MEK-Inhibitor für Kinder mit inoperablen plexiformen Neurofibromen
- 08.02.2023
- Neurofibromatose Typ 1
- Pharmaforum
- Verfasst von
- Dr. Günter Springer
- Erschienen in
- NeuroTransmitter | Ausgabe 1-2/2023
Auszug
Die Neurofibromatose Typ 1 (NF1) ist eine seltene, autosomal-dominante Erkrankung, die alle Organsysteme erfassen kann und häufig Tumoren hervorruft - wie die meist inoperablen und oft mit schweren Komplikationen assoziierten plexiformen Neurofibrome (PN). PN manifestieren sich bei bis zu 50 % der von NF1 Betroffenen. Dabei handelt es sich um primär gutartige, von den Nervenscheiden und -faszikeln ausgehende Tumoren, die hauptsächlich im Kindesalter rasch wachsen. PN können Schmerzen, motorische Defizite und Entstellung hervorrufen oder maligne entarten. Die Tumorresektion sei bislang die einzige, aber selten eine gute Therapieoption gewesen, sagte Dr. Pia Vaassen, Klinik für Kinder- und Jugendmedizin, Sana-Kliniken Duisburg, weil PN in der Regel keiner vollständigen Resektion zugänglich seien und ein Risiko von Gefäß-, Nerven- und Gewebeschäden bestehe. Mit dem MEK-Inhibitor Selumetinib (Koselugo®) haben Kinder ab drei Jahren und Jugendliche mit NF1 und symptomatischen PN, die sich operativ nicht vollständig entfernen lassen, erstmals eine weitere Therapieoption. In der zulassungsrelevanten Phase-II-Studie SPRINT wurden 50 Kinder und Jugendliche im Alter von 3,5-17,4 (median 10,2) Jahren mit inoperablen PN und mindestens einer PN-assoziierten Komplikation (z. B. Entstellung, Schmerzen, motorische Dysfunktion, Sehbehinderung) kontinuierlich mit Selumetinib (2 × 25 mg/m² Körperoberfläche p. o. in 28-Tage-Zyklen) behandelt [Gross AM et al. N Engl J Med. 2020;382(15):1430-42]. 66 % der Behandelten erreichten ein objektives Tumoransprechen, also eine Reduktion des Tumorvolumens der Ziel-PN um mindestens 20 % (median -27,9 % [Bereich: -55,1 bis 2,2]). Die Kinder und Jugendlichen beziehungsweise deren Eltern berichteten von einer Besserung der durch Schmerz beeinträchtigen Alltagsfunktionen (38 % bzw. 50 %) und der Lebensqualität (48 % bzw. 58 %), die Erkrankten außerdem von einer Zunahme der Stärke (56 %) und einer Verbesserung der Beweglichkeit (38 %). Die Nebenwirkungen von Selumetinib bestanden am häufigsten in Übelkeit, Erbrechen, Diarrhöen, Paronychien und akneiformen Hautausschlägen. …
Anzeige
- Titel
- MEK-Inhibitor für Kinder mit inoperablen plexiformen Neurofibromen
- Verfasst von
-
Dr. Günter Springer
- Publikationsdatum
- 08.02.2023
- Verlag
- Springer Medizin
- Erschienen in
-
NeuroTransmitter / Ausgabe 1-2/2023
Print ISSN: 1436-123X
Elektronische ISSN: 2196-6397 - DOI
- https://doi.org/10.1007/s15016-023-3023-z