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Die minimal-invasive Leberchirurgie ist mit niedrigeren Komplikationsraten im Vergleich zur offenen Leberchirurgie assoziiert. Aufgrund der wachsenden Akzeptanz und zunehmenden Erfahrung mit minimal-invasiven Leberresektionen sind Konversionen auf ein offenes Verfahren zwar selten geworden, gehen jedoch mit einer Verschlechterung des postoperativen Outcomes einher.
Zielsetzungen
Unser Ziel war es, die Risikofaktoren für eine Konversion und die postoperativen Ergebnisse von Patienten bei minimal-invasiven Leberresektionen zu untersuchen.
Materialien und Methoden
Wir führten eine Post-hoc-Analyse von 1209 zwischen 2015 bis 2024 an unserem Zentrum durchgeführten konsekutiven minimal-invasiven Leberresektionen durch. Risikofaktoren und perioperative Ergebnisse der Konversion zu offenen Verfahren wurden analysiert.
Ergebnisse
Die Konversionsrate betrug 4,1 % und die Hemihepatektomie links war mit einer erhöhten Konversionsrate assoziiert. Die Parenchymdissektoren Harmonic Ace® und Waterjet® waren mit einer reduzierten Konversionsrate assoziiert. Die häufigsten Gründe für eine Konversion waren technische Gründe und Verwachsungen. Major-Komplikationen (Clavien Dindo ≥ III) innerhalb der ersten 90 Tage traten in 18,3 % der Fälle auf und die Konversionen waren mit einer erhöhten Komplikationsrate assoziiert.
Schlussfolgerung
Zusammenfassend hebt diese Studie die Einflussfaktoren hervor, die mit einer offenen Konversion bei minimal-invasiven Leberresektionen korrelieren. Die offene Konversion war ein unabhängiger Prädiktor für eine erhöhte Komplikationsrate.
Der Verlag bleibt in Hinblick auf geografische Zuordnungen und Gebietsbezeichnungen in veröffentlichten Karten und Institutsadressen neutral.
ASA
American Society of Anesthesiologists
CRLM
Kolorektale Lebermetastasen
HCC
Hepatozelluläres Karzinom
PHBL
Postoperative Galleleckage
PHLF
Posthepatektomieleberversagen
Hintergrund
Die minimal-invasive Leberchirurgie hat sich in den letzten Jahrzehnten zunehmend als Standardverfahren für resezierbare Lebertumoren etabliert [10‐12, 17, 19]. Neben geringeren postoperativen Schmerzen, kürzeren Krankenhausaufenthalten und einer kürzeren Zeit bis zur adjuvanten Chemotherapie, bietet die minimal-invasive Leberchirurgie auch eine niedrigere Morbidität im Vergleich zur offenen Chirurgie [1, 4‐6, 8, 24]. Trotz dieser Vorteile stellt die Konversion einer minimal-invasiven zu einer offenen Operation ein relevantes klinisches Ereignis dar. Konversionen können mit einer erhöhten postoperativen Morbidität assoziiert sein, was die Notwendigkeit einer präzisen Risikoabschätzung und -vermeidung unterstreicht.
Fragestellung
Ziel dieser Studie war es, anhand von über 1200 konsekutiven Fällen unseres Zentrums die Risikofaktoren für eine Konversion sowie deren Einfluss auf das perioperative Outcome systematisch zu analysieren.
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Material und Methoden
Studiendesign und Untersuchungsmethoden
Eingeschlossen wurden alle Patienten, die sich zwischen Januar 2015 und August 2024 in der Klinik für Chirurgie, Campus Charité Mitte und Campus Virchow-Klinikum, Charité-Universitätsmedizin Berlin, einer minimal-invasiven Leberresektion unterzogen haben. Alle eingeschlossenen Patienten stimmten der Erhebung und Verwendung ihrer persönlichen und medizinischen Daten für Forschungszwecke zu. Alle Daten wurden in Übereinstimmung mit der Allgemeinen Datenschutzverordnung und den lokalen Datenschutzgesetzen erhoben, gespeichert und verarbeitet. Die Studie wurde in Übereinstimmung mit den ethischen Standards der Deklaration von Helsinki aus dem Jahr 1975 durchgeführt. Die Ethikkommission der Charité genehmigte die Studie (EA4/084/17).
Patientenauswahl
Ohne spezifische Indikationen für eine offene Resektion wurde bei Leberresektionen die minimal-invasive Chirurgie bevorzugt. Die Entscheidung für einen laparoskopischen oder robotergestützten Ansatz basierte nicht auf einer Reihe vorgegebener Auswahlkriterien. Bei individueller Indikation wurde vor einer Major-Resektion eine Leberhypertrophieinduktion veranlasst.
Chirurgische Techniken
Für die robotergestützte Chirurgie wurde das da Vinci-Xi-System (Intuitive, Sunnyvale, CA, USA) verwendet (Abb. 1). Die Patienten wurden in die umgekehrte Trendelenburg-Lage gebracht. Vier 8‑mm-Robotertrokare wurden von zwei 12-mm-Hilfstrokaren begleitet ([20]; Abb. 1). Bei der Hybridresektion konnte durch eine minimalinvasive Mobilisation der Leber auf eine quere Oberbauchlaparotomie verzichtet werden. Intraoperativ fand routinemäßig eine Ultraschalluntersuchung statt, um die genaue Lage des Tumors, seine Grenzen, die Nähe zu Gefäß- und Gallengangsstrukturen zu visualisieren und zusätzliche intrahepatische Läsionen auszuschließen. Vor der Parenchymresektion wurde zur Vorbereitung eines intermittierenden Pringle-Manövers das Ligamentum hepatoduodenale isoliert und umschlungen. Es wurden 250 mg Methylprednisolon intravenös vor der Parenchymdissektion verabreicht. Das Pringle-Manöver wurde in 15-minütigen Intervallen durchgeführt, die von 5‑minütigen Reperfusionsperioden getrennt waren. Unabhängig von der Zugangstechnik wurden beim cholangiozellulären Karzinom routinemäßig eine Lymphknotendissektion am Hilus und eine intraoperative Schnellschnittuntersuchung durchgeführt.
Abb. 1
Bild aus dem Operationssaal mit dem DaVinci-Intuitive-Xi-System, das für die robotischen Resektionen verwendet wurde
Für die Parenchymdissektionen während der Laparoskopie wurden Energiescheren (Harmonic Ace®, Ethicon Inc., Somerville, NJ, USA) und das Thunderbeat® (Olympus K. K., Tokio, Japan) verwendet. Für die tiefere Parenchymdissektion standen zusätzlich der laparoskopische Cavitron-Ultraschallaspirator (CUSA, Valleylab Boulder, CO, USA) und der Wasserstrahl (Waterjet®, Elektromedizin GmbH, Tübingen, Deutschland) zur Verfügung. Bei Verwendung des DaVinci-Xi-Chirurgiesystems wurde die Parenchymdurchtrennung mit einer modifizierten Clamp-Crush-Technik unter Verwendung der gebogenen Harmonic Ace®-Schere durchgeführt. Große Gefäße wurden bei der laparoskopischen und robotergestützten Leberchirurgie entweder geklippt oder mit Klammerstaplern (Echelon®, Ethicon, Somerville, NJ, USA) durchtrennt (Abb. 1).
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Scoring-Systeme
Die Morbidität der Patienten wurde auf Basis des Charlson Comorbidity Index (CCI) durch 19 Grunderkrankungen erfasst. Das perioperative Risiko wurde mithilfe des ASA-Scores bestimmt. Eine Major-Resektion wurde definiert als die Entfernung von mehr als drei Segmenten [22]. Für jede Operation wurde der Schwierigkeitsscore nach IWATE ermittelt, der sich aus einer Punktzahl errechnet, die auf der Lage des Tumors, der Tumorgröße, dem Ausmaß der Leberresektion, der Leberfunktion, der Nähe zu den großen Gefäßen und der Verwendung eines hybriden Ansatzes/einer handassistierten laparoskopischen Leberresektion basiert [13, 15, 23]. Die Schwierigkeitsgrade wurden in „Leicht“ (1–3), „Mittel“ (4–6), „Fortgeschritten“ (7–9) und „Experte“ (10–12) eingeteilt. Die postoperativen Komplikationen, die innerhalb von 90 Tagen nach dem Eingriff auftraten, wurden nach Clavien-Dindo klassifiziert [7]. Die kumulativen Komplikationen wurden auf Basis der Clavien-Dindo-Klassifikation im Comprehensive Complication Index zusammengefasst [21].
Statistische Analyse
Die Datenanalyse wurde in R und R Studio (Version 4.4.2; Posit PBC, Boston, USA) durchgeführt. Normal verteilte numerische Variablen werden als Mittelwert und Standardabweichung angegeben, nichtnormal verteilte numerische Variablen werden durch den Median zusammen mit dem Interquartilsbereich dargestellt. Für kontinuierliche Variablen wurden lineare uni- und multivariante Regressionsmodelle und für kategorische Variablen logistische Regressionsmodelle verwendet. Monotone Trends wurden mit dem Jonckheere-Terpstra-Test oder dem Cochran-Armitage-Trendtest untersucht. Ein p-Wert von ≤ 0,05 wurde als statistisch signifikant angesehen.
Ergebnisse
Im untersuchten Zeitraum wurden 1209 konsekutive minimal-invasive Leberresektionen durchgeführt, das mediane Alter der Patienten betrug hierbei 62 Jahre, wobei Männer mit 57 % überrepräsentiert waren. Der Großteil der Patienten hatte einen ASA-Score von 3 (52 %), einen medianen Charlson-Komorbiditätsindex von 6 und einen BMI von 25,8 (Tab. 1). Die Indikationen zur Leberresektion waren mit absteigender Häufigkeit kolorektale Lebermetastasen (CRLM) (39 %), hepatozelluläre Karzinome (HCC) (22 %), cholangiozelluläre Karzinome (9,6 %), gutartige Lebertumoren (19 %) und andere maligne Lebertumoren (10 %) (Tab. 1). 41 % der Patienten erhielten eine neoadjuvante Chemotherapie (Tab. 1).
Tab. 1
Charakterisierung der präoperativen Parameter in der Gesamtkohorte
Merkmale
N = 12091
Alter
62 (52–71)
Geschlecht
Weiblich
498 (43 %)
Männlich
659 (57 %)
Body-Mass-Index
25,8 (22,7–29,2)
ASA-Risikoklassifikation
ASA 1
55 (4,8 %)
ASA 2
487 (42 %)
ASA 3
599 (52 %)
ASA 4
14 (1,2 %)
Charlson-Komorbiditätsindex
6,0 (3,0–8,0)
Indikation
CRLM
470 (39 %)
HCC
265 (22 %)
Benigne Tumoren
227 (19 %)
Andere maligne Tumoren
131 (11 %)
Cholangiokarzinom
116 (9,6 %)
Neoadjuvante Chemotherapie
428 (41 %)
Vorherige Leberoperation
159 (14 %)
Maximale Tumorgröße (cm)
3,5 (2,0–6,0)
Lokalisation
Unilobär
534 (44 %)
Bilobär
675 (56 %)
Nähe zu großen Gefäßen
475 (41 %)
Steatose >5%
526 (53 %)
Steatose (%)
5 (0–20)
Fibrose
Keine Fibrose
433 (49 %)
F1
263 (30 %)
F2
116 (13 %)
F3
75 (8,5 %)
Zirrhose
182 (16 %)
IWATE-Score
7,50 (5,00–10,00)
N/A
56 (4,6 %)
Leicht
115 (9,5 %)
Mittel
373 (31 %)
Fortgeschritten
338 (28 %)
Experte
327 (27 %)
1 Kategorische Variablen werden als Häufigkeiten mit Prozentsätzen dargestellt (z. B. n [%]), nicht normalverteilte numerische Variablen werden durch den Median zusammen mit dem Interquartilsbereich dargestellt (z. B. Median [25.–75. Perzentil])
ASA American Society of Anaesthesiologists Klassifikation, CRLM Kolorektale Lebermetastasen, HCC Hepatozelluläres Karzinom
Bei 14 % der Patienten handelte es sich um eine Rezidivleberoperation. Der mediane Durchmesser des größten Tumors betrug 3,5 cm und in 56 % der Fälle handelte es sich um bilobäre Tumoren, wobei 41 % der Tumoren einen engen Lagebezug zu den Gefäßen hatten. Zum Zeitpunkt der Operation lagen in 53 % der Fälle eine Lebersteatose und in 16 % der Fälle eine Leberzirrhose vor (Tab. 1). Der Schwierigkeitsgrad der Operation wurde nach IWATE beurteilt und war wie folgt verteilt: Leicht (14,1 %), Mittel (31 %), Fortgeschritten (28 %) und Experte (27 %; Tab. 1).
Insgesamt wurden 73 % der Eingriffe laparoskopisch, 26 % robotisch und 0,7 % als Hybridresektion durchgeführt (Tab. 2). Davon waren 9,5 % Wedge-Resektionen, 7,6 % multiple Wedge-Resektionen, 14 % Segmentresektionen und 20 % Bisegmentresektionen, 21 % Hemihepatektomien der rechten Seite und 10 % Hemihepatektomien der linken Seite. In 8,4 % der Fälle fand ein kombinierter Leber- und Kolorektaleingriff und in 11 % der Fälle fand eine zweizeitige Leberresektion statt (Tab. 2). In Absteigender Reihenfolge wurden zur Parenchymdissektion das Harmonic Ace® (67 %), Waterjet® (17 %), Thunderbeat® (9,6 %) und andere Parenchymdissektoren (10,5 %) verwendet. Das Pringle-Manöver wurde in 49 % der Fälle mit einem Median von 28 und einem Interquartilsbereich von 15–45 min angewendet. Die Rate von Bluttransfusionen betrug 6,1 % (Tab. 2).
Tab. 2
Charakterisierung der intraoperativen Parameter der Gesamtkohorte
Merkmale Operation
N = 12091
Zugang
Laparoskopisch
888 (73 %)
Robotisch
312 (26 %)
Hybrid
9 (0,7 %)
Minor-Resektion
Segmentektomie
173 (14 %)
Wedge-Resektion
115 (9,5 %)
Multiple Wedge-Resektionen
83 (7,6 %)
Bisegmentektomie
246 (20 %)
Major-Resektion
HHR
243 (21 %)
HHL
119 (10 %)
Erweiterte HHR
51 (4,4 %)
Erweiterte HHL
30 (2,6 %)
Kombinierte kolorektale Operation
69 (8,4 %)
Two-stage-Hepatektomie
122 (11 %)
Parenchymdissektoren
Andere
127 (10,5 %)
Thunderbeat®
111 (9,6 %)
Waterjet®
192 (17 %)
Harmonic Ace®
779 (67 %)
Pringle-Manöver
573 (49 %)
Dauer (min)
28 (15-45)
Transfusion
70 (6,1 %)
Konversion
49 (4,1 %)
1Kategorische Variablen werden als Häufigkeiten mit Prozentsätzen dargestellt (z. B. n [%]), nicht normalverteilte numerische Variablen werden durch den Median zusammen mit dem Interquartilsbereich dargestellt (z. B. Median [25.–75. Perzentil])
Eine Konversion auf ein offenes Verfahren fand in 49 Fällen (4,1 %) statt (Tab. 2). Die häufigsten Gründe waren Verwachsungen (39 %), komplexe Tumorlokalisation (14 %), gefolgt von der unklaren Gallengangsanatomie (12 %), der Nähe zu großen Gefäßen (10 %), einem großen tumorbedingten Leberlappen (8 %), einer Tumorperforation (4 %), CO2-Embolie (4 %) und Blutung (4 %), Tumorinfiltration anderer Organe (2 %) und einer komplexen Lymphadenektomie (2 %; Tab. 3). Die Konversionsrate zeigte keine signifikante Änderung über den Studienzeitraum (Zusatzmaterial online: Tab. 9).
Tab. 3
Aufgliederung der Konversionsgründe
Konversionsgründe
N = 491
Verwachsungen
19 (38,8 %)
Tumorlokalisation
7 (14,3 %)
Gallengangsanatomie
6 (12,2 %)
Nähe zu großen Gefäßen
5 (10,2 %)
Großer Leberlappen
4 (8,1 %)
Tumorperforation
2 (4,1 %)
Blutungen
2 (4,1 %)
CO2-Embolie
2 (4,1 %)
Tumorinfiltration anderer Organe
1 (2 %)
Komplexe Lymphadenektomie
1 (2 %)
1 Kategorische Variablen werden als Häufigkeiten mit Prozentsätzen dargestellt (n [%])
In der univariaten Analyse zeigten 11 Faktoren eine Korrelation mit der Konversion (Zusatzmaterial online: Tab. 7). Nach Einschluss dieser Faktoren in die multivariate Analyse waren die Verwendung des Harmonic Ace® (Schätzer −1,25, 95 %-CI −1,99 bis −0,53) und des Waterjet® (Schätzer −1,70, 95 %-CI −3,19 bis −0,59) mit einer reduzierten Konversionsrate assoziiert (Zusatzmaterial online: Tab. 1 und 4). Mit einer erhöhten Konversionsrate waren die Hemihepatektomie links (Schätzer 0,99, 95 %-CI −0,015 bis 1,93) und der Durchmesser des größten Tumors (Schätzer 0,07, 95 %-CI 0,001 bis 0,148) assoziiert (Tab. 4).
Tab. 4
Multivariate Analyse von Faktoren und ihrer Assoziation mit der Konversion
Die postoperative Major-Komplikationsrate (Clavien Dindo ≥ IIIa) betrug 18,3 % (Tab. 5). Der Comprehensive Complication Index lag bei einem Median von 0 (Interquartilsbereich 0–24). 11 % der Patienten hatten ein postoperatives Galleleck – davon 3,1 % ein Grad-A-, 7,4 % ein Grad-B- und 0,9 % ein Grad-C-Galleleck nach ISGLS. Bei 1,7 % der Fälle kam es zu einem postoperativen Leberversagen (PHLF). 1,2 % entwickelten ein Grad-A- 0,4 % ein Grad-B- und 0,2 % ein Grad-C-PHLF nach ISGLS. Der mediane postoperative Krankenhausaufenthalt betrug 6 Tage (Tab. 5).
Tab. 5
Postoperative Ergebnisse
Postoperatives Ergebnis
N = 12091
Postoperativer Aufenthalt (Tage)
6,0 (5,0–8,0)
Clavien-Dindo-Klassifikation
0
735 (63 %)
I
80 (6,9 %)
II
139 (12 %)
IIIa
138 (12 %)
IIIb
44 (3,8 %)
IVa
12 (1,0 %)
IVb
4 (0,3 %)
V
14 (1,2 %)
CCI
0 (0–24)
Postoperatives Leberversagen
19 (1,7 %)
Grad A
13 (1,2 %)
Grad B
4 (0,4 %)
Grad C
2 (0,2 %)
Postoperative Galleleckage
125 (11 %)
Grad A
36 (3,1 %)
Grad B
85 (7,4 %)
Grad C
10 (0,9 %)
1 Kategorische Variablen werden als Häufigkeiten mit Prozentsätzen dargestellt (z. B. n [%]), nichtnormal verteilte numerische Variablen werden durch den Median zusammen mit dem Interquartilsbereich dargestellt (z. B. Median [25.–75. Perzentil]).
CCI Comprehensive Complication Index
Tab. 6
Multivariate Analyse von Faktoren und ihrer Assoziation mit Komplikationen
Nach univariater Analyse zeigten sich 11 Faktoren mit Komplikationen assoziiert (Zusatzmaterial online: Tab. 8). Diese Faktoren wurden in die multivariate Analyse eingeschlossen. Neben der Konversion (Schätzer 9,24, 95 %-CI 2,52 bis 15,96), zeigten die Hemihepatektomie rechts (Schätzer 9,4, 95 %-CI 5,81 bis 12,99) und das Alter (Schätzer 0,138, 95 %-CI 0,02 bis 0,25) der Patienten eine unabhängige Korrelation mit der Komplikationsrate (Tab. 6)
Diskussion
Angesichts zunehmender Anwendung der minimal-invasiven Leberchirurgie dient diese Studie als wichtiger Leitfaden zur Stratifizierung und Identifikation von Patienten mit hohem Risiko für eine offene Konversion oder eine postoperative Komplikation. Unsere Ergebnisse bestätigen frühere Berichte, die eine ungünstigere Prognose für Patienten nach offener Konversion nahelegen [16]. Im Falle einer Konversion werden die Vorteile des minimal-invasiven Ansatzes teilweise oder ganz aufgehoben. Durch unsere systematische Analyse ist die präoperative Risikoabschätzung für Konversionen und Komplikationen möglich.
Im Studienzeitraum zeigte sich eine kontinuierliche Abnahme der offenen Resektionen von 77,7 % auf 23,6 %, während die Gesamtzahl der jährlichen Resektionen stabil blieb (Zusatzmaterial online: Tab. 9). Trotz zunehmender Komplexität der Eingriffe blieb die Konversionsrate konstant (Zusatzmaterial online: Tab. 9). Mit einer durchschnittlichen Rate von 4,1 % war diese im internationalen Vergleich eher niedrig ([16, 18]; Tab. 2). Wir führen dies auf eine schrittweise Zunahme minimal-invasiver Operationen, wachsende operative Erfahrung und damit verbundene Lerneffekte zurück.
Intraoperative Blutungen sind laut Literatur ein häufiger Grund für Konversionen [18]. In unserer Kohorte war dies lediglich in zwei Fällen ursächlich (Tab. 3). Wir gehen davon aus, dass die intraoperativen Blutungen mit zunehmender Erfahrung minimal-invasiv besser beherrscht werden können [13]. Diese Annahme wird durch die vergleichsweise niedrige Transfusionsrate von 6,1 % gestützt (Tab. 2).
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Unsere Analyse identifizierte mehrere unabhängige Prädiktoren für Konversionen. Signifikant waren die linksseitige Hemihepatektomie sowie große Tumoren (bezogen auf den maximalen Durchmesser). Hinsichtlich der verwendeten Dissektionsinstrumente war der Einsatz von Harmonic Ace® und Waterjet® mit einer geringeren Konversionsrate assoziiert (Tab. 4). Technische Schwierigkeiten, wie Verwachsungen, eingeschränkte Exposition, erschwerte Mobilisation oder das Erreichen sicherer Resektionsränder, stellen die häufigsten Gründe für eine Konversion dar. Weitere Ursachen waren eine ungünstige Tumorlokalisation, komplexe Gallengangsanatomien, die Nähe zu großen Gefäßen sowie ein (tumorbedingter) voluminöser und somit nicht mobilisierbarer Leberlappen. In zwei Fällen kam es zu einer intraoperativen Tumorperforation, in einem Fall lag eine Mageninfiltration vor, und in einem weiteren war eine komplexe Lymphadenektomie mit Konversion notwendig (Tab. 3). Der chirurgische Zugang (laparoskopisch oder robotisch) war interessanterweise kein signifikanter Prädiktor für eine Konversion (s. Zusatzmaterial online: Tab. 7).
Seit der Einführung robotergestützter Systeme wurden die technische Limitation der Laparoskopie – insbesondere in posterosuperioren Segmenten – teilweise überwunden [14]. Es gibt Hinweise auf eine kürzere Lernphase im Vergleich zur laparoskopischen Leberchirurgie [13]. Dennoch ist die Evidenzlage für eine Überlegenheit robotischer Verfahren weiterhin heterogen und vorwiegend durch retrospektive Daten geprägt. Bisherige prospektive randomisierte Studien sind auf Basis der zu erwartenden Effektstärken unzureichend gepowert [3].
Der IWATE-Score hat sich zur Abschätzung des operativen Schwierigkeitsgrades bei minimal-invasiven Leberresektionen etabliert. Trotz Ähnlichkeiten zwischen der laparoskopischen und robotischen Leberchirurgie ist bisher unklar, inwieweit sich der IWATE-Score auf den robotischen Ansatz übertragen lässt. Insbesondere der Schwierigkeitsgrad der posterosuperioren Segmente und der Faktor „Handassistenz“ sollten bei einer Überarbeitung des IWATE-Scores für robotische Leberresektionen angepasst werden.
Im Vergleich zur deutschlandweiten Morbidität von 24,3 % und einer Mortalität von 7,7 % [2] bzw. 4,6 % in High-volume-Zentren [9] für Leberchirurgie konnte mit der minimal-invasiven Technik an unserem Zentrum eine niedrigere 90-Tages-Morbidität (18,6 %) und Mortalität (1,2 %) erreicht werden (Tab. 4). Diese Zahlen unterstreichen die Bedeutung der minimal-invasiven Leberchirurgie als komplikationsarmes Verfahren, das bei entsprechender Patientenselektion und Expertise einen Beitrag zu guten postoperativen Ergebnissen liefern kann.
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Diese Studie hat wichtige klinische Implikationen: Sie kann die Patientenselektion für die minimal-invasive Leberchirurgie verbessern, die Wahl des Zugangsweges und der Dissektionsinstrumente erleichtern und damit das Risiko ungeplanter Konversionen sowie potenzieller Komplikationen senken.
Limationen
Durch das retrospektive Studiendesign ergeben sich Einschränkungen durch Selektionsverzerrungen und unkontrollierte Confounder. Aussagen zur Kausalität können nicht getroffen werden. Bei einem Vergleich zwischen laparoskopischem und robotischem Zugang ist aufgrund einer nicht klar definierten Indikationsstellung eine Selektionsverzerrung möglich.
Ausblick
Zusammenfassend hebt diese Studie die Faktoren hervor, die mit einer offenen Konversion bei minimal-invasiven Leberresektionen verbunden sind. Die offene Konversion war ein unabhängiger Prädiktor für eine erhöhte Komplikationsrate.
Fazit für die Praxis
Die minimal-invasive Leberchirurgie zeigt eine niedrige Morbidität und Mortalität.
Konversionen sind mit einer erhöhten Komplikationsrate assoziiert.
Technische Gründe und Verwachsungen sind die häufigsten Ursachen für eine Konversion.
Die linksseitige Hemihepatektomie und große Tumoren sind mit einer erhöhten Konversionsrate assoziiert.
Einhaltung ethischer Richtlinien
Interessenkonflikt
N. Haep, L. Illies, Y.J. Choi, S. Knitter, P. Haber, F. Krenzien, N. Raschzok, J. Pratschke und W. Schöning geben an, dass kein Interessenkonflikt besteht.
Für diesen Beitrag wurden von den Autor/-innen keine Studien an Menschen oder Tieren durchgeführt. Für die aufgeführten Studien gelten die jeweils dort angegebenen ethischen Richtlinien.
Open Access Dieser Artikel wird unter der Creative Commons Namensnennung 4.0 International Lizenz veröffentlicht, welche die Nutzung, Vervielfältigung, Bearbeitung, Verbreitung und Wiedergabe in jeglichem Medium und Format erlaubt, sofern Sie den/die ursprünglichen Autor(en) und die Quelle ordnungsgemäß nennen, einen Link zur Creative Commons Lizenz beifügen und angeben, ob Änderungen vorgenommen wurden. Die in diesem Artikel enthaltenen Bilder und sonstiges Drittmaterial unterliegen ebenfalls der genannten Creative Commons Lizenz, sofern sich aus der Abbildungslegende nichts anderes ergibt. Sofern das betreffende Material nicht unter der genannten Creative Commons Lizenz steht und die betreffende Handlung nicht nach gesetzlichen Vorschriften erlaubt ist, ist für die oben aufgeführten Weiterverwendungen des Materials die Einwilligung des jeweiligen Rechteinhabers einzuholen. Weitere Details zur Lizenz entnehmen Sie bitte der Lizenzinformation auf http://creativecommons.org/licenses/by/4.0/deed.de.
Hinweis des Verlags
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18. - 21. Februar 2026 | Berlin
Auf dieser Seite werden wir Sie mit tagesaktuellen Berichten vom Deutschen Krebskongress auf dem Laufenden halten. Vor dem Start des Kongresses finden Sie hier zudem Ausblicke auf spannende Themen, die vor Ort diskutiert werden. Expertinnen und Experten erzählen, auf welche DKK-Sessions sie sich besonders freuen.