Skip to main content
main-content

Über dieses Buch

Dieses Buch vermittelt einen umfassenden Überblick über das aktuelle Wissen auf dem Gebiet der Neuropsychopharmakologie im Kindes- und Jugendalter. Im ersten Teil werden die Grundlagen der Neuro-Psychopharmakologie dargelegt, um ein tieferes Verständnis der Therapieprinzipien sowie der Besonderheiten der Neuro-Psychopharmakologie bei Kindern und Jugendlichen zu erhalten. Rechtliche und ethische Fragen im Praxisalltag werden eingehend erörtert. Im speziellen Teil werden die verschiedenen Arzneistoffgruppen ausführlich behandelt. Im dritten Teil wird die störungsspezifische und symptomorientierte Medikation praxisorientiert beschrieben und kritisch bewertet, so dass der Arzt über eine klare Handlungsanleitung verfügt. Die 3. Auflage wurde aktualisiert und auf dem neusten wissenschaftlichen Stand gebracht. Dieses Nachschlagewerk besticht durch die komprimierte und einheitliche Darstellung mit vielen zweifarbigen Tabellen, Schemata und Abbildungen. Es wendet sich an Kinder- und Jugendpsychiater und -psychotherapeuten, Pädiater, Allgemeinmediziner, Psychologen, Pflegekräfte und Lehrer.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Allgemeine Aspekte der Behandlung von Kindern und Jugendlichen mit Psychopharmaka

Frontmatter

1. Grundlagen der Neuro-/Psychopharmakologie

Zusammenfassung
In diesem Kapitel werden zunächst wichtige Grundbegriffe der Neuro-/Psychopharmakologie erklärt und allgemeine Fragen der Arzneimittelwirkungen besprochen. Weiterhin werden Prinzipien der Neurotransmission, wichtige Neurotransmittersysteme sowie molekulare Strukturen im Gehirn als Angriffspunkte von Neuro-/Psychopharmaka beschrieben, um Wirkungen von zentral aktiven Arzneimitteln im Gesamtzusammenhang zu begreifen.
Carsten Drepper, Manfred Gerlach

2. Entwicklungspsychopharmakologie

Zusammenfassung
Die Entwicklungspsychopharmakologie umfasst alle Fragestellungen der Anwendung von Neuro-/Psychopharmaka einschließlich der Arzneimittelsicherheit im Kindes und Jugendalter und der Rahmenbedingungen bei einer medikamentösen Behandlung. In diesem Kapitel werden die Einflüsse der alters- und geschlechtsabhängigen körperlichen und geistigen Reifung auf die Wirkung von Neuro-/Psychopharmaka besprochen und die Notwendigkeit sowie Grundlagen der Pharmakovigilanz in der Kinder- und Jugendpsychiatrie erläutert.
Karin Egberts, Manfred Gerlach, Regina Taurines, Claudia Mehler-Wex

3. Rechtliche und ethische Fragen im klinischen Alltag

Zusammenfassung
Psychopharmakotherapie ist ein fester Bestandteil kinder- und jugendpsychiatrischer Behandlung bei vielen Störungsbildern, mit inzwischen auch guter Evidenz bei vielen Indikationen. Sie ist jedoch in Deutschland immer eingebettet in ein therapeutisches Gesamtkonzept, das auch Psychotherapie und soziotherapeutische Maßnahmen vorsieht. Im Vergleich zum Erwachsenenalter fehlen für viele Substanzen immer noch Zulassungsstudien, sodass sie nicht im Sinne des Arzneimittelrechts zugelassen sind. Aufgrund gesetzlicher Bestimmungen in Europa wird hier in den nächsten Jahren eine Veränderung zu erwarten sein, da inzwischen vermehrt auch Studien an Minderjährigen gefordert sind. Generell, aber insbesondere im Rahmen des „Off-Label Use“ ist die sorgfältige Aufklärung von Eltern und Kindern/Jugendlichen ein wichtiger Bestandteil der Psychopharmakotherapie. Insbesondere bei Kindern und Jugendlichen ist bei der Wahl der Substanzen auf ein günstiges Nutzen-Risiko-Profil zu achten, was bedeutet, dass auch eine regelmäßige Kontrolle der Wirkung, wie möglicher altersspezifischer unerwünschter Arzneimittelwirkungen, durchgeführt werden sollte.
Michael Kölch

4. Anmerkungen zur Pharmakotherapie in der fachärztlichen ambulanten Versorgung

Zusammenfassung
Ohne Pharmakotherapie ist eine moderne patientenorientierte Kinder- und Jugendpsychiatrie nicht möglich. Erkenntnisse der allgemeinen Psychiatrie können nicht ungeprüft auf das Kindes- und Jugendalter übertragen werden. In der Alltagspraxis stellen sich Probleme durch die hoch selegierenden Zulassungsstudien, die fehlende Berücksichtigung des allgemeinen internationalen wissenschaftlichen Erkenntnisstandes in der Sozialgesetzgebung und dem Verhalten von Kostenträgern, die eine individuelle Therapie in vielen Fällen unmöglich macht. Die evidenzbasierte Medizin hat im Alltag nach wie vor nicht den Stellenwert, der zu wünschen wäre. Diese Schwierigkeiten, ebenso wie die Verzerrungen durch die „public opinion“, erschweren im Alltag die Durchführung einer patientenorientierten effektiven und effizienten Behandlung.
Götz-Erik Trott, Klaus-Ulrich Oehler

Spezielle Pharmakotherapie psychischer Erkrankungen

Frontmatter

5. Antidepressiva

Zusammenfassung
„Antidepressiva“ umfassen eine heterogene Klasse von Neuro-/Psychopharmaka, die ursprünglich vorwiegend bei Patienten mit depressiven Symptomen eingesetzt wurden, heute aber eine weit über die depressive Störung hinausgehende therapeutische Anwendung finden. In diesem Kapitel werden die Antidepressiva aufgrund ihrer primären Wirkung auf molekulare Zielstrukturen in Monoamin-Wiederaufnahmehemmer, Monoamin-Oxidase-Hemmer, α2-Adrenozeptor-Antagonisten und atypische Antidepressiva mit multiplen pharmakologischen Wirkungen eingeteilt. Eine unter klinisch-therapeutischen Gesichtspunkten relevante Klassifikation ist die Einteilung in Substanzen mit vorhandener bzw. nicht vorhandener sedativ-hypnotischer Wirkung. In diesem Kapitel werden die Wirkmechanismen der Antidepressiva, die in der Kinder- und Jugendpsychiatrie eingesetzt werden, besprochen und schwerpunktmäßig diejenigen pharmakologischen Aspekte von Antidepressiva dargestellt, die für klinisch tätige ärztliche Kollegen für den therapeutischen Einsatz dieser Substanzen relevant sind. Dabei wird u. a. auf Anwendungsgebiete, die klinische Wirksamkeit und Studienlage eingegangen. Es werden Dosierungsempfehlungen gegeben und mögliche unerwünschte Arzneimittelwirkungen und -wechselwirkungen behandelt. Das Kapitel schließt mit Empfehlungen zur Behandlungsdauer sowie zu notwendigen Kontrolluntersuchungen im Rahmen der Pharmakotherapie mit Antidepressiva.
Regina Taurines, Manfred Gerlach, Andreas Warnke

6. Antipsychotika

Zusammenfassung
Antipsychotika (früherer Begriff Neuroleptika; die WHO bezeichnet diese als Psycholeptika) sind Neuro-/Psychopharmaka, die vorrangig zur symptomatischen Behandlung von Erkrankungen aus dem schizophrenen Formenkreis eingesetzt werden sowie bei psychotischen Symptomen im Rahmen anderer Störungen (u. a. affektive oder organisch bedingte Störungen) und bei Manie. Antipsychotika werden zudem in der Kinder- und Jugendpsychiatrie angewandt in der Behandlung von manischen Syndromen als Stimmungsstabilisatoren, bei Tic-Störungen, Reizbarkeit, Agitiertheit und aggressiven Verhaltensweisen. Damit wird klar, dass der Begriff „Antipsychotikum“ nur einen Teilaspekt der klinisch pharmakologischen Wirkung beschreibt und man einige der hier aufgeführten Neuro-/Psychopharmaka auch in andere Substanzklassen einordnen könnte. In diesem Kapitel werden die Klassifikation und Wirkmechanismen der Antipsychotika, die in der Kinder- und Jugendpsychiatrie eingesetzt werden, besprochen und schwerpunktmäßig diejenigen pharmakologischen Aspekte von Antipsychotika dargestellt, die für klinisch tätige ärztliche Kollegen für den therapeutischen Einsatz dieser Substanzen relevant sind. Dabei wird u. a. auf Anwendungsgebiete, die klinische Wirksamkeit und Studienlage eingegangen. Es werden Dosierungsempfehlungen gegeben und mögliche unerwünschte Arzneimittelwirkungen und -wechselwirkungen behandelt. Das Kapitel schließt mit Empfehlungen zur Behandlungsdauer sowie zu notwendigen Kontrolluntersuchungen im Rahmen der Pharmakotherapie mit Antipsychotika.
Claudia Mehler-Wex, Manfred Gerlach, Benno Schimmelmann

7. Anxiolytika und Sedativa/Hypnotika

Zusammenfassung
Unter der Wirkstoffklasse Anxiolytika und Sedativa/Hypnotika wird eine sehr heterogene Gruppe von Neuro-/Psychopharmaka zusammengefasst. Trotz unterschiedlicher Wirkmechanismen haben sie ein gemeinsames klinisches Wirkungsspektrum und werden zur symptomatischen Behandlung von Angsterkrankungen und Schlafstörungen eingesetzt. Diese Stoffklasse ist aufgrund des dosisabhängigen kontinuierlichen Wirkungsspektrums von Anxiolyse über Sedierung und Schlaf bis Narkose nicht klar voneinander abgrenzbar. In diesem Kapitel wird der Wissensstand der in der Kinder- und Jugendpsychiatrie verwendeten Anxiolytika und Sedativa/Hypnotika hinsichtlich Wirkmechanismen, zugelassenen Indikationen, Studienlage zur Wirksamkeit und Sicherheit, Dosierungen, unerwünschten Arzneimittelwirkungen, Pharmakawechselwirkungen, Kontraindikationen und besonderen Vorsichtsmaßnahmen zusammengefasst. Mithilfe dieses Wissens sollen klinisch tätige Ärzte diese Neuro-/Psychopharmaka individuell, wirksam und sicher anwenden können.
Su-Yin Dang, Manfred Gerlach, Tobias Renner, Andreas Warnke

8. Psychostimulanzien und andere Arzneistoffe, die zur Behandlung der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) angewendet werden

Zusammenfassung
Als Psychostimulanzien oder Stimulanzien wird die Gruppe von Neuro-/Psychopharmaka bezeichnet, die vorwiegend eine erregende Wirkung auf das zentrale Nervensystem und die Psyche ausüben. Das Hauptanwendungsgebiet der Psychostimulanzien Amphetamin und Methylphenidat ist die Therapie der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS), eine der häufigsten Erkrankungen in der Kinder- und Jugendpsychiatrie. Neben diesen Psychostimulanzien werden Nicht-Psychostimulanzien wie Atomoxetin, Clonidin und Guanfacin zur Behandlung der ADHS verwendet. In diesem Kapitel wird ein kurzer Überblick zu den Erklärungsmodellen der Wirkmechanismen von Psychostimulanzien und anderen Substanzen gegeben. Weiter werden wichtige Aspekte der klinischen Psychopharmakologie wie Indikationen, klinische Wirksamkeit und Studienlage, Dosierungen, Pharmaka-Wechselwirkungen, Anwendungseinschränkungen, Dauer der Behandlung und Kontrolluntersuchungen als Orientierungshilfe für die klinische Anwendung besprochen.
Susanne Walitza, Manfred Gerlach, Marcel Romanos, Tobias Renner

9. Stimmungsstabilisatoren

Zusammenfassung
Stimmungsstabilisatoren sind Mittel der Wahl bei der Behandlung von bipolaren Störungen, einer Unterkategorie von affektiven Störungen. Diese beseitigen oder dämpfen die starken Stimmungsschwankungen, die mit den Krankheitsepisoden verbunden sind, sowie die Affektlabilität während und zwischen den Episoden. Ein idealer Stimmungsstabilisator wirkt sowohl in manischen, gemischten als auch depressiven Phasen und verhindert deren Wiederauftreten. Stimmungsstabilisatoren sind eine heterogene chemische und pharmakologische Wirkstoffklasse. Dazu gehören Lithiumsalze und Valproinsäure als klassische Vertreter sowie Antiepileptika mit stimmungsstabilisierenden Wirkungen (wie Carbamazepin, Gabapentin, Lamotrigin, Oxcarbazepin und Topiramat) und Antipsychotika der zweiten Generation (wie Aripiprazol, Olanzapin, Risperidon, Quetiapin und Ziprasidon). In diesem Kapitel wird zunächst ein kurzer Überblick zu den Erklärungsmodellen der Wirkmechanismen von Stimmungsstabilisatoren gegeben. Es werden dann wichtige Aspekte der klinischen Psychopharmakologie wie Indikationen, klinische Wirksamkeit und Studienlage, Dosierungen, Arzneimittelwechselwirkungen, Anwendungseinschränkungen, Dauer der Behandlung und Kontrolluntersuchungen als Orientierungshilfe für die klinische Anwendung besprochen.
Laura Albantakis, Manfred Gerlach, Andreas Warnke

Symptomatische und symptomorientierte medikamentöse Therapie

Frontmatter

10. Aggressives und autoaggressives Verhalten, Impulskontrollstörung, Störung des Sozialverhaltens

Zusammenfassung
Aggressivität kann Begleitsymptom unterschiedlicher psychischer Erkrankungen sein. Oft gelingt durch eine störungsspezifische Wahl der Psychopharmaka-Therapie auch eine Verbesserung hinsichtlich dieses Symptoms, z. B. bei Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung mit Hilfe von Psychostimulanzien, bei bipolaren Störungen mit Hilfe von Stimmungsstabilisatoren, bei Schizophrenie mit Hilfe von Antipsychotika. Rein symptomatisch kann impulsiv-aggressives Verhalten, das nicht ausreichend auf psychotherapeutische Maßnahmen respondiert oder isoliert auftritt, vor allem durch Medikation mit Antipsychotika der zweiten Generation, niedrig- bis mittelpotenten Antipsychotika der ersten Generation, Lithiumsalzen oder stimmungsstabilisierenden Antiepileptika vermindert werden, mitunter auch, besonders im Rahmen affektiver Erkrankungen, durch Antidepressiva. Die Behandlungsdauer ist meist langfristig, weshalb die Medikation wegen der Kontrolle von symptomspezifischer Wirkung und unerwünschten Arzneimittelwirkungen eine verlässliche Compliance voraussetzt.
Claudia Mehler-Wex, Andreas Warnke, Marcel Romanos

11. Angststörungen und Phobien

Zusammenfassung
Unter Angststörungen und Phobien wird ein breites Spektrum von Erkrankungen verstanden, bei dem eine übermäßige Angst und Vermeidungsverhalten eine bedeutsame Rolle spielt. Die Intensität der therapeutischen Behandlung richtet sich vor allem nach dem Grad der psychosozialen Beeinträchtigung. Eine Pharmakotherapie ist dann indiziert, wenn Beratung und psychotherapeutische Verfahren allein nicht ausreichend wirksam sind oder auch wenn aufgrund der großen Angst die psychotherapeutische Behandlung, z. B. eine Exposition, nicht durchführbar ist. Auch kann die mangelnde Verfügbarkeit von Psychotherapie einen medikamentösen Behandlungsbeginn erfordern. Eine Pharmakotherapie soll immer im Rahmen einer multimodalen Behandlung eingesetzt werden. Selektive Serotonin-Wiederaufnahmerhemmer (SSRIs) sind im Kindes- und Jugendalter die erste Wahl. Im Gegensatz zum Erwachsenenalter ist die Evidenz für andere Wirkstoffgruppen deutlich geringer. Benzodiazepine sind nur dann indiziert, wenn eine sofortige Angstreduktion erforderlich ist. Wegen des Risikos einer Abhängigkeit ist ihre Verschreibung nur für die Kurzzeittherapie geeignet. Eine Unterscheidung der verschiedenen Angststörungen und Phobien ist klinisch sinnvoll. In Bezug auf die medikamentöse Therapie ergeben sich aber keine wesentlichen Unterschiede, da die Evidenz zu therapeutischer Wirksamkeit für alle Angststörungen und Phobien am besten für SSRIs nachgewiesen werden konnte und für die anderen Wirkstoffgruppen eine vergleichbare Evidenz dazu fehlt.
Susanne Walitza, Siebke Melfsen, Andreas Warnke

12. Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung

Zusammenfassung
In der spezifischen Behandlung der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) findet die medikamentöse Therapie häufige Anwendung. Dabei stehen in erster Linie die Psychostimulanzien Methylphenidat und Amphetamin sowie Atomoxetin als Nicht-Psychostimulanz zur Verfügung. Langwirksame Formulierungen von Methylphenidat bieten häufig Vorteile in Wirkung und Compliance. In der Wahl des geeigneten Medikamentes sind, eingebettet in ein multimodales Behandlungskonzept, individuelle Gegebenheiten wie Komorbiditäten zu berücksichtigen. Unter der Behandlung sind regelmäßige Kontrollen z. B. der Gewichtsentwicklung zur Erfassung eventueller unerwünschter Arzneimittelwirkungen durchzuführen. Das folgende Kapitel gibt neben der Störungsdefinition einen Überblick über diagnostische Voraussetzungen, die individuelle Indikationsstellung und Anwendung der Psychopharmakotherapie der ADHS.
Susanne Walitza, Tobias Renner, Marcel Romanos

13. Autismus-Spektrum-Störungen

Zusammenfassung
Psychopharmakologische Ansätze bei Autismus-Spektrum-Störungen sind aktuell vor allem darauf gerichtet, bestimmte, teilweise auch nur komorbide, auftretende Verhaltensweisen oder zusätzliche psychische Störungen zu verbessern. Es gibt einzelne Versuche, die zentrale autistische Symptomatik im Bereich der sozialen Interaktion, Kommunikation, Sprache und auch vor allem im Bereich des stereotypen Verhaltens zu verbessern. Dies ist aktuell erfolgreich nur bezüglich des stereotypen Verhaltens gelungen. In dem folgenden Kapitel sind deshalb differenziell Psychopharmaka aufgeführt, die bestimmte Zielsymptome bei Autismus-Spektrum-Störungen verbessern. Dabei wurde überwiegend auf Psychopharmaka rekurriert, die einen Evidenzgrad von II und besser aufweisen.
Christine Freitag, Tomasz Jarczok

14. Depressive Störungen

Zusammenfassung
Die Zielsymptome einer Pharmakotherapie der kindlichen und jugendlichen Depression umfassen die niedergeschlagene Stimmung bzw. Gereiztheit, psychomotorische Hemmung, Grübelgedanken, somatische Beschwerden und mögliche wahnhafte depressive Symptome. Neben Störungen von Appetit, Schlaf-Wach-Rhythmus und bei älteren Jugendlichen Beeinträchtigungen der Libido sind suizidale Gedanken und Handlungen wichtige Zielsymptome einer antidepressiven Medikation. Aufgrund der nachgewiesenen therapeutischen Wirksamkeit und Verträglichkeit stellen selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRIs) Antidepressiva der ersten und zweiten Wahl für die Behandlung depressiver Störungen im Kindes- und Jugendalter dar. Fluoxetin ist das Antidepressivum der ersten Wahl, Citalopram, Escitalopram und Sertralin sind SSRIs zweiter Wahl. Bei gleichzeitig vorhandenen, akut behandlungsbedürftigen Angstsymptomen oder emotionaler Gespanntheit kann eine Kombinationsbehandlung mit Benzodiazepinen, bei ausgeprägten Schlafstörungen oder Agitation die gleichzeitige Gabe von niederpotenten Antipsychotika notwendig werden. Im folgenden Kapitel werden Rahmenbedingungen einer antidepressiven Pharmakotherapie und Behandlungsstrategien vorgestellt sowie klinisch relevante Informationen zum Einsatz der Substanzen erster und zweiter Wahl sowie anderer Antidepressiva gegeben. Das Kapitel schließt mit möglichen Maßnahmen bei Non-Response und Empfehlungen zu Therapiedauer und Phasenprophylaxe.
Regina Taurines, Christoph Wewetzer

15. Elektiver (selektiver) Mutismus

Zusammenfassung
Der elektive (selektive) Mutismus ist durch eine emotional bedingte Selektivität des Sprechens definiert, die nahezu regelhaft mit einer komorbiden Störung mit sozialer Ängstlichkeit des Kindesalters bzw. Sozialphobie einhergeht. Die Erkrankung wird seit 2013 im DSM-5 den Angststörungen zugeordnet. Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRIs) sind Mittel der ersten Wahl bei Patienten, die auf eine multimodale psychotherapeutische Intervention unzureichend angesprochen haben.
Karin Egberts, Angelika Gensthaler

16. Enkopresis

Zusammenfassung
Enkopresis (oder Stuhlinkontinenz) ist durch das Absetzen von Stuhl an nicht dafür vorgesehenen Stellen ab dem Alter von 4 Jahren nach Ausschluss von organischen Ursachen definiert. Die beiden wichtigsten Formen sind die Enkopresis mit und ohne Obstipation. Für beide Formen sind verhaltenstherapeutische Maßnahmen, vor allem ein Toilettentraining, als Basistherapie wirksam. Bei der Enkopresis mit Obstipation sind zusätzlich Laxanzien notwendig: zur initialen Entleerung von retinierten Stuhlmassen (Desimpaktion), wie auch zur langfristigen Vermeidung einer Reakkumulation von Stuhl (Erhaltungstherapie). Mittel der ersten Wahl dabei ist Polyethylenglykol (PEG). Bei der Enkopresis ohne Obstipation sind Laxanzien nicht indiziert und können zu einer Verschlechterung der Symptomatik führen. Weitere Indikationen für eine Pharmakotherapie können sich aus der hohen Rate von komorbiden psychischen Störungen ergeben, die 30–50 % der Kinder mit Enkopresis betreffen.
Alexander von Gontard

17. Enuresis und funktionelle Harninkontinenz

Zusammenfassung
Enuresis nocturna wird als Einnässen im Schlaf, funktionelle Harninkontinenz als Einnässen tags ab einem Alter von 5 Jahren nach Ausschluss organischer Ursachen definiert. Viele verschiedene Subtypen können differenziert werden. Eine genaue Diagnostik ist für eine spezifische, wirksame Therapie entscheidend. Für alle Formen der Enuresis nocturna und der funktionellen Harninkontinenz sind symptomorientierte, nichtpharmakologische Interventionen wegen der besseren Wirksamkeit zu bevorzugen. Eine Indikation zur Pharmakotherapie ergibt sich nur bei der Enuresis nocturna (vor allem mit Desmopressin), bei der Dranginkontinenz (Anticholinergika) und in den seltenen Fällen der Lachinkontinenz (Psychostimulanzien). Komorbide psychische Störungen, die 20–40 % der Kinder mit Enuresis und/oder Harninkontinenz betreffen, sind zu beachten.
Alexander von Gontard

18. Essstörungen

Zusammenfassung
Das vorliegende Kapitel zeigt den derzeitigen Kenntnisstand der medikamentösen Therapie bei den Essstörungen Anorexia nervosa (AN) und Bulimia nervosa (BN) auf. Nach einer kurzen Darstellung und Definition der beiden Essstörungen wird für die AN die Indikation für Antipsychotika und Antidepressiva, für die BN die Indikation für Antidepressiva diskutiert. Zu diesem Zweck werden die Ergebnisse rezenter Metaanalysen zu Wirksamkeit und unerwünschten Arzneimittelwirkungen einer medikamentösen Therapie bei der AN beschrieben und ihre Konsequenzen für die klinische Praxis erörtert. Für die BN konnte eine Wirksamkeit von Serotonin-Wiederaufnahmehemmern (SSRIs) auf die Symptomatik in mehreren randomisiert-kontrollierten Studien nachgewiesen werden, wobei eine höhere Dosierung als bei der Behandlung von depressiven Störungen verordnet werden muss. Neben der medikamentösen Behandlung werden für die AN die Prinzipien des Nahrungsaufbaus sowie die damit verbundenen möglichen Komplikationen (Refeeding-Syndrom) aufgezeigt. Des Weiteren werden Maßnahmen zur Osteoporose-Prophylaxe bei der AN diskutiert, wobei der Einsatz von oralen Kontrazeptiva kontraindiziert ist, weil sie die Knochendichte möglicherweise eher verschlechtern.
Beate Herpertz-Dahlmann, Christoph Wewetzer

19. Manische Episode und bipolare affektive Störung

Zusammenfassung
Die bipolare Störung ist charakterisiert durch den Wechsel zwischen den Polen Manie und Depression bzw. zwischen manischen und depressiven Episoden oder Zyklen. Bei der Behandlung einer akuten manischen Episode spielt die Pharmakotherapie eine zentrale Rolle; sie dient der Stabilisierung der Stimmung, des Antriebs, der Schlafregulierung und soll dem Auftreten weiterer Phasen vorbeugen (Phasenprophylaxe). Zum Einsatz kommen Antipsychotika der zweiten Generation und stimmungsstabilisierende Antiepileptika. Für die Behandlung der akuten Manie kann Aripiprazol aufgrund seines Nutzen-Risiko-Profils als Medikation der ersten Wahl gelten; Olanzapin, Quetiapin und Risperidon sind gleichrangig als Wirkstoffe der zweiten Wahl anzusehen. Bereits ab der zweiten Episode soll zur Rückfallprävention phasenprophylaktisch behandelt werden. Dazu kommt Aripiprazol als Mittel der ersten Wahl zum Einsatz; Lithiumsalze sind Mittel der zweiten Wahl, gefolgt von Lamotrigin und Valproinsäure. Bei nicht ausreichendem Ansprechen auf eine Monotherapie kann die Behandlung mit mehreren Wirkstoffen notwendig werden.
Martin Holtmann, Christoph Wewetzer

20. Notfalltherapie in der Kinder- und Jugendpsychiatrie

Zusammenfassung
Die Notfallversorgung von Kindern und Jugendlichen in akuten Krisenzuständen ist eine zunehmende Herausforderung in der kinder- und jugendpsychiatrischen Versorgung. Dabei ist die Sicherung und Stabilisierung des Patienten störungsübergreifende primäre Behandlungsaufgabe. Neben besonderen Anforderungen an die Behandlungsumgebung und den therapeutischen Zugang ist die Psychopharmakotherapie häufig ein wichtiges Element in der Notfallbehandlung. Dabei richtet sich die Akutmedikation an dem akuten Symptombild aus. Klinische Bilder in Krisen sind akute Erregungszustände, akute Suizidalität, Wahnwahrnehmungen und Halluzinationen sowie Bewusstseinsstörungen. Die pharmakologische Notfallversorgung ist häufig Voraussetzung für eine differenzialdiagnostische Klärung und der daraus folgenden Einleitung einer störungsspezifischen Therapie im weiteren Verlauf. Im Folgenden wird ein Überblick über bestehende Studien und die klinische Praxis gegeben sowie auf die besonderen therapeutischen Bedingungen und geeignete Behandlungsbedingungen eingegangen.
Tobias Renner, Andreas Warnke, Marcel Romanos

21. Persönlichkeitsstörungen

Zusammenfassung
Es gibt keine Studien zur Pharmakotherapie von Jugendlichen mit Persönlichkeitsstörungen. Deshalb muss die Evidenz für die Behandlung von Jugendlichen aus Ergebnissen der Studien bei Erwachsenen auf das Jugendalter extrapoliert und aus klinischen Erfahrungen abgeleitet werden. Auch im Erwachsenenalter gibt es keine für die Behandlung von Persönlichkeitsstörungen zugelassenen Substanzen, sodass eine Pharmakotherapie bei diesem Störungsbild immer eine Off-Label-Verschreibung darstellt. Zur Behandlung der Kernsymptome sind spezifische Psychotherapieverfahren das Mittel der Wahl. Zur Behandlung von einzelnen Symptomen oder Komorbiditäten können Neuro-/Psychopharmaka sinnvoll als Komplementärtherapie eingesetzt werden. Die größte empirische Evidenz (bezogen auf das Erwachsenenalter) findet sich für Antipsychotika der zweiten und dritten Generation sowie für selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer und Stimmungsstabilisatoren. Interessante Behandlungsansätze könnten sich zukünftig mit Omega-3-Fettsäuren oder Oxytocin ergeben. Es ist dringend erforderlich, dass in Zukunft auch im Jugendalter systematische Studien zur Wirksamkeit und zu den unerwünschten Arzneimittelwirkungen von psychotropen Substanzen durchgeführt werden.
Klaus Schmeck, Marcel Romanos

22. Psychische Störungen bei Kindern und Jugendlichen mit Intelligenzminderung

Zusammenfassung
Kinder und Jugendliche mit Intelligenzminderung weisen eine erhöhte Vulnerabilität auf, sowohl psychisch als auch somatisch zu erkranken. Diese koinzidenten Störungen und Erkrankungen sind entsprechend der aktuellen Richtlinien für diese Störungen und Erkrankungen zu behandeln, wobei eine pharmakologische Therapie in ein Gesamtkonzept einzubetten ist und oft erst nach Ausschöpfung aller anderen Therapieoptionen erfolgen sollte. Darüber hinaus weisen Kinder und Jugendliche mit Intelligenzminderung häufiger als normal intelligente Gleichaltrige problematische Verhaltensweisen (herausforderndes Verhalten) auf. Insbesondere impulsiv aggressives Verhalten mit Eigen- und Fremdgefährdung als auch repetitives Verhalten, welches zu einer Einschränkung der gesellschaftlichen Teilhabe führt, bedarf im Kanon mit nichtmedikamentösen Behandlungsstrategien der Pharmakotherapie. Diese richtet sich auch nach der aktuellen Leitlinie „Intelligenzminderung“ der AWMF. Besonders empfehlenswert sind bei günstigem Nutzen-Risiko-Verhältnis in dieser Indikation nur Risperidon und Aripiprazol sowie aufgrund einer jüngst publizierten randomisierten Studie Zuclopenthixol. Generell gilt in der Pharmakotherapie von intelligenzgeminderten Kindern und Jugendlichen der Grundsatz „start low, go slow“. Eine Monotherapie sollte immer Vorrang vor einer Kombinationstherapie haben.
Frank Häßler, Andreas Warnke

23. Schizophrenie

Zusammenfassung
Für die Behandlung einer schizophrenen Psychose ist eine Kombination aus antipsychotischer Pharmakotherapie und psychosozialen Interventionen indiziert. Wenn möglich, sollte das am wenigsten invasive Behandlungssetting gewählt werden. Psychosoziale Interventionen schließen kognitiv-behaviorale Therapie, Familientherapie, kognitive Remediation, Psychoedukation und rehabilitative Angebote ein und sollten bedürfnisorientiert integriert werden. Für die Wahl des ersten Antipsychotikums wird ein „primum non nocere“ („zuerst einmal nicht schaden“) empfohlen. Die Dosis sollte niedrig beginnen und langsam gesteigert werden. Die Zieldosis sollte hoch genug sein, um antipsychotische Wirksamkeit zu entfalten. Unerwünschte Arzneimittelwirkungen sollten vor Behandlungsbeginn erklärt und während der Behandlung sorgfältig beobachtet werden. Dabei sind objektive und subjektive Beeinträchtigungsgrade von hoher Bedeutung, um die Bereitschaft für die Behandlung aufrechtzuerhalten. Aufgrund der starken Gewichtszunahme werden Olanzapin und aufgrund des Agranulozytose-Risikos Clozapin nicht als Medikamente der ersten Wahl empfohlen. Clozapin ist das Medikament der ersten Wahl bei Therapieresistenz (nach mindestens zwei erfolglosen Behandlungsversuchen mit einem anderen Antipsychotikum). Bei der Umstellung von einem auf ein anderes Antipsychotikum müssen Rezeptorbindungsprofile beachtet werden. Risikosymptome für die Entwicklung einer Psychose sollten primär psychotherapeutisch und nur bei Persistenz und erheblicher Beeinträchtigung antipsychotisch behandelt werden. Antipsychotika dürfen nicht zur Prävention einer Psychose eingesetzt werden.
Benno Schimmelmann, Claudia Mehler-Wex, Christoph Wewetzer

24. Schlafstörungen

Zusammenfassung
Dieses Kapitel widmet sich vornehmlich den sogenannten „nichtorganischen Schlafstörungen“ (ICD-10 F51). Allgemein sind Schlafstörungen durch Ein- und Durchschlafstörungen gekennzeichnet. Dauer, Qualität und Zeitpunkt des Schlafs sind gestört und führen zu Leidensdruck (Insomnien, Dyssomnien). Hinzu kommen abnorme Erlebnisse und Verhaltensweisen, die während des Schlafes auftreten und entweder vom Individuum selbst oder von Bezugspersonen als störend wahrgenommen werden (Parasomnien). Die schlafspezifische Diagnostik hat allgemeine, altersabhängige Richtwerte eines gesunden Schlafverhaltens zu berücksichtigen. Differenzialdiagnostisch sind nichtpsychiatrische Erkrankungen auszuschließen. Das Augenmerk liegt auf psychiatrischen Störungen, deren Symptomspektrum Schlafstörung als Symptom beinhalten kann. Die Therapie von nichtorganischen Schlafstörungen gründet auf einer ausführlichen Beratung zur Schlafhygiene und im Bedarfsfall auf verhaltenstherapeutischen Interventionen. Die medikamentöse Behandlung ist in der Regel nicht angezeigt. Indikationen für eine Pharmakotherapie sind bei ursächlichen psychiatrischen Erkrankungen, im Einzelfall bei Insomnien, Hypersomnien, Pavor nocturnus und Schlafwandeln gegeben. Bislang sind in Deutschland nur wenige Medikamente zur Therapie von nichtorganischen Schlafstörungen für das Kindes- und Jugendalter zugelassen. Hierzu gehören bestimmte Antihistaminika, Antipsychotika, Benzodiazepine und Phytopharmaka. Die Wahl des für die Therapie geeigneten Pharmakons ist abhängig von der spezifischen Schlafstörung, organischen oder psychiatrischen Komorbiditäten sowie vom Entwicklungsalter des Patienten.
Laura Albantakis, Christoph Wewetzer, Andreas Warnke

25. Substanzbezogene Störungen

Zusammenfassung
Der Abusus legaler wie illegaler Substanzen beschränkt sich in der Kinder- und Jugendpsychiatrie mittlerweile nicht mehr auf das Jugendalter und die Adoleszenz, sondern macht immer häufiger auch Kinder unter 14 Jahren zu Patienten der kinder- und jugendpsychiatrischen suchtmedizinischen Behandlung. Die Palette der missbräuchlich verwendeten Substanzen enthält neben „Klassikern“ wie z. B. Tabak, Alkohol, Cannabis und Amphetaminen eine ständig wachsende Anzahl neu entwickelter Substanzen wie synthetische Cannabinoide oder die sogenannten „Legal Highs“. Neueste Erkenntnisse zur Plastizität und Vulnerabilität des sich entwickelnden Gehirns für missbrauchte Substanzen bis weit in die 3. Lebensdekade hinein machen eine zügige, wirksame und nachhaltige Behandlung von Suchterkrankungen bei Kindern, Jugendlichen und Adoleszenten noch bedeutsamer als bisher. Medikamene sind ein wichtiger Bestandteil einer solchen multimodal anzulegenden Behandlung. Therapieziele sind dabei die suffiziente Behandlung einer Intoxikation, die Reduktion von Suchtdruck und Entzugserscheinungen im Rahmen eines qualifizierten Entzugs, die Substitutionsbehandlung wie auch die Rückfallprophylaxe. Im nachfolgenden Kapitel werden Bewährtes und Aktuelles aus Forschung und Klinik in klaren pharmakotherapeutischen Behandlungsvorschlägen für die unterschiedlichen Substanzen und die jeweiligen therapeutischen Zielsetzungen zusammengefasst.
Armin Claus, Manfred Gerlach, Rudolf Stohler, Gerhard Wiesbeck

26. Tic-Störungen

Zusammenfassung
Bis heute fehlen direkte Vergleiche zwischen pharmakologischer und nichtpharmakologischer Behandlung von Tic-Störungen inklusive Tourette-Syndrom. Eine pharmakologische Behandlung soll dann gewählt werden, wenn subjektive bzw. objektive Belastungen durch die Tics längerfristig ein von den Betroffenen nicht mehr akzeptables Maß an Beeinträchtigung erreichen. Dies können körperliche Schmerzen, Ausgrenzung mit psychosozialem Rückzug, schulische Schwierigkeiten usw. sein. Eine Medikation hat nach heutigem Wissensstand nur eine lindernde, d. h. die Tics reduzierende, aber keine heilende Wirkung. Ziel ist daher eine Reduktion der Tics auf ein erträgliches Maß, kein vollständiges Sistieren. Im folgenden Kapitel sind vor allem die Dopamin-Antagonisten mit guter Wirksamkeit auf Tics aufgeführt. Es werden aber auch Hinweise hinsichtlich der Berücksichtigung von komorbiden Störungen bei der Behandlungsplanung gegeben.
Veit Roessner, Aribert Rothenberger

27. Zwangsstörungen

Zusammenfassung
Die Zwangsstörungen zählen mit einer Prävalenz von 1–2 % zu den häufigsten Störungen im Kindes- und Jugendalter. Die Therapie der kindlichen Zwangsstörung orientiert sich am Schweregrad der Zwangsstörung und an dem Vorhandensein komorbider Störungen. Eine evidenzbasierte Therapie bei Kindern und Jugendlichen beinhaltet Elemente der Psychoedukation, der kognitiv-verhaltenstherapeutischen Psychotherapie (KVT) und einer pharmakologischen Behandlung. Die Kombination von KVT und einer Medikation ist hierbei besonders wirksam. Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRIs) zeigen sich in verschiedenen Metaanalysen, die randomisierte und placebokontrollierte Studien an Kindern und Jugendlichen beinhalten, als hoch effektiv und sind Medikamente der ersten Wahl. Medikament der zweiten Wahl ist das trizyklische Antidepressivum Clomipramin. Zugelassen in Deutschland für die Behandlung bei Kindern und Jugendlichen mit Zwängen sind Sertralin und Fluvoxamin.
Christoph Wewetzer, Susanne Walitza

Backmatter

In b.Flat Kinder- & Jugendpsychiatrie/psychotherapie enthaltene Bücher

In b.Flat Klinik Psychiatrie & Psychotherapie enthaltene Bücher

In b.Flat SpringerMedizin.de Gesamt enthaltene Bücher

Weitere Informationen


 

Neu im Fachgebiet Psychiatrie

Meistgelesene Bücher aus dem Fachgebiet

2017 | Buch

Pocket Guide Psychopharmaka von A bis Z

Im Pocket Guide finden Sie von A bis Z schnell und übersichtlich die "Erste-Hilfe"-Information rund um alle Psychopharmaka, die Sie auf Station und im Praxisalltag brauchen. Das Pocket-Buch passt bestens in die Kitteltasche. Auf eine ausführliche Darstellung der Störungen wurde bewusst verzichtet.

Autoren:
Prof. Dr. med. Otto Benkert, Prof. Dr. med. I.-G. Anghelescu, Prof. Dr. med. G. Gründer, Prof. Dr. med. P. Heiser, Prof. Dr. rer. Nat. C. Hiemke, Prof. Dr. med. H. Himmerich, Prof. Dr. med. F. Kiefer, Prof. Dr. med. C. Lange-Asschenfeldt, Prof. Dr. med., Dr. rer. nat., Dipl.-Psych. M.J. Müller, Dr. med., Dipl.-Kfm. M. Paulzen, Dr. med. F. Regen, Prof. Dr. med. A. Steiger, Prof. Dr. med. F. Weber

2016 | Buch

Klinikmanual Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie

Dieses Kitteltaschenbuch enthält übersichtlich und systematisch alle notwendigen Informationen zum schnellen Nachschlagen auf Station, in der Ambulanz oder im Konsildienst: Klare Handlungsanweisungen, Therapieempfehlungen und die notwendigen rechtlichen Hintergründe.

Herausgeber:
Prof. Dr. Dr. Frank Schneider

Mail Icon II Newsletter

Bestellen Sie unseren kostenlosen Newsletter Update Psychiatrie und bleiben Sie gut informiert – ganz bequem per eMail.

Bildnachweise