02.08.2022 | Netzhautablösung | Leitthema
Visusminderung und Silikonöltamponade
verfasst von:
Prof. Dr. Armin Wolf, Mario R. Romano, Christos Haritoglou
Erschienen in:
Die Ophthalmologie
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Ausgabe 8/2022
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Zusammenfassung
Silikonöl ist ein etabliertes und bis heute durch keine Alternative zu ersetzendes intraokular chirurgisches Hilfsmittel, das die Versorgung von komplexesten Ausgangssituationen ermöglicht. Verfügbare Daten weisen jedoch darauf hin, dass eine unklare Visusminderung während oder nach einer intraokularen Silikonöltamponade möglicherweise häufiger auftritt, als dies der klinische Alltag vermuten lässt. Unterschiedliche Pathomechanismen werden hierfür ursächlich diskutiert, tatsächlich sind die genauen Ursachen aber unklar. Neben atrophischen Veränderungen in der OCT(optische Kohärenztomographie)-Untersuchung finden sich ein deutlich reduzierter Visus sowie meist ein Zentralskotom bei sonst unauffälligen Befunden. Unklare Visusminderungen können auch nach einer Silikonölentfernung auftreten. Ob hier die gleichen Pathomechanismen ursächlich sind, ist unklar. Ferner gibt es keine reproduzierbaren Risikofaktoren, die eine unklare Visusminderung unter Silikonöl a priori wahrscheinlich erscheinen lassen, jedoch werden möglichst frühzeitige Ölentfernung und gute Einstellung des intraokularen Druckes von den Autoren empfohlen. Insgesamt sollte eine Silikonöltamponade auch unter Verwendung von modernen hoch-aufgereinigten Silikonölen sorgfältig abgewogen werden und damit weiterhin v. a. ungünstigen Ausgangssituationen oder komplizierten Verläufen mit Notwendigkeit einer Silikonöltamponade vorbehalten bleiben. Vor diesem Hintergrund scheint eine Studie zur systematischen Erfassung und Aufarbeitung der Fälle von unklarer Visusminderung nach Silikonöltamponade sinnvoll.