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08.08.2022 | Operationen an Knochen und Gelenken | Nachrichten

Ergebnisse nach fünf Jahren

Fokale Gelenkschäden mit autologen Knorpelzellen reparieren?

verfasst von: Dr. Elke Oberhofer

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Patientinnen und Patienten mit größeren fokalen Knorpelschäden am Knie profitieren möglicherweise von einer speziellen regenerativen Therapie, bei der Knorpelzellen aus gesundem Gewebe gewonnen, aufbereitet und in die Läsion implantiert werden. In einer retrospektiven US-Studie blieb 90% der so Behandelten über immerhin fünf Jahre eine weitere Knie-Op. erspart.

Das Wichtigste in Kürze zu dieser Studie finden Sie am Ende des Artikels.

Regenerative Verfahren gewinnen in der Orthopädie immer mehr an Bedeutung. Eine Methode, die vor allem bei größeren fokalen Knorpelschäden am Knie zunehmend eingesetzt wird, ist die autologe Chondrozytenimplantation (ACI). Ein Team der Yale School of Medicine in New Haven, Connecticut, hat den postoperativen Verlauf nach einer solchen ACI bei 533 Patientinnen und Patienten beobachtet.

Nach insgesamt fünf Jahren war der kumulative Anteil der erfolgreich Behandelten hoch, nur in 10,3% der Fälle war im Beobachtungszeitraum ein erneuter Eingriff am Knie erforderlich gewesen. Die Betroffenen hatten entweder eine weitere ACI, einen osteochondralen Allograft (OCA), eine osteochondrale Autograft-Transplantation (OAT) oder einen partiellen bzw. totalen Kniegelenkersatz erhalten. Nach einem Jahr hatten allerdings nur für 440 der Teilnehmenden vollständige Datensätze vorgelegen, nach fünf Jahren waren es nur noch 241.

Die Studie basiert auf der M91Ortho PearlDiver Database, welche Daten von über 90 Millionen US-Patientinnen und -Patienten umfasst. Die Teilnehmenden waren zwischen 20 und 59 Jahre alt, der Frauenanteil lag bei 54%, insgesamt 15% waren adipös.

Die ersten beiden Jahre am kritischsten

Wie Stephen M. Gillinov und sein Team berichten, schienen die ersten beiden Jahre nach der ACI am kritischsten zu sein, 63% aller Revisionseingriffe wurden in diesem Zeitraum fällig (46% im ersten, 17% im zweiten Jahr). Sowohl weibliches Geschlecht als auch Adipositas stellten sich als signifikante Risikofaktoren für ein Versagen der regenerativen Methode heraus (Odds Ratio, OR 2,58 bzw. 2,24). Dagegen schienen höheres Alter oder Begleiterkrankungen (gemessen mit dem Elixhauser Comorbidity Index, ECI) auch nach Berücksichtigung zahlreicher möglicher Einflüsse nicht mit dem Revisionsrisiko zusammenzuhängen. Und auch frühere Umstellungsosteotomien schienen in diesem Kontext nicht von Bedeutung zu sein.

„Unsere Ergebnisse bestätigen die Langlebigkeit der ACI“, so das Fazit von Gillinov und Kollegen. Das Verfahren werde gegenwärtig zwar vor allem bei jüngeren Patienten (unter 40) eingesetzt. In der vorliegenden Multivariatenanalyse habe man jedoch nichts gefunden, was grundsätzlich gegen die Anwendung auch in höherem Alter spreche. Auch in der Altersgruppe 40+ gebe es Patienten mit fokalen Knorpeldefekten in Abwesenheit von anderen degenerativen Schäden. Diese sein „die besten Kandidaten für die ACI“.

Warum sich Frauen und generell auch stark Übergewichtige eher weniger für die Methode eigneten, müssten weitere Studie klären. Bei den Frauen könnte die vergleichsweise schlechtere Propriozeption und ein muskuläres Ungleichgewicht der Grund für das ungünstigere Abschneiden sein, bei Patienten mit hohem BMI das schnellere Fortschreiten des Gelenkabbaus.

Das Wichtigste in Kürze

Frage: Ergebnisse nach autologer Chondrozytenimplantation (ACI) im Knie bei größeren Knorpeldefekten.

Antwort: Nach fünf Jahren lag die kumulative Revisionsrate bei 10,3%. Dabei war die Wahrscheinlichkeit für ein Versagen in den ersten beiden Jahren mit Abstand am höchsten. Weibliches Geschlecht und Adipositas waren signifikante Risikofaktoren.

Bedeutung: Bei Patienten, die die ersten zwei Jahre nach ACI ohne Revisionseingriff überstanden haben, scheint der Erfolg längerfristig von Dauer zu sein.

Einschränkung: Retrospektive Studie; Fünf-Jahres-Daten lagen nur für etwa die Hälfte der Teilnehmenden vor; Beobachtungsdauer relativ kurz; keine klinischen Parameter wie Schmerzen, Kniefunktion und radiologische Befunde berücksichtigt.

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Literatur

Gillinov SM et al. Incidence, Timing, and Risk Factors for 5-Year Revision Surgery After Autologous Chondrocyte Implantation in 533 Patients. Am J Sports Med 2022; https://doi.org/10.1177/03635465221111115

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