in Bezug auf den Erhalt der Knochengesundheit unter endokriner Therapie bei Patienten mit Prostatakarzinom oder Hormonrezeptor-positivem Mammakarzinom sowie in der endokrinologischen Nachsorge von Menschen, die eine Krebserkrankung im Kindesalter überstanden haben, sind wohlbekannt und sind zunehmend von Bedeutung für die Langzeitprognose und Lebensqualität [5, 20]. Hingegen ist das Management endokriner unerwünschter Ereignisse („adverse events“ [AE]) der relativ neuen Tumortherapien zwar bereits in Leitlinien und Empfehlungen beschrieben, aber in der klinischen Routineversorgung noch nicht etabliert [15, 19]. Es bedarf einer engen interdisziplinären Zusammenarbeit, um Menschen mit Krebserkrankung optimal zu versorgen [7]. Die Entwicklung interdisziplinärer transsektoraler Versorgungsstrukturen ist insofern bedeutsam, als die Tumortherapie primär durch den Hämato- bzw. Onkologen erfolgt, während das Management von onkologikainduzierten AE inzwischen auch die primärversorgenden Hausärzte und Internisten tangiert und endokrine AE die fachspezifische Expertise der Endokrinologen und Diabetologen erfordern.
Literatur
4.
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Metadaten
Titel
Endokrine Nebenwirkungen von Tumortherapien
verfasst von
Dr. med. Johanna Braegelmann
Prof. Dr. Dr. med. Dagmar Führer
Prof. Dr. med. Susanne Tan
Publikationsdatum
14.06.2024

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Endokrine Onkologie

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