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29.06.2017 | Leitthema | Ausgabe 8/2017

Der Nervenarzt 8/2017

Netzwerke für motorische Kognition

Physiologie und Pathophysiologie der Apraxie

Zeitschrift:
Der Nervenarzt > Ausgabe 8/2017
Autoren:
Dr. M. Martin, J. Hermsdörfer, S. Bohlhalter, P. H. Weiss

Zusammenfassung

Unter dem Begriff Apraxie werden unterschiedliche Störungen höherer motorischer Fähigkeiten zusammengefasst, die nicht durch elementare sensomotorische Defizite (z. B. Paresen oder Ataxie) erklärt werden. Charakteristische, im klinischen Alltag gut zu erfassende Merkmale sind Schwierigkeiten bei pantomimisch dargestelltem oder tatsächlichem Werkzeuggebrauch sowie bei der Imitation bedeutungsloser Gesten. Apraxien sind bilaterale, deshalb kognitiv-motorische Störungen, die meist (jedoch nicht ausschließlich) nach linkshemisphärischen Läsionen auftreten; zudem gibt es Apraxien bei neurodegenerativen Erkrankungen (z. B. kortikobasales Syndrom, M. Alzheimer). Apraktische Defizite können zu gravierenden Einschränkungen bei den Aktivitäten des täglichen Lebens führen, weshalb die Diagnose von großer Bedeutung ist. Auf funktionell-anatomischer Ebene werden unterschiedliche kognitiv-motorische Fähigkeiten durch zumindest teilweise verschiedene Netzwerke ermöglicht. Hier werden ein ventraler Verarbeitungspfad für semantische Handlungskomponenten wie Zuordnungen zwischen Handlungen und Objekten, ein ventrodorsaler Pfad für sensomotorische Programme erlernter Bewegungen sowie ein dorsodorsales System für Bewegungskontrolle und wahrscheinlich auch Imitation bedeutungsloser Gesten unterschieden. Hierbei kommt es zu partiellen Überlappungen mit sprachrelevanten Regionen, während sich zwischen apraktischen und räumlichen Aufmerksamkeitsdefiziten deutlichere Dissoziationen finden. Bei der Therapie apraktischer Störungen rücken neben rein verhaltensbasierten Therapieansätzen zunehmend nichtinvasive neuromodulatorische Verfahren sowie auch computerbasierte Assistenzsysteme in den Fokus.

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