Skip to main content
main-content

24.03.2020 | Operationsvorbereitung | Nachrichten

Ergonomie im OP

Sensoren decken Haltungsfehler bei Chirurgen auf

Autor:
Dr. Elke Oberhofer

Welche Risiken eine schlechte Haltung am Op.-Tisch birgt, lässt sich mithilfe tragbarer Sensoren darstellen. In einer US-Studie wurde damit deutlich, welche Körperpartien bei welchen Eingriffen am meisten leiden.

Das Wichtigste in Kürze zu dieser Studie finden Sie am Ende des Artikels.

Aus ergonomischer Sicht ist eine Operation für den ausführenden Chirurgen „ein ziemlicher Schlamassel“, schreiben Dr. Andrew J. Meltzer von der Mayo Clinic in Phoenix, Arizona, und Kollegen in einem aktuellen Beitrag in JAMA Surgery. In ihrer Studie mit 53 Teilnehmern, darunter 19 Frauen, konnten die Forscher nachweisen, dass ein Operateur im Mittel in 65% der Zeit, die er oder sie am Op.-Tisch verbringt, eine für die Halswirbelsäule hochriskante Position einnimmt.

Zur Messung des ergonomischen Risikos wurden bei insgesamt 115 Eingriffen an Stirn, Oberarmen und Oberkörper der Chirurgen Sensoren angebracht, die jede Abweichung von einer neutralen Position (aufrecht mit locker herabhängenden Armen) registrierten. Hochrisikopositionen wurden auf der Grundlage validierter Skalen festgelegt: Als solche galten bspw. ein stark gebeugter Nacken, ein deutlich gekrümmter Rumpf sowie ein über 90° erhobener Arm. Für jeden Eingriff wurde erfasst, wie lange der entsprechende Körperteil in einer solchen ungünstigen Position verharrte.

Halswirbelsäule leidet am meisten

Wie Meltzer und Kollegen berichten, war es die HWS, die am meisten litt, und zwar bei einer Vielzahl von Eingriffen. Zu den in dieser Hinsicht ergonomisch ungünstigsten gehörten plastische Operationen, gefolgt von Eingriffen an Leber und Gallenblase sowie Operationen an Kopf und Hals des Patienten.

Die Rumpfmuskulatur schien am meisten bei orthopädischen und neurochirurgischen Eingriffen betroffen. Der Schulter ­– vor allem der rechten – bereiteten hepatobiliäre und neurochirurgische, aber auch gynäkologische Eingriffe die größten Probleme.

Lupen erhöhen Risiko für schlechte Haltung

Offene Eingriffe schienen generell deutlich ungünstiger zu sein als laparoskopische. Bei Verwendung von Lupen und Stirnlampen stieg das Risiko für eine ergonomisch ungünstige Position noch einmal deutlich.

Wenig überraschend: Bei längerer Op.-Dauer nahmen die Schmerzen der Chirurgen zu, ebenso bei mehr Berufsjahren. Die selbstberichteten Schmerzen waren dabei klar mit dem ergonomischen Risiko assoziiert.

„Ungünstige ergonomische Verhältnisse sind bekanntermaßen eine häufige Ursache für Schmerzen und Behinderung“, warnen Meltzer und sein Team; dies hätten frühere Arbeiten gezeigt. Nicht wenige Kollegen müssten aus solchen Gründen vorzeitig ihren Beruf aufgeben. Mithilfe tragbarer Sensoren, so die Forscher, ließen sich die entsprechenden Risiken möglicherweise frühzeitig erkennen. Es seien nun größere Studien erforderlich, um eine breitere Datenbasis zu schaffen.

Das Wichtigste in Kürze

Frage: Lassen sich tragbare Sensoren dazu nutzen, ergonomische Risikofaktoren im OP zu identifizieren?

Antwort: Dies scheint der Fall zu sein. Am meisten gefährdet war in der Studie die Halswirbelsäule. Lupen und Stirnlampen erhöhten das Risiko, in eine ungünstige Position zu geraten.

Bedeutung: Eine ergonomisch ungünstige Haltung im OP erhöht das Risiko für Schmerzen und Behinderung.

Einschränkung: Geringe Teilnehmerzahl.

Weiterführende Themen

Komplikationen stoppen!

Womit Sie rechnen müssen und was bei chirurgischen Komplikationen hilft.

Bildnachweise