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Ökologische Nachhaltigkeit in der präklinischen Notfallmedizin

Analyse der Entnahmezahlen von medizinischen Verbrauchsmaterialien

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Zusammenfassung

Hintergrund

Trotz der zunehmenden Bedeutung von ökologischer Nachhaltigkeit im Gesundheitswesen existieren bislang nur wenige Untersuchungen zu Abfallaufkommen sowie Reduktions- oder Recyclingstrategien bei zeitkritischen präklinischen Notfällen.

Ziel der Arbeit

Die vorliegende Arbeit untersucht Abfallreduktionspotenziale von Verpackungen nichtsteriler medizinischer Verbrauchsmaterialien und Recyclingpotenziale von Verpackungen steriler Materialien in der präklinischen Notfallmedizin.

Methode

Die Verpackungen der dem zentralen Materialmanagement des Rettungsdienstes im Kreis Gütersloh zwischen 2018 und 2021 entnommenen Verbrauchsmaterialien wurden entsprechend dem Konzept der 5R (Reduce, Reuse, Recycle, Rethink und Research) für innerklinisches Abfallmanagement auf Art, Menge sowie potenzielle Abfallreduktions- und Recyclingmöglichkeiten untersucht. Dazu wurden die Gesamtmenge der entnommenen Materialien, die jeweils 10 am häufigsten entnommenen sterilen und nichtsterilen medizinischen Verbrauchsmaterialien aufgelistet und prozentual in Relation zur Gesamtzahl der entnommenen Materialien gesetzt. Bei den in Papier‑/Kunststoffmaterialien steril verpackten medizinischen Verbrauchsmaterialien wurden die Entnahmemengen dieser steril verpackten Materialien aus dem zentralen Materialmanagement erfasst und daraus gefolgert, ob potenziell die Möglichkeit zur stofflichen Wiederverwertung der Verpackungskomponenten Papier und Kunststoff bestehen könnte. Bei den in Kunststoff verpackten nichtsterilen medizinischen Verbrauchsmaterialien wurden ebenfalls die Entnahmemengen aus dem zentralen Materialmanagement erfasst und daraus gefolgert, ob eine Abfallreduktion durch Weglassen von Verpackungen bestehen könnte.

Ergebnisse

Recyclingpotenzial bestand bei Verpackungsmaterialien von sterilen Produkten, insbesondere bei Spritzen (n = 44.745; 23,5 % der Gesamtzahl von Verbrauchsmaterialien im Untersuchungszeitraum), Infusionssystemen (n = 26.005; 13,7 %) und i.v.-Verweilkanülen (n = 24.590; 12,9 %). Diese sind in einer Papier‑/Kunststoffkombination verpackt, bei der die Komponenten Papier und Kunststoff separat wiederverwertet werden könnten, wenn keine Kontamination vorliegt. Potenziale zur Abfallreduktion von Verpackungsabfall unsteriler Materialien umfassten insbesondere die Verpackungen von Einmalpatientendecken (n = 51.560; 35,3 % der Gesamtzahl von Verbrauchsmaterialien im Untersuchungszeitraum), Einmallaken (n = 35.499; 24,3 %) und Sauerstoffmasken (n = 10.834; 7,4 %).

Diskussion

In der präklinischen Notfallmedizin existieren Potenziale zu Abfallreduktion und Recycling, deren Beachtung zu einer deutlichen Verbesserung ökologischer Nachhaltigkeit führen könnte. Hierzu sind weitere Studien unter Einbeziehung von Hygiene‑, Abfallmanagement- und Logistikexpert*innen notwendig.
Titel
Ökologische Nachhaltigkeit in der präklinischen Notfallmedizin
Analyse der Entnahmezahlen von medizinischen Verbrauchsmaterialien
Verfasst von
Julia Johanna Grannemann
Annika Elsner
Kai Johanning
Bernd Strickmann
Gerrit Jansen
Publikationsdatum
22.05.2025
Verlag
Springer Medizin
Schlagwörter
Notfallmedizin
AINS
Erschienen in
Die Anaesthesiologie / Ausgabe 6/2025
Print ISSN: 2731-6858
Elektronische ISSN: 2731-6866
DOI
https://doi.org/10.1007/s00101-025-01536-3
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