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Mit Pragmatismus in die Zukunft

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Auszug

In meinem Editorial im Frühjahr des Jahres 2022 schrieb ich folgendes: "Uğur Şahin sagte in verschiedenen Interviews: Pragmatismus ist nicht das Gegenteil von Perfektionismus, sondern der Weg dorthin." Ich bezog dieses Zitat des Biontech-Gründers auf das Vorgehen in der COVID-19-Pandemie und hoffte, dass wir nach der Pandemie pragmatischer im Gesundheitssystem werden. Ich greife dies auf, da Wolfgang Schäuble Mitte Dezember in seiner 50-Jahr-Rede im Bundestag sagte, dass eine "perfektionistische Überregulierung" Deutschland beinahe handlungsunfähig mache. Worauf will ich eigentlich hinaus? Um den ganz großen Bogen zu spannen, möchte ich dann noch den Marburger-Bund-Monitor 2022 zu den Arbeitsbedingungen von angestellten Ärztinnen und Ärzten zitieren, der darstellt, dass pro Tag mindestens drei Stunden für Dokumentation aufgewendet werden müssen [1]. Drei Stunden können auch mit einem Drittel der Arbeitszeit einer Vollzeit tätigen Person gleichgesetzt werden. Wenn wir davon ausgehen, dass mindestens 170.000 Ärztinnen und Ärzte (Vollzeitkräfte) in Deutschland im Krankenhaus arbeiten [2], und dass wir pro Person mit circa 125.000 € Arbeitgeber-Bruttokosten im Durchschnitt über alle Ärztinnen und Ärzte einschließlich der Nacht- und Bereitschaftsdienste rechnen, dann kommen wir insgesamt auf eine Rechnung von 170.000 × 125.000 € × 0,33 = 7 Milliarden € ärztlicher Dokumentationskosten. Die fast 800.000 Pflegenden und deren Dokumentationsaufwand habe ich noch nicht mit eingerechnet.
© ipuwadol / Getty Images / iStock
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Titel
Mit Pragmatismus in die Zukunft
Verfasst von
Prof. Dr. med. Alkomiet Hasan
Publikationsdatum
20.02.2023
Verlag
Springer Medizin
Erschienen in
InFo Neurologie + Psychiatrie / Ausgabe 2/2023
Print ISSN: 1437-062X
Elektronische ISSN: 2195-5166
DOI
https://doi.org/10.1007/s15005-023-3175-1
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