„Emergency critical care“ in der Notaufnahme. Literaturübersicht und aktuelle Konzepte
- Open Access
- 07.03.2024
- Notfallmedizin
- Übersicht
Zusammenfassung
Hintergrund
Der Schockraum – Eintrittspforte für kritisch kranke Patient:innen
Wie lange dauert die Schockraumversorgung?
„Exit block“ in Richtung Intensivstation
Verzögerte Intensivaufnahme – Auswirkungen auf das Behandlungsergebnis?
Emergency-critical-care-Initiativen in den USA
„Upstairs care, downstairs!“
Upstairs-care-downstairs-Modelle | Größe der Unit | Personalvorhaltung | Bisherige Erkenntnisse |
|---|---|---|---|
5 Schockräume und 9 Betten | Ärzt:innen: Notfallmediziner:innen und ggf. Intensivmediziner:innen, sowie „Intensivmedizin-Fellows“ Pflege: Intensivpflege und Notfallpflege nach mind. 8‑wöchiger Intensivrotation | Reduktion der 30-Tages-Mortalität aller Notaufnahmepatient:innen (um 15,4 %) | |
Reduktion der intensivmedizinischen Fehlbelegung (um 30 %) | |||
Verkürzung der Zeit bis zur intensivmedizinischen Aufnahme (5,3 vs. 3,4 h; p < 0,001) | |||
Reduktion von Krankenhauskosten (−1,3 %) | |||
Critical Care Resuscitation Unit (CCRU), University of Maryland [45] | 6 Betten | Ärzt:innen: „Intensivmedizin-Fellows“ und teilweise zusätzlich Notfallmediziner:innen Pflege: 3 Jahre intensivmedizinische Erfahrung | Verkürzung der Verlegungszeit (von 185 auf 108 min) |
Reduktion der Mortalität (OR 0,64; p = 0,019) | |||
Keine zusätzlichen Räume | Ärzt:innen: Notfallmediziner:innen und ggf. „Intensivmedizin-Fellows“ | Reduktion der Gesamtmortalität der versorgten Patient:innen bis 12,2 % | |
Erhöhung der abgesagten Intensivanmeldungen |
Das Emergency Critical Care Center (EC3) der University of Michigan
Die Critical Care Resuscitation Unit der University of Maryland
Das Emergency Critical Care Program des Stanford Hospital
Etablierung von ECC – Anforderungen und Ressourcen
Weiterversorgende stationäre Fachabteilung(en) | Diagnose/Erkrankung |
|---|---|
Allgemeinchirurgie | Ileus oder Perforation vor Op. |
Dermatologie | Anaphylaxie |
Gefäßchirurgie | Aortensyndrom oder Extremitätenischämie vor Op. |
Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde | Angioödem |
Innere Medizin | Respiratorische Insuffizienz, Kreislaufinstabilität bei gastrointestinaler Blutung oder Sepsis, metabolische Entgleisungen oder Elektrolytstörungen, höhergradige Herzrhythmusstörungen und kardiale Dekompensation |
Neurologie | „Stroke“ (± Lyse), Krampfanfall |
Neurochirurgie | SDH, SAB, ICB |
Psychiatrie | Intoxikationen, Suizidversuche |
Unfallchirurgie | Polytrauma „light“ nach Schockraum |
Zusammenfassung und Ausblick
Fazit für die Praxis
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Obwohl der G‑BA-Beschluss vorschreibt, dass beatmete Patient:innen innerhalb von 60 min auf die Intensivstation aufgenommen werden müssen, verbleiben im klinischen Alltag beatmete und/oder anderweitig intensiv- oder überwachungspflichtige Patient:innen aufgrund von Bettenmangel häufig länger in der Notaufnahme.
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„Emergency critical care“ (ECC) stellt ein innovatives Konzept zur frühestmöglichen Versorgung kritisch kranker Patient:innen auf hohem Niveau bereits in der Notaufnahme dar.
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Daten aus angloamerikanischen „ECC units“ (ECCU), „critical care resuscitation units“ (CCRU) oder auch „emergency department-intensive care units“ (ED-ICU) belegen, dass ein bedeutender Anteil der anfangs schwer kranken Patient:innen stabilisiert werden kann und später keine Notwendigkeit mehr für eine intensivmedizinische Behandlung besteht.
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Es gibt Hinweise darauf, dass ECC bei gleichen Gesamtkosten die Mortalität aller, also auch nichtintensivpflichtiger Patienten in der Notaufnahme signifikant reduziert.
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Die Implementierung von ECC bedarf einer strukturierten Qualifizierung des ärztlichen und pflegerischen Personals in den Notaufnahmen.
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Aufgrund des Ressourcenbedarfs wird sich ECC vermutlich zuerst in Notfallzentren von Maximalversorgern und Universitätskliniken etablieren.