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Facharztweiterbildung Notfallmedizin: Entwicklung eines umfassenden Weiterbildungs-Curriculums

  • Open Access
  • 05.05.2025
  • Notfallmedizin
  • Konzepte - Stellungnahmen - Perspektiven
Erschienen in:

Zusammenfassung

Die früher als „Erste-Hilfe“ oder „Notfallambulanz“ bezeichneten Anlaufstellen in Krankenhäusern haben sich in den letzten 20 Jahren zu medizinischen Hochleistungsbereichen entwickelt und werden zunehmend als Notfallzentren oder Kliniken für Notfallmedizin bezeichnet. Parallel dazu sind die Anforderungen an die Versorgungsqualität und an die Qualifikation des ärztlichen Personals deutlich gestiegen. Während viele europäische Länder vor diesem Hintergrund eine eigenständige, 5‑jährige Facharztweiterbildung für Notfallmedizin etabliert haben, existiert in Deutschland bislang nur eine 2‑jährige Zusatz-Weiterbildung, die auf eine 5‑jährige, nicht primär notfallmedizinisch ausgerichtete Weiterbildung folgt und damit internationalen Standards nicht gleichwertig ist. Auf Basis einer systematischen Analyse nationaler und internationaler Weiterbildungsordnungen (inklusive Best-Practice-Modelle) sowie der Vorgaben der European Union of Medical Specialists (UEMS) wurde ein kompetenzorientiertes Curriculum entwickelt, das die spezifischen Anforderungen in Deutschland berücksichtigt und als Grundlage für die Inhalte einer Facharztqualifikation „Notfallmedizin“ dienen soll. Das Curriculum umfasst 174 kognitive, methodische und handlungsorientierte Kompetenzen, die im Rahmen einer 5‑jährigen Weiterbildungszeit mit spezifischen Rotationen erworben werden sollen. Es gewährleistet eine umfassende Qualifikation in klinischer Notfallmedizin. Die Einführung einer eigenständigen Facharztqualifikation „Notfallmedizin“ wird den zukünftigen Anforderungen an eine hohe Versorgungsqualität in Kliniken für Notfallmedizin gerecht und wird zur Attraktivitätssteigerung des Berufsbildes, verbunden mit einer internationalen Anerkennung, beitragen. Das Curriculum bietet eine fundierte Grundlage für die Diskussion zur Einführung dieser Weiterbildung in Deutschland.

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Die Online-Version dieses Beitrags (https://doi.org/10.1007/s10049-025-01540-5) enthält eine tabellarische Zusammenstellung des Weiterbildungs-Curriculums. Bitte scannen Sie den QR-Code.
Die Autoren M. Fandler und J. Lorenz teilen sich die Erstautorenschaft.
Die Autoren R. Somasundaram und M. Pin teilen sich die Letztautorenschaft.
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Hinweis des Verlags

Der Verlag bleibt in Hinblick auf geografische Zuordnungen und Gebietsbezeichnungen in veröffentlichten Karten und Institutsadressen neutral.

Hintergrund

In deutschen Kliniken für Notfallmedizin, meist noch als „Notaufnahmen“ bezeichnet1, werden jährlich etwa 19 Mio. Patientinnen und Patienten versorgt, was ihre zentrale Rolle in der Notfallversorgung eindrucksvoll verdeutlicht. Eine wesentliche Aufgabe von Kliniken für Notfallmedizin ist insbesondere die rasche Identifizierung und Versorgung von Patientinnen und Patienten mit zeitkritischen Diagnosen bei oft unspezifischen Symptomen in einem Setting von hohem Patientenaufkommen und Zeitdruck. Dies macht Kliniken für Notfallmedizin zu Hochrisikobereichen.
Vor diesem Hintergrund wurde in Deutschland, wie bereits in vielen anderen europäischen Ländern, die Notwendigkeit erkannt, die Qualität der Notfallversorgung in Kliniken für Notfallmedizin zu verbessern. Ziel ist es dabei, auch zukünftig den zunehmend komplexen Herausforderungen – wie dem demografischen Wandel, begrenzten Personalressourcen und dem medizinisch-technischen Fortschritt – gerecht zu werden. Parallel zu organisatorisch-strukturellen Veränderungen wurde die Qualifikation bzw. eine weitere notfallmedizinische Spezialisierung des eingesetzten medizinischen Personals als essenzieller Baustein zur Verbesserung der Versorgungsqualität und damit auch der Patientensicherheit identifiziert.
Ein besonderes Problem stellt sich für Krankenhäuser dar, die an der Notfallversorgung teilnehmen, jedoch nur über eine begrenzte Anzahl an Fachabteilungen verfügen bzw. in denen spezialisierte Fachrichtungen wie Neurologie, Pädiatrie oder Gynäkologie fehlen: Mit welchem und wie notfallmedizinisch qualifizierten ärztlichen Personal kann dort eine qualitativ angemessene Erstversorgung von zahlreichen Patientinnen und Patienten mit unspezifischen Symptomen oder unklaren Krankheitsbildern sichergestellt werden – und welcher notfallmedizinische Facharztstandard wird dabei zugrunde gelegt [1, 17, 18, 2124]?
Die Landesärztekammern reagierten auf diese Anforderungen, indem sie – nach der Einführung in Berlin im Jahr 2014 – ab 2018 sukzessive auch in anderen Bundesländern „Klinische Notfall- und Akutmedizin“ als Zusatz-Weiterbildung für klinische Facharztweiterbildungen implementierten. Parallel veröffentlichte die Deutschen Krankenhausgesellschaft 2016 eine Empfehlung, welche zur bundesweit einheitlichen Etablierung der Fachweiterbildung Notfallpflege führte [7, 10].
Ein weiterer wichtiger Schritt war die Entscheidung des Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) im Jahr 2018, ein gestuftes System der Notfallversorgung in Krankenhäusern vorzugeben, das u. a. den Einsatz und die Anwesenheit von Personal mit nachgewiesener spezieller notfallmedizinischer Qualifizierung einfordert [15].
Mit Einführung der Zusatz-Weiterbildung „Klinische Akut- und Notfallmedizin“ wurden allerdings auch Defizite erkennbar: Die Inhalte dieser Zusatz-Weiterbildung basieren auf den Empfehlungen für ein Curriculum der Europäischen Gesellschaft für Notfallmedizin (EUSEM) für eine 5‑jährige Facharztweiterbildung, die in die neuen „European Training Requirements“ (ETR) der Europäischen Dachorganisation für die Medizinischen Fachgebiete bzw. ihre Vertreter (European Union of Medical Specialists [UEMS]) eingeflossen sind. Mit diesen „ETR“ hat die UEMS europaweit anerkannte Inhalte für die Facharztweiterbildung in Notfallmedizin festgelegt [9, 12, 28].
Während die Inhalte dieser auf 5 Jahre ausgelegten europäischen Facharztweiterbildung in Berlin initial innerhalb von 3 Jahren vermittelt werden sollten, sieht die Musterweiterbildungsordnung der Bundesärztekammer von 2018 nur noch eine 2‑jährige Weiterbildungszeit bei weitgehend gleichen Inhalten vor. Dieser Zeitrahmen stellt nicht nur für die weiterbildenden Institutionen, sondern auch für die Ärztinnen und Ärzte in Weiterbildung eine faktisch schwer lösbare Herausforderung bezüglich einer qualitativ hochwertigen Vermittlung bzw. des Erlernens der notwendigen Inhalte dar.
Darüber hinaus wird auch eine Anerkennung der Qualifikation innerhalb Europas erschwert bzw. wird als nicht gleichwertig angesehen. Fast alle europäischen Länder haben mittlerweile den Facharzt für Notfallmedizin eingeführt (s. Abb. 1 und Tab. 1). Auch im angloamerikanischen Raum ist dieser seit Jahrzehnten etabliert und wird dort nicht mehr infrage gestellt. In keinem europäischen Land wurde die Facharztweiterbildung Notfallmedizin – trotz teils langjähriger und intensiver (berufs)politischer Diskussionen – wieder abgeschafft oder in eine Zusatz-Weiterbildung zurückgeführt [35, 8, 17, 19, 27, 30].
Abb. 1
Notfallmedizinische Spezialisierung und ihre zeitliche Einführung in Europa [3, 13, 14, 20]. Albanien, Frankreich und die Türkei haben zurzeit noch eine 4‑jährige Weiterbildung zum Facharzt für Notfallmedizin
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Tab. 1
Status der Facharztweiterbildung Notfallmedizin in europäischen Ländern
Land
Notfallmedizin – Status
Jahr (Umsetzung)
Albanien
Facharzt
2011
Belgien
Facharzt
2005
Bosnien & Herzegowina
Facharzt
1979
Bulgarien
Facharzt
1996
Dänemark
Facharzt
2018
Deutschland
Zusatz-Weiterbildung
(Supraspezialisierung)
2018
Estland
Facharzt
2015
Finnland
Facharzt
2012
Frankreich
Facharzt
2015
Griechenland
Zusatz-Weiterbildung
(Supraspezialisierung)
2017
Irland
Facharzt
1997
Island
Facharzt
1992
Italien
Facharzt
2008
Kosovo
Facharzt
2000
Kroatien
Facharzt
2009
Lettland
Facharzt
2013
Litauen
Facharzt
2013
Luxemburg
Facharzt
2010
Malta
Facharzt
2004
Montenegro
Facharzt
2024
Niederlande
Facharzt
2023
Norwegen
Facharzt
2017
Österreich
Zusatz-Weiterbildung
(Supraspezialisierung)
2025
Polen
Facharzt
1999
Portugal
Facharzt
2024
Rumänien
Facharzt
1999
Schweden
Facharzt
2015
Schweiz
Zusatz-Weiterbildung
(Supraspezialisierung)
2009
Serbien
Facharzt
1992
Slowakei
Facharzt
2003
Slowenien
Facharzt
2006
Spanien
Facharzt
2024
Tschechien
Facharzt
2013
Türkei
Facharzt
1993
Ukraine
Facharzt
1992
Ungarn
Facharzt
2003
Vereinigtes Königreich
Facharzt
1972
Zypern
Keine Fachrichtung
Infobox 1 „Diskussion in den Landesärztekammern“
In den Landesärztekammern, die die Zusatz-Weiterbildung „Klinische Akut- und Notfallmedizin“ schon länger etabliert haben, wurden und werden zunehmend weitere Aspekte diskutiert [9, 16, 31], u. a.:
1.
Ist es zielführend, zunächst eine 5‑jährige Facharztausbildung in einer klinischen Disziplin ohne spezifischen notfallmedizinischen Schwerpunkt zu absolvieren, um anschließend über einen Zeitraum von 2 weiteren Jahren – und damit insgesamt mindestens 7 Jahre – eine Weiterbildung zu durchlaufen, die eine möglicherweise unzureichende notfallmedizinische Qualifikation vermittelt und darüber hinaus in Europa de facto nicht als gleichwertig anerkannt wird, um den breit gefächerten und anspruchsvollen Anforderungen in einer Klinik für Notfallmedizin gerecht zu werden?
 
2.
Wäre es eine bessere Option, die tatsächlich notwendigen notfallmedizinisch-spezifischen und damit strukturiert vermittelbaren Inhalte in einer 5‑jährigen Facharztweiterbildung zu erlangen, die dann auch (in Anlehnung an die UEMS ETR) in Europa anerkannt ist?
 
3.
Würde ein solcher Facharzttitel die Perspektive, langfristig in einer Klinik für Notfallmedizin arbeiten zu wollen, erhöhen und damit die Attraktivität dieses Arbeitsplatzes steigern?
 
4.
Aufgrund steigender Qualitätsvorgaben stehen insbesondere Häuser der Basisversorgung sowie auch höherer Versorgungsstufen vor der Herausforderung, eine qualitative rund um die Uhr verfügbare Notfallversorgung und Patientensicherheit zu gewährleisten, obwohl nur wenige Fachdisziplinen mit unterschiedlich ausgeprägter notfallmedizinischer Qualifikation vor Ort sind. Kann eine Facharztqualifikation für Notfallmedizin hier eine pragmatische Lösungsoption darstellen?
 
5.
Würde eine Harmonisierung mit europäischen Standards nicht nur die Anerkennung einer in Deutschland erworbenen Qualifikation in Europa erleichtern, sondern auch hoch qualifizierten Fachärztinnen und -ärzten für Notfallmedizin aus anderen – meist europäischen – Ländern ermöglichen, in Deutschland zu arbeiten?
 
Als Konsequenz dieser Diskussion wurde z. B. vom Vorstand der Ärztekammer Berlin ein Arbeitskreis eingesetzt, der gegenwärtig das Pro und Contra einer Fachärztin/eines Facharztes für klinische Akut- und Notfallmedizin erarbeiten soll.
Vor diesem Hintergrund wurde in einer Arbeitsgruppe der Deutschen Gesellschaft interdisziplinäre Notfall- und Akutmedizin (DGINA), bestehend aus langjährig in der Notfallmedizin tätigen sowie aktuell in der Weiterbildung befindlichen Ärztinnen und Ärzten, der aktuelle nationale Status der Weiterbildung „Klinische Akut- und Notfallmedizin“ mit international anerkannten Weiterbildungskonzepten verglichen, an die Notwendigkeiten in Deutschland angepasst und ein neues Curriculum für eine mögliche Facharztweiterbildung „Notfallmedizin“ erstellt. Ziel war dabei, die Weiterbildung spezifisch auf die Tätigkeit in der klinischen Notfallmedizin auszurichten und international anerkannte Vorgaben zu beachten. Das entwickelte Curriculum soll neben der bestehenden Zusatz-Weiterbildung „Klinische Akut- und Notfallmedizin“ die Grundlage für die Etablierung eines Facharzttitels schaffen, der Ärztinnen und Ärzten ermöglicht, ihren fachlichen bzw. beruflichen Schwerpunkt in diesem Bereich zu setzen. Die Inhalte dieses Curriculums und seine Grundlagen werden nachfolgend dargestellt und näher erläutert.

Methodik

Infobox 2 Definition des Fachgebiets Notfallmedizin
Die Europäische Gesellschaft für Notfallmedizin (EUSEM) definiert Notfallmedizin wie folgt (übersetzt mit leichten Modifikationen) [11].
„Notfallmedizin ist ein eigenständiges Fachgebiet, das auf dem Wissen und den Fertigkeiten basiert, die für die Prävention (umfasst auch Verletzungsprävention, Katastrophenvorsorge sowie öffentliche Gesundheitserziehung), Diagnose und Behandlung von Notfällen und akuter Aspekte von Krankheiten und Verletzungen erforderlich sind und Patientinnen und Patienten aller Altersgruppen mit einem breiten Spektrum an uneindeutigen körperlichen und psychischen Störungen betreffen.
Dies umfasst auch die Organisation der angemessenen medizinischen Versorgung für Patientinnen und Patienten in einem zeitkritischen Kontext.
Notfallmedizin umfasst die klinische als auch die präklinische Triage, Reanimation und Stabilisierung, Erstbeurteilung, Telemedizin und das Management von undifferenzierten, notfallmäßigen und akuten Patientinnen und Patienten bis zur Entlassung oder Übergabe in die Betreuung durch eine andere medizinische Disziplin, hauptsächlich im Krankenhaus.
Zudem beinhaltet sie die Mitwirkung an der Entwicklung von präklinischen und klinischen notfallmedizinischen Systemen.“

Sichtung und Analyse bestehender Weiterbildungen und Erstellung des Curriculums

Zunächst wurde durch die oben genannte Arbeitsgruppe der DGINA eine ausführliche Sichtung und Analyse in Deutschland bestehender Facharztweiterbildungen und Zusatz-Weiterbildungen mit Bezug zur Notfallmedizin sowie internationaler Weiterbildungsmodelle bzw. -curricula durchgeführt. Besonders im angloamerikanischen Raum gibt es zahlreiche Länder, in denen der Facharzt für Notfallmedizin bereits seit Jahrzehnten etabliert ist und in denen fachlich tiefgreifende sowie strukturierte notfallmedizinische Curricula entwickelt wurden. Folgende nationale Weiterbildungsordnungen bzw. deren Inhalte, die sich in der Musterweiterbildungsordnung der Bundesärztekammer finden [7], sowie internationale Referenz-Curricula dienten als Grundlage für die Erstellung des vorliegenden Curriculums:
  • Zusatz-Weiterbildung Klinische Akut- und Notfallmedizin (KLINAM),
  • Zusatz-Weiterbildung Notfallmedizin,
  • Zusatz-Weiterbildung Intensivmedizin,
  • Zusatz-Bezeichnung Palliativmedizin,
  • Weiterbildungsinhalte der Facharzt-Kompetenz Innere Medizin,
  • Weiterbildungsinhalte der Facharzt-Kompetenz Orthopädie und Unfallchirurgie,
  • Weiterbildungsinhalte der Facharzt-Kompetenz Anästhesiologie,
  • Weiterbildungsinhalte der Facharzt-Kompetenz Neurologie,
  • Weiterbildungsinhalte der Facharzt-Kompetenz Allgemeinmedizin,
  • Weiterbildungsinhalte der Facharzt-Kompetenz Kinder- und Jugendmedizin,
  • Weiterbildungsinhalte der Facharzt-Kompetenz Allgemeinchirurgie,
  • Weiterbildungsinhalte der Facharzt-Kompetenz Hals-Nasen-Ohrenheilkunde,
  • Weiterbildungsinhalte der Facharzt-Kompetenz Augenheilkunde,
  • Weiterbildungsinhalte der Facharzt-Kompetenz Urologie,
  • Weiterbildungsinhalte der Facharzt-Kompetenz Psychiatrie und Psychotherapie,
  • Weiterbildungsinhalte der Facharzt-Kompetenz Frauenheilkunde und Geburtshilfe,
  • Curriculum Emergency Medicine, Australasian College for Emergency Medicine (Australien) [2],
  • Curriculum Emergency Medicine, Royal College of Emergency Medicine (UK) [26],
  • Curriculum Emergency Physician Residency (Stanford, USA) [25],
  • European Training Requirements for the Specialty of Emergency Medicine (Union Européenne des Médecins Spécialistes/European Union of Medical Specialists – UEMS) [28].
Die Herausforderung bei der Konzipierung des Curriculums lag unter anderem darin, die Rahmenstruktur der Weiterbildungen in Deutschland zu beachten und neben den Inhalten gleichzeitig die jeweils erforderlichen kognitiven, Methoden- bzw. Handlungskompetenzen der Notfallmedizin zu integrieren, wie sie in anderen europäischen Ländern oder auch in angloamerikanischen Ländern (USA, Australien, Kanada) vermittelt werden. In Deutschland erfolgt die Facharztweiterbildung nach standardisierten Weiterbildungsordnungen mit klar definierten Weiterbildungsinhalten, die von den Landesärztekammern festgelegt werden. Die Facharzt-Weiterbildungen sind in der Regel auf 5 bis 6 Jahre angelegt. Sie umfassen Rotationen durch verschiedene Abteilungen und Funktionsbereiche sowie teils andere Fachgebiete.

Ergebnis: Entwurf eines Weiterbildungs-Curriculums „Notfallmedizin“

Basierend auf der dargelegten Analyse, wurde ein Curriculum erstellt, das wesentliche Inhalte aus den genannten Quellen integriert (s. Supplement 1 „Vorschlag Gebiet Notfallmedizin“). Vollständig berücksichtigt wurden die Standards der UEMS und die Inhalte der Musterweiterbildungsordnung der Bundesärztekammer für die Zusatzbezeichnungen „Klinische Akut- und Notfallmedizin“ sowie „Notfallmedizin“ (für die prähospitale Versorgung).

Inhalte des Curriculums

Im Rahmen der Erarbeitung des Curriculums für die Facharztweiterbildung Notfallmedizin wurden die Inhalte aus verschiedenen, mit der Notfallmedizin in Bezug stehenden Weiterbildungen zusammengeführt und systematisch integriert. Insgesamt umfasst das daraus entstandene Curriculum „Notfallmedizin“ 174 Kompetenzen, die mit internationalen Curricula abgeglichen, optimiert und ergänzt wurden. Es ist zu beachten, dass die (Muster‑)Weiterbildungsordnungen in Deutschland insbesondere die Rahmenbedingungen und wesentliche Inhalte einer Fachweiterbildung beinhalten, ohne detaillierte Vorgaben zu machen, wie es beispielsweise in den Vorgaben der europäischen Vereinigung der medizinischen Fachgebiete (UEMS) der Fall ist [12, 28]. Die vorgeschlagenen Inhalte decken ein breites Spektrum an Kompetenzen (kognitive, Methoden- und Handlungskompetenzen) ab, die für die Praxis der Notfallmedizin von zentraler Bedeutung sind. Durch die sorgfältige Auswahl und Gewichtung wird sichergestellt, dass angehende Fachärztinnen und Fachärzte für Notfallmedizin bestmöglich auf ihre Tätigkeit vorbereitet werden.
In den Allgemeinen Bestimmungen (Abschnitt A) der Musterweiterbildungsordnung wird die „Notfallaufnahme“ in § 2a (5) in der MWBO 2018 vom Stand 14.06.2024 noch als „Funktionsbereich“ definiert. Hier sollte der zentralen Rolle der klinischen Notfallmedizin und damit der Kliniken für Notfallmedizin mit ihren ca. 19 Mio. Patienten pro Jahr in Deutschland und der damit gelebten Realität entsprochen und diese als Gebiet der unmittelbaren Patientenversorgung nach § 2a (6) definiert werden.
Die ersten 4 Kapitel aller Weiterbildungsordnungen in Deutschland sind identisch (MWBO – Allgemeine Inhalte – Abschnitt B), diese umfassen allgemeine ärztliche Grundlagen und patientenbezogene, behandlungsbezogene sowie technisch-diagnostische Inhalte. Diese wurden vollständig in das Facharztcurriculum Notfallmedizin integriert, aber im Rahmen dieser Arbeit nicht gesondert aufgeführt.

Weiterbildungsdauer und -inhalte

Das Curriculum für den Facharzt für Notfallmedizin umfasst, analog zu den meisten anderen Facharztweiterbildungen, eine Weiterbildungszeit von insgesamt 60 Monaten. Folgende Weiterbildungsabschnitte (Mindestanforderungen gemäß § 11 MWBO) sind darin enthalten:
  • mindestens 36 Monate in einer Klinik für Notfallmedizin,
  • mindestens 6 Monate in der Intensivmedizin,
  • mindestens 12 Monate in der stationären Akutversorgung, davon
    • Innere Medizin (3 Monate) und
    • Kinder- und Jugendmedizin (3 Monate) und
    • Anästhesiologie (2 Monate) und
    • Chirurgie (2 Monate) und
    • Neurologie (2 Monate),
  • weitere 6 Monate können zum Kompetenzerwerb in weiteren Gebieten der unmittelbaren Patientenversorgung oder bei Vorliegen der Zusatzbezeichnung Notfallmedizin in der notärztlichen Versorgung abgeleistet werden.
Die Auswahl der verpflichtenden Rotationen erfolgte unter Berücksichtigung der Häufigkeit und Komplexität der in der Notfallmedizin zu behandelnden Krankheitsbilder sowie der zu erlernenden Prozeduren aus den ausgewählten Fachgebieten. Im Rahmen dieser Rotationen sollen die weiteren stationären Verläufe der Patientinnen und Patienten mit den jeweiligen notfallmedizinischen Krankheitsbildern besser kennengelernt und verstanden werden. Gleichzeitig sollen die Erfordernisse guter Schnittstellenorganisation aus der Perspektive des jeweiligen Fachgebiets erfahrbar gemacht werden. Die Dauer der Rotation orientiert sich an internationalen Empfehlungen sowie den zeitlichen Limitationen der für Rotationen verfügbaren Monate. Eine Besonderheit stellt die Möglichkeit der notärztlichen Tätigkeit in der Präklinik oder in anderen Gebieten der unmittelbaren Patientenversorgung dar, beispielsweise auch in einer allgemeinmedizinischen Praxis: Bereiche, mit denen in der notfallmedizinischen Arbeitsrealität eine enge Zusammenarbeit sinnvoll und wichtig ist.
Neben rein medizinischen Inhalten müssen Fachärztinnen und Fachärzte für Notfallmedizin auch die systemischen und organisatorischen Zusammenhänge bzw. Voraussetzungen für die Notfallversorgung kennen. Daher ist eine 80-stündige Kursweiterbildung in „Organisation in der Notaufnahme“ gemäß § 4 Abs. 8 zu absolvieren, wie sie bereits für die Zusatz-Weiterbildung Klinische Notfall- und Akutmedizin festgelegt ist.

Diskussion

Warum dieses Curriculum?

Angesichts der kontinuierlich steigenden Anforderungen an die ärztliche Qualifikation im Bereich der Notfallmedizin, denen in nahezu allen europäischen Ländern durch die Einführung eines Facharzttitels „Notfallmedizin“ begegnet wurde, ist eine vergleichbare Weiterentwicklung in Deutschland dringend geboten. Seit einigen Jahren wird die Vorhaltung speziell qualifizierter Ärztinnen und Ärzte mit der Zusatz-Weiterbildung „Klinische Akut- und Notfallmedizin“ in allen an der Notfallversorgung teilnehmenden Kliniken durch den G‑BA vorgeschrieben [15]. Gleichzeitig verdeutlicht auch die Diskussion um die Leistungsgruppe Notfallmedizin im Rahmen des Krankenhausversorgungsverbesserungsgesetzes (KHVVG) den weiter ansteigenden Personalbedarf an hochqualifizierten klinischen Notfallmedizinern in Deutschland. Die aktuellen Empfehlungen von DGINA und DIVI zur Struktur und Ausstattung von Notaufnahmen betonen diese Entwicklung [6].
Das derzeitige deutsche Modell einer 2‑jährigen Zusatz-Weiterbildung, die auf einer nicht primär notfallmedizinisch ausgerichteten, meist 5‑jährigen Facharztweiterbildung aufbaut und damit einen Gesamtumfang von mindestens 7 Jahren Weiterbildung darstellt, scheint weder effektiv noch effizient. Nach Sichtung und Analyse der internationalen Curricula und europäischer Vorgaben wird deutlich, dass die notwendigen breiten notfallmedizinischen Kompetenzen im geforderten Umfang in der aktuellen Zusatz-Weiterbildung kaum vermittelbar sind.
Gleichzeitig ist die europäische Anerkennung dieser Qualifikation in anderen EU-Ländern nicht gegeben, umgekehrt können langjährig erfahrene Fachärztinnen und Fachärzte für Notfallmedizin aus der EU nicht in Deutschland mit deren Qualifikation tätig werden. Es ist den Kolleginnen und Kollegen ebenso nicht möglich, die Zusatz-Weiterbildung „Klinische Akut- und Notfallmedizin“ zu erwerben, da diese eine in Deutschland anerkannte Facharztweiterbildung voraussetzt.
Ein weiterer wesentlicher Aspekt ist die Attraktivität und Perspektive einer eigenständigen 5‑jährigen, notfallmedizinisch ausgerichteten Facharztweiterbildung für jüngere Kolleginnen und Kollegen. Befragungen, wie etwa eine kürzlich durchgeführte Umfrage unter Berliner Medizinstudierenden, belegen das hohe Interesse junger Medizinerinnen und Mediziner an einer derartigen Weiterbildung [29].
Vor diesem Hintergrund hat die Arbeitsgruppe das vorliegende Curriculum entwickelt, das eine umfassende, an internationalen Standards orientierte Weiterbildung zum Facharzt für Notfallmedizin ermöglicht. Dieses Curriculum verfolgt einen integrativen Ansatz, der die gesamte Breite notfallmedizinischer Kompetenzen abdeckt – von der klinischen Erstversorgung über die differenzierte Diagnostik und Therapie bis hin zur Entscheidung über Weiterleitung oder Entlassung. Es adressiert explizit die interdisziplinären Anforderungen der Notfallmedizin und unterliegt weniger den Einschränkungen der organfokussierten Weiterbildung, wie sie in den Weiterbildungsordnungen (WBO) der meisten Fachrichtungen verankert ist. Das Curriculum bleibt mit seiner breiten und gleichzeitig notfallmedizinisch-fokussierten Ausrichtung dabei komplementär zu bestehenden Facharztweiterbildungen.
Besonderes Augenmerk wurde auf die Integration internationaler Standards, insbesondere der „European Training Requirements“ der UEMS gelegt. Diese Standards, die in vielen europäischen Ländern bereits erfolgreich implementiert wurden, dienen als Leitlinien für die Harmonisierung der Qualifikation „Notfallmedizin“ und erleichtern die gegenseitige Anerkennung von Abschlüssen innerhalb der Europäischen Union. Gleichzeitig wurden die Inhalte an die spezifischen Anforderungen und Regularien der deutschen Weiterbildungsordnungen angepasst, um eine praxisgerechte Umsetzung in Deutschland zu gewährleisten.

Weiterbildungszeiten und Rotationen

Wie der oben dargestellten Aufteilung der 60-monatigen Weiterbildungszeit zu entnehmen ist, wird ein Großteil der Weiterbildung in einer Klinik für Notfallmedizin selbst vermittelt werden. Das entspricht schon heute der Praxis beim Erwerb der Zusatzbezeichnung „Klinische Akut- und Notfallmedizin“. Kompetenzen, die in einzelnen Kliniken für Notfallmedizin nicht vermittelbar sind, werden durch externe Rotationen nachgewiesen werden müssen.
Die Anzahl und Dauer der verpflichtenden Rotationen in andere Fachgebiete orientieren sich an internationalen Curricula und den häufig in Kliniken für Notfallmedizin vorkommenden Fallkonstellationen. Mit den Rotationen sind klare theoretische und praktische Weiterbildungsziele verbunden, die durch gute Planung und enge Abstimmung mit den anderen Fachgebieten sicher zu erreichen sind.

Umsetzung

Wie das Beispiel anderer Länder zeigt, ist die Umsetzung bis zu einem breit ausgerollten Fachgebiet „Notfallmedizin“ ein jahrelanger Prozess. Neben der formalen Weiterbildung und ihrer Organisation in den einzelnen Weiterbildungsstätten, für die das vorliegende Curriculum Grundlage sein soll, werden initial auch weitere organisatorische Anpassungen notwendig sein. Dies betrifft u. a. die Schaffung notwendiger Weiterbildungskapazitäten und der hierfür notwendigen Investitionen in Kliniken für Notfallmedizin. Letzteres muss auch vor dem Hintergrund der bevorstehenden erheblichen Veränderungen im stationären Sektor (u. a. Qualitätssteigerung durch Zentralisierung und Kooperation; KHVVG) und auch einer bevorstehenden Reform der Notfallversorgung beachtet werden.
In dieser Phase sind v. a. die Landesärztekammern (LÄK) mit ihrer Kompetenz gefordert, den Umsetzungsprozess engmaschig zu begleiten, zu evaluieren und ggf. Anpassungen vorzunehmen. Beginnend mit dem Curriculum und der Erstellung eines begleitenden fachlich empfohlenen Weiterbildungsplans (FEWP) nach § 2a (8) MWBO, in dem die in der Weiterbildungsordnung umschriebenen Kompetenzen näher erläutert und damit auch den detaillierten europäischen Vorgaben gerecht werden können, bis hin zu Anpassungen z. B. der Kriterien für die Erlangung einer Weiterbildungsbefugnis mit den entsprechend notwendigen Strukturvorgaben in der Weiterbildungsordnung sind die Herausforderungen für die LÄK groß.

Zukunft der Zusatz-Weiterbildung „Klinische Akut- und Notfallmedizin“

Die Etablierung der Zusatz-Weiterbildung „Klinische Akut- und Notfallmedizin“ hat ohne Zweifel zu einer Qualitätsverbesserung in der bisherigen Notfallversorgung in Kliniken für Notfallmedizin beigetragen. Auch wenn – wie oben dargelegt – die bereits jetzt (und zukünftig noch mehr) erforderlichen notfallmedizinisch-fachlichen Inhalte im Rahmen dieser Zusatz-Weiterbildung nicht in ausreichendem Maße vermittelt werden können, so stellt sie doch in der mutmaßlich über Jahre dauernden Implementierungsphase eines Facharztes für Notfallmedizin eine geeignete Zwischenlösung dar. Zum einen können, aufbauend auf dieser ZWB, die ersten Fachärztinnen und Fachärzte für Notfallmedizin qualifiziert werden, zum anderen kann hierdurch dem akut bestehenden Bedarf nach besser qualifiziertem ärztlichem Personal in Kliniken für Notfallmedizin auch kurzfristig weiter nachgekommen werden. Daher plädiert das Autorenteam dafür, die ZWB „Klinische Akut- und Notfallmedizin“ bis auf Weiteres parallel zur Implementierung eines Facharzttitels „Notfallmedizin“ beizubehalten.

Potenzial

Die Implementierung der Facharztweiterbildung „Notfallmedizin“ mit klar definierten Inhalten und insgesamt kürzeren Weiterbildungszeiten hat das Potenzial, die Notfallversorgung in den kommenden Jahren zu stärken und die Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Fachrichtungen im ambulanten und stationären Bereich zu verbessern. Durch die Professionalisierung als eigenständiges Fachgebiet kann die Notfallmedizin sowohl eine hochqualitative medizinische Versorgung an der Sektorengrenze gewährleisten und gleichzeitig als „Lotse“ im komplexen System eines Krankenhauses fungieren. Dies führt zu einer effizienten Nutzung personeller Ressourcen und Bettenkapazitäten, während die Fachabteilungen durch eine gezieltere Einbindung von Spezialistinnen und Spezialisten entlastet werden.

Fazit

  • Eine qualitativ hochwertige notfallmedizinische Versorgung ist zentraler Baustein der Daseinsvorsorge und setzt den Einsatz von hoch qualifiziertem ärztlichem (und pflegerischem) Personal voraus.
  • Die meisten Länder in Europa verfügen mittlerweile über eine Facharztqualifikation „Notfallmedizin“. Deutschland zählt zu den wenigen Ländern ohne eine entsprechende Facharztqualifikation.
  • Die Zusatz-Weiterbildung „Klinische Notfall- und Akutmedizin“ wird den heutigen und zukünftigen Anforderungen in Hinsicht auf Qualifikation und Qualität der Versorgung sowie internationaler Ankerkennung nicht mehr gerecht.
  • Medizinische, organisatorische und gesundheitsökonomische Argumente unterstützen die Einführung eines Facharztes für Notfallmedizin.
  • Die Veröffentlichung dieses Curriculums soll eine Diskussionsgrundlage für eine strukturierte und praxisorientierte Weiterbildung zukünftiger Fachärztinnen und Fachärzte für Notfallmedizin darstellen.
  • Die Einführung und Umsetzung einer entsprechenden Weiterbildungsordnung liegt insbesondere im Aufgabengebiet der Landesärztekammern und erfordert daher einen konstruktiven Diskurs in der Ärzteschaft.

Einhaltung ethischer Richtlinien

Interessenkonflikt

M. Fandler, J. Lorenz, J. Wolff, N. Azad, R. Girshausen, C. Dodt, C. Wrede, R. Somasundaram und M. Pin geben an, dass kein Interessenkonflikt besteht.
Für diesen Beitrag wurden von den Autor/-innen keine Studien an Menschen oder Tieren durchgeführt. Für die aufgeführten Studien gelten die jeweils dort angegebenen ethischen Richtlinien.
Open Access Dieser Artikel wird unter der Creative Commons Namensnennung 4.0 International Lizenz veröffentlicht, welche die Nutzung, Vervielfältigung, Bearbeitung, Verbreitung und Wiedergabe in jeglichem Medium und Format erlaubt, sofern Sie den/die ursprünglichen Autor(en) und die Quelle ordnungsgemäß nennen, einen Link zur Creative Commons Lizenz beifügen und angeben, ob Änderungen vorgenommen wurden. Die in diesem Artikel enthaltenen Bilder und sonstiges Drittmaterial unterliegen ebenfalls der genannten Creative Commons Lizenz, sofern sich aus der Abbildungslegende nichts anderes ergibt. Sofern das betreffende Material nicht unter der genannten Creative Commons Lizenz steht und die betreffende Handlung nicht nach gesetzlichen Vorschriften erlaubt ist, ist für die oben aufgeführten Weiterverwendungen des Materials die Einwilligung des jeweiligen Rechteinhabers einzuholen. Weitere Details zur Lizenz entnehmen Sie bitte der Lizenzinformation auf http://creativecommons.org/licenses/by/4.0/deed.de.

Hinweis des Verlags

Der Verlag bleibt in Hinblick auf geografische Zuordnungen und Gebietsbezeichnungen in veröffentlichten Karten und Institutsadressen neutral.
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Titel
Facharztweiterbildung Notfallmedizin: Entwicklung eines umfassenden Weiterbildungs-Curriculums
Verfasst von
M. Fandler
J. Lorenz
J. Wolff
N. Azad
R. Girshausen
C. Dodt
C. Wrede
Prof. Dr. R. Somasundaram
M. Pin
Publikationsdatum
05.05.2025
Verlag
Springer Medizin
Schlagwort
Notfallmedizin
Erschienen in
Notfall + Rettungsmedizin / Ausgabe 7/2025
Print ISSN: 1434-6222
Elektronische ISSN: 1436-0578
DOI
https://doi.org/10.1007/s10049-025-01540-5

Supplementary Information

1
Aufgrund der Heterogenität der Bezeichnungen hat sich das Autorenteam entschieden, den Begriff „Klinik für Notfallmedizin“ statt der Bezeichnungen „Notaufnahme“ bzw. „Notfallaufnahme“, wie sie in der Musterweiterbildungsordnung der Bundesärztekammer von 2018 zu finden sind, zu verwenden. Dies soll auch verdeutlichen, dass sich diese Bereiche schon lange von einer „Ersten-Hilfe“ über eine „Not(fall)aufnahme“ als „Funktionsbereich“ zu eigenständigen medizinischen Hochleistungsbereichen für die unmittelbare Patientenversorgung entwickelt haben, die im Rahmen der Krankenhaus- und noch anstehenden Notfallreform noch mehr an Bedeutung gewinnen werden. Perspektivisch ist eine bundesweit einheitliche Bezeichnung anzustreben, andere mögliche Bezeichnungen sind „Notfallzentrum“ oder auch „Abteilung für Notfallmedizin“.
 
1.
Zurück zum Zitat Augurzky B, Beivers A, Dodt C (2017) Handlungsbedarf trotz Krankenhausstrukturgesetz: elf Thesen zur Reform der Notfallversorgung. RWI Position 68. https://www.econstor.eu/bitstream/10419/162134/1/889960267.pdf. Zugegriffen: 5. Nov. 2024
2.
Zurück zum Zitat Australasian College for Emergency Medicine (2022) FACEM training program handbook. https://acem.org.au/getmedia/696cd7e3-0d43-4357-bb58-151b73623a46/2024_7-2022-FACEM-Training-Handbook-D2. Zugegriffen: 5. Nov. 2024
3.
Zurück zum Zitat Behringer W, Brown R (2023) Status of the specialty Emergency Medicine in Europe. Eur J Emerg Med 30:386–388. https://doi.org/10.1097/MEJ.0000000000001069CrossRefPubMed
4.
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Immer mehr Ärztinnen und Ärzte arbeiten angestellt in Praxen bzw. MVZ. Was im Arbeitsvertrag geklärt werden kann und sollte und wo Risiken liegen, erklärt Medizin- und Arbeitsrechtlerin Gabriele Leucht.

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Medizinischen Rat von Chatbots auf der Basis sogenannter künstlicher Intelligenz haben laut Umfragen bereits knapp die Hälfte aller Erwachsenen schon einmal eingeholt. Welche Chancen und Risiken birgt das?

Auf körperliche Fixierung lässt sich oft verzichten

Bei erwachsenen, mechanisch beatmeten kritisch Kranken führt der Verzicht auf eine dauerhafte körperliche Fixierung im Vergleich zur routinemäßigen Anwendung von Handgelenkriemen nicht zu mehr Tagen mit Delirium oder Koma. Zu diesem Ergebnis kommt eine französische Studie.

Im Notfall "Kopfschmerzen" mit Augenultraschall schneller zur Diagnose

Bei Kopfschmerzen unklarer Ursache kann eine okuläre Sonografie früh Hinweise auf einen erhöhten Hirndruck liefern und damit die Entscheidung für eine Lumbalpunktion erleichtern. Bei einer 37-jährigen Frau führte diese zur Diagnose einer Varizella-zoster-Meningitis.

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