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Der Verlag bleibt in Hinblick auf geografische Zuordnungen und Gebietsbezeichnungen in veröffentlichten Karten und Institutsadressen neutral.
Neuartige klinische Behandlungsstrategien basieren häufig auf einem tiefgehenden Verständnis der Physiologie und Pathophysiologie spezifischer Organe und Erkrankungen. Zur Förderung der medizinischen Forschung sind Grundlagenwissenschaftler mit fundierten Kenntnissen in Biologie, biomedizinischen Wissenschaften, Bioinformatik oder verwandten Disziplinen unerlässlich. Viele dieser Wissenschaftler arbeiten zwar in einem medizinischen Umfeld, haben jedoch oft nur ein begrenztes Verständnis für den klinischen Kontext. Dies umfasst die tägliche Praxis der Krankheitsdiagnose und -behandlung, die Komplexität der Patienten, insbesondere bei Multimorbidität, sowie deren Auswirkungen auf die Patientenversorgung. Darüber hinaus sind Grundlagenwissenschaftler häufig wenig vertraut mit klinischen Leitlinien, ethischen Fragestellungen im klinischen Management und den Anforderungen klinischer Studien. Diese Diskrepanz erschwert eine effektive interdisziplinäre und interprofessionelle Zusammenarbeit. Daher besteht in Deutschland ein erheblicher Bedarf an strukturierten Ausbildungsprogrammen, um Grundlagenwissenschaftler im medizinischen Forschungsbereich gezielt auf die klinischen Anforderungen vorzubereiten.
In unserem von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten kardiorenalen Forschungsverbund SFB/TRR219 (www.sfb-trr219.de), der sich auf kardiovaskuläre Erkrankungen bei Patienten mit chronischen Nierenerkrankungen konzentriert, haben wir Grundlagenwissenschaftler (Postdocs und naturwissenschaftliche Doktoranden) zu ihrem Interesse an und ihrem wahrgenommenen Nutzen einer zusätzlichen Ausbildung in den klinischen Aspekten kardiorenaler Erkrankungen befragt. An der Umfrage beteiligten sich 38 von 44 Forschern (Abb. 1a). Die Mehrheit der Befragten, nämlich 92,1 %, bekundete Interesse daran, ihr medizinisches Wissen zu erweitern (Abb. 1b). Zudem waren 89,5 % der Ansicht, dass dieses Wissen ihrer Karriere zugutekommen würde, während 10,5 % sich neutral äußerten (Abb. 1c). Darüber hinaus hielten 71,0 % grundlegende Einblicke in den klinischen Alltag für nützlich, während 21,1 % neutral, 2,6 % unsicher und 5,3 % nicht einverstanden waren (Abb. 1d).
Abb. 1
Anonyme Onlineumfrage unter Grundlagenwissenschaftlern über ihr Interesse an und den wahrgenommenen Nutzen einer zusätzlichen Ausbildung in den klinischen Aspekten von kardiorenalen Erkrankungen: a Teilnahmequote; b–d Ergebnisse zu 3 Aussagen, getrennt nach naturwissenschaftlichen Doktoranden (PhD) und Postdocs
Angesichts des hohen Bedarfs an strukturierten Ausbildungsprogrammen für Grundlagenwissenschaftler im medizinischen Bereich, und basierend auf den Ergebnissen unserer Umfrage, haben wir ein Pilotprogramm konzipiert, um unseren Grundlagenforschern durch eine medizinische Ausbildung einen Wettbewerbsvorteil zu verschaffen. Dieses Programm stützt sich auf 3 Säulen (Abb. 2):
Real Life – Clinical Shadowing,
Hands-on Clinical Experience,
Compact Medical Knowledge.
Abb. 2
Pilotprogramm, strukturiert in 3 Säulen (Real Life – Clinical Shadowing, Hands-on Clinical Experience und Compact Medical Knowledge)
Grundlagenwissenschaftler nahmen an klinischen Hospitationen in den Kliniken für Kardiologie und Nephrologie teil und erhielten so einen direkten Einblick in die medizinische Praxis und die Komplexität der Patientenvorstellung und -versorgung. Jeder Wissenschaftler verbrachte 1 Tag auf der Normalstation und 1 weiteren Tag in einem spezialisierten Bereich, wie beispielsweise Echokardiographie, Intensivstation oder Dialyse.
Hands-on Clinical Experience:
Im „Aachener interdisziplinären Trainingszentrum für medizinische Ausbildung“, das in die Medizinische Fakultät der RWTH Aachen integriert ist, hatten Grundlagenwissenschaftler die Möglichkeit, klinische Untersuchungstechniken wie Elektrokardiogramme und Sonographie sowie deren Interpretation in einem simulierten medizinischen „skills lab“ zu üben.
Compact Medical Knowledge:
Regelmäßige Seminare und Vorträge zu medizinischen Themen ergänzten die praktische klinische Ausbildung. Diese vermittelten grundlegende Kenntnisse der Nieren‑, Herz- und Gefäßphysiologie sowie der Pathophysiologie und der pharmakologischen und interventionellen Therapie von Herz-Kreislauf-Erkrankungen und chronischer Nierenerkrankungen. Ein Seminar zur klinischen Perspektive beleuchtete aktuelle Fragen und Bedürfnisse in der kardiorenalen Medizin. Weitere Seminare gaben Einblicke in die Grundlagen, die Ethik, das Design und die statistische Auswertung klinischer Studien. Fallstudiendiskussionen, die von Medizinstudierenden und Fachärzten gemeinsam geleitet wurden, konzentrierten sich auf die klinische Praxis der Krankheitsdiagnose und Behandlungsentscheidungen, insbesondere unter Berücksichtigung der Komplexität von Patienten mit multiplen Begleiterkrankungen. Schließlich ermöglichte ein Pathologiekurs den Forschern den Umgang mit menschlichen Organen, einschließlich Herzen und Arterien, und vertiefte ihr Verständnis des Prozesses der Bioprobenuntersuchung und der Krankheitsdiagnose durch Pathologen.
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Der Erfolg des Pilotprogramms, der sich in hohen Teilnahmezahlen und positivem Feedback widerspiegelt, motivierte uns, das Programm weiter zu vertiefen und zu optimieren. Unser Ziel ist es, den Mehrwert des Programms zu maximieren und gleichzeitig sicherzustellen, dass es für Grundlagenwissenschaftler neben ihren regulären Forschungsaufgaben gut handhabbar bleibt.
Die Integration einer strukturierten medizinischen Ausbildung für Grundlagenwissenschaftler, unterstützt durch die aktive Beteiligung von Klinikern in verschiedenen Ausbildungsstufen, ist ein wesentlicher Schritt zur Förderung einer effektiveren interdisziplinären Zusammenarbeit und zur Verbesserung der Gesamtqualität der medizinischen Forschung.
Diese Maßnahme wird nicht nur das Verständnis der klinischen Bedürfnisse, der Praxis und der Patientenversorgung unter Grundlagenforschern erweitern, sondern auch die Lücke zwischen Grundlagenforschung und klinischer Forschung schließen. Diese Initiative stellt einen bedeutenden Fortschritt in der Ausbildung von Grundlagenwissenschaftlern dar und hat das Potenzial, durch stärker integrierte Forschungsbemühungen zu verbesserten Ergebnissen im Gesundheitswesen beizutragen.
Einhaltung ethischer Richtlinien
Interessenkonflikt
H. Noels, N. Marx, J. Floege und C. Goettsch geben an, dass kein Interessenkonflikt besteht.
Für diesen Beitrag wurden von den Autor/-innen keine Studien an Menschen oder Tieren durchgeführt. Für die aufgeführten Studien gelten die jeweils dort angegebenen ethischen Richtlinien.
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