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Langzeitüberlebende einer Krebserkrankung können auch viele Jahre nach der Erkrankung an Langzeit- oder Spätfolgen leiden. Nach Abschluss der strukturierten, onkologischen Nachsorge verbleibt häufig der Hausarzt Ansprechpartner für diese Patienten. Jedoch bestehen oftmals Informations- oder Wissenslücken zur zurückliegenden Erkrankung, zu erhaltenen Therapien sowie zu möglichen Langzeit- und Spätfolgen.
Fragestellung
Ziel der Studie war es, zu untersuchen und darzustellen, welche Informationen (Inhalt und Format) nach erfolgter und abgeschlossener onkologischer Nachsorge an den betreuenden Hausarzt weitergeleitet werden sollten, um eine bedarfsgerechte hausärztliche Versorgung von Langzeitüberlebenden zu unterstützen.
Material und Methoden
Die qualitative Studie wurde mit Hausärzten aus dem Forschungspraxennetz SaxoForN in Dresden und Frankfurt am Main durchgeführt und bestand aus 3 Phasen: a) Interviews mit Hausärzten zu Inhalt und Form von konstruierten Fallvignetten aus der Onkologie, b) Thinking-aloud-Interview mit einer Onkologin zur Erfassung der onkologischen Perspektive beim Verfassen eines Berichts, c) Workshop mit Hausärzten und einer Onkologin zur Erarbeitung von Empfehlungen zur Erstellung von onkologischen Abschlussberichten für Hausarztpraxen. Die Analyse der Transkripte bzw. Protokolle erfolgte inhaltlich zusammenfassend.
Ergebnisse
Es beteiligten sich 14 Hausärzte an den Interviews und 6 Hausärzte an dem Workshop. Eine Onkologin beteiligte sich am Workshop sowie dem Thinking-aloud-Interview. Die Ergebnisse aus allen drei Studienphasen wurden in einer Empfehlungsliste zusammengefasst. Diese spiegelt die Perspektive und Bedarfe der Hausärzte wider, welche Informationen sie in welcher Form zur Versorgung von Langzeitüberlebenden einer Krebserkrankung benötigen. Dazu gehören Diagnosen, durchgeführte Therapien inkl. potenzieller Spätfolgen sowie Handlungsempfehlungen für die weitere Betreuung im hausärztlichen Setting. Die Informationen sollten kurz und prägnant sein, hausärztliche Handlungsspielräume ermöglichen sowie die spezifischen Rahmenbedingungen in der Primärversorgung berücksichtigen.
Schlussfolgerung
Es wurden empirisch gestützte Empfehlungen zur Gestaltung onkologischer Abschlussberichte formuliert, um Hausärzte bei der weiteren Versorgung von Langzeitüberlebenden nach Abschluss der onkologischen Nachsorge gezielt zu unterstützen. In einem nächsten Schritt ist die Implementierung dieser Empfehlungen sowie deren Evaluation notwendig.
In der Online-Version dieses Artikels (https://doi.org/10.1007/s00761-025-01867-1) finden Sie die COREQ-Checkliste in Anhang 1 und die Empfehlungen zum Verfassen von onkologischen Abschlussberichten im A6-Format zum Ausdrucken in Anhang 2.
Zur besseren Lesbarkeit wird im Text das generische Maskulinum verwendet; alle Personenbezeichnungen beziehen sich gleichermaßen auf alle Geschlechter.
Der Verlag bleibt in Hinblick auf geografische Zuordnungen und Gebietsbezeichnungen in veröffentlichten Karten und Institutsadressen neutral.
Hintergrund
Die Anzahl der Langzeitüberlebenden einer Krebserkrankung ist in den letzten Jahren gestiegen [4, 44]. Der Hausarzt ist – auch für Langzeitüberlebende einer Krebserkrankung – in seiner Rolle als ganzheitlicher Primärversorger häufig Anlaufstelle bei vielfältigen gesundheitlichen Anliegen [12, 37]. Dieser hat in der Regel durch eine langjährige Arzt-Patienten-Beziehung ein vielfältiges Wissen über seinen Patienten [11], jedoch konnten Studien zeigen, dass es bezüglich der zurückliegenden Krebserkrankung oftmals Informations- und Wissenslücken gibt [10, 11, 13, 28, 32] und Hausärzte besser über mögliche Langzeit- und Spätfolgen informiert sein sollten [32].
Insgesamt nehmen Patienten nach Krebserkrankungen häufiger Hausarztkontakte in Anspruch als die Allgemeinbevölkerung [18, 24]. Meist geschieht dies aufgrund akuter Beschwerden wie Infektionen oder anderer Symptome [18]. Gleichzeitig nimmt die Zahl der Kontakte zu Onkologen im Zeitverlauf ab [37]. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit, dass Hausärzte wissen, auf welche speziellen Aspekte sie bei Krebsüberlebenden besonders achten sollten und wie mit medizinischen Auffälligkeiten adäquat umgegangen werden sollte [6, 39].
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Als „Langzeitüberlebende“ werden im Folgenden Patienten bezeichnet, deren onkologische Nachsorge abgeschlossen ist. Trotz ihres Überlebens können diese Patienten weiterhin mit psychischen, somatischen und sozialen Belastungen konfrontiert sein [35]. Dabei wird zwischen Langzeitfolgen, die Patienten seit der Therapie dauerhaft begleiten, und Spätfolgen, die noch viele Jahre nach der erhaltenen Therapie auftreten können, unterschieden [2].
Langzeitüberlebende haben, im Vergleich zum Risiko der Allgemeinbevölkerung für die Entstehung eines Ersttumors, ein höheres Risiko für weitere Krebserkrankungen [6, 14], Rezidive [6, 34] und auch für weitere Erkrankungen wie z. B. kardiovaskuläre Erkrankungen [9, 39]. Dies zeigt sich in spezifischen Empfehlungen, die in Leitlinien oder von Expertengruppen formuliert werden. Sie adressieren diese Risiken und weichen daher gegebenenfalls von Empfehlungen für die Allgemeinbevölkerung ab [9]. Es gibt eine Vielzahl von Empfehlungen und Leitlinien, die entitätsspezifisch oder übergreifend sind, oder einzelne Aspekte adressieren, wie z. B. die Ernährung von Patienten mit Krebserkrankungen [23, 38, 43]. Allerdings wird in Reviews die Qualität der Leitlinien zu Krebsüberlebenden kritisiert, oftmals fehlt Evidenz bzw. liegen Studien nur in mangelnder Qualität vor [23, 38]. Gleichzeitig besteht weiterer Forschungsbedarf bezüglich Langzeitfolgen und Nachsorge [14].
In Deutschland gibt es für Langzeitüberlebende nach Abschluss der onkologischen Therapie verschiedene Unterstützungsangebote (bspw. Rehabilitation, psychosoziale Beratung, Selbsthilfegruppen, therapeutische Angebote), jedoch fehlen bisher sowohl eine übergeordnete Koordinierung dieser Versorgungsangebote als auch eine flächendeckende Versorgung [4]. Auch Patienten äußern den Bedarf an weiterer langfristiger Unterstützung und Informationen und wünschen sich, diese von einer gleichbleibende Ansprechperson zu erhalten [27].
Ziel der vorliegenden Studie ist es zu beschreiben, welche Informationen (Inhalt und Format) aus der Onkologie speziell zum Zeitpunkt des Abschlusses der onkologischen Nachsorge für eine Versorgung von Langzeitüberlebenden in der Hausarztpraxis in Deutschland notwendig sind, um langfristig eine adäquate Versorgung der spezifischen Bedürfnisse unter Beachtung der Risiken zu ermöglichen.
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Methode
Die Studie wurde der Ethikkommission der Goethe-Universität angezeigt. Nach Auskunft vom 11.08.2022 ist nach § 15 Berufsordnung hessischer Ärzte kein formales Ethikvotum notwendig, da keine Patienten involviert sind. Die Darstellung der vorliegenden Arbeit erfolgte gemäß der COREQ-Checklist ([40]; siehe Anhang 1 der Online-Version des Artikels).
Studiendesign und Population
Diese Teilstudie im Rahmen der LoTeCaS-GP-Studie wurde mit Hausärzten aus Sachsen und Hessen (Deutschland) durchgeführt (DRKS-Registrierung: DRKS00032802). Zur Rekrutierung der Teilnehmer wurden alle Praxen des allgemeinmedizinischen Forschungspraxennetzes SaxoForN [21, 29] eingeladen – sowohl per E‑Mail als auch im Rahmen von Veranstaltungen.
Die qualitative Studie setzt sich aus 3 Phasen zusammen: a) semistrukturierte Telefoninterviews; b) Thinking-aloud-Verfahren und c) Workshop. Der Fokus der vorliegenden Publikation liegt auf der Darstellung der erarbeiteten Empfehlungsliste.
Durchführung und Analyse
a)
Erfassung der Perspektive der Hausärzte: In einer ersten Phase wurden semistrukturierte Telefoninterviews mit Hausärzten durchgeführt. Grundlage der Interviews bildeten zwei fiktive sogenannte „Abschlussberichte“, die inhaltlich jeweils auf einer Fallvignette basierten und im Vorfeld gemeinsam mit einer Onkologin (TH) und mit Unterstützung von zwei Hausärzten entwickelt wurden. Die Berichte illustrierten exemplarisch den Zeitpunkt des Abschlusses der onkologischen Nachsorge zweier Krebspatienten mit unterschiedlichen Krebsdiagnosen (Burkitt-Lymphom bzw. Hodgkin-Lymphom) und unterschiedlichen Merkmalen (älterer Mann bzw. jüngere Frau) am Übergang zur hausärztlichen Betreuung. Kurz vor dem Interview erhielten die Teilnehmenden einen der fiktiven Berichte. Die Zuteilung erfolgte alternierend zum jeweiligen Interviewtermin. Die Struktur der beiden Berichte war identisch und ist in Abb. 1 dargestellt. Die Teilnehmenden wurden im Gespräch zu ihrer Einschätzung hinsichtlich Inhalt und Form befragt. Des Weiteren wurden individuelle Praxisabläufe und Erfahrungen mit onkologischen Informationen zum Zeitpunkt der abgeschlossenen Nachsorge erfragt.
Die Interviews wurden von zwei in qualitativer Versorgungsforschung erfahrenen Diplom-Psychologinnen (CG, AAK) durchgeführt. Es erfolgte zunächst ein Pretest des Leitfadens. Die Interviews wurden audioaufgezeichnet und anschließend durch ein externes Schreibbüro wörtlich transkribiert, wobei personenbezogene Informationen entfernt wurden. Die Dateien wurden unter einem Pseudonym abgespeichert. Die Auswertung erfolgte durch CG und AAK induktiv, inhaltlich strukturierend in Anlehnung an Kuckartz [25] mithilfe von MAXQDA 18 und 20 (VERBI – Software. Consult. Sozialforschung. GmbH, Berlin, Deutschland).
Hausärzte nahmen freiwillig auf Basis einer informierten, schriftlichen Einwilligung teil und erhielten eine Aufwandsentschädigung in Höhe von 50 €. Alle Hausärzte, die die Einwilligungserklärung unterzeichnet hatten, beteiligten sich an dem Interview und es erfolgte kein Widerruf. Im Vorfeld des Interviews füllten die teilnehmenden Ärzte einen Fragebogen zu soziodemografischen Angaben wie Alter, Geschlecht, Praxisart und -ort und Anzahl versorgter Patienten pro Quartal aus.
b)
Erfassung der Perspektive der Onkologin: Anschließend wurde ein Thinking-aloud-Verfahren während des Verfassens eines Abschlussberichts, inklusive eines anschließenden Interviews mit Probing [7], mit einer Onkologin (TH: tätig in einer Langzeitnachsorgesprechstunde für Krebspatienten und Projektpartnerin) durchgeführt. Es erfolgten eine Audioaufzeichnung der Sitzung sowie schriftliche Notizen durch die in qualitativer Versorgungsforschung erfahrene Wissenschaftlerin (SaS). Untersucht wurden sowohl die Überlegungen, die das Verfassen eines onkologischen Abschlussberichts leiten, als auch relevante lokale Rahmenbedingungen sowie die aus onkologischer Sicht besonders wichtigen Informationen für die hausärztliche Weiterbetreuung. Die Onkologin nahm freiwillig auf Basis einer informierten, schriftlichen Einwilligung teil und erhielt keine Aufwandsentschädigung.
Die Dokumentation (SaS) erfolgte mittels Audioaufzeichnung als Gedächtnisstütze sowie mittels handschriftlicher Notizen. Auf dieser Grundlage wurde anschließend eine schriftliche Zusammenfassung erstellt (SaS).
c)
Erfassung der Interaktion beider Perspektiven: Aufbauend auf den Ergebnissen der Interviews und des Thinking-aloud-Verfahrens war es Ziel des zweistündigen Präsenzworkshops mit Hausärzten und einer Onkologin (TH), Empfehlungen für onkologische Informationen (Inhalt und Form) für die hausärztliche Langzeitbetreuung von Langzeitüberlebenden zu erarbeiten. Die Veranstaltung wurde durch eine Moderatorin (CG) und Ko-Moderatorin (SaS) geleitet, welche Diskussionsinhalte auf Kärtchen notierten und an einer Pinnwand zur Diskussion und Reflexion sichtbar machten. Zudem erfolgte eine schriftliche Protokollierung (AAK). Hausärzte nahmen auf Basis einer informierten, schriftlichen Einwilligung teil und erhielten eine Aufwandsentschädigung in Höhe von 100 € sowie eine Erstattung der Reisekosten. Im Vorfeld des Workshops füllten die teilnehmenden Hausärzte einen Fragebogen zu soziodemografischen Angaben wie Alter, Geschlecht, Praxisart und -ort aus.
Die anschließende Auswertung des schriftlichen Dokumentationsmaterials erfolgte inhaltlich zusammenfassend und wurde gemeinsam mit den Ergebnissen der beiden anderen Projektphasen von AAK in Abstimmung mit CG und SaS in einer Empfehlungsliste zusammengeführt.
Abb. 1
Struktureller Aufbau der fiktiven Abschlussberichte
An den Interviews beteiligten sich im Zeitraum von September bis November 2022 14 Hausärzte (7 Frauen) im Alter zwischen 35 und 71 Jahren aus Hessen und Sachsen. Die Interviews dauerten jeweils 30–60 min. Weitere soziodemografische Merkmale sind in Tab. 1 dargestellt.
Tab. 1
Soziodemografische Merkmale der an den Interviews und dem Workshop teilnehmenden Hausärzte
Merkmal
Interviewteilnehmer – Anzahl/Range
Workshopteilnehmer – Anzahl/Range
Geschlecht
7 Frauen/7 Männer
4 Frauen/2 Männer
Alter
35–71 Jahre
38–62 Jahre
Jahre hausärztlich tätig
2–47 Jahre
10–25 Jahre
Praxisart
Einzelpraxis
8
5
Gemeinschaftspraxis
5
1
Praxisgemeinschaft
1
0
Praxisort
Großstadt
5
2
Größere Kleinstadt
4
2
Ländliche Kleinstadt
3
2
Dörfliche Siedlung
2
0
Anzahl versorgter Patienten pro Quartal
500–1499
5
4
1500–2499
4
1
2500–3499
4
1
> 4000
1
0
In den induktiv generierten Kategorien wurden Inhalte zu folgenden Themen identifiziert:
a)
Langfristige Betreuung (hausärztliches Vorgehen bei der Betreuung von Langzeitüberlebenden inkl. Zusammenarbeit mit Kollegen)
b)
Hausärztliche Rahmenbedingungen und Adaptationen (wie Empfehlungen in der Alltagsroutine umgesetzt und ggf. angepasst werden, beeinflusst durch die ärztliche Perspektive, aber auch Abrechnungsmöglichkeiten und Budgetfragen)
c)
Hausärztliche Informationsverwaltung (wie aktuell Informationen aus der Onkologie in der Praxis gespeichert und verwaltet werden)
d)
Selbstmanagement von Langzeitüberlebenden (gesunde Lebensführung, Terminmanagement, Weitergabe von Berichten, Unterstützung durch Hausärzte)
e)
Aspekte zum Format von Abschlussberichten (Wünsche, Lesegewohnheiten)
f)
Als wichtig bzw. unwichtig erachtete Informationen in Abschlussberichten
g)
Befunde in Abschlussberichten (was gewünscht wird und wie damit umgegangen wird)
In den Interviews deuteten sich bereits folgende Spannungsfelder an: Einerseits bestand der Bedarf an ausführlichen Informationen und andererseits – bedingt durch sehr knappe zeitliche Ressourcen im Versorgungsalltag – der Wunsch nach kompakten, prägnanten Übersichten. Die Herausforderung besteht daher darin, Formate zu verwenden, die weder zu kompakt sind, sodass relevante Informationen fehlen, noch zu ausführlich, sodass relevante Informationen gar nicht oder nur teilweise gelesen werden. Informationen zu potenziellen Langzeitfolgen und Empfehlungen zum weiteren Prozedere wurden von den befragten Hausärzten grundsätzlich sehr positiv bewertet, standen jedoch teilweise nicht im Einklang mit den spezifischen Abrechnungsmöglichkeiten und budgetären Rahmenbedingungen in der hausärztlichen Versorgung. Im Kontext der Früherkennung möglicher Langzeitfolgen eröffnete sich ein weiteres Spannungsfeld zwischen einerseits der Gefahr, relevante Folgeereignisse wie Rezidive, weitere Krebs- oder Folgeerkrankungen zu übersehen, und andererseits einer potenziellen Überdiagnostik mit damit verbundener Ressourcenverschwendung, aber auch möglichen physischen und psychischen Belastungen für die Patienten.
Thinking-aloud-Verfahren
Im Juni 2023 wurden im Thinking-aloud-Verfahren inkl. Interview mit Probing sowohl die strukturellen Rahmenbedingungen als auch die zugrunde liegenden Gedanken und Intentionen beim Verfassen eines onkologischen Abschlussberichts deutlich. Die Gegenüberstellung mit den Interviewergebnissen zeigte eine überwiegende Übereinstimmung zwischen den Perspektiven der Hausärzte und der Onkologin in Bezug auf die Inhalte der Berichte. Unterschiedliche Präferenzen zeigten sich dagegen im Format der Darstellungen. Während die Onkologin Fließtexte präferierte, um medizinische Zusammenhänge der Informationen zu erläutern, präferierten die Hausärzte kurze und prägnante Texte, idealerweise in Stichpunkt- und Tabellenform. Technische Gegebenheiten führten zudem dazu, dass für die Berichte Passagen aus der digitalen Patientenakte aus dem Verwaltungssystem automatisch übernommen wurden und durch eine individuelle Zusammenfassung durch die Onkologin ergänzt wurden. Daraus resultierten ausführliche und teils redundante Textabschnitte.
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Workshop
An dem Workshop im April 2024 in Frankfurt am Main beteiligten sich 6 Hausärzte (4 Frauen) sowie eine Onkologin (TH) aus dem Frankfurter Umland und Südhessen. Die teilnehmenden Hausärzte hatten zuvor nicht an den Interviews teilgenommen. Die soziodemografischen Angaben der Hausärzte sind Tab. 1 zu entnehmen.
Im Workshop wurden die Perspektiven von Onkologie und Hausarztmedizin gemeinsam diskutiert und die jeweiligen Gegebenheiten und Bedarfe wechselseitig dargelegt. Als übergeordnete Ziele der Abschlussberichte wurde festgehalten, möglichst viele Informationen in kurzer Zeit zu transportieren und dem Hausarzt zu ermöglichen, an vorherige Behandlungen und Untersuchungen nahtlos anknüpfen zu können. Die Abschlussberichte sollen insbesondere die hausärztliche Beratung des Patienten unterstützen. Patienten kämen mit dem Bericht, vielen Fragen, aber auch einer Erwartungshaltung bzgl. der weiteren Versorgung in die hausärztliche Praxis.
Synthese – Empfehlungsliste
Die aus den drei Projektphasen abgeleiteten Empfehlungen sind in Form einer Empfehlungsliste zusammengeführt (Abb. 2 sowie im A6-Format in Anhang 2 der Online-Version des Artikels). Die Empfehlungen richten sich an onkologisch tätige Ärzte und benennen zentrale Aspekte zur strukturierten und adressatengerechten Gestaltung von Abschlussberichten, die nach Abschluss der onkologischen Nachsorge an Hausarztpraxen übermittelt werden.
Abb. 2
Empfehlungen zum Verfassen von an Hausarztpraxen gerichteten onkologischen Abschlussberichten
Die Empfehlungen sind in zwei Abschnitte gegliedert: Im oberen Teil befinden sich „Dos“, also Empfehlungen, die umgesetzt werden sollen, und im unteren Teil als Gegenstück „Don’ts“, Aspekte, die vermieden werden sollen. Diese beiden Abschnitte sind im Folgenden zu Erklärungszwecken zusammengefasst.
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Der Abschnitt „Relevante Informationen“ gibt einen Überblick darüber, welche verschiedenen inhaltlichen Aspekte ein Abschlussbericht nach abgeschlossener onkologischer Nachsorge abdecken sollte.
Anamnese, Abschlussstatus und Epikrise.
Zu den für die weiterführende hausärztliche Versorgung relevanten Informationen gehört neben der Darstellung der onkologischen Diagnose auch eine Übersicht der weiteren Diagnosen eines Patienten. Der Fokus liegt dabei auf der Darstellung der onkologischen sowie assoziierten Erkrankungen; auf detaillierte Einschätzungen weiterer Diagnosen kann meist verzichtet werden, da diese dem Hausarzt in der Regel bekannt sind. Des Weiteren wurde eine kurze Darstellung von Anamnese (ggf. im Fließtext) und Epikrise gewünscht. Komplikationen während der Therapie bzw. (Langzeit‑)Folgen sind ebenfalls zu listen, um eine gezielte Therapieeinleitung zu ermöglichen und Doppeluntersuchungen zu vermeiden. Symptome und Befinden des Patienten können entsprechend besser eingeordnet werden. Dazu gehört auch, aktuelle Diagnostik im Anhang zum Nachlesen darzustellen. Bei Laborwerten ist auf eine tabellarische Darstellung inkl. Normwerten zu achten.
Therapie(n).
Des Weiteren wünschten sich Hausärzte, dass die aktuelle Medikation bzw. der aktuelle Medikationsplan im Bericht ersichtlich ist. Zum Kernstück des Berichts gehört eine Darstellung möglicher Spätfolgen der erhaltenen onkologischen Therapie(n). Dazu bietet sich eine tabellarische Darstellung bzw. Gegenüberstellung der Medikamente, aber auch ggf. Bestrahlung(en) an, die ein Patient erhalten hat (inkl. Dauer der Einnahme/Anwendung), mit den assoziierten möglichen Spätfolgen, welche nach ihrer Auftretenswahrscheinlichkeit priorisiert werden sollten.
Weiteres.
Zudem wurde gewünscht, dass das weitere Prozedere zur hausärztlichen Versorgung, also Informationen darüber, welche (Kontroll‑) Untersuchungen in Zukunft wichtig sind, dargestellt wird. Auch ein Ausblick, wie sich Risiken im weiteren Zeitverlauf verändern und Kontrollen ggf. angepasst werden sollten, wurde von den Hausärzten gewünscht. Weiterhin sollten Empfehlungen dargestellt werden, welche bereits im Vorfeld mit dem Patienten besprochen wurden und dieser in Eigenverantwortung umsetzen sollte. Dazu zählen auch Hinweise zu bereits bestehenden oder angebahnten Versorgungsanbindungen sowie ggf. empfohlenen Kontaktdaten.
Besonderheiten bei Impfungen, einschließlich etwaiger Abweichungen von den allgemeinen Impfempfehlungen, sollten zusammen mit dem aktuellen Impfstatus klar dargestellt werden. Die Angabe von Kontaktdaten eines Ansprechpartners sind für Rückfragen und den weiteren interkollegialen Austausch hilfreich.
Zu den beiden relevanten Informationen „weiteres Prozedere“ und „Diagnostik“ sind weitere spezifische Empfehlungen im folgenden Abschnitt „Format“ erläutert.
Der Abschnitt „Format“ gibt Hinweise zur allgemeinen Gestaltung und strukturellen Aufbereitung von Abschlussberichten.
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Generelle Formathinweise.
Ein Bericht sollte möglichst kurz gehalten sein und gleichzeitig alle relevanten Informationen prägnant darstellen. Hilfreich ist der Verzicht auf Fließtext zugunsten von Stichpunkten, prägnanten Schlagworten sowie tabellarischen Übersichten. Thematische Gruppierungen der Inhalte helfen Redundanzen zu vermeiden und bieten dem Leser somit eine schnelle Orientierung und Übersicht. Die Übernahme vollständiger Passagen aus der Patientenakte begünstigt Redundanzen, da diese Informationen in der Regel unstrukturiert sind. Informationen, die für Ärzte relevant sind, sollten klar von Informationen, die speziell an Patienten gerichtet sind bzw. mit diesen besprochen wurden, getrennt werden (vgl. Abschnitt „Relevante Informationen“).
Dieses Kapitel war für die meisten Hausärzte in dieser Form bisher nicht bekannt, wurde jedoch sehr geschätzt und begrüßt. Es gilt auch hier zu beachten, Inhalte auf das Wesentliche zu reduzieren und bezüglich der zeitlich anstehenden Abfolge der empfohlenen Kontrollen chronologisch zu strukturieren.
Zur Darstellung des weiteren Prozederes, also welche Kontrolluntersuchungen vorgesehen sind und welche spezifischen Risiken im Blick behalten werden sollten, wünschten sich Hausärzte, dass die Informationen nach der Wahrscheinlichkeit ihres Auftretens sortiert und durch eine Risikoklassifizierung (z. B. „hohes“, „mittleres“, „geringes Risiko“) ergänzt werden. Dabei sollte ein gewisser Handlungs- und Entscheidungsspielraum für die hausärztliche Umsetzung belassen werden. Das bedeutet, auf restriktive und zu spezifische Empfehlungen zu verzichten, wenn diese auch allgemeingültiger formuliert werden können. So könnte beispielsweise statt der Verordnung eines bestimmten Nahrungsmittels die Empfehlung lauten: „auf eine hochkalorische Ernährung achten“. Hausärzte wünschten sich, dass Empfehlungen entsprechend allgemeiner formuliert werden und stärker auf das angestrebte Ziel und die dahinterliegende Begründung fokussieren, weniger auf konkrete Maßnahmen. Zu restriktive Vorgaben bergen mehrere Risiken: Einerseits können sie unrealistische Patientenerwartungen erzeugen oder Verunsicherungen auslösen, andererseits besteht die Gefahr, dass sie an praktischen Hürden wie Budgetgrenzen, strukturellen Vorgaben oder begrenzter regionaler Verfügbarkeit scheitern. Nicht umsetzbare Empfehlungen, etwa aufgrund von Budget, nicht verfügbaren Therapeuten oder Terminen in der Region, können zu Verunsicherungen bei Patienten und zu Konflikten in der Arzt-Patienten-Beziehung führen. Darüber hinaus ist der Handlungs- und Entscheidungsspielraum wichtig, um ein hausärztliches Vorgehen im Sinne der partizipativen Entscheidungsfindung zu fördern, welches den Patientenwillen berücksichtigt und damit die Compliance des Patienten stärkt. Zur Darstellung der vorgesehenen Kontrolluntersuchungen bevorzugten einige Hausärzte eine Art Checklistenformat inkl. Zeitplan.
Besonderheiten, also notwendige Abweichungen im Vergleich zur Versorgung der Allgemeinbevölkerung (z. B. Kontrolluntersuchungen, Grenzwerte), sollten erläutert und hervorgehoben werden. Hausärzte wünschten sich, entsprechend möglichen „red flags“ sensibilisiert zu werden, um sichtbar zu machen, was übersehen werden könnte, besonders ist oder durch gezielte Maßnahmen beeinflussbar wäre.
Diagnostik.
Zur Diagnostik ist wünschenswert, dass die zuletzt erhobenen, aktuellen und relevanten Befunde im Anhang zu finden sind. Bei besonderen bzw. im hausärztlichen Setting unüblichen Scores und Testwerten sollte ggf. eine kurze Erläuterung der Bedeutung angegeben werden.
Diskussion
Es wurden auf Basis von Interviews, einem Thinking-aloud-Verfahren und einem Workshop empirisch gestützte Empfehlungen formuliert, die onkologisch tätige Ärzte beim Verfassen von Abschlussberichten an Hausarztpraxen unterstützen und die die Bedarfe der Hausärzte hinsichtlich benötigter Informationen zur Versorgung von Langzeitüberlebenden nach Abschluss der onkologischen Nachsorge widerspiegeln. Bislang liegen nach unserem Wissen in Deutschland für diese wichtige Schnittstelle keine Empfehlungen zur gezielten und strukturierten Informationsweitergabe vor, daher schließt diese explorative Studie eine versorgungsrelevante Wissenslücke.
Die Empfehlungen sollen dazu beitragen, dass Hausärzten relevante Informationen strukturiert zur Verfügung gestellt werden, die in der hausärztlichen Versorgung wahrgenommen und umgesetzt werden können. Zudem sollen sie onkologisch tätige Ärzte im Verständnis für die Gegebenheiten in der hausärztlichen Praxis sensibilisieren. Darüber hinaus sollen die Empfehlungen eine verbesserte Kommunikation zwischen Onkologie und Hausarztpraxis fördern und so einen Beitrag zur Optimierung der Versorgung von Langzeitüberlebenden und einer nahtlosen Weiterversorgung durch den Hausarzt leisten. Die Empfehlungen geben Hinweise sowohl zu den Inhalten, die Abschlussberichte enthalten sollten, – etwa Informationen zu Diagnosen, Therapien einschließlich möglicher Spätfolgen sowie zum weiteren Prozedere der hausärztlichen Versorgung – als auch zum Format und zur Darstellung dieser Informationen. Diese sollten kurz und prägnant sein, in Stichpunkten dargestellt werden und Handlungsspielraum für Hausärzte belassen.
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Nach unserem Kenntnisstand ist dies die erste Studie, die in Deutschland onkologische Informationsbedarfe von Hausarztpraxen explizit nach Abschluss der strukturierten onkologischen Nachsorge untersucht sowie auf die weitere hausärztliche Versorgung von Langzeitüberlebenden einer Krebserkrankung fokussiert.
In Deutschland hat die Experten-Arbeitsgruppe Langzeitüberleben nach Krebs (AG LONKO) im Nationalen Krebsplan die Etablierung ganzheitlicher Survivorship-Programme empfohlen, die ab Abschluss der Akuttherapie ansetzen sollen [3]. Sie sprach sich außerdem für die Etablierung sogenannter Nachsorgepässe aus, die „neben den Nachsorgeempfehlungen […] auch die Informationen zur Tumordiagnose und -therapie (einschließlich deren Komplikationen) sowie die ggf. bestehenden Komorbiditäten des/der Patienten/Patientin zusammenfassen“ [1].
Auch internationale Leitlinien verschiedener Fachgesellschaften empfehlen seit Längerem die Erstellung sogenannter „survivorship care plans“ (SCP), welche Patienten nach Abschluss der Akuttherapie erhalten sollen [17, 31, 41, 42]. In unterschiedlichem Detailierungsgrad beziehen sich die empfohlenen Inhalte, ähnlich wie in den vorliegenden Empfehlungen, auf die Darstellung der Diagnosen, erhaltener Therapien, möglicher Langzeit- und Spätfolgen sowie Nachsorgeempfehlungen [17, 31, 41]. Vardy et al. (2019) betonen dabei die Notwendigkeit einer kontinuierlichen Überprüfung und Aktualisierung solcher Pläne [41].
In einer Befragung von Hausärzten zu Informationen aus der Onkologie bezüglich der Versorgung von Brustkrebspatienten zeigten sich ähnliche Wünsche an das Format wie in der vorliegenden Studie. Die Mehrheit bevorzugte Stichpunkte (43 %), gefolgt von einer Kombination aus Stichpunkten und Fließtext (38 %; [36]). Am wichtigsten eingeschätzte Informationen waren ebenfalls die Diagnose, erhaltene Therapien sowie Nachsorgeempfehlungen [36].
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Eine aktuelle Studie aus dem Jahr 2023 zu adoleszenten und jungen erwachsenen Langzeitüberlebenden konnte in Befragungen von Hausärzten zeigen, dass diese zwar häufig SCP aus der Onkologie erhalten, die Berichte aber nur selten Informationen zu Spät- und Langzeitfolgen sowie Nachsorgeempfehlungen enthalten [16]. Diese inhaltlichen Lücken decken sich mit Ergebnissen der vorliegenden Studie. Als geeignete Zeitpunkte für den Erhalt solcher Pläne wurden sowohl der Abschluss der Akuttherapie als auch der Wechsel zwischen Versorgern benannt und die Pläne selbst wurden als hilfreich für die Versorgung eingeschätzt [16]. Eine Analyse von SCP zeigte zudem, dass vor allem Lücken in den Nachsorgeempfehlungen vorhanden waren bzw. diese nicht immer mit aktuellen Leitlinienempfehlungen übereinstimmten, was in Über- bzw. Unterversorgung resultieren kann [8].
Die vorliegende Evidenz zur Wirksamkeit von SCP bezieht sich bislang überwiegend auf die Perspektive der Patienten [5, 19, 20, 22]. Die Studienergebnisse sind dabei heterogen und weisen lediglich begrenzt auf positive Effekte hin, diese betreffen vor allem proximale Faktoren wie Zufriedenheitsfaktoren [19, 20, 22, 26]. Daten zu langfristigen Effekten fehlen bislang [5]. Reviews, die die Perspektive der Versorgenden erfassen, konnten ebenfalls Hinweise auf Zufriedenheit, bessere Versorgungskoordination und Kommunikation sowie erhöhtes Wissen und ein Gefühl der Sicherheit in der Versorgung finden [15, 19, 26]. Gleichzeitig zeigen sich in der Umsetzung relevante Herausforderungen, wie der zusätzliche Ressourcenbedarf zur Erstellung der SCP [19] sowie technische Hürden beim Integrieren der Informationen in die eigenen Praxisverwaltungssysteme (PVS; [30, 33]). Zudem gibt es Hinweise darauf, dass SCP bzw. Berichte im weiteren Zeitverlauf durch die Behandler teilweise nicht wiedergefunden werden [33], und es werden Fragen aufgeworfen hinsichtlich der langfristigen Gültigkeit und Aktualität der Nachsorgeempfehlungen [30]. Zu den Themen Langzeitfolgen und Nachsorge besteht allerdings noch Forschungsbedarf [14], aber auch die Qualität von Leitlinien wird in Reviews kritisiert [23, 38].
Ziel der vorliegenden Arbeit war es, Empfehlungen aus der Perspektive von Hausärzten zur Gestaltung onkologischer Abschlussberichte zu formulieren, um die hausärztliche Versorgung von Langzeitüberlebenden nach Abschluss der onkologischen Nachsorge optimal zu unterstützen. In einem nächsten Schritt ist die Überführung dieser Empfehlungen in eine gemeinsam mit Onkologen und Hausärzten konsentierte, praxisgerechte Handreichung notwendig, bevor die Implementierung und Evaluation – u. a. mit einer größeren Anzahl an Onkologen – erfolgen sollten. Bei der Implementierung ist ein möglicher digitaler Übertragungsweg der Daten zu berücksichtigen, auch in Abhängigkeit vom Umsetzungsgrad der elektronischen Patientenakte (ePA).
Stärken und Schwächen
Die vorliegende Studie verwendet ein qualitatives Design, um ein tieferes Verständnis der Perspektiven von Hausärzten zu erhalten und detaillierte Einblicke in deren Informationsbedarfe im Rahmen der Versorgung von Langzeitüberlebenden einer Krebserkrankung zu erhalten. Ein Selbstselektionsbias, dass sich Hausärzte mit besonderem Interesse an dem Thema beteiligten, die selbst einen Informationsbedarf zur onkologischen Versorgung sahen, lässt sich nicht ausschließen. Durch die Rekrutierung der Hausärzte über das allgemeinmedizinische Forschungspraxennetz SaxoForN könnten diese Praxen eine höhere Forschungsaffinität aufweisen, sind jedoch in Hinblick auf die Patientenpopulation und Versorgungsbedarfe zu anderen Hausarztpraxen vergleichbar. Zudem war an der Entwicklung der Empfehlungen nur eine Onkologin beteiligt, sodass die onkologische Sicht unterrepräsentiert ist. Gleichwohl war sie als erfahrene Expertin einbezogen, die in einer Langzeitnachsorgesprechstunde eines universitären Krebszentrums tätig ist. Zudem lag der Fokus der Studie bewusst auf der Perspektive und den Informationsbedarfen von Hausärzten. Wie bereits Hill et al. (2020) bei der unklaren Evidenzlage für SCP vorschlugen, wurden in der vorliegenden Studie zunächst grundlegende Anforderungen an Inhalt und Form onkologischer Abschlussberichte analysiert [19].
Fazit für die Praxis
Onkologische Abschlussberichte werden von Hausärzten als wichtige Grundlage für die Weiterversorgung von Langzeitüberlebenden einer Krebserkrankung angesehen.
Die Informationen sollten kurz, prägnant und verständlich aufbereitet sein und insbesondere den Krankheitsverlauf, Empfehlungen für das weitere Vorgehen (Diagnostik/Therapie) sowie mögliche Spät- und Langzeitfolgen enthalten.
Hausärzte wünschen sich Handlungsspielräume zur individuellen Anpassung an die Gegebenheiten der hausärztlichen Versorgung sowie die Patientenbedarfe.
Danksagung
Wir danken allen Interview- und Workshopteilnehmern für ihre Beteiligung sowie Steve Piller für die kritische Durchsicht des Manuskripts.
Förderung
Die Studie entstand im Rahmen des allgemeinmedizinischen Forschungspraxennetzes SaxoForN. SaxoForN wurde vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert (Förderkennzeichen: 01GK1906A/01GK1906B).
Einhaltung ethischer Richtlinien
Interessenkonflikt
A.-A. Klein, M. Gottschall, S. Salm, T.V. Halbsguth, K. Mergenthal, C. Güthlin und K. Voigt geben an, dass kein Interessenkonflikt besteht.
Für diesen Beitrag wurden von den Autor/-innen keine Studien an Menschen oder Tieren durchgeführt. Für die aufgeführten Studien gelten die jeweils dort angegebenen ethischen Richtlinien.
Open Access Dieser Artikel wird unter der Creative Commons Namensnennung 4.0 International Lizenz veröffentlicht, welche die Nutzung, Vervielfältigung, Bearbeitung, Verbreitung und Wiedergabe in jeglichem Medium und Format erlaubt, sofern Sie den/die ursprünglichen Autor(en) und die Quelle ordnungsgemäß nennen, einen Link zur Creative Commons Lizenz beifügen und angeben, ob Änderungen vorgenommen wurden. Die in diesem Artikel enthaltenen Bilder und sonstiges Drittmaterial unterliegen ebenfalls der genannten Creative Commons Lizenz, sofern sich aus der Abbildungslegende nichts anderes ergibt. Sofern das betreffende Material nicht unter der genannten Creative Commons Lizenz steht und die betreffende Handlung nicht nach gesetzlichen Vorschriften erlaubt ist, ist für die oben aufgeführten Weiterverwendungen des Materials die Einwilligung des jeweiligen Rechteinhabers einzuholen. Weitere Details zur Lizenz entnehmen Sie bitte der Lizenzinformation auf http://creativecommons.org/licenses/by/4.0/deed.de.
Hinweis des Verlags
Der Verlag bleibt in Hinblick auf geografische Zuordnungen und Gebietsbezeichnungen in veröffentlichten Karten und Institutsadressen neutral.
Relevante Informationen aus der Onkologie für die hausärztliche Versorgung von Langzeitüberlebenden einer Krebserkrankung
Empfehlungen zum Verfassen von onkologischen Abschlussberichten
Verfasst von
Astrid-Alexandra Klein
Mandy Gottschall
Sandra Salm
Teresa V. Halbsguth
Karola Mergenthal
Corina Güthlin
Karen Voigt
Aziz NM, Rowland JH (2003) Trends and advances in cancer survivorship research: challenge and opportunity. Semin Radiat Oncol 13(3):248–266CrossRefPubMed
Bergelt C, Bokemeyer C, Hilgendorf I et al (2022) Langzeitüberleben bei Krebs: Definitionen, Konzepte und Gestaltungsprinzipien von Survivorship-Programmen. Bundesgesundheitsbl 65(4):406–411CrossRef
5.
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Eine australische Studie hat die Krebsinzidenz bei Frauen nach medizinisch assistierter Reproduktion (MAR) untersucht. Insgesamt entspricht das Risiko dem der Allgemeinbevölkerung, einzelne Tumorarten treten jedoch häufiger oder seltener auf.
In einer US-Studie mit unheilbaren Krebspatientinnen und -patienten gaben die meisten einer bestmöglichen Lebensqualität den Vorzug vor längerem Überleben. Auf diesen Wunsch wurde in der Praxis jedoch nicht erkennbar eingegangen.
Krebskranke, die Irinotecan schlecht verstoffwechseln, haben ein erhöhtes Risiko für schwere toxische Nebenwirkungen. Eine reduzierte Dosis kann davor schützen. Ob dies die Überlebenschancen beeinträchtigt, haben niederländische Medizinerinnen und Mediziner überprüft.