Kongestive Nephropathie – Ursachen, Diagnostik und Therapie
- Open Access
- 20.05.2025
- Niere und Herz
- CME
Zusammenfassung
Lernziele
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können Sie die häufigsten Ursachen einer kongestiven Nephropathie benennen.
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interpretieren Sie einen Kreatininanstieg bei Patienten mit Herzinsuffizienz zuverlässig.
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können Sie die differenzialdiagnostischen Schritte im Falle eines Kreatininanstiegs bei Patienten mit Herzinsuffizienz sicher einleiten.
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können Sie die venösen Flussprofile einer kongestiven Nephropathie unterscheiden.
Einleitung
Fallbeispiel
Parameter | Normalbereich | Patient |
|---|---|---|
Hämoglobin (g/l) | 12,0–16,0 | 11,0 |
pH | 7,35–7,45 | 7,221 |
Basenüberschuss (mmol/l) | −2–3 | −11,1 |
Standardbicarbonat (mmol/l) | 21–27 | 14,8 |
C‑reaktives Protein (mg/dl) | 0,1–0,5 | 67,1 |
Glukose aus BGA (mg/dl) | 70–110 | 261 |
Natrium-BGA (mmol/l) | 135–148 | 121 |
Kalium (mmol/l) | 3,5–5,0 | 5,9 |
Kreatinin (mg/dl) | 0,5–1,2 | 2,7 |
eGFR nach CKD-EPI (ml/min pro 1,73 m2) | > 90 | 28 |
Harnstoff (mg/dl) | < 71 | 163 |
Albumin im Spontanurin, UACR (mg/g Kreatinin) | < 30 | 972 |
NT-proBNP (ng/l) | < 125 | 20.387 |
Definition und Ursachen
Pathophysiologie
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Venöse Stauung
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Neurohormonelle Aktivierung
Venöse Stauung
Neurohormonelle Aktivierung
Diagnostische Kriterien der CN
Fallbeispiel (Fortsetzung)
Therapie
Entstauungs‑/Entwässerungstherapie
Angepasste Diuretikadosierungen
Kombinationstherapien zur Steigerung der Natriumausscheidung/Entwässerung
K+ | Ca2+ | Mg2+ | Harnsäure | Na+ | H+ | |
|---|---|---|---|---|---|---|
Schleifendiuretika | ↓ | ↓ | ↓ | ↑ | ↑ | ↓ |
Thiazide | ↓ | ↑ | ↓ | ↑ | ↓ | ↓ |
Carboanhydrasehemmer | ↓ | ↓ | ↓ | ←→ | ↓ | ↑ |
Kaliumsparende Diuretika | ↑ | ↑a | ↑ | ↑ | ↓↑b | ↓↑ |
SGLT-2-Inhibitoren | ←→/↑ | ←→ | ↑ | ↓ | ↑ | ←→ |
Vaptane | ←→/↑ | ←→ | ←→ | ←→ | ↑ | ←→ |
Osmotische Diuretika | ↓↑c | ↓ | ↓ | ↓ | ↓↑ | ↑ |
Sonderfall Diuretikaresistenz
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Fraktionierte Natriumausscheidung (FENa) < 0,2 %
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Na+ im Urin < 50 mmol/l
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Na+/K+-Quotient im Urin < 1,0
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kompensatorische Mechanismen (RAAS-Aktivierung, erhöhte Sympathikusaktivität, Hypertrophie der Nierentubuli),
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Abnahme des Blutvolumens und
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Erhöhung der proximalen Natriumrückresorption.
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diuretische Kombinationstherapien,
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passagere Pausen der Diuretikagaben,
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die Behandlung der RAAS-Aktivierung und/oder
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Anpassungen der Dosierung.
Ursache | Mechanismen | Korrekturmaßnahmen |
|---|---|---|
Patientenseitig | ||
Nichteinhaltung der empfohlenen Natrium- und/oder Flüssigkeitsbeschränkung | Eine negative Salzbilanz wird nicht erreicht aufgrund einer „postdiuretischen Natriumretention“ | Patientenschulung: Die 24 h-Natriurese sollte die Aufnahme übersteigen |
Medikamentöse Nonadhärenz | Eine echte Resistenz tritt nur auf, wenn der Patient Diuretika in ausreichender Dosierung einnimmt, diese aber nicht wirksam sind | Patientenschulung |
Iatrogen | ||
Einnahme von NSAR | Reduktion der Prostaglandinsynthese und renale Vasodilatation, interstitielle Nephritis | Medikamenteninteraktionen prüfen, NSAR absetzen |
Antihypertensiva | Zu niedriger Blutdruck, reduzierter renaler Blutfluss, OAT-Interaktion | Dosis anpassen |
Probenecid | Kompetition um OAT, veränderte Furosemid-Clearance | Medikamenteninteraktion prüfen |
Zu niedrige oder zu seltene Dosierung der Diuretika | Mangelnde Überwachung der Ansprechparameter | Dosis erhöhen, bis die Ziele erreicht sind (Harnausscheidung, Natriurese, Dekongestion, klinische Verbesserung) |
Falsche Diagnose (z. B. venöses oder lymphatisches Ödem) | Keine Berücksichtigung des klinischen Kontexts | Differenzialtherapie |
Begleiterkrankungen/-phänomene | ||
Braking-Phänomen | Neurohormonelle Aktivierung, Hypertrophie der Tubuli | Diuretische Kombinationstherapien, passagere Pausen der Diuretika, Behandlung der RAAS-Aktivierung und/oder Anpassungen der Diuretikadosierung, Dialyse |
Metabolische Azidose und Urämie | Beeinträchtigung der tubulären Resorption von Diuretika | Azidoseausgleich (Bicarbonat), Dialyse |
Akute/chronische Nierenschädigung | Verminderte Nierendurchblutung | Wasserhaushalt überprüfen (ggf. Diuretika anpassen, Volumengabe), Dialyse |
Niedriger renaler Blutfluss | Natriumretention durch Einschränkung der Filtration, Erhöhung der Natriumrückresorption und Verringerung der Abgabe von Diuretika im proximalen Tubulus | Vermeidung von Hypotonie, Bewertung des renalen Blutflusses mit Dopplersonographie |
Nephron-Remodeling | Erhöhung der Natriumresorptionskapazität, Aktivierung des NaCl-Kanals, erhöhter transepithelialer Natriumtransport | Sequenzielle Nephronblockade |
Veränderte Pharmakokinetik | ||
Gleichzeitige Einnahme der Diuretika mit dem Essen | Verzögerte Resorption, verminderte Spitzenkonzentration | Diuretika nüchtern einnehmen |
Schlechte Resorption | Intestinales Ödem oder reduzierter intestinaler Blutfluss | Intravenöse Gabe |
Gestörte tubuläre Sekretion | Medikamenteninteraktionen mit dem OAT | Interaktionen checken |
Nierenersatztherapie und Ultrafiltration
Spezifische Interventionen
Inhibitoren des Renin-Angiotensin-Aldosteron-Systems
Natrium-Glukose-Kotransporter-2-Inhibitoren
Acetazolamid
Häufige Probleme bei CN
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„Worsening and pseudo-worsening renal function“
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Hyperkaliämie
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Hyponatriämie
„Worsening and pseudo-worsening renal function“
Hyperkaliämie
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Diätetische Maßnahmen
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Normalisierung des Bicarbonatspiegels (Verschreibung von Natriumbicarbonat 1–3 g/Tag, um einen Serumspiegel von mehr als 22 mmol/l zu erreichen)
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Steigerung der renalen Ausscheidung mit Schleifendiuretika oder Thiaziden (bei Patienten mit Volumenüberladung)
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Verbesserung der Kaliumausscheidung über den Magen-Darm-Trakt mit kaliumbindenden Medikamenten, z. B. Natrium-Zirkonium-Zyklosilikat oder Patiromer [36]
Hyponatriämie
Fallbeispiel (Fortsetzung)
Renokardiales Syndrom
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einer Aktivierung des RAAS und des sympathischen Nervensystems,
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einer vermehrten Flüssigkeits- und Natriumretention,
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einem erhöhten Blutdruck,
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einer (renalen) Anämie,
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urämiebedingten Mechanismen,
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einer renalen Azidose,
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oxidativem Stress und Inflammation sowie
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Störungen des Kalzium-Phosphat-Stoffwechsels.
Kausale Behandlung der zugrunde liegenden Nierenerkrankung
Inhibition des Renin-Angiotensin-Aldosteron-Systems und Flüssigkeitsmanagement
Blutdruckkontrolle
Anämiebehandlung
Urämie
Behandlung der metabolischen Azidose
Management der Störungen des Kalzium-Phosphat-Stoffwechsels
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eine kausale Behandlung der zugrunde liegenden Nierenerkrankung,
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Blutdruckkontrolle,
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Flüssigkeitsmanagement,
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Anämiebehandlung,
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die Behandlung der metabolischen Azidose und
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ein Management der Störungen des Kalzium-Phosphat-Stoffwechsels.
Unbeantwortete Fragen
Fazit für die Praxis
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Bei Vorliegen prädisponierender Erkrankungen und einem relevanten Abfall der errechneten glomerulären Filtrationsrate (eGFR) sollte differenzialdiagnostisch auf Zeichen der venösen Kongestion geachtet werden.
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Derzeit ist die (Doppler‑)Sonographie die Methode, mit der eine kongestive Nephropathie (CN) am besten erfasst werden kann.
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Sonographisch ist auf den Durchmesser der V. cava inferior und auf deren Atemmodulation zu achten.
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Dopplersonographisch können das intrarenale venöse Flussprofil, der Venous Impedance Index und der Renal Venous Stasis Index zur Beurteilung der Kongestion herangezogen werden.
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Diuretika und Natrium-Glukose-Kotransporter-2(SGLT-2)-Inhibitoren verbessern die dopplersonographischen Parameter der venösen Kongestion.